2011-08-07

Predigt über Johannes 6,30-35 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus Johannes 6, die Verse 30-35:

„30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir 

sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? 31 Unsre Väter 

haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht 

(Psalm 78,24): »Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.« 32 Da 

sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose 

hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch 

das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn Gottes Brot ist das, das vom 

Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu 

ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: 

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; 

und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“

 

 

Die oberflächliche Sattheit unserer Gesellschaft

Liebe Gemeinde,

ich glaube, nur die wirklich Alten unter uns können heute 

noch nachempfinden, wie wichtig Brot zur Zeit von Jesus 

und bis ins 20. Jahrhundert war: 

Das Lebensnotwendige, das Grundnahrungsmittel. 

Israel damals hat Wasser, Früchte und Brot gebraucht, 

um nicht zu verhungern. Deshalb sind die Menschenmassen Jesus 

nach dem Brotwunder so begeistert nachgelaufen, in der Hoffnung, 

nie mehr dieses nagende Hungergefühl zu spüren. 

 

Auch heute hat der Staat Israel ein großes Wasser- und damit 

Lebensproblem: Seit bald 10 Jahren hat es viel zu wenig geregnet, 

der Wasserspiegel des See Genezareth liegt fünf Meter tiefer als eigentlich

nötig. Wenn Sie Lust dazu haben, dann kommen Sie doch nächstes

Jahr mit zu unserer Gemeindereise nach Israel - wir starten am See Genezareth, 

an den Orten, an denen sich auch unser Bibelwort für diesen Sonntag 

zugetragen hat ...

 

Ein Wasser- und damit Lebensproblem ...

Bei uns heute ist das anders mit dem Brot. 

Brot ist ein Nahrungsmittel unter vielen. 

Es gibt in Deutschland Brotsorten wie Sand am Meer, es gibt

eine riesige Auswahl. 

 

Und die Aussage, die vor 200 Jahren Marie Antoinette gemacht haben soll, 

gilt heute wirklich für viele: Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie 

doch Kuchen essen. Wir können das: Kuchen statt Brot essen. 

Die meisten von uns haben Hunger nicht mehr am eigenen Leib erfahren. 

Höchstens mal kurz.

Das gilt für viele auch im Hinblick auf den Glauben. 

 

In Süddeutschland kann man hier und dort noch den Eindruck haben, 

dass Gemeinde, christlicher Glaube, noch eine Rolle spielen. 

Aber auch hier ist es so, dass Menschen bewusst wählen. 

Will ich Christ sein? 

Erwarte ich etwas vom Glauben, vom Gott der Christen? 

Gibt es dort etwas, so lebenswichtig wie Brot? 

Auch auf unserer Segelfreizeit, die gestern zu Ende gegangen ist, 

war das für einige unserer jungen Leute ein Thema ...

 

Und wenn ja, gibt es heute für viele die Wahl zwischen mehreren 

Gemeinden und dann zwischen verschiedenen Gottesdienststilen. 

Manche Christen treffen sich nur im Hauskreis und ansonsten bei 

ausgewählten Gottesdiensten. 

Nach außen hin senden sie die Botschaft: Das reicht mir, und es ist meiner 

Vorliebe und meiner Auswahl überlassen, ob ich sonntags überhaupt hingehe. 

Satt werde ich auch so. 

 

Schauen wir in den Osten der Republik: Genau diese Botschaft haben 

schon vor einigen Generationen die Menschen in Vorpommern

ihren Kindern vermittelt. 

Das wurde verstärkt durch vierzig Jahre DDR mit ihrem ausgeprägten 

Druck gegenüber allen, die in die Kirche gegangen sind. 

Und deshalb sind dort heute die Kirchen leer

und die meisten Menschen schon in der dritten oder vierten Generation 

Atheisten. Es gibt eine Menge Menschen, die mit dem Namen »Jesus« 

wirklich gar nichts anfangen können. Ein Pfarrer hat einmal von einem Jugendlichen erzählt, 

der in eine Kirche kam, dort ein Bild von Johann Sebastian Bach sah

und fragte, ob das Jesus sei. 

 

Und erstaunlich ist: Die Menschen dort scheinen nichts zu vermissen. 

Es gibt eine Karikatur, in der zwei junge Leute bei jemandem klingeln 

und sagen: Wir wollten Ihnen mitteilen, dass Jesus auch für Sie gestorben ist. 

Darauf der Mann: Da kommt ihr zu spät, Jungs. 

Der ist für mich schon lange gestorben! 

 

Es sieht also so aus, als träfe dieses Angebot „Jesus“ gar nicht mehr 

den Bedarf der Zeit, auch vielfach in Dennach / Schwann!

Was sagt Jesus da eigentlich? »Ich bin das Brot des Lebens! 

Ich mache Euch satt, stille Euren Lebenshunger. 

Ich stille nicht jeden Wunsch, nicht jeden Appetit auf den Kuchen des Lebens, 

aber ich bin dafür da, dass dieses große Loch im Leben jedes Menschen 

gefüllt wird wie ein leerer Magen sich füllt nach einem anstrengenden 

Arbeitstag.« 

 

Warum trifft das nicht mehr? 

Warum greifen Menschen nicht zu, wenn sie vom Brot des Lebens hören? 

 

Ich glaube, viele sind oberflächlich schon längst satt. 

Satt von allem Kuchen: Den vielen Möglichkeiten, sich zu zerstreuen 

und abzulenken mit Computer und DVDs oder im Verein. 

Satt und quengelig wie kleine Kinder, denen man zu viele Wahlmöglichkeiten 

zumutet und die damit überfordert sind. 

Und dann ist plötzlich nichts mehr gut genug. 

 

Nährstoffe, die nur das Brot des Lebens gibt

Und doch glaube ich, dass sich hinter der oberflächlichen Sattheit 

zwar kein Hungergefühl mehr verbirgt, 

aber eine Fehlernährung, 

ein Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen. 

Was fehlt ohne Jesus, das Brot des Lebens? 

Oder umgekehrt: Was bietet er, was lebenswichtige Nahrung für uns ist? 

 

– Die Gewissheit, dass ich im Tiefsten gewollt und geliebt bin 

von dem, der mich geschaffen hat. 

Viele von uns, vielleicht wir alle, kämpfen manchmal mit Zweifeln daran. 

Ich würde auf Nachfrage sofort antworten: Natürlich, ich weiß es aus der 

Bibel: Gott liebt mich, er will nicht, dass ich ohne Jesus verloren gehe, 

schickt Jesus in die Welt, gerade auch für mich, 

will mir eine Brücke schlagen zurück zum Leben in Gott. 

Aber dann ertappe ich mich dabei, dass ich das gar nicht wirklich Ernst nehme. 

 

Was steckt im Tiefsten dahinter, wenn nicht der Zweifel: 

Vielleicht liebt mich Gott ja, aber will ich das wirklich?

Will ich Jesus wirklich folgen? Ihm gehören?

Nur in Jesus gibt es dieses Brot der Gewissheit, dass ich geliebt bin. 

Und diese Liebe Gottes kommt zu mir, wenn ich Jesus als das Brot des 

Lebens täglich esse, aus ihm lebe. 

Nur dann. 

 

Anderes Beispiel:

Der Nährstoff Selbsterkenntnis. 

Wir Menschen haben die großartige Fähigkeit, uns selbst zu täuschen. 

Ein Beispiel sind Abhängige, Suchtkranke. 

Sie lügen sich selbrt vor, sie könnten jederzeit aufhören. 

Aber im Grunde sind wir alle Selbsttäuscher: Manche machen sich ganz klein, 

um keine Verantwortung übernehmen zu müssen. 

Andere machen sich besser, um nicht ihren eigenen Fehlern ins Auge 

schauen zu müssen. 

Jesus schenkt den Nährstoff Selbsterkenntnis: 

Er zeigt mir, dass ich von Natur aus ein verlorener Sünder bin. 

Ohne Chance auf Heilung, auf Rettung. 

 

Aber wer Jesus, das Brot des Lebens, kennen lernt, ja noch mehr: 

Jesus „isst“, ihn ganz in sich aufnimmt, 

der entdeckt mit großer Freude, dass er zwar ein Sünder ist, 

aber dass Jesus diese Sünde für ihn wegnimmt

und er sich deshalb selber ohne Angst und Verdrängung anschauen kann. 

 

Damit ist schon gesagt, dess es bei Jesus den Nährstoff Vergebung gibt.

Den bietet von allen Religionen nur Jesus Christus. 

Und der ist lebenswichtig. 

Wer nicht weiß, dass er Vergebung braucht und sie bei Jesus bekommt, 

der kann eigentlich nur in ständigem Selbstbetrug leben 

und anderen Theater vorspielen. 

Aber wem vergeben ist, der kann auch anderen vergeben. 

Er kann sagen: Du hast dich falsch verhalten. 

Aber letztlich bin auch ich nicht besser als du. 

können wir uns in die Augen schauen und einander vergeben

und neu anfangen. 

 

Und da ist der Nährstoff Hoffnung: 

Es ist auffallend, dass die wirklich großen Kriege, bei denen Millionen 

von Menschen gestorben sind, erst im 20. Jahrhundert passiert sind. 

Das wird zum Einen am großen kriegstechnischen „Fortschritt“ liegen.

Aber es ist anderer Seits auch kein Zufall, dass diese Kriege mit dem 

Zusammenbruch des Glaubens an Gott und der Hoffnung auf ihn 

zusammengefallen sind.

 

Dieser Glaube war ja weithin schon im 19. Jahrhundert am Boden 

und das nicht erst mit dem III. Reich. Schon länger davor. 

Es ist auffallend, wie viel praktischen Atheismus man schon in 

der klassischen Literatur jener Zeit findet. 

Und in so manchen Gesangbüchern des 19. Jahrhunderts hat es 

kein einziges Lied über die Auferstehung mehr gegeben, 

weil man den Leuten so ein »Märchen« nicht zumuten wollte. 

 

Stattdessen glaubte man an die Ideale der französischen Revolution 

und feierte die neue Göttin »Vernunft«. 

In der russischen Revolution an das Gute im „Arbeiter und Bauern“

und unter den Nazis ging es höchstens noch um den angepassten 

„deutschen“ Gott, um Vorsehung und das Schicksal. 

Jesus, das „Brot des Lebens“!? Komplett Fehlanzeige!

 

Und die Hoffnung hat die Herzen der Menschen verlassen, 

weil der Mensch sehr wohl merkte, dass seine ganze Vernunft die Welt 

eben doch nicht verbesserte, dass der Kommunismus eine Mangel-

wirtschaft war und kein einziger der großen Kriege verhindert werden konnte. 

 

Nährstoff Hoffnung, liebe Gemeinde, liebe Konfis,

den gibt es nur bei Jesus, dem Brot des Lebens. 

 

Er ist vom Tod auferstanden – wer das für ein Märchen hält, 

sollte sich doch mal die Mühe machen, die geschichtlichen Argumente dafür 

wirklich unvoreingenommen zu betrachten. 

Und weil er sogar den Tod, die völlige Hoffnungslosigkeit besiegt hat, 

habe ich immer wieder Hoffnung, dass bei ihm nichts unmöglich ist, 

was uns Menschen unmöglich scheint. 

Dass er auch Menschen verändern kann, 

bei denen in unseren Augen alles zu spät ist. 

Dass selbst der Tod keine undurchdringliche Mauer mehr ist, 

sondern dahinter das ewige Leben in Gottes Gegenwart aufleuchtet: 

Nährstoff Hoffnung im Brot des Lebens, in Jesus!

 

Das sind Nährstoffe, die wir in unserer Gesellschaft nicht mehr bekommen. 

Die gibt es nur bei Ihm, dem Brot des Lebens. 

 

 

Warum regelmäßige Ernährung?

Brot mit ausgewogenen Nährstoffen braucht man immer wieder. 

Man kann sich nicht so voll stopfen, dass es für den Rest des Lebens reicht. 

Es will ja auch im Körper umgesetzt werden, 

will Energie geben für die Aufgaben, zu denen wir berufen sind. 

Sonst geht‘s ungebremst auf die Hüfte und erzeugt geistlichen Speck, 

der wiederum müde und träge macht. 

 

Das Brot des Lebens brauchen wir immer wieder neu.  

Jesus hat das gewusst und deshalb fordert er uns auf, dass wir von 

ihm regelmäßig Wegzehrung, neue Nahrung aufnehmen: 

Selbsterkenntnis, Vergebung, Liebe, Hoffnung, Gemeinschaft. 

 

Klar, viele Menschen gehen nie zum Gottesdienst, 

geschweige denn zum Abendmahl und leben prima vom Kuchen, 

den unsere Zeit uns anbietet. 

 

Den Hunger nach Brot des Lebens haben sie schon vergessen 

oder können ihn nicht mehr deuten. 

Aber der Nährstoffmangel ist überall in unserer Gesellschaft, 

in unseren Orten und Häusern sichtbar. 

Und er nimmt zu. 

 

Deshalb lasst uns, die wir zum Gottesdienst kommen, die wir vielleicht schon 

regelmäßig in der Bibel (im Wort Gottes) lesen und den Tag mit Gebet beginnen,

uns neu ausrüsten mit Nährstoffen vom „Brot des Lebens“. 

 

Und dann gilt es, diese Nährstoffe weiter zu geben. 

Es gibt den schönen Spruch: Christen sind Bettler, genau wie alle anderen 

Menschen. Aber sie sind die Bettler, die wissen, wo es Brot gibt. 

Das einzigartige Brot, gesundes Brot, lebensrettendes Brot - Jesus!

 

Lasst uns nicht aufhören, andere auf dieses Brot hinzuweisen. 

Nicht jeder von uns hat heute die Gabe, im persönlichen Gespräch 

davon zu reden. 

Aber schon sonntags in den Gottesdienst zu gehen,

seine Kinder, vielleicht Enkel und auch Nachbarskinder mitzunehmen

zum Kindergottesdienst,  

ist schon ein kleiner Fingerzeig: Da gibt es was zu holen! 

Das ist für mich wichtiger als sonntags bis 9/10 Uhr zu schlafen und dann gemütlich zu frühstücken. 

 

Umgekehrt: Je mehr Leute nicht mehr gehen und ihre Kinder nicht mehr bringen, weil ihnen die Musik oder Liturgie oder sonst was nicht gefällt: Desto mehr wird dieses Brot des Lebens vergessen, 

wird zum beliebigen Nahrungsmittel, 

das man auch mit Kuchen ersetzen kann.  

 

Deshalb: Lasst uns die richtige Wahl treffen: Jesus und was er Tag für 

Tag, Woche für Woche, Sonntag für Sonntag, gibt. 

Auch wenn der Kuchen manchmal lockt. 

Schon um der anderen willen, die das Brot des Lebens brauchen, 

aber nichts davon wissen und erwarten. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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