2011-06-26

Predigt über Johannes 5,37-49 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören als Wort Gottes für diesen Sonntag einen Abschnitt aus dem Johannesevangelium, Kapitel 5, die Verse 39-47„Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin. Und sie ist‘s, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen; aber ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die vom alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht? Ihr sollt nicht meinen, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt: Mose, auf den ihr hofft. Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Schriften glauben?

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

 

1. Die Bibel hat‘s „in sich“!

„Da wird auch dein Herz sein!“ - Unter diesem Motto stand der diejährige

Kirchentag in Dresden. 

„Da wird auch dein Herz sein!“, das ist ein Wort aus der Bibel (Mt 6,21). 

Überhaupt waren die letzten 60 Jahre Kirchentagslosungen auf den 

Originalton der Bibel gestimmt, auch wenn sie manchmal ziemlich 

verkürzt dastanden: „Lebendig und kräftig und schärfer“ (2007), 

„Wenn dich dein Kind fragt“ (2005), „Ihr sollt ein Segen sein“ (2003), 

„Ihr seid das Salz der Erde“ (1999), „Nehmt einander an“ (1993) oder

„Gott befreit zum Leben“ (1991) ...

 

Zwar haben Texter immer wieder versucht, was Zeitgemäßeres zu finden

als ein Bibelwort: Etwas, was mehr „hipp“ ist, moderner, packender. 

Aber dann hat sich gezeigt: Bis in den Wortlaut hinein ist die Bibel 

besser, elementarer, überzeugender, ja sogar aktueller. 

 

Die Bibel steckt voller eigenartiger Kraft. 

Sie vibriert vor Lebendigkeit. 

Das haben die frommen Zeitgenossen von Jesus gewusst, 

wahrscheinlich besser noch als wir heute.

Die haben ernst genommen, was auch wir immer wieder mit Psalm 1

im Gottesdienst beten: Wer über dem Wort Gottes nachdenkt Tag und Nacht, 

„der ist wie ein Baum, geplanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt

zu seiner Zeit, seine Blätter verwelken nicht; was er macht, gerät wohl.“

 

Leo Baeck, ein großer deutscher Rabbiner, hat es so gefasst: „In Israel 

wurde die Schrift zu etwas, was weit mehr war als ein Buch; Es wurde 

zu einer kosmischen Kraft. Alles Leben und alle wahre Gestaltung des

Lebens hatte ihren Ursprung in der Schrift.“

 

Die Bibel hat‘s in sich!

Das ist der Grund, warum wir‘s in unseren Gottesdiensten immer mit 

der Bibel haben! Das hat nichts mit Gedankenlosigkeit zu tun. 

Wir wissen schon, dass es viele schlaue Themen gibt, über die es sich 

lohnt nachzudenken, genug ungelöste Probleme, die wir uns hier im 

Gottesdienst bewusst machen könnten.

 

Aber mehr als das alles kann die Bibel „bringen“!

Auch in unserem Land ist immer dann - belebend - eine sonst gar nicht

vorhandene Kraft hineingeströmt, wenn Menschen die Bibel ernst genommen 

haben. Wirklich: „Die Bibel ist mehr als ein Buch, sie ist voll kosmischer Kraft“, 

„Sie hat‘s in sich“!

 

Deshalb lassen wir uns nicht drausbringen von Leuten, 

die an der Bibel herumdoktern, die dies und jenes finden, was ihnen nicht 

passt ...

Schon das Alte Testament für sich genommen, für Jesus damals „die Schrift“,

kann ungeheuer direkt in mein und dein Leben, auch das Leben eines 

ganzen Landes, hinein reden!

 

Warum? Weil der lebendige Gott das Wort seiner Boten bis heute als 

eine Art Membrane benutzt, die er durch seinen Geist heute so zum 

Schwingen bringt, dass wir seine Anrede verstehen. 

Unser Gewissen kann so geweckt werden, dass wir merken: 

Wer ein gutes Gewissen hat, der hat keines!

Durch die Psalmen kann es über mich kommen: „Du, Gott, bist meines

Lebens Kraft!“

Durch die Berichte, wie Gott Menschen und ganz Israel geführt hat, 

können wir plötzlich auch für unser Leben den großen Rahmen entdecken. 

 

Deshalb ermutigt Jesus: Ihr, die ihr in der Schrift sucht, sucht richtig!

Eure Erwartung ist nicht zu hoch gesteckt, wenn ihr meint, darin das Leben 

zu finden - Leben, das sich lohnt, mit neuem Elan, Leben aus Gottes Kraft.

Aber das „ewige Leben“, das ihr sucht, das ist noch Mal was ganz Anderes!

Das kann allein ich euch geben: Ich, auf den die Schrift hinweist!

So ist der verdichtete Satz von Jesus gemeint: „Ihr sucht in der Schrift, 

denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist es, die von 

mir zeugt.“

 

Daran angeschlossen noch der ernste Satz von Jesus: „Aber ihr wollt nicht

zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“

 

Das tut Jesus weh, wenn wir bei aller Freude über die Bibel

und mit all unserem Ernstnehmen der Bibel auf halbem Weg stehen bleiben. 

Er lädt ein: Findet doch durch die Bibel zu mir!

Ich bin das Leben in Person!

„Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben!“ (Joh 6,47).

 

 

2. Jesus Christus „hat‘s in sich“!

In den Evangelien der Bibel kommt eine interessante Begebenheit vor: 

Petrus, Johannes und Jakobus waren die Augenzeugen, 

als Jesus oben auf einer einsamen Bergkuppe eingehüllt war in eine

gleißende Herrlichkeit, in einen Glanz Gottes, der mit nichts Bekanntem 

vergleichbar war. 

So sieht eben die unvergleichliche „Ehre“ aus, die vom alleinigen Gott kommt. 

 

Und Petrus stammelt: Herr, da gehen wir nicht mehr weg! Da bleiben wir, 

besser kriegen wir‘s nirgends! - Aber dann kamen da die Worte aus der

Herrlichkeit Gottes zu hören: „Das ist mein auserwählter Sohn, 

den sollt ihr hören!“

 

Seit diesem Ereignis haben die Nachfolger von Jesus eindeutig gewusst:

Wenn überhaupt einer für Gott und für uns wichtig ist, dann dieser Jesus!

Gott hat ihm unvergleichliche Ehre zugedacht. 

Er redet nicht in seinem eigenen Namen zu uns, sondern im Auftrag Gottes!

Er kann auf das Ansehen und die Ehre der Menschen verzichten, 

weil über ihm die Ehre und die Bestätigung ist, 

die vom alleinigen Gott kommt!

 

Wenn ich mich auch nur ein bisschen im Alten Testament der Bibel auskenne, 

dann merke ich: Damals hat Gott eine Brücke geschlagen von Mose zu Jesus. 

Mose hat dem Volk Israel angekündigt: „Einen Propheten wie mich wird 

Gott dir erwecken aus dir und deinen Brüdern, dem sollt ihr gehorchen“ 

5. Mose 18,15). 

Israel hat auf diesen hier angekündigten „Propheten wie Mose“ gehofft, 

deshalb macht Jesus klar: Schaut her, „ich bin‘s!“ (1)

„Würdet ihr Mose glauben, würdet ihr auch mir glauben - denn er hat 

von mir geschrieben!“

 

Mit Jesus, dem auserwählten Sohn, ist uns also mehr gegeben

als mit dem ganzen großartigen Alten Testament. 

Das Alte Testament bringt uns gewissermaßen auf den Geschmack, 

es weckt unser Gewissen, setzt Maßstäbe, lädt zum Vertrauen auf Gott ein, 

es lässt Tiefendimensionen der Welt und unseres Menschseins erkennen. 

 

Aber das Alte Testament führt uns auch zum Verzweifeln: „Wollen habe

ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht! ... Ich elender Mensch,

wer wird mich erlösen?“ (2)

Gerade dann, wenn wir das Alte Testament wirklich ernst nehmen, 

sehnen wir uns nach dem Erlöser mit geradezu „kosmischer Kraft“. 

 

Jesus allein hat es so „in sich“, 

dass er uns frei macht von allem, was uns mehr versklavt als uns lieb ist. 

Er kann uns erlösen von dem, was wir doch gar nicht tun wollen!

Zu diesem Jesus kann man „kommen“, wenn man nur will. 

 

Wir sind mit Jesus verbunden, wenn wir seinen Namen betend anrufen, 

wenn wir uns Impulse von ihm geben lassen, 

wenn er uns bis in das Empfinden hinein prägen darf. 

 

Wer Jesus ist und was er kann, davon erfahren wir verlässlich im 

Alten und im Neuen Testament. 

Was Verbundenheit mit Jesus ist, wie sie aussieht, wo sie auf‘s Spiel 

gesetzt wird und wie sie neu gewonnen werden kann, 

das steht anschaulich im Neuen Testament. 

 

Weil wir aber mitten in einer Welt leben, 

in der Jesus tatsächlich immer seltener ernst genommen wird, 

deshalb haben wir‘s in der Christenheit „immer mit der Bibel“. 

Sie ist das Hilfsmittel Gottes dazu, 

dass wir „zu Jesus kommen“, 

dass wir Jesus wirklich „haben“ - und in ihm auch das „ewige Leben“. 

 

 

3. Noch einmal: Jesus hat‘s „in sich“!

Einen besonderen Ton in unserem heutigen Bibelabschnitt sollten 

wir nicht überhören: Jesus ringt um Zweifler!

Damals, so steht es hier, haben fromme Zeitgenossen ihre verständlichen 

Anfragen an Jesus gehabt: 

    • Maßt er sich nicht selber an, etwas zu sein?
    • Muss man denn wirklich zu ihm kommen?
    • Reicht es denn nicht, die Bibel als den Leitfaden zu einem gelingenden Leben zu haben?

 

Jesus hat sie nicht einfach überheblich stehen lassen. 

Er hat sie nicht auf der Seite liegen lassen, sondern wirklich um sie gerungen: 

„Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir, denn er hat von mir 

geschrieben.“

Jesus ist auf den Vorwurf eingegangen, er stelle sich selber groß raus, 

ohne dass jemand anderes für ihn unterstützend einträte. 

Seine Antwort ist: „Ich nehme nicht Ehre von Menschen; ich bin gekommen

in meines Vaters Namen“. 

 

Jesus wirbt auch heute so um zweifelnde Menschen, 

wie er es damals getan hat.

Schon damals, das berichtet die Bibel ganz ehrlich, gab es sogar 

Nachfolger von Jesus, die mit dem gekreuzigten Jesus nichts anfangen

konnten. 

Sie haben darauf gesetzt, dass Jesus der Erlöser ist. 

Aber jetzt hat man ihn umgebracht: „Aus die Maus!“ - Aus war es mit 

all ihrem Hoffen. 

 

Bis Jesus (dass er, der Auferstandene, bei ihnen war, das Alte Testament

erklärte, ihre Herzen zu „brennen“ angefangen haben, das merkten sie 

noch gar nicht!), bis sie anfingen zu begreifen: 

Gott erhöht den, der sich erniedrigen lässt. 

Der Plan Gottes wird durch die Hand der Allerverachtetsten ausgeführt. 

Wo Menschen planten, es böse zu machen, da hat Gott alles 

mehr als gut gemacht. 

Was Gott damals dem Abraham nicht zugemutet hat, nämlich seinen 

einzigen Sohn zu opfern, das hat Gott sich selber zugemutet. 

Gerade Verstoßene will Gott zu seinen auserwählten Erlösten machen!

 

Auch heute ringt Jesus - wie damals - um Leute, 

denen die Bibel mit all ihren Ermahnungen und den vielen Trostworten 

ausreicht, die aber mit Jesus selber nicht viel anfangen können. 

Wir können sein Wort bis heute als Aufruf verstehen:

„Sucht in der Bibel ..., sie ist es, die von mir zeugt!“

Gottes Handeln zum Heil ist geradlinig!

Eine Gerade, das haben wir in Mathe gelernt und so setzen wir 

das es ganz praktisch z. B. in unserer Hobby-Werkstatt um, 

ist bestimmt durch zwei Punkte. 

 

Das geradlinige Handeln des großen Gottes unser Bibel 

verbindet nicht mahnende und tröstliche der Schrift mit unserer Situation, 

sondern es verbindet die prophetischen Worte des Alten Testaments 

mit Jesus. 

Diese Gerade können wir ausziehen bis hin zu uns!

Aber wenn wir Jesus aussparen wollen, dann gibt es eine 

wacklige Kritzelei und ein unzuverlässiges Herumkurven. 

 

Gott hat für uns aber viel mehr bereit gestellt als das, 

was wir aus der Bibel an Impulsen und Besinnlichem, an Mahnungen 

und Trost herauspicken können. 

Wir sind eingeladen, noch viel enger als bisher mit dem Jesus 

verbunden zu sein, über dem Gottes strahlendes Wohlwollen liegt. 

 

In dieses Wohlwollen Gottes können wir hinein geborgen werden bei Jesus. 

Wir können durch den Jesus, der uns sucht, hinfinden zu der „Ehre, die

vom alleinigen Gott kommt“. 

 

Damals hat Jesus um Menschen gerungen, 

die hoch gedacht haben von ihrer Bibel, dem Alten Testament. 

Wir heute wären nicht hier, wenn wir nicht auch irgendwas Hilfreiches vom 

Wort Gottes erwarten würden. 

Aber gerade um solche Leute ringt Jesus, 

die in der Bibel suchen, von der Bibel was erwarten

und auf das wahre Leben aus sind. 

Denn das Vertrauen in die Bibel darf kein Schlummerkissen sein. 

 

Wir haben‘s immer mit der Bibel, weil sie uns wacher machen will

für den Ruf von Jesus: „Komm doch zu mir!“

„Wer mich, den Sohn Gottes hat, der hat das Leben!“

Amen

 

Anmerkungen:

  1. vgl. Joh 8,24 und die „Ich-bin-Worte“ von Jesus
  2. vgl. Röm 7

(Wichtige Gedanken zu dieser Predigt verdanke ich Prälat a. d. Rolf Scheffbuch)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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