2011-06-19

Predigt über Jesaja 6,1-13 / Pfarrer Wigant Kummer, Straubenhardt

Wir hören den Predigttext aus Jesaja 6,1-13:

1 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. 2 Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. 3 Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! 4 Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch. 5 Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen. 6 Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, 7 und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei. 8 Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich! 9 Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet's nicht; sehet und merket's nicht! 10 Verstocke das Herz dieses Volks und lass ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, dass sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen. 11 Ich aber sprach: Herr, wie lange? Er sprach: Bis die Städte wüst werden, ohne Einwohner, und die Häuser ohne Menschen und das Feld ganz wüst daliegt. 12 Denn der HERR wird die Menschen weit wegtun, sodass das Land sehr verlassen sein wird. 13 Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals verheert werden, doch wie bei einer Eiche und Linde, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein.“

 

 

 

Liebe Gemeinde! Heilig, heilig, heilig, ist der Herr Zebaoth, heilig ist der Herr der Heerscharen, so preisen den Herrn die feurigen Fürsten dieser Heerscharen, so  preisen ihn die Seraphim,  weil sie ihn erkennen als den drei mal heiligen Gott, als den einen Gott in drei Personen oder, um es theologisch zu sagen: als den dreieinigen Gott.  Die Einheit der drei göttlichen Personen erweist sich vor allem darin, dass sie ihre vollkommenen göttlichen Eigenschaften gemeinsam haben und dem entsprechend auch alles gemeinsam tun. Unser Glaubensbekenntnis preist zwar den Vater als Schöpfer, und Luthers Erklärung preist den Sohn mit Recht als Erlöser,  denn nur er  hat  ja unsere Menschennatur anzogen, um für uns zu leiden und zu sterben, aber seine göttliche Natur die blieb dabei dem Vater ganz gleich,  so dass wir singen dürfen: Gleicher Macht und gleicher Ehren sitzt er unter lichten Chören über allen Cherubim.  Die Unterschiede zwischen  den drei göttlichen Personen, liegen  allein darin, dass der Sohn vor aller Zeit vom Vater geboren ist und  dass der Heilige Geist  ständig  von beiden ausgeht.    Darum preisen und loben wir heute  durch Lied und Gebet den Herrn als dreieinigen Gott. Denn wie die  Seraphim ihn schauten, so schaute und erlebte ihn auch der Prophet Jesaja und so dürfen auch wir ihn heute wieder neu von ihm kennen lernen. Wir dürfen ihn kennen und ehren in seiner Herrlichkeit,  in seiner Heiligkeit und in seiner Barmherzigkeit.  Zunächst bringt uns die Vision  des Propheten die göttliche Herrlichkeit nahe,  und zwar auf eine dreifache Art und Weise,  nämlich  1. an  dem herrlichen Thron,  2. an dem herrlichen Gewand und  3. schließlich an dem Lobpreis seiner Herrlichkeit durch Engelmund.  Den ersten Eindruck von seiner Herrlichkeit  bekommen wir durch seinen herrlichen Thron. Wir erfahren hier von Jesaja: „Ich sah den  Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron.“  Nun  ist das Sitzen auf einem Thron zwar ein körperliches Verhalten, während Gott  doch eigentlich ein allmächtiger und allgegenwärtiger Geist ist, der keines Thrones bedarf.  Jesus selbst sagt: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Aber wenn Gott für uns nicht zu einem Nichts werden soll, dann müssen wir uns von ihm ja eine Vorstellung machen können, und darum hat Gott dem Propheten hier Unsichtbares sichtbar gemacht.  Er hat ihm Bilder gezeigt, die seinem wirklichen Wesen und auch dem der himmlischen Welt entsprechen. Was aber Gott selbst uns  an die Hand gibt, das dürfen und sollen wir unserer Vorstellung auch  aneignen, sei es nun ein  geschautes oder ein  gehörtes bzw. gelesenes Bild.  Es darf auch ohne Sünde gemalt werden, nur die Anbetung ist durch das 1. Gebot untersagt. Als dem ersten christlichen Märtyrer Stephanus von den Feinden Jesu eine Lästerung des Tempels vorgeworfen wurde, da antwortete er ihnen mit einem  Bildwort, das Gott ebenfalls dem Propheten Jesaja gab, und  dieses Bildwort lautete: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde meiner Füße Schemel!“    Damit aber ist uns m. E. eine Antwort gegeben auf die oft gestellte Frage:  „Hat Jesaja den Thron Gottes im Himmel oder hat er ihn im irdischen Tempel geschaut?“   Im Tempel sicher nicht,  denn der göttliche Thron im Tempel war der Deckel der Bundeslade mit den goldenen Cheruben, und der war nicht hoch und erhaben, sondern flach.  Im 2. Chronikbuch wird auch er wie die Erde als Gottes Fußschemel bezeichnet. Der von Jesaja geschaute Thron  stand aber auch nicht im Himmel, sondern er war offensichtlich selber ein Abbild des hohen Himmels, da doch Gott selbst den Himmel seinen Thron nennt. Der sichtbare Himmel aber ist  seinerseits ein Abbild der Herrlichkeit Gottes.  Und das gilt auch für die gesamte übrige Schöpfung. Darum schaut Jesaja den thronenden in einem herrlichen Gewand, das bis auf die Erde reicht und dessen Saum den ganzen Tempel füllt.  Dieses Gewand ist offensichtlich ein Gleichnis für  die herrliche Schöpfung, mit der er sich umgibt, ohne in ihr aufzugehen. David betet ihn darum an: „Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich, du bist schön und prächtig geschmückt! Licht ist dein Kleid, das du anhast.“ Der ganze Psalm  preist die Werke der Schöpfung in ihrer Vielfalt und Herrlichkeit. Und dem entspricht nun auch der Gesang der Seraphim, der die Herrlichkeit Gottes ebenfalls an der Herrlichkeit der Schöpfung zeigen will:  „Alle Lande sind seiner Ehre voll!“, so singen sie,  und  Ehre ist ja nur ein anderes Wort für Herrlichkeit.  Im NT heißt beides  Doxa, im alten beides Kabod. Auch der Römerbrief des Apostels Paulus will uns die Augen dafür öffnen, dass wir in den Werken der Schöpfung etwas von der Herrlichkeit Gottes erkennen und  den Schöpfer darum auch als einen herrlichen Gott ehren sollen.  Schwere Sünden wie Götzendienst und homosexuelle Verfehlungen sieht der Apostel als eine  gerichtliche Folge davon, dass die Menschen  das versäumt haben.  Die Schilderung des Propheten kann und will uns vor diesem Versäumnis und damit auch vor  Gottes Gericht bewahren. Sie stellt uns die anbetungswürdige Herrlichkeit Gottes vor Augen. Sie zeigt uns aber nicht nur  seine Herrlichkeit, sie zeigt  uns  2. auch  seine Heiligkeit. Und auch diese wird uns wieder auf eine dreifache Art und Weise nahe gebracht: nämlich 1. durch den Ruf und das Verhalten der Engel,  2. durch den Ruf und das Verhalten des Propheten und  3. durch den Ruf und das Verhalten Gottes. Zunächst geschieht es durch den Ruf und das Verhalten der Engel.  Ihr Ruf preist die Heiligkeit Gottes noch vor seiner Ehre und er preist sie sogar gleich dreimal: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth!“ Heilig nämlich ist er insofern, als er völlig rein und ohne Makel ist und darum nichts Unheiliges und Unreines in seiner Nähe dulden kann. Nicht umsonst werden die Engel hier Seraphim genannt, das heißt auf deutsch Verbrenner. Sie stehen im Dienste dessen,  der für Unheilige ein verzehrendes Feuer ist, und ihr dreifacher Ruf scheint nicht nur ein Lobpreis, sondern auch eine Begründung ihres Auftrages zu sein, denn oft lässt Gott schwere Gerichte durch Engel vollziehen. wie z. B. die Verbrennung von Sodom und Gomorrha. Ihr Ruf hüllt den heiligen Gott in Rauch, um den Anblick seiner Herrlichkeit unheiligen Blicken zu entziehen. Sogar sie selber bedecken ihr Angesicht mit Flügeln,  um ihn nicht zu sehen, obwohl sie ja nicht so unheilig sind wie wir sündigen Menschen. Trotzdem halten sie es für nötig, mit ihren Flügeln auch die nackten Beine zu bedecken.  Sie wollen uns offenbar zeigen, dass man sich zu Gottesdienst und Gebet in anständiger Kleidung Gott nahen soll.  Mit den andern Flügeln fliegen sie, weil sie dem heiligen Gott nicht aufs Gewand treten wollen,  das ja  den ganzen Boden ausfüllte. Kurz gesagt: Mit ihrem ganzen Verhalten preisen sie Gottes Heiligkeit, und Jesaja bekommt einen  so starken Eindruck von ihr, dass er ausrufen muss: „Weh mir ich vergehe, denn ich bin  unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen  und habe doch den Herrn Zebaoth gesehen!“ Er hat gewagt, was nicht einmal die Engel wagten. Der Rauch kam zu spät und darum glaubt er zu sterben. Das Beben der Schwellen, das ebenfalls durch den Ruf der Engel ausgelöst wird, scheint denn auch als göttliches Gericht ein Erdbeben anzukündigen. Der Eindruck den Jesaja von Gottes Heiligkeit bekommt,  ist  keinesfalls neurotisch, sondern er ist  der Wirklichkeit Gottes gegenüber durchaus angemessen.   Denn auch die nun folgenden Gottesworte geben ein deutliches Zeugnis von seiner  Heiligkeit, die unbelehrbare Sünder unerbittlich straft. Gott gibt sie dahin, dass sie  an ihre Sünde gebunden bleiben und so reif werden für sein Gericht. Jesaja bekommt einen Verstockungsauftrag. Gott ruft ihm zu: Geh hin und sprich zu diesem Volk: „Höret und verstehet’s nicht, sehet und merket’s nicht! Verstocke das Herz dieses Volkes und lass ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, dass sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören noch verstehen mit dem Herzen und sich nicht bekehren und genesen.“ L. G., da müssen wir doch erschrecken, wenn wir das lesen. Gott selber verhindert die Bekehrung, weil das Volk sich nicht zu rechter Zeit bekehrt hat.  Und als der Prophet fragt, wie lange dieser Zustand dauern soll, da bekommt er das ganze Ausmaß des Gerichtes zu hören: Städte wüst und ohne Einwohner, Häuser wüst und ohne Menschen, Felder wüst und ohne Frucht! Das Volk soll verbannt werden und nicht einmal der 10. Teil im Land bleiben. Und danach soll es noch einmal verwüstet werden. Erfüllt hat sich dies schreckliche Geschick zuerst durch die babylonische Gefangenschaft und dann durch die  Verwüstungen vonseiten der Römer. Die Verstockung aber hält bis zum heutigen Tag noch an: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth!  Und es wäre  übel um uns bestellt, wenn er sich nicht  3. auch als einen barmherzigen Gott bekunden würde. Seine Gerichte sind, mit Luther zu reden, ein fremdes Werk. Gott sei Lob und Dank, dass die Liebe und die Barmherzigkeit sein eigentliches Wesen ist. Das sollte uns  bereits die  Herrlichkeit seiner Schöpfung zeigen, die ja uns zugute kommt. Unser Text aber zeigt  seine Barmherzigkeit wieder auf eine dreifache Weise, nämlich zuerst an dem Propheten selbst, dann auch an seinem Volk, trotz der schweren Gerichte -  und schließlich auch an der Welt. Zuerst zeigt sie sich an dem Propheten selbst. Auch er ist ja wie jeder von uns mit einem sündigen Herzen empfangen und geboren, und als er wegen der Unreinheit  seiner Lippen um sein Leben bangt, da fliegt einer der Feuerengel zu ihm und berührt seine Lippen mit einer glühenden Kohle vom goldenen Räucheraltar, der vor dem göttlichen Fußschemel im Tempel von Jerusalem stand. Wir wundern uns, dass der Prophet nicht vor Schmerzen aufschreit, da doch selbst der Engel die Kohle nur mit einer  zum Altar gehörigen Feuerzangen anfasst. Jesaja aber verspürt offenbar keinerlei Schmerz, den soll 800 Jahre später ein anderer an seiner Statt spüren.   Statt Schmerzes verspürt er vielmehr Erleichterung, denn  es wird ihm die Vergebung seiner Sünden zugesprochen. Der Engel sagt zu ihm: Siehe hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei. Der Prophet hat durch die heiße Berührung denn auch keinerlei Behinderung im Sprechen erfahren, ganz im Gegenteil: jetzt kann er offenbar besser reden als vorher. Er fühlt sich jetzt im Stande Gottes Bote zu sein.  Gott fragt: „Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?“ Und sofort antwortet Jesaja: „Hier bin ich, sende mich!“ Hier aber muss nun auffallen, dass die erste Frage in der Einzahl  formuliert ist– „Wen soll ich senden?“,  die zweite in der Mehrzahl: „Wer will unser Bote sein?“  Daran  muss  schon Jesaja deutlich  gemerkt haben, dass der Sendende nicht nur in seinem Namen spricht, sondern im Namen einer göttlichen Mehrheit, eben im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, wie Jesus später bei der Aussendung der Jünger. Und wenn wir jetzt fragen,  welche der göttlichen Personen denn mit ihm geredet hat, dann gibt uns die Antwort darauf der Apostel Johannes. Im 12.Kapitel seines Evangeliums bezieht er die von Jesaja geschaute Erscheinung eindeutig auf die Herrlichkeit des Gottessohnes,  auf die zweite Person der göttlichen Dreieinigkeit, die sich als Mensch hat schauen lassen, die für uns als Mensch gelitten hat, und die als Mensch für unsere Sünden gestorben ist.  Und damit wird nun auch klar, was die glühenden Kohlen auf dem Räucheraltar bedeuten und warum sie dem Propheten nicht die Lippen verbrannt, sondern gereinigt haben.  Die rot glühenden Kohlen, die er in der Vision geschaut hat,  waren eine alttestamentliche  Vorabbildung des Blutes Jesu Christi und der stammförmige goldene Räucheraltar war eine Vorabbildung des Kreuzes, an dem er es für uns vergossen  hat, um unsere Schuld zu sühnen. Ein anderes Sühnemittel für unsere Schuld gibt es nicht, es kann also  nichts anderes gemeint sein.  Johannes schreibt in seinem ersten Brief: Wenn wir im Licht wandeln, wenn wir also unsere Schuld  nicht vor uns selbst und vor Gott im Dunkeln halten, dann haben wir Gemeinschaft untereinander und das Blut Jesu Christi macht uns rein von aller Sünde. Die Heiligkeit Gottes wird dann von seiner Barmherzigkeit verschlungen, eben das zeigt  sich daran, dass die glühende Kohle den Mund des Propheten nicht verletzt, sondern reinigt. Und diese Barmherzigkeit Gottes, die gilt nicht nur ihm, sie gilt auch dem übrig bleibenden Baumstumpf des Volkes, nämlich den ersten Jüngern Jesu. Die wurden durch seine Predigt nicht verstockt sondern bekehrt und so zu einem heiligen Samen für alle Völker, denen sie das Evangelium predigten. Und dadurch gilt nun die Barmherzigkeit Gottes schließlich auch der ganzen Welt, sie gilt auch uns,  denn schon dem Vater  seines Volkes, dem Erzvater Abraham hat Gott die Verheißung gegeben: „Durch deinen Samen durch Jesus und seine Boten sollen alle Völker auf Erden  gesegnet werden. Darum segne durch die frohe Botschaft von Jesus Christus auch uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen




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