2011-05-15

Predigt über Johannes 16,16.20-23a / Pfarrer Friedhelm Bühner

Was für eine Begeisterung in den eigenen Reihen war das diese Woche, 
als Winfried Kretschmann zum ersten grünen Ministerpräsidenten
Deutschlands gewählt worden ist durch den Landtag von Baden-Württemberg!
Als klar war, dass es keine „Abweichler“ in den eigenen Reihen gab, 
sondern sogar zwei Stimmen aus der Opposition gekommen sind, 
da hat sich dieser Winfried Kretschmann vor Kamerateams 
kaum mehr retten können und in der Grünen-Fraktion war man 
außer sich vor Freude: Sie haben es geschafft!
Überschwängliche Freude ...

 

Oder gestern Abend: Der Eurovision Song Contest ...

Nach vielen schrillen und krassen Auftritten, da brandete der Jubel auf

von Nikki und Ell aus Aserbaidschan, völligen Außenseitern, 

wer hätte das gedacht ...

Jubel über Jubel. 

 

Der heutige Sonntag heißt „Jubilate“ - „jubelt, jauchzt!“

Wir werden aufgefordert, Gott zuzujubeln, 

uns zu freuen über seine große Machttat, dass er Jesus von den Toten

auferweckt hat: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

Halleljuja!“

 

Aber was ist, wenn uns ganz und gar nicht - zum Jubeln und zum Freuen - 

zumute ist?

Wenn es keinen Grund zur Freude gibt? Was dann?

 

Ja, dann ist der Aufruf „jubelt!“ eine Überforderung. 

Weil man Freude nicht befehlen kann, 

weil es einen Anlass braucht um sich zu freuen, 

weil Freude von innen heraus kommen muss, 

wenn sie nicht Show oder Krampf sein soll. 

 

Wir hören jetzt Gottes Wort für diesen Sonntag aus Johannes 16, 

Vers 16 und 20-23a, in dem des um Freude und Trauer geht - 

und noch wichtiger: Was der Freude zum Durchbruch verhilft!

16 Noch eine kleine Weile (sagt Jesus zu seinen Jüngern), 

dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; 

und wiederum eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen ... 

20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, 

aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure 

Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. 21 Eine Frau, wenn sie 

gebiert, dann hat sie Schmerzen, weil ihre Stunde ist gekommen. 

Hat sie aber das Kind geboren, denkt sie nicht mehr an die Angst -

um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. 22 Und 

auch ihr habt jetzt Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer 

Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. 

23 An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen.“

 

 

In diesem Bibelabschnitt, liebe Gemeinde, wendet sich Jesus

wie gesagt an seine Jünger. 

Aber nicht nur an die 12, sondern an alle, die ihm nachfolgen:

Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten in eurem Leben - ihr habt

Grund zur Freude, sagt er!

Denn, ich habe euch nicht vergessen. 

Ich bin da, bin euch nahe, auch mitten im größten „trouble“

und ich schenke euch unvergängliche Freude!

 

Schauen wir genauer hin, was Jesus da konkret sagt:

 

  1. Abschied und Traurigkeit

Da geht es darum, dass der Abschied Jesu von seinen Jüngern 

jetzt kurz bevor steht. 

Sein Weg führt ihn nicht auf den Thron, sondern ans Kreuz. 

Da wird den Jüngern das Herz schwer, sie wissen nicht, was die Worte

von Jesus bedeuten (V16): „Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr 

mich nicht mehr sehen; und wiederum eine kleine Weile, dann werdet

ihr mich sehen ...“

 

Sie werden Jesus bald nicht mehr sehen. 

Denken wir an einen Politiker, der von seinem Ministeramt zurück tritt, 

wie es auch diese Woche passiert ist. 

Der rückt aus der ersten Reihe der Öffentlichkeit wieder ganz nach hinten. 

Im Fernsehen ist er nur noch selten oder gar nicht mehr zu sehen. 

Allerdings - kann ihn ein politisches Come-back - wieder ganz nach oben 

und ins Rampenlicht bringen. 

 

So wird es auch bei Jesus kommen - und er tröstet seine Jünger schon 

jetzt -, lenkt ihren Blick weg vom Abschiedsschmerz und von der Trauer

und er klärt sie auf: „Ich will euch wieder sehen!“

 

Wiedersehensfreude nach Ostern, nach seiner Auferstehung. 

Das ist so wie bei zwei Verliebten, die für ,ne gewisse Zeit voneinander

getrennt sind. Die erleben und wissen, wie schwer und traurig das ist. 

Aber wenn dann die Zeit der Trennung vorbei ist, 

sie sich endlich wieder sehen und in die Arme fallen, 

dann ist die Trauer auf einen Schlag verflogen, 

in Wiedersehensfreude umgeschlagen. 

 

Auch heute kennen Christen Traurigkeit und Anfechtung im Glauben. 

Sie erleben das auf ganz unterschiedliche Art: 

Krankheit und Leiden, Angst und Zweifel, 

Müdigkeit im Glauben und Misserfolg, 
z. 
B. wenn jemand als Schüler oder Student bei einer Prüfung durchfällt, 

oder wenn jemand als Kandidat bei einer Wahl nicht gewählt wird

oder - ich weiß von Missionsmitarbeitern, die nach nur kurzer Einsatzzeit

einen schweren Unfall hatten, querschnittsgelähmt nach Deutschland

zurück gekommen sind. 

Warum?

 

„Ihr habt jetzt Traurigkeit“, sagt Jesus

oder „Ihr werdet weinen und klagen“, aber auch - „Ich will euch wieder sehen!“

 

Jesus scheint in solchen Stunden wie fern gerückt, 

unseren Augen entschwunden zu sein: Bin ich von ihm verlassen?

 

Aber - seine Wege mit uns führen auch in Krisenzeiten, in Probleme

und Schwierigkeiten hinein. 

Und sie sind nicht der Endpunkt, sondern nur eine Durchgangsstation. 

Jesus kann gerade auch aus der Tiefe heraus retten!

 

 

  1. Freude - mitten im Leid

Jesus macht seinen Jüngern Mut: Nicht dauernde Trennung, 

sondern Wiedersehen ist das Ziel. 

Trauer soll in beständige Freude verwandelt werden, wenn er ihnen 

an Ostern als der Auferstandene in den Weg treten wird. 

Klar, es trifft hart, wenn Jesus sie verlässt. 

Aber diese Trennung ist anscheinend nötig, 

damit er für sie später als der Auferstandene

die entscheidende Adresse in Gottes Gegenwart sein kann, 

ihr HERR in Rufweite ... 

Seine Zusage ist auch für uns heute noch gültig!

 

Und: Jesus nachfolgen heißt auch heute noch, mit Leiderfahrungen zu rechnen. 

Aber, die Vorzeichen haben mit Jesus schon gewechselt:

Vom Minus zum Plus. 

Ich darf wissen: Die Niedergeschlagenheit ist nicht von Dauer, 

sie wird in Freude übergehen. 

 

Kann das denn sein?

Jesus will uns das am Beispiel von der Geburt deutlich machen (V21):

Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist

gekommen. Hat sie aber das Kind geboren, dann denkt sie nicht mehr

an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.“

 

Nick Vujicic, ein junger Australier serbischer Abstammung, der bei 

der Jugendevangelisation „Jesushouse“ vor wenigen Wochen aufgetreten ist

und viele tief beeindruckt hat, ist 1982 ohne Arme und mit nur einem Stummel-

bein auf die Welt gekommen. Seine Mutter, eine Krankenschwester, und auch 

der Vater waren zunächst total schockiert. 

Wie sollte dieses Kind einmal ein halbwegs selbstständiges Leben führen?

Schon bald ist er gehänselt worden, hat Depressionen bekommen und mit

sich und seinem Leben gehadert. 

Aber er hat es auch geschafft, einen Hochschulabschluss mit Berufsausbildung

zu machen. Seine Eltern und gläubige Menschen haben in ihm noch etwas 

anderes gesehen als den körperlichen Krüppel ...

 

Und so lernt dieser Nick Vujicic nach und nach seine Behinderung nicht als 

Strafe zu sehen, sondern als eine Herausforderung und einen Auftrag 

von Gott. 

Er entdeckt, dass der Sinn seines Lebens vielleicht gerade der sein muss, 

als ein verkrüppelter Mensch - anderen Menschen - von der Liebe Gottes in 

Jesus zu erzählen, ihnen Mut zu machen ihr Leben anzunehmen wie es ist

und sie einzuladen, Jesus nachzufolgen ... 

 

Seine Erfahrung ist: Es ist besser, Gott zu kennen und ohne Arme und nur 

mit einem Stummelfuß zu leben, als ihm auf beiden Beinen ein Leben lang

davon zu laufen und in der Ewigkeit einmal getrennt von Gott zu sein ...

„In dir ist Freude in allem Leide ...“

„In Jesus - ist Freude - in allem Leide ...“

 

 

  1. Freude - in alle Ewigkeit

Ohne Freude können Menschen kaum existieren. 

Freude ist so nötig zum Leben wie das Licht der Sonne und die Luft um 

Atmen. Deshalb sind wir auch immer auf der Suche nach Freude, 

nach etwas, was den oft grauen Alltag ein Stück weit aufheitert. 

Die moderne Freizeit- und Unterhaltungsindustrie bietet dazu eine 

breite Palette an Möglichkeiten, damit das Leben auch seine 

unterhaltsamen und erfreulichen Seiten haben kann. 

 

Auch Christen haben daran Anteil durch Hobbys, Sport und Freizeiten ...

Aber alle diese Freuden sind letztlich vergängliche Freuden. 

Sie haben manchmal sogar nur für kurze Zeit ihren Reiz.

So wie irdischer Ruhm schnell verblasst, 

zu sehen an Politikern, an Profisportlern und Stars. 

Und was bleibt ihnen dann: Ohne Freude in Gott nur die innere Leere, 

ein rastloses Suchen nach mehr ...

 

Wenn Fußball (Faustball) oder Leichtathletik „mein Leben“ ist, 

dann habe ich ohne Fußball (Faustball) oder Leichtathletik kein Leben, 

das sich wirklich lohnt, jetzt nicht und auch vor Gott nicht ...

 

Dagegen verheißt Jesus seinen Jüngern eine Freude, die unvergänglich ist, 

die bleibt. Weil sie aus der Begegnung mit ihm, 

dem Sohn Gottes entspringt - und immer wieder gespeist wird 

aus der konkreten Begegnung mit diesem Sohn Gottes im Gottesdienst, 

im täglichen Beten und Lesen in der Bibel. 

Daraus kommt eine Freude ins Leben, die unvergänglich ist und bleibt, 

in alle Ewigkeit!

 

Eine solche Freude kennt die Welt nicht, in der wir leben:

Freude, die selbst mitten in Enttäuschung und Krankheit, ja sogar in Trauer

und Leid lebendige Christen erfüllt und die nichts und niemand tot kriegen kann:

„In dir ist Freude in allem Leide ...“ in Jesus und durch Jesus. 

Nur durch ihn und das jeden Tag neu.

 

Gerade an Beerdigungen wird es deutlich, 

wenn Menschen eine ewige Freude und Hoffnung hatten 

und das beim letzten Gang auf dieser Erde noch einmal zum Ausdruck 

bringen wollen (wenn sie z. B. schon vorher ein bestimmtes Bibelwort auf-

geschrieben haben, das sie getragen hat, das für sie Grund der Freude im 

Leben war ...)

 

Für alle, die Jesus gehören und dann irgendwann sterben müssen, 

schließt der „letzte Gang in Jesu Namen“ immer schon die Freude auf die 

Auferstehung mit ein und warum soll das nicht auch froh gesungen 

und gepredigt werden, „Jesus lebt, mit ihm auch ich, Tod wo sind nun 

deine Schrecken?“

 

Das Bibelwort für diesen Sonntag heute stellt uns die Frage: 

Habe ich diese Freude schon, die mitten im Leid und in alle Ewigkeit

bleibt?

 

Wenn ja, dann verstecken Sie sie nicht

und bekennen Sie es vor allen Menschen: Jesus macht das, dass ich 

so fröhlich bin. 

 

Haben Sie diese Freude noch nicht, sind Sie ein Mensch, 

der vom Leid und der Traurigkeit nur schwer loskommt,

dann bitte ich Sie: Öffnen Sie Ihr Leben doch für den ganzen Jesus, 

erlauben Sie ihm, dass sein Wort und seine Kraft Sie mehr und mehr 

erfüllen darf. Und diese beständige Freude wird auch bei Ihnen einziehen!

 

Noch sind wir unterwegs auf das Ziel zu, 

die bleibende Gemeinschaft mit Jesus in der Ewigkeit. 

Noch gibt es offene Fragen. Das stimmt. 

Aber dann, sagt Jesus „wird auch unser Fragen ein Ende haben“ (V23)

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Donnerstag, 21.06.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Asylarbeit in Straubenhardt (Gustav Bott, Netzwerk Asyl)
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst