2011-04-25 Ostermontag

Predigt über Lukas 24,36-48 / Pfarrer Hermann Kiedaisch, Göppingen

 (1)

Liebe Gemeinde,

heute morgen möchte ich mit Ihnen einen Besuch beim Evangelisten Lukas machen. Wir stellen uns vor: Er sitzt gerade in seiner Schreibstube. Er arbeitet am letzten
Kapitel seines Evangeliums. Wir lauschen den Gedanken, die ihn beim Schreiben bewegen. Auf die Fragen, die uns dabei kommen, antwortet er gerne.

 

Eben hat Lukas niedergeschrieben, wie am Abend des Ostertages die Nachricht aufkommt: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden! (1) Er habe sich schon einigen gezeigt. Lukas hat aber die Zweifel seiner Zeitgenossen im Ohr: Kann das wirklich sein? Haben sich die Jünger das in ihrer seelischen Ausnahmesituation nicht bloß eingebildet? Wir legen die Frage dazu: Und was macht uns heute gewiss, dass er lebt? 

Mit der Erzählung, wie der Auferstandene seinen Jüngern begegnet und was das bei ihnen bewirkt, antwortet Lukas auf die Fragen. Ich lese, was er zu Papyrus gebracht hat: 

 

Wir hören Gottes Wort für diesen Ostermontag aus Lukas 24,36-48:

36 Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. 38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? 39 Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. 40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße. 41 Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? 42 Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. 43 Und er nahm's und aß vor ihnen. 44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. 45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden, 46 und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; 47 und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem 48 und seid dafür Zeugen.“

 

 

(2) 

Lukas erzählt also, wie die Jünger beieinander sitzen. Sie tun gut daran nach all dem, was sie in den letzten Tagen erlebt haben. In der Gemeinschaft kann man die Dinge besser verarbeiten, einander Halt geben und weiterhelfen.

 

Plötzlich ist Jesus da. Er grüßt seine Freunde. Nicht bloß mit einem Guten Abend! Er sagt: Friede sei mit euch! Schön, murmelt Lukas, der Friede steht am Anfang über dem Evangelium, als ihn die Engel bei Jesu Geburt ausgerufen haben (2). Jetzt steht er auch am Schluss. Die Jünger, die sich von Jesus losgesagt und ihn verlassen haben, sollen wissen: Auch für diese Schuld ist Jesus gestorben. Es ist Friede zwischen uns und ihm. Es kann für uns neu weiter gehen.

Zu uns gewendet sagt Lukas: Und wenn es bei euch Menschen gibt,

  • die durch einen Todesfall aufgewühlt sind oder den
    eigenen Tod fürchten,
  • oder Menschen, die das Leben anderer wenig achten,
  • oder solche, die ihres Lebens nicht froh sind und mit
    sich selbst im Streit liegen, 

 

auch für sie soll Ostern zum Fest des Friedens werden.
Er kommt mit Jesus, der den Tod besiegt und ihm die Macht genommen hat und das Leben neu erfindet.
Der Auferstandene sagt auch euch: Friede sei mit euch!

 

(3)

Doch Lukas weiß: Es kann dauern, bis der Friede einkehrt. Die Jünger sind trotz des schönen Grußes erschrocken und verstört. Sie haben ja noch nie erlebt, dass ein Mensch, den sie zu Grabe getragen hatten, plötzlich vor ihnen steht. Da würden wir auch erschrecken! Wir verstehen, dass sie mutmaßen: Das kann bestenfalls ein Geist, ein Truggebilde sein.

 

Drastisch schildert Lukas, was Jesus tut, um die Jünger zu überzeugen: Ich bin’s wirklich! sagt er. Schaut mich doch an! Fasst mich an! Hat ein Geist Fleisch und Knochen? Nein! Aber er. Sie sehen es: der Auferstandene hat Hand und Fuß. Er ist es selber, er persönlich. 

 

Da beginnt in ihnen Freude aufzukeimen. Erst zart, denn die Verwunderung ist immer noch größer als der Glaube. Es ist, wie wenn heute ein Sportler überraschend eine Medaille oder Meisterschaft erringt; dann sagt er in seiner ersten Freude auch: Ich kann’s noch gar nicht begreifen. Deshalb legt Jesus nochmals nach: Habt ihr mir was zu essen? Als die Jünger Fisch auftischen, isst er, wahrhaftig, leibhaftig.

Wir erlauben uns den Einwand: Schön, dass es bei den Jüngern so war. Aber wir haben ja keine Gelegenheit mehr, Jesus anzulangen und so bestätigt zu finden, dass er leibhaftig auferstanden ist.

 

Mir geht’s ja auch so, sagt Lukas: Seit der Himmelfahrt sehen wir Jesus nicht mehr leibhaftig. Aber wir glauben seinen Zeugen, dass er sich ihnen gezeigt hat. Nichts spricht dafür, dass sie das erfunden haben. Und lebt der Auferstandene nicht auch in uns? Woher soll uns denn immer wieder Glaube und Liebe, Freude und Hoffnung kommen wenn nicht durch seinen Geist? Und denkt
an den Gottesdienst! Jesus hat doch versprochen, bei denen gegenwärtig zu sein, die sich in seinem Namen versammeln (3). Und da gibt es auch einiges zum
Schmecken und Sehen und Be-greifen. Jede Taufe, jedes
Abendmahl ist ein leibhaftiges Zeichen seiner Gegenwart und Wirksamkeit. Schließlich, vergesst euch selber nicht! Ihr selber seid Zeichen der Leibhaftigkeit Jesu. Ihr seid die Glieder seines Leibes. Als solche greift
ihr einander unter die Arme, ihr tröstet und stärkt einander. Und wenn ihr die fröhlichen Osterlieder singt,
dann macht ihr damit einander Mut zum Leben.
Der auferstandene Jesus lässt uns viel Leibhaftiges
erleben!

 

(4)

Wenn wir schon beim Gottesdienst sind, fährt Lukas fort, kann ich euch gleich weiter berichten: Als Jesus gegessen hat, hält er seinen Jüngern eine Predigt. Damit sagt der Auferstandene uns Späteren: Ich bin bei euch gegenwärtig in meinem Wort. Ich rede persönlich mit euch. Als wir mit den Achseln zucken wollen, ergänzt Lukas: Doch, doch. Ob Jesus damals selbst mit den Jüngern gesprochen hat oder ob er es heute durch einen Zeugen / eine Zeugin tut, – es ist sein Wort. Er stellt sich hinter seine Zeugen: Wer euch hört, der hört mich (4).In seinem Wort lebt und wirkt er.

Jesus erinnert in seiner Osterpredigt zunächst an die Worte, die er zu seinen Lebzeiten gesprochen hat. Die schreibt Lukas nicht auf; die stehen ja schon im Evangelium. Deshalb ermuntert er uns: denkt an die Worte Jesu, die euch selber wichtig sind, die euch getröstet haben, die euch aufatmen ließen, die ein Licht auf euren Weg warfen oder die euch aufgerüttelt haben. In ihnen ist er euch begegnet.

 

Nach einer Pause fährt er fort: Dann hat Jesus seine Jünger an das erinnert, was von ihm geschrieben ist im Gesetz des Mose, in den Propheten und den Psalmen. Bei uns fällt der Groschen: So hat man damals umschrieben, was wir heute das Alte Testament nennen. 

 

Zu allen Zeiten, von Lukas bis heute, gab und gibt es Christen, die das Alte Testament für veraltet, für überholt halten. Dagegen verwahrt sich Lukas: Jesus waren diese Schriften sehr wichtig. Denn sie erzählen die Geschichte Gottes mit seinem Volk, und zwar so, dass sie auf den Messias, den Heilsbringer zuläuft. Wieder sagt Lukas: Das kann ich jetzt nicht alles aufschreiben. Aber ihr könnt ja mal probieren, was euch an entsprechenden Verheißungen Gottes einfällt. Es fällt uns eine Menge ein: Die Verheißung des gerechten Königs, den Gott schickt, um seinem Volk zu helfen und Frieden zu schaffen (5). Oder: Wenn er kommt, dann werden die Blinden sehen, die Tauben hören und die Lahmen gehen, und große Freude wird sein (6). Aber auch der leidende Gottesknecht fällt uns ein, der unsere Schmerzen, unsere Sünde und für uns die Todesstrafe auf sich genommen hat;
damit wir heil werden und Frieden haben. Er aber wird aus der Nacht des Todes wieder ans Licht kommen und leben! (7) Am dritten Tag soll das geschehen (8) und vielen zu Gute kommen. 

 

Seht ihr, fragt Lukas, wie sich das alles an Jesus erfüllte? Daran sehen wir, dass er der von Gott geschickte Heiland ist. Es musste alles so geschehen, zu unserem Heil. So hat Jesus seinen Jüngern die Schrift geöffnet. Vergesst das nie: Jesus ist der Schlüssel zur Heiligen Schrift. Begnügt euch nicht damit, sie für eine Sammlung spannender Geschichten und tiefsinniger Lebensweisheiten zu halten. Die Bibel Alten und Neuen Testaments ist das Gefäß des größten Schatzes dieser Welt. Sie enthält Christus, in dem Gott wahrhaftig und endgültig gesprochen hat (9). Wenn wir sie auf ihn hin lesen, dann wird sie uns zum Wort des Lebens, des Lebens vor und nach dem Sterben. 

 

(5) 

Lukas hat sich in eine richtige Begeisterung hineingeredet, als er von der Schrift und von Jesus als ihrem Schlüssel spricht. Aber, so fügt er hinzu, Jesus darf nicht in ihr begraben bleiben. Er will leben in der Welt. Deshalb hat der auferstandene Jesus seinen Jüngern zugleich den Auftrag gegeben: Verkündigt es als meine Zeugen weiter, was ich gesagt und getan habe; und dass ich lebe und weiterhin wirke. Sagt es allen, dass niemand im Unfrieden mit Gott oder andern oder sich selbst leben muss. Wer auf einem verkehrten Weg läuft, kann umkehren.
Ich nehme ihn mit offenen Armen auf. Alle dürfen neu anfangen und leben in der Verbindung mit mir. Und sogar sterben mit mir, und ewig glücklich sein.   

 

In Jerusalem, schreibt Lukas zum Schluss, sollen die Jünger mit der Verkündigung der frohen Botschaft an-
fangen. Wir staunen: Das ist enorm! Die Kette der Zeugen ist seither nicht mehr abgerissen. Durch immer neue Zeugen ist das Evangelium schließlich zu uns gekommen. Gott sei Dank! Aber dann heißt das wohl: Jetzt sind wir dran. Jetzt sollen wir als Zeugen des lebendigen Jesus das Evangelium weitergeben. Aber wo sollen wir denn anfangen? Lukas würde wahrscheinlich antworten: Da wo Gott euch die Gelegenheit dazu gibt: in der Familie oder in der Gemeinde, am Gartenzaun oder bei einem Besuch, in den Werken der Mission oder der Diakonie. Hauptsache, ihr verkündigt Christus und bringt so etwas von seiner Liebe und seinem Frieden zu den Menschen. 

(6) 

Unser Besuch beim Evangelisten Lukas geht zu Ende. Im Hinausgehen sagen wir zueinander: Eigenartig, wie oft Lukas vom Gottesdienst gesprochen hat. Als ob man da dem Auferstandenen besonders begegnen würde. Lukas hört das und ruft uns nach: Natürlich! In meiner Apostelgeschichte werde ich erzählen (10), dass die christlichen Gemeinden ihren Gottesdienst am ersten Tag der Woche, am Tag der Auferstehung Jesu, gefeiert haben. Sie ver-stehen jeden Sonntag als kleines Osterfest und jeden
Gottesdienst als Osterfeier. Macht’s auch so!

 

Draußen wird uns klar: Er hat recht. In jedem Gottesdienst wird am Anfang der Name und damit die Gegenwart Jesu ausgerufen. Sein Friede durchzieht ihn bis zum letzten Satz, der laut wird: ... und gebe dir Frieden. Wir werden in den Sakramenten leibhaftig mit dem lebendigen Jesus verbunden. In seinem Wort redet er persönlich mit uns. Und dann sendet er uns mit allem, was er uns geschenkt hat, wieder hinein in die Welt. Gott dient uns und wir dienen ihm. 

 

Nicht zuletzt die Begegnung mit dem lebendigen Jesus im Gottesdienst ist Grund zur Freude und zum Weitersagen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!   Amen.

 

 

  1. Lukas 24, 34
  2. Lukas 2, 14
  3. Matthäus 18, 20
  4. Lukas 10, 16
  5. Sacharja 9, 9f
  6. Jesaja 35, 5f.10
  7. Jesaja 53, besonders V 4f. 10–12
  8. Hosea 6, 2
  9. Hebräer 1,1f. Vgl. auch die 1. These der Theologischen Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen, EG Württ. Seite 1507



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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