2011-04-12 Passionsandacht im Seniorenheim

Predigt anhand eines großen Kruzifixes und Lukas 23,23-46 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 23, die Verse 33-46:

„Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, 
kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten 
und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; 
denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider 
und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. 

Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; 

er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. 

Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten 

ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! 

Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. 

Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: 

Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da wies ihn der 

andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, 

der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, 

denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat 

nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, 

wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, 

ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. 

Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis 

über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor 

ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. 

Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! 

Und als er das gesagt hatte, verschied er.“

 

 

Liebe Gemeinde im Seniorenheim, 

 

wenn wir heute darüber nachdenken, welche Bedeutung der 

Tod von Jesus am Kreuz hat, dann ist es gut, wenn wir 

den Gekreuzigten vor Augen haben ( ... Kruzifixus steht auf Altar ...)

 

In jeder christlichen Kirche steht das Kreuz in der Mitte. 

Warum eigentlich?

Weil es kein anderes Zeichen gibt, an dem wir uns im Glauben so aufrichten 

können wie durch den Blick auf den Gekreuzigten. 

Den Gekreuzigten vor Augen haben, das ist die entscheidende Hilfe 

gegen Angst, gegen Sorgen aller Art und gegen die Schwermut, 

die einen befallen kann, 

wenn man an die Weltlage denkt, an Kriege, Flüchtlinge, 

Überschwemmungen, strahlende Atomkraftwerke, aber auch an Einsamkeit,

die Sorge vor der Krankheit, die immer schlimmer wird und den nahen Tod,

wenn mir kein Arzt mehr helfen kann. 

 

Das Kreuz ist der Ort, an dem ich mich bergen kann, 

bei aller Hilflosigkeit. 

 

Was das Kreuz für uns bedeutet, das wird in dem Bibelwort deutlich, 

das wir vorhin gehört haben - drei Dinge zum Merken sind es v. a.:

 

 

I. Der Gekreuzigte - ist der Anwalt der Menschen 

 

»Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun«. 

Es ist einsam geworden um den sterbenden Jesus.

Seine Jünger haben ihn verlassen, die Freunde stehen in weiter Ferne. 

Unter dem Kreuz steht eine komische Gesellschaft von Spöttern und 

Lästerern beisammen. 

Jeder formuliert seinen Spott auf die ihm eigene Weise. 

So wie auch heute, wo viele Menschen das Kreuz weit von sich weg-

haben wollen ...

 

Jesus hat unheimlich gelitten - am ganzen Körper, 

aber nicht nur das, auch seelisch. 

Das waren richtige Folterungen, die man ihm angehängt hat, 

das hat ihm so richtig ins Herz geschnitten: 

Demütigungen, Spott, den die Leute über ihn ausgießen. 

Und wir alle wissen: Das trifft manchmal noch mehr als körperliche Schläge. 

 

Aber Jesus hält diese Anfechtung durch. 

Ja, er macht sich als der, den die Menschen dem Tod am Kreuz 

übergeben haben, zu ihrem Anwalt und Fürsprecher: 

»Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun«. 

Nagle sie nicht fest auf ihre Worte! 

Lass ihr letztes Wort nicht auch dein letztes Wort sein! 

Verwirf sie nicht, so wie sie mich verworfen haben! 

 

Das bittet der sterbende Jesus am Kreuz für die Menschen. 

Er hält in seiner letzten Stunde die ganze geschundene Welt 

seinem Vater hin und darin steckt auch all unser Versagen und unsere Angst, 

all das Leiden in und an der Welt, Hunger und Elend, alle Kriege und 

Gräuel die es gibt, das alles hält er Gott hin und bittet: 

»Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.« 

 

Am Kreuz wird Jesus zum Anwalt der Menschen. 

 

Bis heute lebt unsere Welt (ohne es zu merken) von seiner Fürbitte.

Von dem, der nicht seine Verachtung der Menschheit gegenüber 

hinaus geschrieen hat, der nicht resigniert und eingeschnappt über 

die Undankbarkeit der Menschen war 

sondern der mit seinem Gebet für sie eintritt: »Vater, vergib ihnen; 

rechne ihnen ihre Sünde nicht an«. 

 

Wer diese Vergebung Jesu annimmt, kann aus dem Teufelskreis von 

Hass und Vergeltung ausbrechen, muss nicht mehr auf Rache aus sein

für das Schlechte, das andere ihnen angetan haben, 

sondern kann vergeben (wenn vielleicht auch nicht vergessen)

und so Menschen gewinnen. 

Jesus ist der Anwalt aller Entehrten und Geschundenen. 

Und wir dürfen ihm alle anbefehlen in unserem Land und weltweit, 

die durch jedes Raster fallen, die keiner will und von denen es den Anschein

hat, als sie sie doch „immer nur die Dummen“, egal was sie machen ...

 

Wo niemand mehr für einen Menschen eintritt, das ist Jesus immer noch da, 

da lässt ihn der Gekreuzigt nicht allein.

 

 

II. Der Gekreuzigte - ist der Retter der Schuldigen 

 

Alle haben sie gespottet, gelästert, 

nur einer nicht, einer der beiden Verbrecher, die mit Jesus zusammen 

gekreuzigt wurden. 

Diesem einen sind die Augen aufgegangen für den, 

der in seiner Qual neben ihm hing. 

 

Vielleicht war es in dem Augenblick, als Jesus betete: »Vater, vergib 

ihnen«. 

So hat dieser Schächer am Kreuz noch keinen Menschen reden hören. 

So reden wir Menschen normalerweise auch nicht. 

Wir können es nur, wenn wir unser Recht »dem anheimstellen, der da 

gerecht richtet« (I. Petrus 2,23). 

 

Damit stehen wir vor einer ganz tiefen Erfahrung:

Ein Tier kann nicht schuldig werden, aber der Mensch kann es und tut es.

Und wir alle - sind - schuldig geworden vor Gott!

Keiner von uns kann sagen: Er hat eine reine Weste, wenn er vielleicht

schon bald vor Gott steht und ihm nichts mehr einfällt zur Entschuldigung.

 

Wir tun uns so schwer damit, Schuld einzugestehen,

zum Gekreuzigten Jesus hinzufiehen!

 

Aber gerade das macht uns einsam und isoliert, 

zwischen Menschen ist das so - aber noch viel stärker Gott 

gegenüber. 

 

Hier, im Kreuzigungsbericht des Lukas, verzichtet einer darauf, 

Recht haben zu wollen. Er sagt nur noch eines: »Jesus, denk an mich, 

wenn du in dein Reich kommst«. 

So bekommt der Schächer am Kreuz Vergebung in letzter Minute:

»Heute wirst du mit mir im Paradies sein«. »Mit mir«, sagt Jesus. 

Denn bei ihm (bei Jesus) sein, das ist das Paradies. 

 

Können Sie das auch schon von sich sagen:Ich habe von Jesus Vergebung meiner Sünden empfangen?

Ich weiß, wenn ich einmal sterbe, dass ich mit Jesus im Paradies

sein werde und nicht verloren bin?

(Wenn Sie da noch nicht sicher sind, dann dürfen Sie mir das gerne

sagen ... und ich besuche Sie ... und wir können zusammen zu Jesus

beten ... um Vergebung und Frieden mit Gott)

 

»Heute mit mir«, von heute an bei mir - 

das ist die Frucht der Vergebung. 

 

Doch bevor es zu dieser Frucht kommt, muss ich selber - wie ein 

Weizenkorn in der Erde - sterben. 

Gott vergibt nicht pauschal, mit dem Trichter, sondern immer nur so, 

dass ein Mensch bereit sein muss dazu!

Wenn ein Mensch aufhört, selber Recht haben zu wollen, 

wenn er nicht mehr anderen die größere Schuld gibt (und sich damit selber 

versucht zu entschuldigen).

Wenn ich mich selber vor Gott als schuldig bekenne.

 

Jesus ist der Retter der Schuldigen (und nur der Schuldigen!)

der Menschen, die ihre Schuld vor Gott eingestehen, 

die ihn bitten: „Vater, vergib mir, nimm‘ mich mit in Dein Reich!“

 

Für sie ist Jesus noch mehr:

 

 

III. Der Gekreuzigte - ist für sie der Überwinder des Todes 

 

»Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. 

Und als er das gesagt hatte, verschied er. « 

 

Das erste und das letzte Wort von Jesus (im Leidensbericht des Lukasevangeliums)

ist das Wort „Vater!“

 

»Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände«. 

Das ist kein freies Gebet, sondern gehört zum Abendgebet frommer Juden. 

Jeden Abend vor dem Einschlafen hat man damals sein Leben in 

Gottes Hand gelegt. 

Und jetzt macht Jesus dieses jüdische Abendgebet zu seinem Sterbegebet. 

Es ist für ihn ein Wort tiefer Geborgenheit. 

Wie in einen schützenden Mantel hüllt er sich in dieses Gebet ein. 

 

Stellen wir uns das ganz plastisch vor: Da die höhnenden Gegner, 

die Spötter, ein fluchender Schicksalsgenosse auf der linken Seite - 

und mittendrin - der sterbende Jesus, der sich in Gottes Hand befiehlt. 

 

Mitten in allen Schrecken seines grausamen Sterbens sagt er: »Vater«. 

Da spüren hier doch handgreiflich, welche Kraft der Bewahrung 

von diesem einen Wort ausgeht. 

Wer so wie Jesus zu Gott Vater sagen kann (nicht Herrgott, Schicksal ...), 

der ist mit ihm durch den Tod ins Leben hindurch gedrungen ...

 

Niemand von uns weiß, wie einmal sein Sterben sein wird ...

entscheidend aber ist, welcher Gedanke uns zuletzt bewegt, 

welches Wort wir am Ende sprechen, sofern das überhaupt noch möglich ist. 

Hier ist das Wort, das Geborgenheit anzeigt, das uns in die Heimat führt: 

„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“. 

 

Liebe Seniorinnen, liebe Senioren,

wir haben heute über den Gekreuzigten nachgedacht.

Er ist in die Welt gekommen um sein Leben für unsere Sünden zu lassen

(„damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das

ewige Leben haben“) - Er will unser ANWALT vor Gott sein. 

 

Noch heute darf ich ihn bitten: Sei Du mein Anwalt, 

ich will mich nicht mehr selber „vertreten“, 

wenn Sie ihn so bitten, dann wird er ihnen zum RETTER.

 

Und Sie können jeden Tag Ihres Lebens getrost leben. 

Weil Jesus den Tod ÜBERWUNDEN hat. 

Und er alle, die ihm ihr Leben gegeben haben, 

mitnimmt in sein Reich. 

Sind Sie dabei? ... Jesus am Kreuz will unser Retter sein!

Sind Sie noch unsicher? ... Dann zögern Sie nicht, ihn zu suchen!




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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