2011-02-13

Predigt über 2. Mose 3,1-13 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, 

unser Predigttext für diesen Sonntag ist die Berufungsgeschichte

des Mose. Eine besondere Berufung. Und nicht jeder, der berufen

wird, erlebt sie so. 

 

Lassen Sie mich die Geschichte heute morgen einmal erzählen: 

Mose ist seit 40 Jahren Schafhirte bei seinem Schwiegervater Jetro.

Ein unbedeutender Job, von niemand beachtet. 

Jeden Tag der gleiche Trott und die gleiche Mühe: Die Suche nach 

guten Weideplätzen für die Schafe. 

So war Mose wieder einmal unterwegs auf der Suche nach Weide

für die Schafe. 

Er kam in die Nähe des Berges Horeb und da traute er seinen 

Augen kaum: Er sah einen brennenden Dornbusch, aber der 

Busch verbrannte nicht. 

 

Die Neugierde packte Mose und er ging hin um sich dieses 

Phänomen näher anzusehen.  

Da passiertes es: „Mose, Mose!“ rief eine Stimme aus dem Feuer. 

Und Mose antwortete: „Hier bin ich!“. 

Dann folgt die klare Anweisung an Mose: „Geh nicht weiter, zieh

deine Schuhe aus!“ Eine eigenartige Anweisung. 

Aber mit dieser Anweisung sagt Gott zu Mose: 

Mose, tritt dein Leben an mich ab!

Gib den Anspruch, dein Leben selber zu bestimmen und zu gestalten

auf und stell‘ dich mir ganz zur Verfügung!

 

Mose bleibt keine Zeit lange darüber nachzudenken, 

denn Gott fährt mit seiner Rede fort und stellt sich ihm als den Gott

der Väter Abraham, Isaak und Jakob vor und dann schildert er, 

warum er Mose in seinen Dienst ruft: 

„Ich habe genau gesehen, wie mein Volk in Ägypten unterdrückt wird, 

ich habe gehört, wie es um Hilfe schreit gegen seine Antreiber. 

Ich weiß, wie sehr es leiden muss und ich bin herabgekommen, 

um es von seinen Unterdrückern zu befreien. 

Ich will es aus Ägypten führen und in ein fruchtbares und großes

Land bringen, ein Land, das von Milch und Honig überfließt.“ (Vv7f)

 

 

Da bleibt einem der Atem stehen: Ein Gott, der sieht, hört und sich 

selber auf den Weg macht um zu helfen, zu retten und zu befreien. 

Was für ein Gott!

 

Und dann folgt das Sendungswort an Mose: „Deshalb geh jetzt, 

ich schicke dich zum Pharao! Du sollst mein Volk, die Israeliten, 

aus Ägypten herausführen!“ (V10). 

 

Mose ist überrascht und wohl auch schockiert. 

Er und Israel befreien, das ist wohl doch eine Nummer zu groß

für ihn.  Er fragt deshalb sofort zurück: „Ich? Wer bin ich denn?“ 

Natürlich, wer ist Mose schon: Ein unbekannter Hirte.

Pharao wird ihn auslachen und ihn mit Schimpf und Schande 

davonjagen oder sogar ins Gefängnis werfen. 

Ein unmöglicher Auftrag!

 

Und Gott hört sich den Einwand des Mose an - und anwortet mit einer

Zusage: „Ich - werde dir beistehen. Und das ist das Zeichen, an dem

du erkennst, dass ich dich beauftragt habe: Wenn du das Volk aus

Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr mir auf diesem Berg Opfer

darbringen und mich anbeten“ (V12).

 

Was ist das für eine Zusage mit einem Zeichen, das in der Zukunft liegt?

Mose wird von Gott aufgefordert, ihm zu vertrauen und es mit ihm 

zu wagen, auf sein Wort hin soll er zu Pharao gehen. 

Er bekommt keine andere Absicherung als diese Zusage von Gott, 

ihm zu vertrauen. 

 

Mose gibt sich aber mit dieser Antwort nicht zufrieden!

Er denkt an sein Volk: Wie werden sie reagieren, wenn er kommt und 

behauptet, dass Gott ihn geschickt hat? 

Und Mose widerspricht Gott noch einmal: „Wenn ich nun zu den Leuten von 

Israel komme und zu ihnen sage: Der Gott eurer Vorfahren hat mich 

zu euch geschickt, und sie mich dann fragen: Wie ist sein Name?, 

was soll ich ihnen denn sagen?“  

 

Hat Mose nicht Recht? Von Gott reden alle Religionen ...

Jedes Volk hat seinen eigenen Gott. 

Wer ist denn dieser Gott, in dessen Namen Mose kommt? 

Da kann doch jeder kommen ...

Wieder geht Gott auf Moses Einwand ein. Er nennt ihm seinen Namen: 

Aber das ist im Grunde genommen gar kein richtiger Namen, sondern

eine Beschreibung seines Wesens: „Ich bin, der ich bin.“ - 

Man kann auch übersetzten: „Ich werde sein, der ich sein werde“ oder 

„Ich werde für euch da sein“ oder „Ich werde mich erweisen, als der

ich mich erweisen werde“.

 

Gott wiederholt noch einmal: Sag ihnen, der „Ich-bin-da“ hat mich zu euch 

geschickt (V14b).

So komisch diese Aussagen klingen, sie sind doch eine sehr 

genaue Beschreibung dessen, wer der Gott der Bibel ist. 

Gott sagt zu Mose: Mose, du musst es mit mir wagen, 

du musst mit mir in eine persönliche Verbindung eintreten, 

in eine Glaubensbeziehung und du wirst erleben, dass ich dir keine

leeren Versprechungen mache, sondern, dass sich alles erfüllen 

wird, was ich dir sage. 

 

Die Diskussion zwischen Gott und Mose geht aber noch weiter. 

Mose bringt weitere Einwände vor: 

- dass er nicht begabt sei, 

- dass er auf den Unglauben der Menschen stoßen werde ....

und schließlich lehnt er die Sendung mit den Worten ab: „Sende, 

wen du willst.“

In der Gute-Nachricht-Übersetzung heißt es: „Nimm es mir nicht

übel, Herr, aber schicke einen anderen!“ 

 

In dieser Berufungsgeschichte sind mir drei Dinge besonders

ins Auge gestochen: 

 

1.) Gott sieht und hört uns. 

 

Es gibt viele Gottes-Vorstellungen. 

Für die meisten Menschen ist Gott ein stummer, ferner Gott, der irgend-

wo weit weg von unserem Leben existiert und der mit unserem Leben

wenig oder nichts zu tun hat. 

Diese unpersönlichen Gottesvorstellungen sind weit verbreitet und 

prägen die Weltreligionen und die religiösen Vorstellungen vieler

Menschen. 

Der Gott der Bibel ist aber ein sehender und hörender Gott. 

Ein Gott, der am Leben der Menschen Interessiert ist. 

 

So bekennt ein Abraham am Ende seines schwerden Opfergangs

mit Isaak: „Du bist ein Gott, der sieht!“ (Gen 22,14). 

Hagar, die zweite Frau des Abraham, bekannte, als sie mit Ismael

schwanger war -, als sie Stress mit Sara hatte, und ganz verzweifelt 

war und Gott sich ihrer annahm: „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ 

(Gen 16,13).

In Psalm 139, Vers 3 lesen wir: „Ich gehe oder liege, so bist du um 

mich und siehst alle meine Wege ...“ 

 

Deshalb heißt es auch in Psalm 51, Vers 15: „Rufe mich an in der

Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen!“ 

Und von Jesus heißt es, dass er ein Herz voll Erbarmen hatte, 

als er die vielen Menschen in ihrer Not „sah“ (Mt 9,36). 

Deshalb ruft er den Menschen zu: „Kommt her zu mir alle, die ihr

mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“ (Mt 11,28).

 

Jesus sieht auch unsere Not, hört auch unser Rufen. 

Ja, wir dürfen wissn sein, dass wir ihm nicht gleichgültig sind. 

Allerdings greift er zu seiner Zeit auch in unser Leben ein. 

Die Stunde, in der er hilft, bestimmt er und nicht wir. 

 

 

2. Gott beruft und sendet uns.

In unserem Text heute geht es um Mose, im Neuen Testament um die 

12 Jünger, die berufen und ausgesandt wurden. 

In der Geschichte der Gemeinde Jesu hat Gott immer wieder Menschen 

berufen und ausgesandt: Martin Luther, Johannes Calvin, August 

Hermann Francke ...

 

Gott beruft auch heute Menschen in seinen Dienst. 

Zum Beispiel in den Kirchengemeinderat oder um Missionar zu 

werden oder / und um z. B. eine theologische Ausbildung zu durchlaufen. 

Oder er beruft Dich in ein anderes Feld der Gemeindearbeit, 

z. B. in die Kinder- und Jugendarbeit, in die Erwachsenen- oder

Seniorenarbeit - oder -, was wir viel zu oft vergessen: Er beruft dich 

dazu, dafür zu beten, dass Menschen Jesus Christus erkennen 

und in ihr Leben aufnehmen. 

 

Vielleicht fragst Du Dich heute verwundert: Braucht man dafür 

eigentlich eine Berufung und Sendung? 

Ich denke schon! 

Und damit wird die Mitarbeit in der Gemeinde auch aufgewertet.

und bekommt einen viel höheren Stellenwert, die Gemeinde

ist in die Verantwortung für die Mitarbeiter mit einbezogen! 

 

 

3. Gott ist erfahrbar für uns. 

Wenn Gott sich Mose mit den Worten zu erkennten gibt: „Ich werde

für euch da sein!“, dann ist das eine Aufforderung, sich auf Gott 

einzulassen. 

Nicht philosophisch abstrakte Gedanken („Gott ist das ewige Sein“)

und schöne religiöse Worte („In jedem Menschen ist ein Stück Gott“) 

bringen uns Gott näher und führen uns in eine Gotteserfahrung, 

sondern das konkrete Wagnis -, sich auf Gottes Wort einzulassen. 

 

Es ist das Wagnis des Glaubens. 

Christsein beginnt mit einem Sich-Einlassen auf Jesus Christus

und sein vollbrachtes Rettungswerk und findet seine Fortsetzung

im täglichen Vertrauen auf diesen Herrn. 

 

Wer Gott nur als Zuschauer betrachten will, wird ihn nie erfahren. 

Gott will mit uns leben, uns in unserem Alltag begleiten als Vater

und Mutter, als Großeltern, in der Arbeit, auf der Straße, im Kranken-

bett wie in allen Herausforderungen des Lebens. 

 

Gott hat uns sein Wort gegeben mit vielen Zusagen („Siehe, ich bin 

bei euch alle Tage bis an der Welt Ende ...“) und Verheißungen

(„Bittet, so wird euch gegeben ...“). 

Alle diese Zusagen - muss ich aber erst im Glauben annehmen.

So, wie Mose es im Glauben wagen musste, zum Pharao zu gehen, 

so müssen auch wir es wagen, Gottes Wort in unserem Leben zu

vertrauen. 

Aber, so wie Mose noch viele Kämpfe durchstehen musste, bis er

das Wunder des Durchzugs durch das Rote Meer erleben sollte, 

so werden auch wir auf unseren Glaubenswegen vielen Anfechtungen

und Widerständen begegnen, aber und das ist das Erstaunliche! in diesen

Turbulenzen auch Wunder erleben. 

 

Das Geheimnis eines Lebens in Berufung und Sendung ist der 

Glaube. 

In Hebr 11, Vers 27ff lesen wir: „Durch den Glauben verließ Mose

Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt

sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn ... Durch den 

Glauben gingen sie durchs Rote Meer wie über trockenes Land“. 

 

Der Predigttext heute - ist in jedem Fall eine ganz persönliche Anfrage 

an jeden von uns. Gott ruft uns zu: 

- Vertraue mir und meinem Wort, 

- wage es im Glauben deine Berufung anzunehmen 

- und Schritte in neues Land zu gehen, 

so, wie Mose und viele andere es getan haben. 

Ich, dein Gott, bin derselbe und meine Zusagen gelten noch. 

Aber du kannst mich nur als den erfahren, der ich bin, wenn du dich

auf mich einlässt und das Wagnis des Glaubens auf dich nimmst. 

Anders bin ich nicht zu erfahren!

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Mittwoch, 20.06.2018
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Donnerstag, 21.06.2018
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Sonntag, 24.06.2018
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Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)