2010-12-31

Predigt über die neue Jahreslosung für das Jahr 2011 aus Römer 12,21 und Einführung Lied zur Jahreslosung / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde!
Ein neues Jahr steht bevor!
Schon in wenigen Stunden ist es so weit!
Wie ein Buch, dessen Seiten noch leer sind, liegt es vor uns.
Und so ein leeres Buch weckt bei vielen Menschen Begeisterung,
setzt Phantasie frei: Seine 365 Bögen warten nur darauf,
von uns beschrieben zu werden.
365 Tage. So viele Möglichkeiten, so viele Gelegenheiten,
Neues auszuprobieren – frei nach dem Werbeslogan des schwe-
dischen Möbelhauses »Entdecke die Möglichkeiten«.

Aber auch so viele Fragezeichen, bedrohlich wirkende Offenheiten,
Gefährdungen von außen und von innen warten auf uns.

Wir stellen uns heute am Altjahrsabend unter Gottes Wort,
mit dem wir mutig in ein „Neues“ gehen können.
Dabei steht heute die Jahreslosung für 2001 aus dem Römerbrief
des Apostels Paulus im Mittelpunkt:
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern über-
winde das Böse mit Gutem“ (Römer 12,21)
.

und damit wir das Wort nicht aus dem Zusammenhang reißen,
lese ich vier Verse davor noch dazu:
„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.
Seid auf Gutes bedacht gegenübe jedermann.
Ist‘s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn
Gottes; wie geschrieben steht (Dtn 32,35): „Die Rache ist mein;
ich will vergelten, spricht der Herr.“
Vielmehr, wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen;
hat er Durst, dann gib ihm zu Trinken.
Wenn du das tust, wirst Du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse
mit Gutem!“ (Röm 12,17-21).


Ein neues Jahr steht bevor! 
Was ist gut und was ist böse?

In den großen Kinofilmen ist es meistens klar, wer gut ist und
wer böse: Winnetou und Old Shatterhand gehören zu den Guten,
auch James Bond, wenn er im Auftrag Ihrer Majestät großkalibrige
Bösewichtge jagt.
Und obwohl Jack Bauer keine blütenweise Weste hat,
zählt er doch klar zu den Guten, wenn er Terroristen in letzter Minute
das Handwerk legt.

Die Kinohelden spiegeln wieder, was wir empfinden:
Eine Art Grundverständigung darüber, was gut und was böse ist,
mehr noch: wer gut und wer böse ist.

Aber so einfach ist das dann jenseits der Leinwand dann doch nicht.

Die Achse der Guten
Wer ist etwas der Gute, wenn sich Vater und Mutter streiten?
Wer ist böse, wenn zwei Nachbarn im Clinch liegen?
Wer hat eine weiße Weste, wenn sich Kollegen zoffen und mobben?
Da ist die Achsen des Bösen und Guten nicht mehr so einfach
auszumachen.

Nicht einmal in unseren Gemeinden. Da wird auch gestritten.
Aber wer will sich schon anmaßen zu sagen,
welche Christen denn die Guten und welche die Bösen sind?
Dieses Urteil lässt sich so schnell nicht fällen,
nicht einmal im Blick auf uns selber:
    „Ich bin mir zwar nichts bewusst, aber darin bin ich nicht
    gerechtfertigt; der Herr ist‘s aber, der mich richtet!“
    (Paulus in 1. Kor 4,4)

Oder können Sie das von sich sagen,
dass Sie immer zu den Guten gehören?
Freilich verorten wir uns tentenziell schon auf der guten Seite.
Aber Paulus weiß, dass das eine Täuschung ist,
der wir allzu oft unterliegen.
Deshalb rät und ermahnt er uns eindringlich in diesem Wort,
das zur Jahreslosung für 2011 gewählt wurde:
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ (Röm 12,21)

Fragt sich also: Was ist eigentlich böse und ist ist gut?

Nichts leichter als das antwortet der bibelfeste Christ
und verweist etwa auf die Zehn Gebote:
Stehlen, töten, lügen, betrügen, ehebrechen - das alles sind
Spielarten des Bösen.
Gott setzt sein Wort dagegen und sagt: „Du sollst.
Gottes Ja und sein Nein sind eindeutig.

Und doch, nicht alles lässt sich an unseren Handlungen ablesen:
Jemand kann äußerlich überzeugend leben, jemand kann eine
weiße Weste haben, seinen Glauben bekennen,
sonntags in den Gottesdienst gehen, seine Eltern achten,
nichts stehlen, niemanden umbringen
und auch nicht von Neid und Missgunst zerfressen sein -
und sich doch vom Bösen überwinden lassen.

Unsere Werke allein machen es nicht.
Über Gut und Böse wird an anderer Stelle entschieden:
in unserem Herzen.

Auf das Herz kommt es an
Und damit meine ich nicht das im Deutschen so romantisch verklärte
„gute Herz“, das weich und mitfühlend ist, sondern das Innerste
jedes Menschen - um es mit der Bibel zu sagen - sein Personzentrum,
die Schaltzentrale, von der alle meine Regungen gesteuert werden.
Dieses Personzentrum heißt im Sprachgebrauch der Bibel „Herz“.
Es umfasst sowohl unsere Gefühle als auch unseren Willen und
Verstand.

„Woran du dieses Personzentrum (Herz) hängst,
das ist dein Gott!“ - sagt Martin Luther
in seiner Erklärung zum 1. Gebot.

Im Zentrum unseres Denkens, Fühlens und Wollens,
also in der Mitte unserer Person, fällt die Entscheidung über Gut
und Böse.
Was wir sagen, was unsere Hände tun und die Füße bestätigen,
das ist wichtig, aber für die Bewertung kommt es auf unser
Personzentrum (Herz) an:

Alles, was ich im Vertrauen auf Gott, meinen Herrn, tue, ist gut.
Alles, was du im Glauben tust, ist gut,
alles, was du in und aus Liebe zu Jesus Christus tust,
was du aus einem vom Geist Gottes erfüllten Herzen heraus tust,
alles, was wir betend tun,
alles, was Gott ehrt und dem Nächsten dient, ist gut.

Das ist die Freiheit eines Christenmenschen, zu der Christus befreit,
wenn wir ihm nachfolgen und hat mit Freizügigkeit oder Zügellosing-
keit nichts zu tun.
Die Freiheit eines Christenmenschen ist gehalten von den Zügeln
der Liebe. Sie ist die Freiheit zum Gehorsam,
die Freiheit zum Dienst, die Freiheit zur Liebe.

Machen Sie ihren Herzenstest:
Können Sie Christus lieben und gleichzeitig ihren Nächsten hassen?
Können Sie Jesus als ihren Herrn loben und gleichzeitig über ihren
Kollegen lästern?
Können Sie im Vertrauen auf den lebendigen Gott neidisch sein,
aus Glauben heruas lügen oder im Glauben betrügen?
Können Sie betend die Frau ihres Nachbarn begehrend anschauen?
Können Sie mit einem Loblied auf den Lippen pornografische
Bilder ansehen?
Können  Sie von Herzen bitten, danken und anbeten und
dabei Belege frisieren und Ihre Steuererklärung kaschieren?

Beiden zusammen geht nicht.
Wenn Ihr Herz von Christus voll ist, hat das Böse keinen Platz.
Gut ist, wer an Christus hängt und sich ganz an ihn bindet.
Gut ist, wer sich daran hält, dass Gott es gut mit ihm meint,
weil Gottes Güte und Gnade zu uns kommt.

Die Gesichter des Bösen
Und das Böse? - Das Böse hat viele Gesichter.
Es kommt finster und dunkel daher mit Grimassen,
die jeden erschaudern lassen, der sie sieht - und - es kommt
strahlend, lachend und verführerisch daher in einer Gestalt,
die anziehend und faszinierend ist.

Das Böse kann laut sein und mächtig,
aber auch heimlich, still und leise.
Es trägt Springerstiefel und kommt auf leisen Sohlen geschlichen,
es erscheint in Menschengestalt oder sogar einem Engel gleich.
Es hat eine eigene Schönheit, aber keine Reinheit.
Es hat eine Überzeugungskraft und doch keine Wahrheit.
Das Böse erzeugt große und tiefe Gefühle und doch keine Liebe.
Es sprengt Grenzen und reißt Zäune ein und führt doch nicht
in die Freiheit.
Es ist gewaltig und mächtig und baut doch nicht auf.
Es scheint alles zu bieten und ist doch - nichts.

Böse ist alles das, was uns den Blick von Christus ablenkt.
Böse ist das, was unser Herz mit anderem als mit Jesus Christus füllt.    
Ich möchte an dieser Stelle eine kurze Pause einlegen und bitte Sie,
sich einmal konkret zu überlegen, was Sie im zurück liegenden Jahr
von Christus abgelenkt hat, was Ihnen wichtiger war
und sagen Sie es ihm in einem stillen Gebet ...

Böse, liebe Gemeinde, ist nach Gottes Wort alles,
was uns hindert, Gott von ganzem Herzen zu lieben,
uns ganz für ihn zu entscheiden.
Böse ist, was unseren Seelengrund mit anderem als mit der Liebe füllt,
die Gott zu mir hat und ich umgekehrt erwidern darf.
Böse ist, was unsere Kräfte durch Gleichgültigkeit oder Hass bindet.
Böse ist, was uns undankbar, stolz und neidisch macht,
was uns davon abhält alles von Gott zu erwarten
und alles von ihm zu empfangen.

Böse ist all das, was nicht von Gott ist, was gegen Jesus Christus ist,
was seinen Namen nicht ehrt und ihm deshalb die Ehre nimmt
und dem Nächsten den Frieden.
Böse ist, wer die Liebe Gottes links liegen lässt.

Wer überwindet wen?
Wer ist jetzt stärker: Das Gute oder das Böse?
Wer überwindet wen in unserem Personzentrum (Herzen)?
Wer sitzt am Schalthebel, wer regiert?

Erinnern wir uns daran: Das Böse hat viele Gesichter,
aber das Gute hat einen Namen: Jesus Christus.
Die Macht des Guten liegt in seiner Ohnmacht.
Es hat sich dem Bösen ganz ausgeliefert,
sich ganz gegeben und gerade so dem Bösen die Macht genommen.
Das Gute wird nicht nur am Ende siegen, es hat schon gesiegt.

Das Böse tobt zwar noch, ist aber schon überwunden:
Jesus Christus herrscht als König, sitzt auf dem Thron -
nicht nur im Himmel, sondern auch in meinem Herzen.

Deshalb gilt für unseren Kampf: „Mit unsrer Macht ist nichts getan.“
Wir wären wirklich bald verloren.
Aus eigener Kraft schafft es kein Mensch, die Macht des Bösen
zu überwinden.

Aber es streitet, Gott sei Dank, ein anderer!
Wenn ich mich ganz auf seine Seite stelle, wird er mich nie
verlassen. Dann ist er hier bei mir und Dir,
nicht einmal ein Gebet weit entfernt,
weil sein Wort mich heute trägt, bevor ich ein Wort sage.

Wenn ich mich ganz auf seine Seite stelle und ihm folge,
wohin die Reise auch geht, dann trennt mich nichts mehr
von ihm, weil seine Barmherzigkeit mir heute vergibt,
bevor ich nur bitten kann.
Dann braucht mir auch vor 2011 nichts wirklich Angst machen,
weil seine Liebe mir heute gilt, seine Güte mich heute umfängt
und weil seine Gnade für den Tag heute reicht.

Ich brauche nicht mehr als hin zu ihm.
Christus ist da.
Und das ist gut so.
Amen
 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
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Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)