2010-12-26 Christfest II - Stefanustag

Predigt über Matthäus 23,34-37 / Pfarrer i. R. Winfried Müller, Altensteig (Die Predigt von Dekan Werner Trick liegt leider nicht in digitaler Form vor)

Wir hören das Wort Gottes für den Stefanustag (Tag der verfolgten Christen weltweit) / zweiten Christfesttag aus Matthäus 23,34-37:

"34 Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern, 35 damit über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Secharja, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar. 36 Wahrlich, ich sage euch: Das alles wird über dieses Geschlecht kommen. 37 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt! 38 Siehe, »euer Haus soll euch wüst gelassen werden« (Jeremia 22,5; Psalm 69,26). 39 Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!"

 

 

Liebe Gemeinde,

wie passt das zusammen: Weihnachten und diese Verfolgung hier: Töten, kreuzigen, geißeln?!  Das passt doch wie die Faust auf’s Auge: Dort die große Freude und hier das große Contra! Oder will man uns die Feiertagsstimmung verderben, wenn heute vom Blut der Märtyrer die Rede ist? Oder wäre es möglich, dass das gleiche Ereignis – die Geburt des Erlösers – die Einen außer sich sein lässt vor Freude und Freiheit und die andern außer sich vor Zorn und Zerstörung?

 

Nein, es ist kein Versehen, wenn die Kirche der Christgeburt am 1. Feiertag den Christenmord am 2. Feiertag folgen lässt. So war es doch von Anfang an: Die Weisen aus dem Osten freuten sich mit großer Freude und Herodes erschrak und schickte Soldaten aus: Der gleiche Anlass und zwei Reaktionen! Warum gehören Freude und Widerspruch an Weihnachten zusammen?

 

(1.) Das zweischneidige Schwert des prophetischen Wortes.

Siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftkundige. Ja, Weinachten ist auch die Geburtsstunde der Verkündigung, der guten Nachricht des Christentums. Die Engel gehören hinein in die Weihnachtsgeschichte: Euch ist der Heiland geboren! Und die Hirten gehören hinein: Sie breiteten das Wort aus und erzählten’s weiter. Matthäus nennt die Boten seiner Zeit, die christlichen Boten: Propheten! Hier in Matthäus 23 blickt Jesus voraus auf die Zeit nach seinem Tod. Die Botschaft geht in alle Welt. 

 

Die Boten heißen hier sehr auffällig: Propheten. Siehe, ich sende zu euch Propheten, Weise und Schriftkundige. Propheten sind ergriffene Leute. Sie sprechen unmittelbar aus einer Gottesbegegnung heraus. Propheten reden aktuell in die Zeit, sie geben Anstöße und die sind anstößig. Propheten haben einen Röntgenblick. Sie legen offen, was im Menschenherzen verborgen ist. Prophetische Predigt ist ein zweischneidiges Schwert. 

 

Matthäus, der sich als Verkündiger selbst als Prophet versteht, nennt in seinem Buch einige Reaktionen der Hörer:

Z. B.: Sie sagen Ja, und tun Nein. Sie hören’s, aber sie tun’s nicht (21, 30). Besonders häufig lautet, so sagt Matthäus, die Reaktion – Heuchelei! Man will dabei sein, aber dabei sein, um gesehen zu werden (23, 5), nicht sich zu ändern. War das nur damals so? Als launenhaft entpuppen sich viele Predigthörer, sagt Jesus (11, 16). Sie sind wie die spielenden Kinder auf dem Dorfplatz. »Kommt, wir spielen Hochzeit!« – »Keine Lust, wir machen nicht mit!« Ein andermal: »Kommt, wir spielen Beerdigung!« – »Ach, lass uns in Ruh. Das ist zu traurig!« Die Weihnachtsbotschaft von der grenzenlosen Liebe Gottes ist zwar willkommen. Was aber, wenn es heißt: Geboren ist in Bethlehem Christus, der Herr! Werden wir uns da beugen  oder wollen wir unser eigener Herr sein? Das Evangelium ist prophetisches Wort. Es ist ein schneidendes Schwert.  

 

Gott sei Dank! Einige gelangen zur großen Freude. Sie beugen sich. Sie lassen in ihr Herz hineinleuchten. Sie erschrecken. Sie sehen ihren Schaden. Sie kommen zum Kind als Bedürftige. Er nimmt auf sich, was auf Erden / wir getan / gibt sich dran / unser Lamm zu werden / unser Lamm, das für uns stirbet / und bei Gott für den Tod / Gnad und Fried erwirbet. (EG 36. 4). Jetzt kann sich der so genannte »fröhliche Wechsel« vollziehen: ER nimmt unsern Schaden, unsre Not. Wir nehmen seine Reinheit und  das Ja von Gott. Da springt sie hervor! Da bricht sie auf: Die Freude, die große Freude. Andere lehnen ab. Seht also: Eine Botschaft, zwei Reaktionen!

 

(2.)  Grund der Verfolgung: Widerstreben gegen den heiligen Geist.

Wie ergeht es nun den Evangeliumsboten, die hier Propheten genannt werden? Von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, einige geißeln in euren Synagogen und verfolgen. Es ist interessant, dass Jesus die kommenden Verfolgungen hineinstellt in eine Reihe, die mit Abel beginnt und hinläuft auf einen wenig bekannten Sacharja, den letzten Propheten des Alten Testaments. Eines ver-bindet diese Reihe: Das Blut der Gerechten. Das wird hier vergossen. Etwas Typisches läuft hier ab: Alle diese Verfolgten haben das Recht aufgerichtet und das Unrecht ihrer Zeit gebrandmarkt. »Wohlstand und Sexualität sind zum Gott eurer Gesellschaft geworden, zum Baal!« So Sacharja (2. Chronik 23 und 24). Dieser Aufschrei ist das Eine. Und das Andere: Sie alle wurden nicht von Heiden, sondern aus der Mitte des Volks Gottes umgebracht.

 

Der Schaden sitzt also auch in der Kirche. Ein Gericht wird »über diese Art« ergehen, sagt Jesus – so übersetzt man am besten statt: »über dieses Geschlecht«. 

Es ist eine typische Art Mensch, die zur gewaltsamen Verfolgung neigt. Es ist eine Religiosität, die sich der Wahrheit nicht beugt, sondern sich auflehnt. Der Märtyrer Stephanus bringt es auf den Punkt: Wie eure Väter, so widerstrebt auch ihr allezeit dem heiligen Geist! 

(Apostelgeschichte 7, 51).

 

Und »diese Art« ist in unserer Zeit verbreitet und aktiv. Beispiel Afghanistan (1): Dort werden neu bekehrte Christen im Fernsehen vorgeführt als vom Islam Abgefallene. Der so entstehende Volkshass beschäftigt selbst das Parlament von Präsident Karsai. Die Volksvertreter fordern nach dem Sharia-Gesetz die Hinrichtung. Nach Indien geflohene afghanische Christen rufen nach unserer Fürsprache. 

 

Beispiel 2: Irak (2). Dort leben heute noch 30000 Chris-ten. Vor 20 Jahren waren es 5 mal mehr: 1, 4 Mill. Es sind Christen der syrisch-chaldäischen Kirche, die z. T. heute noch Jesu Muttersprache, das Aramäische, sprechen. Die hier verübten Grausamkeiten, kann man kaum in den Mund nehmen. Deshalb sind diese Mitchristen in den kurdischen Norden oder ins Ausland geflohen. – Die Gottessohnschaft Jesu und das Grundgesetz der Liebe werden von heutigen Ideologien als Bedrohung und Angriff empfunden. Ja, denn sie decken »diese Art« auf, die dem Geist und der Wahrheit widerstrebt – mit Gewalt. 

 

(3.)  Wobei wir bleiben wollen: Beim Lockruf der Liebe.

Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Was für einen Schmerz nehmen wir im Herzen Jesu wahr! Ihr habt nicht gewollt! Was für eine zärtliche, mütterliche Verbundenheit liegt in dieser Klage! Wie viele unentwegte Einladungen gehen diesem »Nicht gewollt« voraus!

 

Jesus wählt ein bewegendes Bild für seine und unsere Arbeit am Volk: Das Bild eines Muttervogels: Die Mutter stößt einen Warnruf aus: Kommt, Gefahr ist im Verzug! Sie ist bereit, ihr Völkchen mit ihrem Leib und Leben zu decken. Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, Jerusalem: Wie eine Henne ihr Küken unter ihre Flügel! Was für eine Liebe! 

 

Stephanustag! Gedenken an die Verfolgten und Märtyrer. Ihr Schicksal ist etwas Äußerstes in der Kirche und etwas sehr Innerliches, nahe am Herzen des Herrn.  Zuletzt ruft uns der Herr in diesen heiligen Bereich seiner sich opfern-den Liebe hinein. Beten wir für die Bedrängten. Beten wir, dass sie dort und wir hier bleiben und dabei beharren, andere  zu rufen und zu locken zu Jesu Liebe!   Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 16.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Donnerstag, 18.10.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Paul Gerhardt (Pfarrer i.R. Herrmann Schwarze)
Freitag, 19.10.2018
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Mädchenjungschar
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Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
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Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann