2010-12-25 Christfest I

Predigt über Micha 5,1-4 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Unser Predigttext für den 1. Christfesttag führt uns hinein in eine spannungsgeladene Zeit und reißt vielleicht genau deswegen den Horizont auf, in dem wir die umfassende Bedeutung erkennen, die ein bestimmter Ort in der Geschichte Gottes mit den Menschen spielt. Ich Gottes Wort aus Micha 5,1-4:

1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in 

Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen 

Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

2 Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären 

soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen 

zu den Söhnen Israel.

3 Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in 

der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden 

sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit 

die Welt ist.4 Und er wird der Friede sein.“

 

 

Liebe Gemeinde, 

 

1. Bethlehem ist unsere Welt.

 

Bethlehem hat Hochkonjunktur in diesen Tagen. 

In jedem Krippenspiel wird dieser Ort erwähnt. 

In unzähligen Weihnachtsliedern besingen wir ihn. 

In mancher Wohnung stehen Krippenfiguren aus Olivenholz, die aus 

Bethlehem stammen. 

Und viele Menschen haben am Fernseher den Heiligabend-Gottes-

dienst aus der Geburtskirche in Bethlehem miterlebt.

 

Freilich, so idyllisch-romantisch, wie es uns in vielen Weihnachts-

geschichten begegnet, so lieblich-freundlich geht‘s heute in 

Bethlehem gerade nicht zu:

Der Weihnachtsgottesdienst kann nur unter strengen Sicherheits-

vorkehrungen stattfinden. Schwerbewaffnete Soldaten patrouillieren 

um die feiernde Gemeinde. 

Der israelisch-arabische Konflikt lebt immer noch in dieser Stadt. 

Aber war das je anders?

 

Seit jeher wird Bethlehem mit David und seiner Familie in Verbin-

dung gebracht. Boas und Ruth lebten hier, Davids Urgroßeltern. 

Isai, sein Vater, ist hier geboren worden. 

Samuel beruft David vom Schafe hüten weg zum König von Israel. 

Er soll im Auftrag Gottes ein ewiges, ein gerechtes Königreich 

aufrichten, in dem es den Menschen wohl geht und Gott verehrt wird. 

 

Aber schon bald nach David kommt es ganz anders. 

Von seinen Nachfolgern heißt es in schöner Regelmäßigkeit: 

Sie taten, was Gott übel gefiel. 

Bethlehem ist unsere Welt.

 

Micha, ein Prophet des 8. Jahrhunderts vor Christus, 

sieht deshalb großes Unheil kommen. 

Er führt Klage über den ramponierten Zustand des Volkes. 

Er wettert gegen Lug und Trug in Jerusalem. 

Die führenden Männer in Juda sind ihm ein Dorn im Auge. 

Denn: Im Weinberg Gottes findet er keine Früchte mehr. 

Es gibt keine Frommen und keine Gerechten im Land. 

Sie lauern alle auf Blut, ein jeder jagt den andern, klagt Micha. 

Ihre Hände sind geschäftig, Böses zu tun. 

Der Fürst und der Richter fordern Geschenke. 

Aber es kommt der Tag, da sollst du heimgesucht werden, warnt Micha. 

Keine romantische Idylle damals in den Häusern und Ställen von 

Bethlehem.

 

Kommt uns das nicht sehr bekannt vor? 

Diese abgehauenen Bäume, diese zerstörten Hoffnungen, 

diese unerfüllten Wünsche?

Bethlehem, das steht hier für die kahlen Überreste menschlichen 

Hochmuts und Größenwahns! 

Diese Stadt hier ist ein Zeichen schmerzlichen Scheiterns. 

Bethlehem ist unsere Welt.

 

Aber ist Bethlehem damit abgeschrieben? 

Zertritt Gott den glimmenden Docht und reißt er die geknickte 

Ähre vollends aus?

Gerade das tut Gott nicht. 

Gott schenkt dieser Stadt vielmehr eine große Verheißung: "Du 

Bethlehem, die Stadt, die klein ist unter den Städten in Juda, aus dir 

wird der Mann kommen, der Israel erretten wird." 

So übersetzt die Gute Nachricht die Prophezeiung Michas.

 

Das heißt doch: Es gibt noch Hoffnung für Bethlehem, für unsere Welt. 

Ein Hoffnungsträger wird angekündigt, 

ein grüner Zweig am toten Baum, 

ein Weinberg, der Frucht trägt, 

ein Kind, das Hoffnung weckt, 

ein Friedensbringer und einer, der Gerechtigkeit schafft. 

Weil er in Bethlehem zur Welt kommt, wird dieser Ort nicht zum 

Symbol des Weltuntergangs, sondern zum Symbol der Hoffnung. 

Bis heute zu einer Hoffnung, dass aus diesem Ort das Licht hervor-

bricht, das die dunklen Nächte dieser Welt erhellt.

Und mitten in der tiefsten Nacht der Weltgeschichte geht diese 

Verheißung in Erfüllung. 

 

Die Prophezeiung Michas lenkt unseren Blick auf Bethlehem, 

aber sie weitet ihn gleichzeitig auf einem weltgeschichtlichen 

Horizont hin: Ist Israel schon winzig und Bethlehem darin nur ein kleines 

Kaff, so wird schier unfassbar, wie es dann bei Micha weiter heißt: "Er aber, 

jener verheißene König, wird auftreten und sein Volk weiden in der Kraft 

des Herrn und in der Macht des Namens des Herrn, seines Gottes. 

Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit verherrlicht 

werden, so weit die Welt ist."

 

 

2. Bethlehem – so weit die Welt ist.

Die Prophezeiung Michas läuft darauf hinaus, dass der König, 

der aus Bethlehem kommt, weltweite Majestät und Vollmacht 

ausüben wird. 

Der Herrschaftsanspruch dieses verheißenen Retter-Königs 

reicht bis an die Enden der Erde. 

 

In einer kraftvollen Vision ohnegleichen zeichnet Micha das Ziel Gottes 

mit dieser Welt: "In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des 

Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel 

erhaben. Und die Völker werden herzulaufen und viele Heiden werden 

hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn 

gehen und zum Hause des Gottes Jakobs. Dass er uns lehre seine 

Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung 

ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Und sie werden ihre 

Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. 

Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben und sie 

werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

 

Die Welt, ein Friedensreich Gottes. 

Das muss sich schon damals in den Ohren der Menschen wie ein 

maßloser Größenwahn angehört haben. 

Mindestens so größenwahnsinnig wie der Missionsbefehl Jesu an 

seine 11 (!) Jünger: "Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern 

alle Völker." 

Gottes Reich, in das die Menschen hineindrängen. 

Die Weisungen Gottes, auf die die Menschen achten. 

Das Ende aller Kriege. 

Schwerter zu Pflugscharen.

 

Liebe Gemeinde, wir sind heute immer noch weit entfernt davon, 

dass diese Vision Realität wird. Noch immer schmieden die Rüstungs-

betriebe ihre Schwerter, Bomben und Raketen. 

Noch immer hört diese Welt lieber auf die Botschaften der Verführer 

als auf Gottes Weisungen. 

Noch immer laufen die Menschen falschen Götzen nach und finden 

eher nicht den Weg dorthin, wo sie Gottes Wort hören. 

 

Und doch zeigt uns das Weihnachtsfest in jedem Jahr, 

dass Gott an dieser Vision festhält. 

Sein Sohn ist in diese Welt gekommen, die widerhallt von den Schmerzens-

schreien der Gefolterten, vom Hungergeschrei vieler Afrikaner und Asiaten. 

Jesus Christus ist in eine Welt gekommen, in der auch heute noch 

- Kinder im Stall geboren werden und 

- in unserer westlichen Welt viel zu oft noch nicht einmal das 

Licht der Welt erblicken dürfen. 

 

Aber er nimmt seinen Weg hinein in diese Welt. 

Er geht nicht an ihr vorbei. 

Gottes Sohn bleibt dieser Welt treu, die ihn ins Leiden führt, 

und entzieht ihr nicht seine Liebe. 

 

Haben wir deshalb ein Recht zum Jammern? 

Haben wir ein Recht, Hoffnung fahren zu lassen? 

Haben wir Recht, wegzuschauen, wenn uns die Not der Welt anspringt? 

Dürfen wir deshalb diese Welt sich selbst und einem schauderhaften 

Schicksal überlassen?

 

Nein, tausendmal nein. 

Aber nicht weil Christen so viel besser wären als die Welt. 

Nicht weil sie so viel mehr Liebe geben und Frieden schaffen könnten. 

Sondern weil Gott selbst an der Hoffnung für diese Welt festhält. 

Dass Jesus in Bethlehem geboren wird, 

dass er in die Dunkelheit dieser Welt hineinkommt, 

das verpflichtet alle, die ihn kennen und lieben gelernt haben, 

auf seinem Weg weiterzugehen. 

 

Lassen sie mich zum Schluß noch eine letzte Frage stellen. 

Nämlich: Wo liegt nun unser Bethlehem heute?

 

Bethlehem ist ja mehr als einfach ein Name,

mehr als ein unbedeutendes Fleckchen Erde im vorderen Orient. 

Bethlehem ist überall da, wo, wie Micha sagt: Gottes Friede sich 

ausbreitet, und wo Jesus selbst der Friede, unser Friede ist. 

 

Friede – Schalom, ist mehr als die Abwesenheit von Krieg und Waffen. 

Friede, das ist die Gefährdetenhilfe „Wegzeichen“ in Enzklösterle, 

eine Familie Isenburg und andere, die Knastbrüdern und Alkohol- oder

Drogenabhängigen die Liebe Jesu zeigen. 

Friede, das ist eine Beratungsstelle „Aus-WEG?!“ in Pforzheim, 

wo Mütter unter dem Druck, ein ungeplantes Kind lieber abzutreiben als

leben zu lassen, kommen und „Hilfe zum Leben“ erfahren. 

Friede, das ist die Arbeit vieler Missionare, die auch im neuen Jahr 

weitergehen wird und die wir unterstützen dürfen, 

von „Licht im Osten“, von der Liebenzeller Mission und vielen anderen. 

Friede, das ist ein kleines Licht der Hoffnung auf ein Ende der

Raketenangriffe auf Israel aus dem Gazastreifen. 

Frieden – Heil – Schalom ist da, wo dieser verheißene und von uns 

geglaubte König Jesus Christus mit seiner Herrschaft gegenwärtig ist, 

- in unseren Gottesdiensten und Abendmahlsfeiern, 

- in unseren Hauskreisen, 

- im Blbellese- und Gebetstreff vor dem Jugendkreis. 

 

Frieden ist da, wo wir unser Heil in Gott suchen, 

wo wir einander vergeben und selbst Vergebung empfangen. 

Da liegt unser Bethlehem heute. 

 

Bethlehem, das ist mehr als ein Wort, 

Bethlehem, ist eine Verheißung: 

das Versprechen Gottes, dass er nicht ruhen wird, 

bis diese Welt in Jesus Christus Frieden gefunden hat. 

Und alle, die ihm nachfolgen, die sind eingeladen, dabei nach 

Kräften mitzuhelfen.

Amen

 

(Die Predigt nimmt Vorarbeiten von Pfarrer Siegfried Schwanz, Dornstetten, auf)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Mittwoch, 20.06.2018
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Donnerstag, 21.06.2018
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18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)