2010-12-24 Christvesper

Predigt über Johannes 3,16 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,

atemlos erzählt die fünfjährige Anna-Lena ihrer Mutter vom Besuch 

des Weihnachtsmanns im Kindergarten. »Eine große Pelzmütze hat 

er aufgehabt und einen grauen Bart«, sprudelt es aus ihr heraus. 

»Ja, und eine Rute hatte er in der Hand und einen dicken Sack 

auf dem Rücken. Weißt du, Mama, erst dachte ich, er sei verkleidet, 

aber dann hab ich gemerkt, dass er echt war.«

 

»Erst dachte ich, er sei verkleidet, aber dann merkte ich, dass 

er echt war.«

Unsere erwachsenen Erfahrungen mit Weihnachten sind in der 

Regel gerade umgekehrt: Am Anfang denken wir noch, es sei alles echt, 

aber dann entdecken wir die Verkleidung. 

 

Dass wir uns nicht falsch verstehen: 

Der Glanz gehört natürlich zum Heiligen Abend, 

auch die Kerzen am Baum und die festliche Stimmung. 

Auch der weihnachtliche Bratenduft aus der Küche und die einge-

packten Geschenke. 

Und für die Kinder gehört natürlich die Spannung und das Herz-

klopfen dazu. 

Weihnachten hat seine besonderen Regeln und Gewohnheiten.

 

Aber schneller als gedacht sind wir auch wieder raus aus der 

Verkleidung von Lebkuchen, Lametta und Weihnachtsbraten. 

Und was bleibt uns dann? 

 

Wir wollen heute Abend nur über einen Bibelvers zusammen nach-

denken, einen Satz, den Jesus gesagt hat. 

Zugegeben, es ist ein Vers, der auf den ersten Blick gar nicht von 

Weihnachten redet: Keine Engel, keine Hirten, kein Stall kommen 

darin vor.  

Und doch fasst dieser eine Satz die Weihnachtsbotschaft 

unglaublich gut zusammen, wie kaum ein anderer Bibelvers:

»Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen 

Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, 

sondern das ewige Leben haben« (Joh 3, 16).

 

Wie wäre es denn, wenn wir versuchten, diesen Bibelvers, der 

manchen bestimmt bekannt ist, miteinander zu sagen? 

Ich sage ihn nochmal vor:

»Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen 

Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, 

sondern das ewige Leben haben.«

(Gemeinsam) »Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebo-

renen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, 

sondern das ewige Leben haben.«

 

»Zuerst dachte ich, er sei verkleidet, aber dann merkte ich, 

dass er echt war.«

 

Liebe Gemeinde, wenn dieser Bibelvers von Gottes Liebe echt ist, 

wenn er mehr ist als nur weihnachtliches Brauchtum, 

dann haben auch unsere Weihnachtslieder die Hoffnung, die Freude 

und die Liebe nicht nur im Text, 

sondern es gibt auch für unser Leben und für unsere Welt 

Hoffnung, Freude und Liebe.

 

Wenn dieser starke Satz von der Gabe des Sohns echt ist, 

dann kann uns heute Abend der Himmel aufgehen, 

auch dort, wo wir meinen, er sei fest verschlossen. 

Dann kann unser Leben offen werden wie die Arme eines Kindes, 

das sein Weihnachtsgeschenk entgegen nehmen darf.

 

Ja, wenn dieser Satz, der die Geschichte Gottes mit uns Menschen 

auf den Punkt bringt, wirklich echt ist, dann ist diese Christvesper

ein ganz besonderer Moment: 

Hier und jetzt - gilt dir und mir - das Angebot der unbeschreiblichen 

Liebe Gottes.

 

So, wie es einem Jungen gegolten hat, der in der Millionenstadt Tokio 

durch die Straßen gestromert ist – eine wahre Geschichte:

„Frierend, bettelnd und heimatlos war er unterwegs durch die 

Straßenschluchten, vorbei an Läden und Bürotürmen. 

Er hatte nichts als nur die Kleider auf seinem Leib und eine Decke 

für die Nacht. An einer Hausecke sprach er einen Europäer an und 

bat ihn um ein bisschen Geld. Der gab ihm auch einige Münzen, 

aber er nannte ihm zugleich eine Adresse, beschrieb den Weg 

dorthin und sagte: »Dort musst du an der Türe klopfen. Und wenn dann 

jemand aufmacht und dich fragt was du willst, dann sage nur: 

Johannes 3, Vers 16.«

 

Der Junge wundert sich, macht sich aber gleich auf den Weg. 

Das musste er doch genauer wissen. 

Unterwegs wiederholt er immer wieder das geheimnisvolle 

Schlüsselwort: »Johannes 3, Vers 16, Johannes 3, Vers 16, ...«

Schließlich findet er alles wie beschrieben, 

klopft zaghaft an die Haustür. 

Ein freundlicher Mann öffnet und fragt, was er möchte.  

»Johannes 3, Vers 16« antwortet der Junge. 

Da geht die Tür weit auf, der Junge wird ins Haus geführt. 

Er bekommt ein warmes Bad, neue Kleider und ein gutes Essen. 

Was für ein Festtag für den Jungen! 

 

Schon bald darauf verlässt er überglücklich das Haus wieder

und denkt immer noch an die seltsame Parole:  Johannes 3, Vers 16. 

Ganz in Gedanken versunken beachtet er nicht den Verkehr an der 

Kreuzung: Ein Auto erfasst ihn, als er die Straße überqueren will 

und verletzt ihn schwer. 

Im Unfallkrankenhaus kämpfen die Ärzte um sein Leben. 

Als er wieder zu sich kommt, fragt die Krankenschwester nach 

seinem Namen. Aber er sagt immer nur: »Johannes 3, Vers 16«. 

Schließlich schreibt sie auf das Namensschild über seinem Bett 

kurzerhand: Johannes 3, Vers 16 (1).

 

Eine wahre Geschichte aus Japan. 

Wie es weitergegangen ist, weiß ich nicht. 

Aber auf ihre Art ist diese Geschichte ein Spiegelbild unserer 

Lebensgeschichte. 

 

Auch Sie und ich sind unterwegs auf den Straßen dieser Welt. 

Und wie oft betteln wir um Liebe und Anerkennung. 

Wie oft suchen wir Geborgenheit und ehrliches Vertrauen. 

Und da begegnet uns die unvergleichliche Wahrheit Gottes: 

Du bist von Gott geliebt! 

So sehr geliebt, dass er sein Bestes für dich hingibt. 

So stark geliebt, dass er seinen Sohn losschickt, der dich retten kann. 

So tief geliebt, dass seine Liebe dich sogar in Einsamkeit und Angst, 

in Sorgen und Schmerzen berührt und einholt. 

 

Diese Liebe hat etwas von einer Parole, 

die sogar fest verschlossene Türen öffnen kann. 

Seit dem ersten Christfest steht es unverrückbar fest: Auch über 

meinem und Deinem Leben steht:

 »Johannes 3, Vers 16«.

 

Deshalb müssen wir dieses Wort von Jesus für uns ganz persönlich 

hören und mitsprechen. 

So persönlich, dass wir sogar unseren Namen einsetzen können: 

»Also hat Gott (mich, Friedhelm Bühner) geliebt, 

dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit (ich), wenn 

ich an ihn glaube, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe.«

 

Wir sitzen heute Abend hier in der Schlosskirche im Lichtschein 

des Christbaums. 

 

Der Baum und die Kerzen, das ist nur Verkleidung. 

Aber er weist hin auf das Echte, das Wahre, 

nämlich dass Gott in seiner unermesslichen Liebe Jesus hat 

Mensch werden lassen, zur Rettung für alle, die ihm glauben. 

Wenn das kein Gruund zum Jubeln ist!?

 

Deshalb lade ich Sie jetzt dazwischen ein, ein Lied zu singen, 

das diese Weihnachtsgeschichte nacherzählt. »Lobt Gott ihr Christen 

alle gleich, in seinem höchsten Thron« (EG 27, 1–6)1 . -  s i n g e n  - 

 

Nun ist das mit der Liebe aber so eine Sache!

Ich kenne einen jugen Mann mitte 30, der leidet unheimlich darunter, 

dass die junge Frau, der er auf die verschiedenste Weise seine Liebe

zeigt und die er unbedingt gewinnen will, 

dass diese Frau seine Liebe einfach nicht erwidern will!

Er kann anstellen, was er will, aber sie will nicht!

Alle seine Bemühungen sind umsonst!

 

Dieselbe Erfahrung macht Gott mit uns Menschen!

Die allermeisten wollen einfach nicht, sie wollen seine Liebe einfach 

nicht erwidern (es sind die Entschuldigungen in allen Lebensphasen:)

- viel zu jung, um an Gott zu denken, 

- viel zu übermütig und selbstsicher, um an Gott zu denken,

- viel zu glücklich, um an Gott zu denken, 

- viel zu beschäftigt, viel zu müde, um an Gott zu denken und bald

- viel zu sorgenvoll und dann zu alt, um an Gott zu denken ...

 

Des Menschen beliebteste Bank ist die „lange Bank“ ...

„Ja, später einmal, aber jetzt noch nicht!“ 

Das ist sein Ziel. 

 

Aber hören wir doch auf, Gründe zu nennen, warum es jetzt gerade 

nicht passt, warum ich nicht will, 

weil nichts anderes wichtiger sein kann als auf Gottes Liebe 

zu antworten, „Ja“ zu sagen!

Ich nehme deine Liebe an!

Vergib mir meine Schuld und nimm mich in die innere Gemeinschaft

mit dir, dem lebendigen Gott, wieder auf!“

 

Wenn Du so antwortest auf die Liebeserklärung Gottes in Johannes 3, 

dann wirst du sehen, dass diese Liebe echt ist

und nicht nur festliche Verpackung. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
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10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
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Dienstag, 23.10.2018
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Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi