2010-11-28 1. Advent

Predigt über Jeremia 23,5-8 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören auf Gottes Wort für diesen 1. Adventssonntag aus dem Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 23, die Verse 5-8:

"Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David 

einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, 

der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.

Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. 

Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: 

»Der HERR unsere Gerechtigkeit«.

Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HERR, dass 

man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die 

Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der 

HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel herausgeführt 

und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen 

Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« 

Und sie sollen in ihrem Lande wohnen."

 

 

1. Eine unheile Welt. 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

eine Schülerin, 16 Jahre alt, verhält sich ungewohnt still. 

Es fällt ihrer Klassenlehrerin auf und sie spricht sie an: 

"Maren, was ist los? Du bist so still." - 

Sie druckst herum: "Ich ziehe jetzt um, zur Oma." - 

"Warum? Ziehen deine Eltern weg?" - "Nein. Mein Vater wohnt

schon lange nicht mehr bei uns. 

Und jetzt hat meine Mutter einen neuen Freund. 

Und der will nicht zu ihr ziehen, weil ich da bin." - 

"Und da hat sich deine Mutter für den Freund entschieden?" - 

"Erst nicht, aber jetzt hat sie gesagt, ich soll mir doch ein Zimmer

suchen. 

Sie mag mich ja, aber sie müsse doch auch an sich denken, 

ich soll das verstehen." - 

 

Was wird wohl in diesem Teenager vorgehen?

Wie tief wird sich diese Erfahrung in ihr Leben eindrücken, 

wie sehr ihre Zukunft bestimmen?

Wird sie noch im Alter daran denken? - 

 

Nur zu oft bleiben solche Narben des Lebens 

und immer mal wieder kommen sie hoch und tun weh. 

Und: Wie viele solcher Teenager gibt es, die ähnliche Erfahrungen 

gemacht haben?!

Gar nicht so selten, vermute ich, liegt da der Grund, warum sie 

auch so laut und aggressiv auftreten können.

 

Ein Satz aus einem christlichen Heft hat sich bei mir eingeprägt: 

"Man kennt einen Menschen erst dann gut, wenn man weiß, 

wo es still in ihm weint."

Dieser Satz reizt zum Widerspruch. 

Oder ist es so, dass in allen Menschen so ein Weinen da ist?

Ein Weinen, das eine Sehnsucht nach dem Heilwerden, 

nach dem Zurechtkommen anzeigt?

 

Wenn wir meinen, dass an dem Satz etwas Wahres dran ist, 

dann ahnen wir, warum die Bibel so viel von dem Unheilvollen 

und dem Heil spricht. 

 

Auch der heutige Predigttext ist in einer heillosen Zeit gesprochen. 

In Israel ging die Angst um vor den heranrückenden babylonischen 

Truppen. Die Kriminalität ist angestiegen. 

Auf der Straße werden Menschen ermordert, 

selbst Jeremia entgeht nur knapp einem Mordanschlag der eigenen 

Verwandten. 

Es waren unsichere Zeiten. 

Und die Zukunft sah noch düsterer aus, weil man damit rechnen 

musste, dass die Babylonier völlig enthemmt und brutal im Land 

wüten würden: 

- Häuser werden geplündert, Frauen vergewaltigt, 

- die Männer umgebracht, Städte in Brand gesteckt. 

 

 

2. Gott gibt sein Wort in dunkler Zeit.

 

Was gibt Halt?

Jeremia ist an seiner Botschaft fast zerbrochen (krepiert). 

Er sollte ja als Prophet das Unheil ankündigen, 

er hat es nicht mehr ausgehalten. 

Aber dann hat Gott selber ihm ein neues Wort gegeben, 

einen Durchblick über den unmittelbaren, morgigen Tag hinaus. 

Und das enthält einen ganz starken Trost. 

Es ist eine neue Verheißung: 

Gott, dessen frühere Taten so oft besungen worden sind, 

er wird sie in gleicher Kraft und Größe morgen wieder tun. 

- Gott ist nicht schwach geworden. 

- Er hat sich nicht ohnmächtig aus dem Dasein geschlichen, 

wie sich das manche Zeitgenossen Jeremias - 

und auch so machen Zeitgenossen heute - vorstellen.

Nur deshalb, weil sie denken, er und das, was er tut oder zulässt, 

passe nicht in ihr kleines Gehirnkästchen ...

 

Er hat auch nicht aufgehört zu wirken.

Trotz aller Negativschlagzeilen und Prognosen, wie in diesen Tagen:

- trotz des irren Artilleriebeschusses aus Nordkorea, 

- trotz Terrorwarnungen für alle wichtigen Plätze in Deutschland

und trotz des kommenden Gerichts:

Gott wird morgen da sein, er wird sein Volk noch einmal befreien, 

wird sogar noch Größeres vollbringen, 

wenn er Israel aus den Nordländern befreien wird. 

 

Gott verspricht, dass er mit den Nachkommen Israels nochmal 

neu anfangen wird. 

Die irdische Herrschaft (und Dynastie) in Israel hat zwar keine Zukunft, 

das hat Jeremia wenige Verse vorher schon klar gesagt

und Israel wird trotzdem einen Davidssohn als Herrscher haben. 

Der wird regieren wie noch nie einer vor ihm. 

Und wenn er regiert, dann wird die Sehnsucht der Menschen 

nach Gerechtigkeit gestillt sein. 

Dann wird er seine Macht dafür einsetzen, dass die Menschen 

Gerechtigkeit erleben:

- Da wird man einander wieder vertrauen können, 

- dann braucht man keine Angst mehr zu haben, abends 

noch alleine aus dem Haus zu gehen, 

- man kann die Türen offen stehen lassen und 

- dem, was ein anderer sagt, darf man vertrauen. 

 

Als Jeremia das seinem Volk ansagt, 

da sieht alles noch ganz anders aus. 

Und auch danach hat man noch nicht gesehen, 

dass es besser geworden wäre. 

Im Gegenteil: Es ist von Tag zu Tag schlimmer geworden. 

Und doch hat Jeremia das Wort, das Gott ihm gegeben hat:

Es wird kommen der König, der Sohn Davids!

 

Die Erfahrungen der Gegenwart brauchten ihn nicht aus der

Bahn zu werfen. Er hat den Halt im Wort Gottes von der Zukunft, 

das er selber bekommen hat, ist nicht verzweifelt. 

 

 

3. Heute Gott vertrauen und sein Heil bezeugen.

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

wir feiern heute den 1. Advent, wir bereiten uns vor auf Weihnachten. 

Dann feiern wir das Kommen des Retters, 

bei dessen Geburt es gesungen worden ist: Das "Ehre sei Gott

in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines

Wohlgefallens ..."

Er ist geboren worden in der Stadt Davids, stammte von David ab, 

aber nicht von den Königen, die Israel einige Jahrhunderte 

regiert haben. 

Er predigte eine neue Königsherrschaft der Gerechtigkeit für die 

Armen, die um des Geistes Gottes willen in Not geraten, 

für alle, die nach Gerechtigkeit hungern, 

für die Sanftmütigen, für die Verfolgten. 

 

- Er hat das Reich gepredigt, das nicht von dieser Welt war, 

- einen Frieden, der höherist als die menschliche Vernunft, 

- eine Herrschaft, die kein Ende hat. 

Durch ihn gibt es die Gerechtigkeit, die Gott uns zueigenet. 

Denn er ist den Opfertod gestorben und hat die Last des

Gerichts abgenommen.

Wir können jetzt Heimat und Geborgenheit finden im Vaterhaus Gottes. 

Jesus ist gekommen, damit wir - Du und ich - zum Volk Gottes gehören 

können.

Wenn wir ihn aufnehmen bei uns

und seine Gerechtigkeit die unsere werden darf. 

Wenn wir bekennen, dass wir selber vor Gott nichts zu bieten haben, 

dass unser Leben - ohne Jesus - ein heilloses ist. 

 

Und jetzt stehen wir in der Welt des Jahres 2010. 

Wir wissen um sein Kommen. 

Und trotzdem sind wir immer noch voller Sehnsucht nach dem 

Heilwerden. 

- Nach dem Heilwerden dieser Welt, in der die Mehrzahl der

Menschen Jesus immer noch (oder bereits wieder)

nur noch schemenhaft kennt. 

- Und in der es ohne Jesus drunter und drüber geht, 

heillose Zustände herrschen. 

 

Heute morgen dürfen wir damit zu Gott kommen. 

Das Wort Jeremias spricht ja davon, dass Gottes Kraft nicht veraltet: 

Das Wunder der Befreitung aus der ägyptischen Gefangenschaft

wollte Gott damals ein zweites Mal wirken. 

Und er hat es getan!

Rund 70 Jahre später sind große Teile der verschleppten 

Israeliten damals zurück in ihr Land. 

Damit hat sich diese Verheißung an Jeremia schon ein erstes

Mal konkret erfüllt. 

 

Aber als Wort aus einer dunklen Zeit will es auch uns heute 

mitnehmen: 

- Schauen wir doch einmal weg von der Not, die uns umgibt 

und binden wir unsere Hoffnung ganz an diesen Gott 

und an sein Wort!

Denn der lebendige Gott wird diese seine Verheißung auch 

für unsere Zeit noch voll und ganz erfüllen!

Und von dem Vertrauen auf Gott wird uns die Kraft zuströmen, 

dass wir auch in schwieriger Zeit nicht zerbrechen müssen. 

 

Reihen wir uns doch heute am 1. Advent ein in den Kreis derer, 

die auf Gottes Heil hoffen und ganz konkret mit Gott rechnen. 

- Bezeugen wir sein Heil so deutlich, dass es Leute wie Maren 

hören und nicht verzweifeln müssen. 

- Setzen wir Zeichen, indem wir Gott und seinem Wort  

eindeutig den Vorrang einräumen in unserer

Wochenendplanung.

- Finden wir einen Raum, in dem man einander vertrauen kann. 

 

Und sind wir als Gemeinde offen für die Marens mit ihrer Not, 

die sich manchmal auch in schrillen Formen äußert. 

ER ist verheiißen, der den Hungernden nach Gerechtigkeit

zu ihrem Recht verhilft. 

 

Feiern wir Advent voller Hoffnung auf den lebendigen Gott

und rechnen wir damit, dass sein Wort vom Heilwerden sich 

auch an uns erfüllt. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)