2010-10-10

Predigt über Epheser 4,22-32 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Brief des Apostels
Paulus an die Epheser, Kapitel 4, die Verse 22-32:

22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, 

der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23 Erneuert euch 

aber in eurem Geist und Sinn 24 und zieht den neuen Menschen an, 

der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

25 Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit 

seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. 26 Zürnt ihr, 

so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen 

27 und gebt nicht Raum dem Teufel. 28 Wer gestohlen hat, der stehle 

nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das 

nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. 29 Lasst kein 

faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, 

was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, 

die es hören. 30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem 

ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. 31 Alle Bitterkeit und 

Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch 

samt aller Bosheit. 32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich 

und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in 

Christus.“

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

muss ein Mensch „für immer der Alte“ bleiben? (1)

Ist es möglich, dass sich ein Mensch grundlegend ändert oder nicht?

Bleiben wir im Grunde immer dieselben, die wir sind?

Ist es tatsächlich so, wie es Mephistopheles in Goethes Faust sagt: 

„Setz dir Perücken auf von Millionen Locken, 

setz deinen Fuß auf ellenhohe Socken, 

du bleibst doch immer, was du bist?“ 

 

Stimmt es, was Max Frisch in seinem Werk „Biographie“ schreibt: 

„Auch wenn man die Möglichkeit hätte, bestimmte früher getroffene

Entscheidungen noch einmal neu zu treffen und bestimmte Phasen 

des eigenen Lebens neu zu konzipieren: man bliebe, was man ist, 

und würde nur in deprimierender Weise wiederholen“?

 

Stimmen wir diesen Autoren zu oder widersprechen wir eher, 

können wir Menschen uns doch verändern?

 

Unter einer  Voraussetzung würde ich der Ansicht beipflichten, dass

wir immer die Alten bleiben: Wenn wir uns ganz aus eigener Kraft

verändern müssten. 

Von uns aus können wir uns nicht grundlegend ändern, 

wir wären überfordert. 

Aber wenn wir es zulassen, dass ein anderer an uns wirkt, 

dann sind wirklich grundlegende Veränderungen möglich. 

 

Ein Alkoholiker ist hoch verschuldet, seine Familie ist kurz davor

auseinander zu brechen. 

Seine Kinder haben Angst vor ihm, wenn er abends heim kommt. 

Er wird Christ. 

Seine Familie freut sich jetzt auf ihn, wenn er von der Arbeit zurück 

kommt. Er wird frei von seiner Sucht. 

Diese totale Veränderung in seinem Leben schreibt er nicht sich 

selber zu, sondern Christus. 

Er ist nicht mehr „der Alte“, in seinem Leben hat etwas ganz Neues

angefangen!

 

 

„Für immer der Alte“? - Nein, Christen sind neu! (2.)

„Legt von euch ab den alten Menschen ..., zieht den neuen Menschen 

an“, lesen wir im Epheserbrief. 

Vielleicht denkt jetzt jemand unter uns: „Wenn das nur so einfach 

ginge!“

 

„Nein, einfach ist es nicht, sonst hätte das Paulus den Christen 

in Ephesus auch nicht schreiben müssen!“

Ganz offensichtlich gibt es das auch unter Christen, 

dass sie es nicht so genau nehmen mit der Wahrheit, 

mit Gottes Geboten, mit Gottes Anspruch auf ihr Leben. 

Sie können auch lügen, 

sie können auch dummes Zeug reden, 

sie sind auch Leute, die vor Zorn aufbrausen können und 

in ihrem Innersten Bitterkeit, Lieblosigkeit und Unbarmherzigkeit

verstecken. 

 

Inwiefern sind Christen trotzdem neu?

Wie soll das zugehen?

„Das ist doch zum Aus-der-Haut-Fahren“ kommt es einem vor 

und ganz schnell kommt die resignierende Feststellung: 

„Kein Mensch kann aus seiner Haut raus!“ und „über seinen 

Schatten springen“ kann auch niemand. 

 

Manche werden jetzt an eine ganze Reihe von Enttäuschungen

denken, die er oder sie mit sich selber oder mit anderen erlebt hat:

Da hat einer angefangen, mit dem Glauben ernst zu machen - aber die 

alten Verhaltensmuster sind immer noch da, 

es ist noch manches im Argen: 

Da ist eine gescheiterte Ehe, die bereinigt werden sollte ...

aber es ist schwer ..., 

da lügt jemand insgeheim, wenn es doch Vorteile bringt oder

wird so schnell wütend ...

 

Trotzdem: Ist jemand in Christus, dann ist er nicht mehr der Alte, 

er ist auf dem Weg der Erneuerung. 

Jesus hat sein Leben dafür gegeben, 

dass wir eine weiße Weste bekommen und nicht in den alten, 

dreckigen Kleidern weiterleben müssen!

Mit Jesus als meinem Herrn, darf ich die schmutzigen Kleider

ablegen, in einen Kleidersack stopfen und Jesus in die Hand drücken, 

endlich „klar Schiff“ machen. 

 

Er gibt mir dafür etwas ganz Neues zum Anziehen, 

das weiße Gewand derer, die seine Vergebung angenommen haben. 

 

In der Anfangszeit der christlichen Kirche, da mussten Taufbewerber

vor ihrer Taufe die alten Kleider ablegen und haben dann, zum Zeichen 

dafür, dass sie von ihrer Schuld gereinigt worden sind, 

ein neues, weißes Gewand bekommen. 

 

Dieses neue Gewand ist das Leben. 

Das neue Leben eines Christen, das einen Schlussstrich unter das

alte Leben zieht, Versagen bereinigt und wo nötig auch die  

Verhältnisse neu ordnet. 

So, wie es Christus entspricht und einem Leben im Raum seiner 

Auferstung: Von der Zweideutigkeit zur Klarheit, 

von der Dunkelheit ins Licht. 

 

Es geht um eine Leben im Mantel des Auferstandenen (3.)

„Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit ...“

Warum lügt jemand?

Oft aus Angst, manchmal um nicht schlecht dazustehen. 

Vielleicht auch, weil er oder sie etwas oder jemanden nicht verlieren will. 

Aber Lügen haben kurze Beine. 

Sie scheinen nur aus einer Verlegenheit herauszuhelfen. 

Sie zerstören immer Vertrauen, untergraben die Verlässlichkeit, 

die menschliche Beziehungen doch unbedingt brauchen. 

Das gilt auch für „Not-Lügen“ ...

 

Lügen vertragen sich nicht mit dem, 

der von sich sagt: Ich bin die Wahrheit!

 

„Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen!“

Lebe ich „im Mantel des Auferstandenen“, dann wirkt sich das

auch auf die eigene Gesundheit aus: Dieser gute Rat des Apostels, 

sicht mit dem Kontrahenten nach einem Streit zu versöhnen, bevor

es Nacht wird, hilft dazu, die angestaute Wut wieder los zu werden. 

Das noch heftig klopfende Herz kann zur Ruhe kommen, 

die Versöhnung mit dem anderen lässt einen ruhig schlafen. 

 

Warum nicht ausprobieren, ob dieser gute Rat von Paulus nicht 

ein besseres Mittel gegen Herzinfarkt und Bluthochdruck ist, 

als so manches Mittel aus der Apotheke?

 

„Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr!“

Dazu gehört auch, dass wir uns mit ehrlicher Arbeit unser

Geld verdienen und es uns nicht mit gefälschten Steuererklärungen 

erschwindeln. 

Die riesigen „Bonuszahlungen“, die sich Manager jetzt gleich nach 

der Krise wieder genehmigen, muss man durchaus auch vor diesem 

Hintergrund sehen. 

 

Aber auch Christen dürfen das wirklich genießen, 

was sich sich ehrlich erschafft haben, nur, die sollen die nicht vergessen, 

die ihre Unterstützung brauchen. 

Aus Dankbarkeit ihrem Gott gegenüber, der ihnen die Arbeitskraft gibt

und die Fähigkeiten, um an ihrem Arbeitsplatz Geld zu verdienen, 

geben sie gerne auch ab an die, die‘s nötig haben. 

 

„Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Munde gehen!“

Ein böses Wort, unter vorgehaltener Hand geflüstert, kann so viel 

Schaden anrichten!

Da gibt es die Geschichte einer Frau, die gerne andere Menschen 

verleumdet hat, aber deswegen schließlich zum Priester ging  um zu

beichten. Da hat ihr der Beichtvater diese Buße auferlegt: 

„Gehen Sie nach Hause, schlitzen Sie ein Kopfkissen auf und streuen

Sie die Federn auf die Straße. Dann kommen Sie wieder zu mir!“

Als die Frau zurück kam, befahl ihr der Priester: 

„Jetzt sammeln Sie alle Federn wieder ein!“

Darauf die Frau: „Aber das geht doch nicht mehr, die sind doch jetzt

in alle Winde verstreut!“

 

„Genau so ist es!“, antwortete ihr der Beichtvater, „Genau so ist es

mit Ihren bösen Worten über andere. 

Die können Sie nicht mehr zurück holen, 

was Sie damit angerichtet haben, das können Sie nicht mehr gutmachen!“.

 

Was ist dagegen das Wort, „das Segen bringt denen, die es hören“?

 

Es entsteht eine gute Atmosphäre, wenn ich nicht das Schlechte am 

anderen suche, sondern versuche Gutes über ihn zu reden.

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, der Geist unseres Herrn Jesus Christus, 

wird, wenn wir das alte Leben (der Sünde) wirklich konsequent ablegen

wollen, wenn wir Schuld bereinigen, wenn wir die neuen Maßstäbe von 

Jesus bei uns auch leben und dabei nichts ausklammern - mehr und 

mehr Raum gewinnen, in uns persönlich und in unseren Gemeinden. 

 

Der Mantel des Auferstandenen, das neue Kleid, 

das mir Christus anzieht mit dem Eintritt in seine Nachfolge,

sorgt dafür, dass ich nicht für immer „der Alte“ bleiben muss. 

 

ER selber, der Auferstandene, ist es dann, der in mir und an mir 

das neue Leben wirkt! 

Lassen wir ihn an unser Leben heran!

Wie den Doktor: Wenn er uns helfen soll, 

müssen wir ihn schon alle Stellen untersuchen lassen. 

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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