2010-09-19

Predigt über 2. Tim. 1,7-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,

einer sitzt im Loch. 

Nicht nur gefühlsmäßig, nicht nur sprichwörtlich, 

nein, in einem Gefängnis wurde er eingelocht. 

Vollkommen illegal unter falschen Anschuldigungen, 

nur, weil er konsequent Christ war und einfach nicht den Mund 

gehalten hat. 

Im Gegenteil: Er hat frei und selbstverständlich von seinem 

Glauben geredet. 

Der andere ist jung und frei. 

Und doch, er sitzt gefühlsmäßig im Loch, 

er ist ein eher ängstlicher Mensch. 

Aber ihm ist schon eine wichtige Aufgabe in der Gemeinde über-

tragen worden. 

Ein Brief aus dem Knast erreicht den jungen Mann. 

Er heißt Timotheus und der, der im Knast liegt, das ist Paulus, 

nachzulesen in 2. Timotheus 1,7-10:

„7 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern 

der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 8 Darum schäme 

dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich 

sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in 

der Kraft Gottes. 9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem 

heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem 

Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus 

Jesus vor der Zeit der Welt, 10 jetzt aber offenbart ist durch die 

Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die 

Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen 

ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

man muss schon genau hinhören, sonst hört man falsch. 

Und falsch ist es, wenn man hört: Christsein muss schon wenigsten

wehtun, sonst ist es nicht echt. 

Nein, Paulus, der Christ im Gefängnisloch, 

der schreibt nichts vom Christsein mit zusammen gebissenen Zähnen, 

auch ohne jede Bitterkeit schreibt er aus der Gefangenschaft. 

Paulus schreibt übers Christsein, 

wie es eigentlich sein sollte und macht dem jungen Timotheus

oder Timo, wie wir sagen würden, Mut zum Christsein. 

Timo war noch sehr jung, 

Timo hatte keine fromme Familie, 

ja sein Vater war ein waschechter Vollheide, 

allerdings die Großmutter ...

Paulus, der herumreisende Apostel, ist für Timo ein Vater geworden. 

Und Väter entmutigen ihre Kinder (hoffentlich) nicht, 

sondern machen ihnen Mut zum Leben, 

gibt es doch nichts Schöneres für einen Vater als zu sehen, 

dass sein Kind Lebensmut bekommt und das auch zeigt. 

Und das muss man sich einfach mal vorstellen: 

Paulus, der nichts zu lachen hat, 

macht dem jungen Mann noch Mut!

Paulus beginnt: „Denn Gott hat uns seinen Heiligen Geist gegeben“.

Man kann das so hören, als Vorwurf, an den jugen Mann:

„Du, ich hab den Heiligen Geist und die anderen Apostel - und du, 

was ist mir Dir? - Feil gefälligst an Deinem Christsein!“

Aber so meint es Paulus nicht. 

Er meint: Du und ich, wir haben Gottes Geist, 

den gleichen Heiligen Geist.

Diese Macht und Person, die hinter uns steht, 

Gott hat uns den Heiligen Geist gegeben. 

Das heißt: „Timo, wir beide sind in der gleichen Richtung, im 

gleichen Auftrag unterwegs, keine Angst!“

Aber warum „ermahnt“ dann Paulus, 

wenn doch alles im Butter ist?

Liebe Gemeinde, so wenig Christsein mit „erarbeiten“ zu tun hat, 

so wenig bricht ein ganzheitliches Christenleben unfreiwillig über

einen Menschen herein. 

Christsein beginnt da, wo ein Mensch die Zuwendung Gottes, 

sein Versprechen, „Ich will gerne Dein Gott sein!

Du brauchst dazu nichts zu leisten, nichts selber erarbeiten, 

sondern darfst es wahrwerden lassen in Deinem Leben!“, 

wo jemand das annimmt. 

Da beginnt das Christsein eines Menschen. 

Wo er den lebendigen Gott als seinem HERRN und CHEF in 

allein Dingen anerkennt. 

Aber damit verbindet sich auch ein Problem. 

Ich versuche es mal in einem Bild zu sagen: 

Jeder und jede von uns hat schon mal Pfannkuchen gegessen. 

Schmeckt einmalig. 

Aber weniger einmalig sind angebrannte Pfannkuchen, 

die mag nämlich keiner. 

Es gibt zwei Seiten des Christseins. 

Die eine heißt: Gott schenkt Dir seine Gnade. 

Ich darf sie einfach annehmen (oder sie ist keine Gnade mehr).

Die andere Seite heißt: „Ohne die Heiligung wird niemand den 

HERRN sehen“. So steht es in Gottes Wort. 

Viele Christen liegen immer auf der einen Seite: 

Gnade ist ein Geschenk und sie verbraten das einseitig für sich allein

und ruhen sich darauf aus. 

Das ist wie ein Pfannkuchen, der immer auf derselben Seite in der

Pfanne liegt und das geht bekanntlich nicht gut, schmeckt auch nicht. 

Nicht nur halb, sondern ganzheitlich Christ sein, das heißt: 

Anwenden auf das eigene Leben: 

Bist Du ein begnadeter Mensch: Wo breitet sich das in Deinem Büro aus?

Riecht Dein Leben nach Gott und seiner Kraft?

Bist Du eine begnadete Christin: Wie wirkt sich das in der Erziehung

Deiner Kinder (vielleicht Enkel) aus?

Du bist Christ: Wie wirkt sich das in Deiner Zeitplanung aus?

Was riecht in Deinem Leben nach Gott?

Wie viel räumst Du Gott ein, welche Prioritäten setzt Du in deinem Termin-

kalender und Tagesablauf?

Bei Deinen Zukunftsplänen -, treibt Dich die Angst oder bewegt Dich 

das Vertrauen auf Gott?

Bitte verstehen Sie das nicht falsch. 

Es geht nicht darum, den Himmel durch irgendwas zu verdienen. 

Ich habs bereits gesagt: Dass Gott sich auf die Ebene von uns sündigen

und durch und durch verbogenen Menschen gnädig herabgelassen hat, 

das muss und darf uns zu allererst einfach nur sprachlos und dankbar

machen. Zu dankbaren An-Nehmern!

Aber was folgt dann?

Überhaupt nichts?

Dann würde das schlicht und einfach bedeuten, dass da etwas anbrennt

in meinem und Deinem Glauben, etwas, was niemand schmeckt. 

Und das kann man immer wieder feststellen: 

In dieser Welt fehlt Gemeinde, an der man Geschmack finden könnte

und es fehlt an Christen, die mit ihrem Glauben etwas in dieser Welt 

bewegen oder sogar andere mit Glauben anstecken, 

ihnen den Mund wässrig machen. 

Wenn Gottes Geist in Deinem (und meinem) Leben nicht zum Zug kommt, 

dann fehlt es in diesem Leben an „Heiligung“, an Himmels-Geschmack. 

Was Angsthölle ist, das wissen alle, 

aber wer zeigt noch, was es heißt, Jesus Christus, dem Sieger, 

dem wahren HERRN dieser Welt zu gehören?

Was kann man anders machen?

Lassen Sie mich ein biblisches Bild für den Heiligen Geist nehmen:

Der Geist Gottes, der Heilige Geist, erscheint an Pfingsten wie Feuerzungen. 

Der Heilige Geist, die dritte Person der Dreieinigkeit, 

Gottes Macht und Kraft in einem Christenleben, 

hat viel mit Feuer gemeinsam. 

[Anschauung: Eine Kerze im Glas anzünden]

So in etwa ist es mit einem Christen, der den Heiligen Geist hat: 

In ihm brennt das Feuer, die Energie, die Gott in ihn hinlegt. 

Mancher sagt: Sonntag, der Tag des HERRN und geht zum Gottes-

dienst, setzt sich, ein ein bisschen Gemeinschaft, geht zusammen mit

anderen zum Abendmahl. 

Montag: Was hat der Montag mit meinem Christsein zu tun?

Deckel drauf!

Das Christsein wird für die privaten Augenblicke gesichert, aus 

Ängstlichkeit oder falscher Scheu.

[Glas mit der Kerze wird luftdicht verschlossen]

Und so geht das dann Dienstag, Mittwoch ...

Am Sonntag Deckel wieder auf. 

Es geht da um nichts Verwerfliches oder Anrüchiges, 

aber um ein ärmliches Leben und

was da garantiert ist, ist, dass das Licht ausgeht. 

Hören wir auf Paulus, 

denn Gott hat allen, die ihn darum bitten, die ein Kind Gottes geworden 

sind, seinen Heiligen Geist gegeben. 

Und das ist kein Geist der Furcht. 

Nur, wer sich im Glauben dieser Angstwelt aussetzt, 

hat Leuchtkraft und bezeugt, wer Gott ist und wie er ist. 

Deine Arbeit, Deine Zukunftsangst, 

wie viel Geduld Du brauchst, um leben zu können, 

das hat etwas mit Deinem Christsein zu tun!

Timo(theus), Deine Angst, lass doch da Gott ran!

Mach nicht den Deckel auf Dein Christsein, öffne Dich!

Wir haben keinen Geist der Furcht, 

bring den Montag und Dein Christsein zusammen.

Und wenn Du verzagt bist: Gottes Macht ist stärker, 

leg Deine Menschenfurcht, Deine Zukunftsangst in seine Hände. 

Deckel runter vom Christsein!

Schon zur Zeit von Paulus und Timotheus hat sich Gott etwas geleistet, 

was sich kein marktwirtschaftlich denkender Betrieb leisten kann: 

Schwache Leute. 

Ja, ich bin mir sicher, er arbeitet extra mit Schwachen!

Gottes Kraft ist nämlich in den Schwachen mächtig, 

ja, seine Macht kommt in den Schwachen zum Ziel. 

Gott hat Gemeinde immer mit Schwachen gebaut. 

Deshalb gehört auch ein Timo(theus) zu seinen Mitarbeitern.

Sehen Sie, es gibt unendlich viel in unserer Gemeinde und für

den Glauben zu tun. Und es passiert wenig und vieles gar nicht:

Da gibt es die Jungschar, die Kinderkirche, den Workshop Kreatives

Gestalten: Insgesamt viele Kinder kommen, aber wer wird die 

Arbeit weitermachen?

Wir haben viele Gemeindeglieder, die selten oder nie den Weg

hierher finden: Wer macht sich liebevoll Gedanken um sie?

Wer versucht über Wege in die Zukunft unserer Gemeinde nachzudenken?

Wer fragt: Was können wir helfen, damit unserer Gemeinde auflebt?

Und es gibt noch viele, viele wichtige Aufgaben, 

die anzupacken wären - und genau auf diesen Wegen könnten wir 

Gottes Macht erleben. 

Jesus ruft zum Nachfolgen auf, wir abe neigen dazu, ein Nachstehen

oder Nachsitzen daraus zu machen. 

Dabei wundern wir uns womöglich, warum wir seine Kraft nicht erfahren. 

Schiffe, die fahren, kann man lenken, 

Schiffe, die festliegen, das geht nicht. 

Wie beim Pfannkuchenbacken dürfen wir uns nicht auf der einen Seite, 

der Gnade Gottes, ausruhen. 

Sonst sind wir gute christliche Verbraucher geworden. 

Oder ist es wie mit dem Glas, dass wir aus falscher Scheu versuchen, 

ein rein privates Christsein zu leben?

Ganz, ganz viele in unserem Ort versuchen das das, leider!

Aber das geht immer schief. 

Jammern wir darüber nicht, 

aber lassen wir doch das Feuer des Heiligen Geistes, Gottes Macht, 

unter uns ganz neu zum Zug kommen, dann werden wir mutig und 

kriegen Kraft, dann wird Gott unsere wirklich kleine Gemeinde segnen

können, wie wir das vielleicht kaum glauben können. 

Chrystostomos, ein Prediger im 4. Jahrhundert, sagt: 

„Es hängt von uns ab, ob wir dieses Feuer auslöschen oder es zu

stärkerem Brennen bringen. Es erlischt durch Faulheit und Nachlässigkeit, 

es entzündet sich durch Inbrunst. 

Ihr habt schon dieses Feuer in euch; 

arbeitet, um es glühender zu machen; 

seid hingebend, das heißt, habt ein immer neues Vertrauen in Gott.“

Und Paulus ermutigt Timo(theus): Du hast keinen Geist der Furcht, 

sondern Gottes Macht in dir. Es ist alles da, die Liebe, die du brauchst, 

die Kühnheit und der Mut und die Besonnenheit. 

ER bringt das bei Dir fertig. 

Lass Gott ans Ruder Deines Lebens. 

Vertrau Dich ihm an. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)