2010-08-22

Predigt über Apostelgeschichte 9,1-20 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, 

das Wort von der "Wende" hat einst Geschichte gemacht.

Bis heute kann man das hautnah erleben, wenn man nach Berlin kommt

und am Grünstreifen entlang durch die Stadt zieht, 

da, wo früher der "Todes"-Streifen entlang der Mauer verlaufen ist ....

Aber auch: Was hat man nicht alles einmal als "Wende" bezeichnet!

In den 80er Jahren ist einmal vollmundig die "geistig-moralische

Wende" angekündigt worden, nach dem Regierungswechsel freilich ...

Aber gab es diese "Wende"?

Eine große Wende hat es tatsächlich gegeben, eine weltpolitische 

Wende, 1989 als die Mauer in Berlin gefallen ist und binnen weniger 

jahre der gesamte Eiserne Vorhang, der ganze Warschauer Pakt und mit 

ihm vieles, was bis dahin als unumstößlich gegolten hat. 

Aber Frieden und Stabilität haben alle diese "Wenden" haben letztlich 

doch nicht bringen können. 

Denken wir nur an das Pulverfass Naher Osten, zwei Irak-Kriege seither,

das vor der Weltöffentlichkeit fast verborgene Sterben in Afrika, 

Afghanistan, das nicht zur Ruhe findet, 

aber auch die Not in Gebieten wie dem Kaukasus, Tibet und anderen 

orten. Den Anschlag vom 11. September 2001 habe ich schon fast

vergessen ...

Aber auch die "Wenden" gab es und interessanter Weise waren oft

Einzelpersonen maßgeblich daran beteiligt, z. B. ein Michael Gorbatschow, 

einst überzeugter Kommunist, dessen Name zu Deutsch auch noch 

"Wer ist wie Gott?" heißt. 

Und viele andere, die seither im Großen oder Kleinen einen  

Beitrag dazu geleistet haben.

Auch unser Predigttext heute - handelt von einer Wende!

Einer sehr bekannten, und sie hat stattgefunden mitten im Leben eines 

Menschen, der von jetzt an zum Meilenstein für die Geschichte des 

Christentums werden sollte: Saulus, der zum Paulus wurde!

Ich lese Gottes Wort für diesen Sonntag aus Apg 9, Verse 1-20:

"Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die 

Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn um 

Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des 

neuen Weges Männer und Frauen wenn er sie dort fände, 

gefesselt nach Jerusalem führe. Als er aber auf dem Wege war und

in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht

vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die 

sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach:

HERR, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.

Steh auf und geh in die Stadt, da wird man dir sagen, was du tun

sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprach-

los da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden.

Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen

aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und 

führten ihn nach Damaskus; und er konnte drei Tage nichts sehen 

und aß nicht und trank nicht. 

Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem er-

schien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich,

Herr. Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße,

die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem

Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet und hat

in einer Erscheinung einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der

zu ihm hereinkam - und die Hand auf ihn legte, damit er wieder 

sehend werde. 

Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über 

diesen Mann, wieviel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan

hat; und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle ge-

fangenzunehmen, die deinen Namen anrufen. Doch der Herr sprach 

zu ihm: Geh nur hin, denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, 

daß er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor 

das Volk Israel. Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muß um 

meines Namens willen. Und Hananias ging hin und kam in das 

Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul,

der Herr hat mich gesandt - Jesus, der dir auf dem Wege hierher

erschienen ist, daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geist

erfüllt werdest. 

Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde

wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen und nahm Speise

zu sich und stärkte sich. Saulus blieb aber einige Tage bei den 

Jüngern in Damaskus. Und alsbald predigte er in den Synagogen 

von Jesus, daß dieser Gottes Sohn sei."

Liebe Gemeinde, 

Ein Saulus ist gegen Jesus unterwegs! (1.)  

In der kleinen christlichen Gemeinde von Damaskus herrscht

helle Aufregung! 

Wie ein Lauffeuer hat es sich herumgesprochen 

unter den Christen: Unser Verfolger - Saulus von Tarsus - ist unterwegs 

zu uns!

Gerade erst haben sich viele aus Jerusalem Verjagte 

hierher geflüchtet und wieder Heimat gefunden. 

Auch die ersten Juden aus den Synagogen von Damaskus

waren inzwischen zum Glauben an Jesus gekommen und zur 

Gemeinde gestoßen. 

Und jetzt droht schon wieder das Aus!

Saulus will in Damaskus fortsetzen, was in Jerusalem 

aus seiner Sicht so verheißungsvoll angefangen hat: Das Tabula rasa 

Machen, diesen Haufen der Jesusgläuben und aus seiner Sicht Ungläubigen

aufspüren, ihre Anführer verhaften lassen und so dafür sorgen, 

dass sich die Reste schnell aus dem Staub machen .... 

Hat er gedacht, dieser Saulus.

Mit Stephanus hat man schon kurzen Prozeß gemacht.

Er ist grausam gesteinigt worden und in er Apostelgeschichte kann man 

nachlesen: Auch Saulus hat zugeschaut - und sich gefreut!

So was bleibt hängen im kollektiven Gedächtnis!

Die Christen in Damaskus wussten, wer da auf dem Weg zu ihnen ist. 

Woher kommt es eigentlich, dass ein Saulus so voller Haß auf Jesus und 

seine Nachfolger ist? 

Sie sind doch in aller Regel einfache und ehrliche Leute!

Die Ehre Gottes steht für ihn auf dem Spiel, wenn Christen, 

ihren Jesus als Sohn Gottes bekennen:

Ein ans Kreuz Geschlagener, ein Verfluchter, 

der kann doch nicht Messias sein! 

Und wenn sie dann auch noch behaupten, ihr Jesus sei vom 

Tod auferstanden, da hört es nun wirklich auf!

Was für eine Gotteslästerung! 

Im Bewsstsein, etwas Gutes für den Gott der Väter zu tun, handelt dieser

Saulus und wird schon wenige Jahre später über sich schreiben: 

"Ich übertraf im Judentum viele meiner Altersgenossen ... bei weitem

und eiferte über die Maßen über die Satzungen der Väter". 

Der Kampf gegen diese Christen ist für ihn ein "Gottesdienst"!

Bis heute sind aus dieser Haltung heraus in der guten Absicht, 

die Ehre Gottes zu schützen, die grausamsten Dinge Päpste:

Päpste haben zu Kreuzzügen aufgerufen 

und - ganz aktuel fast täglich in den Abendnachrichten: 

Islamische Extremisten bomben sich und vor allem viele Andersgläubige 

in die Luft, zur Ehre Gottes, wie sie denken. 

72 Jungfrauen werden dem versprochen, der auf diese Weise im "Heiligen 

Krieg" sein Leben lässt. 

Was für eine Verblendung!

Auch Saulus hat damals für seine Aktion die besten Empfehlungen 

mitgebracht!

Die Juden in Damaskus sollen ihm mithelfen beim Denunzieren 

(Verpfeifen) und Verhaften der Anhänger dieser neuen Lehre! 

Menschlich gesehen steckt das kleine Häufchen der Christen in einer

ausweglosen Lage!

Aber - und da kommt das große "Aber" Gottes, das sich in der ganzen 

Geschichte des Gottesvolkes und der Christenheim immer wieder zu 

Wort meldet: Jesus ist nicht tot!

Er lebt - und alle Macht liegt in seinen Händen! 

Auch hier ist er am Werk und dieser Saulus ist für ihn weder unüberwindlich 

noch ein hoffnungsloser Fall!

Ja, der Auferstandene hat sogar große Pläne mit ihm:

2. Saulus - zu Jesus bekehrt!

Der Auferstandene tritt dem Verfolger - seinem Verfolger - noch vor 

Damaskus in den Weg: Ein Licht vom Himmel schreckt ihn auf 

und blendet ihn. Er fällt auf den Boden. Eine harte Landung. 

So, außer Gefecht gesetzt, hört Saulus die Worte: "Saul, Saul, was verfolgst 

du mich?" 

"Mich" heißt es da! 

Also Jesus selbst sieht sich verfolgt, 

wo seine Jünger verfolgt werden! 

So sehr identifiziert er sich mit ihnen! 

"Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen ..." hat Jesus

schon zu seinen Jüngern gesagt (Joh 15,20)

Und Saulus, vom Stärkeren eingeholt und unfähig davonzulaufen, 

kann nur noch fragen: Herr, wer bist du? 

und bekommt zur Antwort: "Ich bin Jesus, der, den du verfolgst!" 

In dieser Sekunde zerbricht für Saulus sein ganzes Lebensfundament, 

ja, alles, wovon er so fest überzeugt war!

Er ist am Nullpunkt angekommen, 

da, wo man nichts mehr weiß: 

"Alles, was mir bisher Gewinn war, habe ich nun für Schaden

geachtet ... angesichts der überschwenglichen Erkenntnis Jesu 

Christi" (5) - wird er später einmal sagen. 

Aus der Bahn geworfen, der Bahn, in der er um seine eigene Weltsicht

kreiste. Christus ist jetzt zum Mittelpunkt, zum neuen Zentrum geworden, 

um das sich alles dreht, ja drehen muss ...

Wer eine solche "Umwertung aller Werte" in seinem Leben erlebt

hat, der weiß: Es ist gar nicht so leicht anzunehmen, daß alles, worauf 

man sich bisher verlassen hat und worauf man stolz war 

jetzt plötzlich nicht mehr gilt. 

Saulus aber ist nicht am Boden liegen geblieben!

Denn völlig verdutzt wird ihm klar: Das ist ja gar keine Strafaktion Gottes, 

sondern ganz im Gegenteil: Er will mich als "auserwähltes Werkzeug", 

er will, dass ich das Evangelium von Jesus Christus verkündige!

Aber zunächst einmal ist Saulus blind - für drei Tage - und seine 

einzige Wegweisung heißt:

"Steh auf und geh in die Stadt, da wird man dir sagen, was 

du tun sollst".

Die Begleiter bringen ihn hin. 

Ganz sicher eine ungewohnte Erfahrung für so einen Mann. 

Gezwungen, in sich zu gehen und auf Hilfe zu warten, 

erfährt Saulus: Der Herr hat etwas mit mir vor! 

Aber ich muß noch warten auf Antwort!  

Gibt es heute morgen vielleicht Leute unter uns, 

denen es ähnlich geht?

Und so beginnt Paulus zu beten, wie er's vielleicht noch nie getan hat ... 

Inzwischen hat Jesus die Weichen für ihn längst gestellt! 

Er sieht es nur noch nicht! 

Hananias, ein einfacher Christ vor Ort läßt sich von Gott senden.

Wenn auch mit einem angsterfüllten Gefühl im Bauch:

"Herr, weißt du denn nicht, wer dieser ist ...?" 

Ob er sich da nicht verhört hat? 

War es wirklich die Stimme von Jesus?

Kann er tatsächlich so einen fanatischen Gegner in eine 

andere Richtung lenken?"

Aber Hananias geht, wagt sich in die "Höhle des Löwen". 

Heute wie damals gibt es diese Situation 1000fach!

Menschen mit unangenehmem Gehabe, vielleicht provokativ, 

aber mit Fragen und Zweifeln, brauchen einen Hananias! 

Und Gott sendet auch heute! 

Aber hören die Christen auf seine Stimme und wagen es 

auf sein Wort hin auf solche Menschen zuzugehen

Oder steht nicht die Angst im Vordergrund, 

oder, was noch schlimmer wäre, haben sie überhaupt Interesse

daran, sich von Gott so konkret führen zu lassen?

Hananias hat es nicht fassen können, als er im Haus des Judas 

einen blinden, betenden Mann vorfindet! 

Wie großartig, wie unerwartet, sind doch Gottes Wege, spürt er da!

Spontan kann er den Gefürchteten als "lieben Bruder Saul" anreden.

Hätte er sich das vorher zurechtgelegt, 

wäre er aus dem Stottern bestimmt nicht mehr heraus gekommen ...

Aber Gottes Geist gibt ihm die Worte, die er sagen soll:

"Saulus, du bist von jetzt an einer von uns!"

Ja, noch mehr: Du hast denselben HERRN Jesus Christus 

angenommen wie auch wir!

Froh und dankbar läßt sich Saulus taufen, ißt und trinkt wieder, 

schließlich soll er ja leben und für seinen Herrn bereit stehen!

3. Saulus - von Jesus beauftragt.

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

ich bin fest davon überzeugt, diese Geschichte von der Bekehrung eines 

Saulus zu Christus ist auch heute topp aktuell,

jedenfalls in einer Hinsicht: Christen sollen damit rechnen und dafür bereit

stehen, daß Menschen von Jesus Christus eingeholt werden!

Und dazu gebraucht Gott geistlich lebendige Christen (keine Profis, 

einfach nur Christen), die wohl wissen, 

daß Gott das Entscheidende tun muß, 

nämlich Menschen im Herzen "bekehren", 

zur Sündenerkenntnis führen.

Da geht es zuerst einmal gar nicht um hektische Aktionen, 

sondern um die Bereitschaft, sich auf Gottes Wort hin senden zu lassen 

und in Aufgaben berufen zu lassen.

Zum Beispiel in den Kindergottesdienst, die Jungschar, die Senioren-

arbeit, einen Teenkreis oder Jugendkreis ...

Hier überall braucht Gott Menschen, die sich senden (einsetzen) lassen!

Aber auch im Besuchsdienst oder als Lotse zum Beispiel zu den 

Zelttagen, die gerade in Gräfenhausen und dann in Feldrennach stattfinden. 

Als Mit-Nehmer, Ein-Lader, Motivator ...

Da geht es darum, um Bekehrungen zu beten, 

für Menschen einzutreten und auch da zu sein, 

seine kostbare Zeit, Kraft und Geld zur Verfügung zu stellen, 

für Menschen, die innerlich leer und verblendet sind, 

die vielleicht getauft sind und Jesus doch nicht wirklich gehören

oder irgendwann aus der Bahn geworfen worden sind ...

Paulus hat seinen besonderen Auftrag ausgeführt!

Aber er tat das eingebunden in den Kreis der Mitchristen von 

Damaskus, mit ihrer Rückendeckung durch praktische Hilfen, 

durch Gebet und Gaben. 

Ohne dieses alle Christen verbindende gemeinsame Sendungs-

bewußtsein, hätte er seine besondere Missionsaufgabe ganz 

bestimmt nicht erfüllen können. 

Sendungsbewusstsein! 

Das ist bei Jesus kein negatives Wort!

Sondern ein absolut notwendiges Wort!

Weil jeder, der selbst umgekehrt ist, automatisch gesandt ist in eine 

Aufgabe, an die ihn Gott stellt! 

So kann man sagen: Jeder Christ ein Mitarbeiter! 

Oder er hört ständig vorbei. 

Jeder Christ ist gleichzeitig Mitarbeiter Gottes und dann auch 

"der Heiligen" (also der Gemeinde, der weltweiten Christenheit

als Ganze)!

Dürfen und müssen wir das nicht ganz neu entdecken?

Und damit einhergehend erwarten, daß Christus auch unpäßliche, 

schräge, schrille Menschen uns in den Weg stellt,

die wir gar nicht erwarten und die uns nicht erwarten, 

dass er auch sie beruft und den einen oder anderen bekehrt!? 

Mit unserer Hilfe!?

Mehr denn je brauchen wir wieder diese Erwartung an Gott!

Das Bewusstsein und die Erwartung, dass Gott mit unserem Leben 

etwas vorhat, dass er Menschen mit Jesus Christus zusammen bringen

will und dass er garade uns (dich, mich) dazu gebrauchen will!

Die Frage ist nicht, ob das so ist, sondern 

wer sich dafür bereit hält, 

sich freut darauf, von Gott eingesetzt zu werden?

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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Sonntag, 02.09.2018
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Sonntag, 09.09.2018
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Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
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Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)