2010-08-15

Predigt über Epheser 2,4-10 / Pfarrer Martin Bulmann, Schwaigern-Stetten a. H. 

Liebe Gemeinde, 

wer ein Haus baut, beginnt mit dem Aushub der Baugrube und legt dann ein Fundament. Kein Bauherr, kein Architekt und kein Maurer würde mit dem ersten Stockwerk beginnen, ohne ein Fundament zu setzen, auf dem das ganze Haus ruhen kann. Auch wer ein Haus umbaut, erweitert oder anbaut, der muss wissen, ob das Fundament so in Ordnung ist, dass es das neue Gebäude auch trägt und hält. 

Wenn ich Ihnen nun den Predigttext lese, dann merken Sie schnell, dass es hier auch um ein Fundament geht, nämlich um das Fundament des christlichen Glaubens. 

Wir hören das Wort Gottes für diesen Sonntag aus Epheser 2,4-10:

4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht - aus Gnade seid ihr selig geworden -; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

»Gott hat uns lebendig gemacht«, »aus Gnade seid ihr selig geworden«, »wir sind Gottes Werk, geschaffen zu guten Werken« – Liebe Gemeinde, das sind die Aussagen unseres Textes, die ich eben meinte. Wer sind wir als Christinnen und Christen, was hat Gott an uns getan, wo stehen wir 

in dieser Welt? Zentrale Fragen unseres Glaubens und Lebens werden hier beantwortet. Und das alles aus demselben Grund, aus dem auch ein Architekt und Bauherr nicht mit dem ersten oder zweiten Stock anfangen zu bauen. Das Fundament muss tragen, es muss stabil und belastbar sein, sonst bleibt der ganze Bau nicht lange stehen.

Paulus will kein Haus bauen aus Holz, Stein oder Zie-geln. Paulus will Gemeinde bauen. Er schreibt seinen Brief als einen Rundbrief an Gemeinden in Kleinasien in der Umgebung von Ephesus. Sie sind gefährdet durch manche neue Lehre und manche falsche Lehre über Jesus, Gott und die Welt. Angesichts dieser Gefahren, aber auch angesichts eines großen Aufbruchs in den Gemeinden, schreibt Paulus seinen Brief. Das Leben als Christ, das Leben einer Gemeinde, das Leben in unserer Welt braucht ein festes Fundament. Und dieses Fundament muss für jeden deutlich sein, damit es auch trägt und hält, wenn darauf ein Leben oder eine Gemeinde gebaut wird.

Paulus macht es richtig. Er beschreibt zu Beginn seines Briefes dieses Fundament, bevor er Impulse zu einem Leben im Glauben gibt oder auf Gefahren durch andere Lehren hinweist. Das mag für manche Christinnen und Christen unter uns eintönig, ja langweilig sein, weil wir denken, dass wir das natürlich wissen und kennen. Und doch: Wenn wir alle das so gut wissen und kennen wür-den, dass wir nicht mehr hinhören müssten, dann würde Gottes Volk auf dieser Erde und in unserem Land viel vollmächtiger und kräftiger auftreten. Es gäbe nicht so viel Streit in christlichen Gemeinden und unsere Kirchen wären viel voller. 

Nein, auch wir haben das nötig, immer wieder an das Fundament unseres Glaubens und Lebens erinnert zu werden. 

Ich möchte die Beschreibung des Fundamentes mit drei Aussagen des Paulus gliedern:

1. Gott hat uns lebendig gemacht.

2. Gottes Gabe ist es.

3. Wir sind sein Werk, geschaffen zu guten Werken.

(1.) Gott hat uns lebendig gemacht.

Der zentrale Gegensatz, unter dem Paulus das Leben vor dem Glauben an Gott und das Leben im Glauben an Gott miteinander vergleicht, ist der Gegensatz von tot und lebendig. Tot sind für ihn Menschen ohne Gott. Schuld und Sünde zerstören das Leben, die Beziehungen, das Miteinander von Menschen. Paulus geht aber nicht nur auf geistliche Dinge ein. Die Art dieser Welt, nach der Menschen ohne Gott leben, ihre Regeln und Gesetze bringen den Tod. Und das ist keine christliche Schwarz-malerei oder christlich-depressive Weltsicht. Sicher ist dieses Wort »tot« ein hartes Urteil. Doch immer wieder merken wir, wie Schuld und Versagen, wie Orientie-rungslosigkeit und Haltlosigkeit, wie die Regeln und Gesetze dieser Welt Menschen den Tod bringen. Das ist die Realität unserer Welt im Kleinen wie im Großen. Menschen beenden ihr eigenes Leben durch Suizid und das nicht nur, wenn sie krank sind. Menschen laufen Amok und töten Unschuldige. Die gewaltsamen Über-griffe Jugendlicher aus Langeweile, aus Machtstreben oder nur, um anzugeben, bringen Menschen an den Rand des Todes oder kosten gar Menschenleben. Berichte in den Medien darüber lassen sich schon gar nicht mehr zählen.

Aber auch unsere freie Marktwirtschaft handelt nach ihren eigenen Gesetzen. Die Landwirtschaften aller Län-der zusammen könnten rein rechnerisch 12 Milliarden Menschen ernähren. Heute leben nicht annähernd so 

viele Menschen auf der Erde und trotzdem gehen täglich Tausende an Hunger zugrunde. 

Wie schaffen wir die Wende? Mit gutem Willen, besten Motiven?

Gott macht Menschen durch den Glauben lebendig, ein anderes Leben zu leben. Die Vergebung unserer Schuld in Jesus Christus verändert uns zu einem neuen Denken und zu einem neuen Handeln. Es ist seine Liebe, die uns die Kraft gibt, anders zu sein. »Nur die toten Fische schwimmen immer mit dem Strom«, heißt es in einem Jungschar- und Kinderkirchlied. Und dann im Refrain: »Sei ein lebend’ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom. Auf und wag es frisch, Freude und Sieg ist dein Lohn.« Allerdings geht das nicht von selbst. Darum heißt es auch: »Doch aus eig’ner Kraft wirst du nie ein 

lebend’ger Fisch, bitte Gott um Kraft an jedem Tag. Glaub, dass auch in deinem Leben Jesus Sieger ist, und du staunst was er zu tun vermag.«

Das ist die Realität des Glaubens, sein Fundament: 

Wir sind neue Menschen, lebendig gemacht mit Christus, ausgestattet mit der Liebe Gottes, selig geworden, aufer-weckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus. Umso mehr müssen wir uns fragen, ob wir das auch so leben. Was tun wir gegen den Hunger in der Welt? Was tun wir, um jungen Leuten Hoffnung und eine Perspektive für ihr Leben zu geben? Wo mischen wir uns ein gegen Hass und Gewalt? 

Gott hat uns lebendig gemacht, herausgeholt aus den todbringenden Mechanismen dieser Welt hin zu einem Leben mit Jesus Christus. Ein geistliches Osterwunder ist geschehen mit Menschen, die zum Glauben gekommen sind – gibt es eine größere und wunderbarere Kraft in dieser Welt, als die Kraft Gottes, die Jesus aus dem Grab geholt hat? 

Das ist das erste, was Paulus zum Fundament des Glaubens sagt. 

Das zweite, was mir bei den Worten des Paulus wichtig ist: 

(2.) Gottes Gabe ist es.

Ich glaube, diese Tatsache können wir nicht oft genug betonen. Es ist Gottes Gabe, sein Geschenk an uns, die-ses neue Leben, diese neuen Möglichkeiten, dieses Fun-dament. Denn das Wissen um dieses Geschenk bewahrt uns davor, zu viel von uns selbst zu erwarten. Nein, wir können die Welt nicht retten. Nein, wir schaffen es nicht aus eigener Kraft. Nein, es ist Gottes Gabe, wenn es ge-lingt, dass sich unser Leben verändert. Es ist Gottes Ge-schenk, wenn Gemeinde lebt. Es ist seine Güte, wenn wir etwas bewirken können zu seiner Ehre. 

Paulus bezieht sich immer wieder auf die Vergangenheit. Im Rückblick auf das Leben mit Gott ist diese Gnade, diese Güte, dieses Geschenk immer wieder zu sehen. Überall dort, wo wir merken, dass etwas nicht aus eige-ner Kraft, sondern durch Gottes Geist geschehen ist, da hat er uns beschenkt. Gleichzeitig aber blickt Paulus auch in die Zukunft und verspricht den Gemeinden, dass Gott in einem Leben mit ihm in Jesus Christus den »über-schwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns« erzeigen wird. 

Welch ein Versprechen! Die Perspektive, die Christinnen und Christen für die Zukunft haben, ist die Perspektive des überschwänglichen Reichtums! Aber eben nicht an Geld, an Kirchensteuermitteln, an Gebäuden oder Men-schen, sondern an Gnade und Güte. 

Und das ist nicht wenig, sondern viel. Und es ist genug. Ich habe die Worte des Paulus im Kopf, mit denen er sich selbst Mut und Kraft zusprechen ließ angesichts von Krankheit und Schwachheit: »Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mäch-tig.« Mit diesem versprochenen Reichtum gilt es nun, zu wirken und zu handeln, Gemeinde zu bauen und das Le-ben in dieser Welt mitzugestalten. Angesichts der vielen Diskussionen um das Wohl und Wehe der Kirche der Zukunft ist dieser Text heute ein wichtiger Denkanstoß, an dem wir dran bleiben müssten. Denn die Probleme, Sorgen und Nöte über die Zukunft von Glaubenden und Gemeinden waren zur Zeit des Paulus nicht kleiner. Und der Reichtum der Gnade Gottes war damals auch nicht größer als heute. 

Weil es aber Gottes Gabe ist, heißt es nun für uns nicht »Augen auf und los«. Der erste Schritt muss uns immer ins Gebet führen, sozusagen »in Christus« und in die Beziehung zu ihm, dass wir diesen Reichtum und die Gnade Gottes entdecken. »Nicht aus uns« gehen wir weiter, nicht aus unseren Werken, sondern aus Gottes Gnade. Dann erst verwirklicht sich das dritte, das Paulus als Kennzeichen des Fundamentes des Glaubens hier aufzeigt:

(3.) Wir sind sein Werk, geschaffen zu guten Werken.

Paulus kommt mit diesem letzten Aspekt zur Gegenwart eines Lebens im Glauben. Mit seinem Gedanken »Gott hat uns lebendig gemacht« blickt er zurück auf die Le-bens-veränderung durch den Glauben. Sein Hinweis auf den »überschwänglichen Reichtum der Gnade Gottes« ist die Perspektive für die Zukunft. In der Gegenwart leben wir als Geschöpfe Gottes, geschaffen zu guten Werken. Hier wird noch einmal deutlich, dass wir als Menschen unser Leben, auch das neue Leben im Glauben, nicht uns 

selbst verdanken. Gott hat uns geschaffen, er hat uns 

neu geschaffen zu einer »neuen Kreatur« in Christus (vgl. 2. Korinther 5, 17). Nun ist aber nicht bloß die Errettung zu diesem neuen Leben ein Werk der Gnade Gottes, sondern auch die Bewährung als Christ in der Nachfolge Christi. Gott bleibt nicht dabei stehen, uns zu erlösen, er will unser Leben erfüllen und mit uns in dieser Welt wirken. 

Das ist Gemeinde nach dem neuen Testament: Eine Ge-meinschaft von Schwestern und Brüdern, die von Gott herausgeholt sind aus Übertretungen und Sünden zu ei-nem neuen Leben in der Kraft des Geistes Gottes zu gu-ten Werken in dieser Welt. Als Christinnen und Christen stehen wir nicht vor der Aufgabe, Gutes tun zu müssen oder uns zu bemühen und anzustrengen, Gottes Gebote und seine Anordnungen zu befolgen. Wir stehen vor der Aufgabe, das, was Gott in uns hineingelegt hat, wozu Gott uns geschaffen hat, zu leben und zu gestalten.

Dieses neue Leben ist wie ein Samenkorn oder eine Blumenzwiebel. Liegt dieses Samenkorn in der Tüte oder Schüssel, sieht es aus wie tot. Liegt die Blumenzwiebel nur so herum, dann passiert nichts mit ihr. In die Erde gesteckt und befeuchtet aber entwickelt sich eine große Kraft und wächst etwas Neues, eine Pflanze, eine Blume, egal ob groß oder klein, dick oder dünn, bunt oder ein-

farbig. Woher kommt das alles? Es steckt im Samenkorn drin oder in der Blumenzwiebel. Die Kraft zu keimen steckt drin. Was am Ende herauskommt, steckt schon im Samenkorn verborgen drin. Aus Karottensamen wachsen eben Karotten, aus Sonnenblumenkernen Sonnenblumen und keine Kirschbäume. Aber nicht, weil sich das Samen-korn anstrengen müsste, sondern weil das alles schon in ihm drinsteckt. Welch eine Gabe Gottes, welch eine Gnade! Wir sind etwas und müssen uns nicht erst darum bemühen, etwas zu werden. Welch ein Reichtum steckt damit in einer Gemeinde! O Herr, gib uns offene Augen, diesen Reichtum zu entdecken. Gib uns deine Kraft, diesen Reichtum zu leben.   Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann