2010-06-20 Musikalischer Gottesdienst

Predigt über 1. Tim 1,12-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht in 1. Timotheus 1, 12-17:

"Ich danke unserem Herrn Christus Jesus, der mich stark 

gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt. 

Mich, der ich früher ein Lästerer und Verfolger und ein Frevler 

war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe 

es unwissend getan im Unglauben. 

Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn 

samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. 

Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert: 

dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig 

zu machen, unter denen ich der erste bin. 

Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus 

Jesus an mir als erstem alle Geduld erweise zum Vorbild 

denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. 

Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Un- 

sichtbaren, der allein Gott ist, dem sei Ehre und Preis in Ewigkeit!" 

 

Liebe Gemeinde!

Die Berufungsgeschichten in den Evangelien sind oft unglaublich direkt. 

Da sagt Jesus z. B. zu einem Zöllner: „Folge mir nach!“ , 

und der lässt alles stehen und liegen und zieht mit Jesus mit!

Oder Jesus sagt zu einigen Fischern am Ufer des Sees Genezareth: 

„Folgt mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen!“ -

und sie lassen ihre Netze und Boote, ihre Arbeitsstelle und ihr 

Handwerkszeug zurück und folgen Jesus tatsächlich nach. 

Bei Jesus gibt es immer Scheidung.

Das haben diejenigen, die damals mit Jesus zu tun bekommen haben, 

gespürt: In der Begegnung mit diesem Mann gibt es nur ein „mit ihm“ 

oder ein „gegen ihn“. 

Entweder ich lebe ganz mit ihm, oder ich lebe ganz ohne ihn. 

Und das war nicht nur vor Karfreitag und Ostern so. 

Auch die Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen 

Jesus seit Ostern verändert Menschen total.

Da ist dieser Paulus: Im Philipperbrief konnte er schreiben, 

dass er vor dem alttestamentlichen Gesetz untadelig ist. 

Er war vor Gott gerecht, er musste sich nichts vorwerfen. 

Aber gerade mit dieser seiner menschlichen Gerechtigkeit vor 

Gott ist er in Widerspruch zu Gott gekommen.

Er ist  zum Verfolger der Christen geworden, zum Gotteslästerer. 

In unserem Predigttext spielt er darauf an: „Ich war früher ein Lästerer 

und ein Verfolger und ein Frevler; ... ich hab‘s unwissend getan, 

im Unglauben.“ 

Paulus sagte das nicht zu seiner Verteidigung, sondern zum 

Lob Gottes. 

Er sieht in seiner Berufungsgeschichte ein göttliches Grundprinzip. 

Wir haben es im Wochenspruch aus dem Lk-Evangelium schon

gehört: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu 

machen, was verloren ist.“ (1)

Paulus greift dieses Wort auf und betont, dass es wahr ist und anerkannt 

werden muss, er hat es schließlich selber erlebt: „Wahr ist das und

aller Anerkennung wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen 

ist, um die Sünder selig zu machen, zu retten, unter denen ich 

an erster Stelle stehe.“

Diese Rettung aber war gleichzeitig eine Berufung, 

die Einsetzung in eine Aufgabe (2).  

Schließlich muss es doch in unsere Welt hineingerufen werden, 

dass es so eine Rettung gibt! 

Im württembergischen Pfarrergesetz heißt es deshalb gleich am Anfang: 

„Alle Glieder der Kirche sind berufen, der Welt das Evangelium von 

Jesus Christus zu bezeugen.“

Also nicht nur Paulus, nicht allein die Pfarrer, sondern alle, die 

Jesua als den HERRN bekennen. 

Paulus hilft uns, vier Besonderheiten dieser Berufung zu erkennen.

1. Die Kraft der Berufung.

Wenn wir Menschen für eine bestimmte Aufgabe aussuchen und einsetzen, 

dann fragen wir in aller Regel  zuerst nach ihren Gaben und Fähigkeiten. 

- Bringt er oder sie die richtige Ausbildung mit? 

- Wie sieht‘s aus mit der Qualifizierung, mit dem Wissen, 

mit der praktischen Erfahrung? 

Gott dagegen beruft nach anderen Kriterien, vor ihm ist anderes wichtiger, 

viel wichtiger! 

Auch in der Gemeinde sollte deshalb anderes wichtiger sein. 

Paulus ist ein Beispiel dafür. 

Gott hat hier einem Menschen sein Vertrauen geschenkt, 

der selbst hat einsehen müssen: Ich bin's nicht wert! 

Da wird einer zum Zeugen gemacht, von dem jeder wissen konnte: 

Der ist eigentlich der falsche! 

Paulus kann sich das nur so erklären: Jesus Christus hat einen 

Schwachen stark gemacht, einen Untauglichen tauglich, 

einen Unwürdigen würdig, einen Untreuen treu. 

Da ist ein Letzter zu einem Ersten geworden.

Wie kann aus einem Disqualifizierten ein Qualifizierter werden? 

Wie kann einer zum Dienst berufen werden, dem die Vorausset-

zungen fehlen? 

Menschlich gesehen macht das keinen Sinn.

Aber das ist Barmherzigkeit, 

das ist Gnade. 

Und der Berufene kann nur mit Dank antworten. 

2. Der Grund der Berufung.

Die Berufung hat einen einzigen Grund: „Jesus Christus ist in die Welt 

gekommen, um die Sünder zu retten.“ 

Die frohe Botschaft, das Evangelium kann eben nur der begreifen, 

der sich selbst als Sünder erkennt. 

Wir können uns den Himmel nicht verdienen durch gute Leistungen 

und ein anständiges Leben!

Sondern uns wird Rettung angeboten, weil Gott uns haben will, 

weil er bereit ist, für uns alles herzugeben. 

Nur wenn wir unsere natürliche Gottlosigkeit begreifen, 

fangen wir an, ein wenig zu verstehen, was uns Jesus anbietet: 

Rettung aus der Gottferne! 

Und dieser Ruf, der soll schon kleine Kinder erreichen. 

Wir taufen sie ja nicht, weil sie so brav sind und noch den Himmel 

verdient haben, sondern weil sie in ihrer kindlichen Hilflosigkeit  und 

in ihrem Vertrauen gerade noch nicht auf die eigene Leistung setzen. 

Sie kommen aus armer oder reicher Familie, 

aus angesehener und weniger angesehener Familie

und werden getauft ohne Ansehen der Person. 

Weil keiner den Himmel aus sich heraus verdient hat.

Alle kriegen ihn als Geschenk angeboten.

Das Geschenk der Gnade zielt darauf, dass es im Glauben ergriffen, 

angenommen und dann gelebt wird. 

Weil unsere Berufung hat ein Ziel: 

Selber Zeuge des gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu werden! 

3. Das Ziel der Berufung.

Die Liebe Gottes zu seiner Schöpfung, liebe Gemeinde, zielt auf Erlösung. 

Auf Erlösung von allen knechtenden Mächten. 

Und in  Jesus ist der Schöpfer selber zum Erlöser geworden. 

So wie Gott am Anfang spricht: „Es werde“, und es ward, 

so will jetzt Jesus noch einmal erlösend rufen uns sprechen:  „Es werde!“

So will er aus uns neue Menschen machen. 

Es fragt sich nur, 

ob wir weiterhin unser Leben selber in die Hand nehmen wollen 

oder ob Gott unser Leben bestimmen darf. 

Es fragt sich, ob er uns in seinen Dienst nehmen darf, 

oder ob wir Gott für unsere eigenen Vorstellungen benutzen wollen. 

Denn sehen Sie:

Gott will will keine „Rolle“ in unserem Lebensdrehbuch spielen, 

er will der „Regisseur“ sein, der für mich eine „Rolle“ (wichtige Aufgabe) hat

und mich und Dich so einsetzt, wie er es will.  

Gott hat ein Ziel für diese Welt und auch für mein und Dein Leben. 

Aber wir lernen es nur kennen, wenn wir mit ihm leben, 

wenn wir uns bemühen, die Bibel (das Drehbuch) kennen zu lernen. 

Gottes Wort will die Grenzen unseres Verstehens sprengen dürfen. 

Weil seine Macht nie und nimmer durch unseren Verstand 

beschrieben und begrenzt sein kann. 

Eines ist natürlich klar: Nur solche Menschen, die mit Gott Erfahrungen 

gesammelt haben, können sie auch weitersagen.

Zeugen sein können nur Menschen, die etwas im Glauben erlebt haben. 

Des geht ja darum: 

- Seine eigenen Grenzen zu erkennen, 

- seinen eigenen Unglauben und Kleinglauben zugeben zu können 

und als Schuld stehen zu lassen 

um dann mit Gott aus der Vergebung neu weiterleben! 

Gott sucht uns, weil wir ohne ihn verloren sind. 

Aber er will uns retten. 

Um das zu erfahren, werden wir berufen. 

Berufen aber auch dazu, als seine Zeugen den Retter bekannt zu machen. 

Es nicht zu tun, wäre unterlassene Hilfeleistung, 

würde heißen sich schuldig zu machen. 

Weil alle Menschen es wissen sollen: Es geht nicht, sich an Jesus 

vorbei zu mogeln. Seine Liebe am Kreuz, sein Blut, das Jesus für alle

vergossen hat, würde damit als unnötig links liegen gelassen. 

4. Die Grenze der Berufung.

Gottes Liebe ist grundsätzlich grenzenlos.

Auch für die Möglichkeiten von Wortes Gottes gilt das. 

Deshalb darf sich die Kirche gerade nicht in ein Reservat zurückziehen, 

in das Reservat derer, die sowieso kommen. 

Sie ist ja nicht einfach ein Verein oder halt eine alt-ehrwürdige Institution, 

eben „Kirche im Dorf“, 

sondern sie ist im ganz konkreten Sinne dort, wo sie Gottes Wort allen 

Menschen verkündigt und wo durch das Verkündigen Glaube entsteht. 

Natürlich ist es nicht falsch, dass der Geist Gottes wirkt, wo er will 

und wie er will. 

Er lässt sich auch  nicht einfangen wie „ein Geist in der Flasche“. 

Und trotzdem gibt es eine Grenze. 

Die Grenze der Berufung hat der Herr Jesus Christus selber gezogen. 

Nämlich die: 

Dass es nur einen Weg zu Gott, dem Vater gibt: Und dieser Weg ist

Jesus Christus! 

Wer ihn in seinem Leben und Denken außen vor lassen will, 

wer Gott haben will ohne seinen Sohn Jesus Christus, 

der muss am Ende feststellen: 

Ich habe Gott verloren! 

Weil es der Menschensohn Jesus Christus ist, der gekommen ist, 

zu suchen und zu retten, was verloren ist (siehe Wochenspruch). 

An ihm liegt alles und an ihm hängt alles:

1. Die Kraft der Berufung!

Sie wird nur da wirksam, wo wir selber aus uns schwach sein können. 

Wir müssen bereit sein, unsere Schuld und dass wir wirklich 

Erlösung vor Gott nötig haben, zugeben zu können. 

2. Der Grund unserer Berufung!

Er liegt in der Liebe Gottes, die sichtbar und wirksam geworden ist 

im Kreuz und in der Auferstehung von Jesus Christus. 

3. Das Ziel unserer Berufung!

Es besteht darin, dass wir Gott die Ehre geben und wirklich Zeugen 

seiner Liebe sind. Das wir von Jesus Christus weitersagen und 

dafür immer neu nach Wegen suchen. 

Und dass wir es natürlich auch vorlegen: Ein Leben mit Jesus lohnt 

sich wirklich! Es ist nicht aufgesetzt, sondern mit Licht und Schatten

durch und durch echt!

4. Die Berufung! 

Sie hat da ihre Grenzen, wo sich jemand an Jesus Christus vorbei-

mogeln will.

Ohne Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, 

gibt es keinen Sinn, keine Rettung und kein Heil. 

Alles andere ist Augenwischerei. 

(Blick auf Apg 17 Paulus und die Philosophen - empfohlene

Tageslektüre)

Amen.

Anmerkungen:

(1) Lukas 19, 10

(2) Apostelgeschichte 9, 15

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Musikalischer Gottesdienst in der Schlosskirche mit dem Ensemble „Variotono“ ließ die Herzen höher schlagen

Es war ein Höhepunkt im Gemeindeleben, was die Musikerinnen und Musiker von „Variotono“ unter der Leitung von Birgit Kurrle am vergangenen Sonntag im Gottesdienst zu Gehör gebracht haben: Neben der Begleitung aller Lieder wurde ein bunter Strauß an Instrumentalstücken aus der „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel mit Flöten und Akkordeon sowie die „Toccata“ in d-Moll von Johann Sebastian Bach gespielt. Die Kinder Sophie, Charlott und Johannes Föller sangen allein die zweite Strophe von „Geh aus mein Herz und suche Freud ...“, was neben Lesungen ein weiteres überraschendes Moment in diesem musikalischen  Gottesdienst war. In seiner Predigt zur Perikope des Sonntags legte Pfarrer Bühner den Bibeltext aus 1. Tim 1, 12-17 aus, in dem es um die Berufung zum Glauben an Jesus Christus geht. Abschließend bedankte er sich im Namen der Kirchengemeinde bei allen Musikerinnen und Musikern sehr herzlich mit einer Rose und brachte die Hoffnung auf einen nächsten „musikalischen Gottesdienst“ zum Ausdruck.  




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)