2010-05-24 Pfingstmontag

Predigt über 1. Korinther 12,4-11 / Prälat a. D. Rolf Scheffbuch

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus 1. Korinther 12, 4-9:

"4 Es sind verschiedene Gaben; aber es ist "ein" Geist. 5 Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist "ein" Herr. 6 Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist "ein" Gott, der da wirkt alles in allen. 7 In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller; 8 dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist; 9 einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem "einen" Geist; 10 einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. 11 Dies alles aber wirkt derselbe "eine" Geist und teilt einem jeden das Seine zu, wie er will."


Liebe Gemeinde! 

Feierliche Stille war normalerweise ausgebreitet auf dem weiten Platz um den Tempel von Jerusalem. Eines Nachmittags jedoch vibrierte alles vor Aufregung. Wie elektrisiert schrien die  Gottesdienstbesucher einander zu: »Auf, kommt! Da sind ganz besondere Menschen! Die müsst ihr sehen! Die können Wunder tun! Da, schaut! Der Mann da drüben, der da herumtanzt und hin und her rennt, der war doch noch bis gerade eben lahm. Tag um Tag saß er bisher an der Tempelpforte und bettelte. Ge-macht haben das die beiden Männer da drüben. Das müssen besonders fromme Leute sein!« 

So geschehen vor bald zweitausend Jahren. Aber auch heute erregt es Aufsehen, wenn Unerklärliches geschieht. Menschen, die Wunder tun können, werden geradezu als Heilige angesehen, als Gottes besondere Werkzeuge. So ging es auch damals Petrus und Johannes; denn dies wa-ren die beiden Männer, die sich über den lahmen Bettler erbarmt hatten. Sie hatten ja kein geheimnisvolles Brimborium angewandt. Sie hatten vielmehr gesagt: »Geld können wir dir nicht geben; wir haben nämlich auch kei-nes. Aber wir haben etwas anderes. Wir haben Jesus. Im Namen dieses Jesus Christus von Nazareth steh auf und geh umher!«

Das war das Besondere: Dass sie Jesus Christus kannten und dass ihnen dieser Jesus wichtiger war als der Besitz von Gold und Silber. Dieser Jesus hatte ihr Leben verän-dert. Aus diesem Grund ließen sie auch die Hunderte, die zu ihnen staunend zusammengeströmt waren, wissen: »Wir sind es doch nicht, die dies Wunder bewirkt haben. Das hat vielmehr Jesus getan. Dieser Jesus lebt. Dieser Jesus kann auch bei euch noch einmal ganz anderes, ja noch viel Wichtigeres bewirken. Er kann nämlich eure Sünden tilgen, all das, wodurch ihr mit eurem Leben Gott betrübt habt!« (1) 

Jesus soll groß herauskommen, wenn Gott Wunder wirkt. Natürlich gibt es im Bereich des Geheimnisvollen viel Unklarheit darüber, was denn nun wirklich von Gott kommt, oder ob andere Geister dahinter stehen. Aus die-sem Grund hat der große Apostel Paulus auch dieses Thema angepackt. Er wollte niemand »in Unwissenheit lassen«, woran man die echten Gaben des Geistes Gottes erkennt (2). Deshalb der erste Merksatz:  

1. Gott sorgt dafür, dass Jesus groß heraus kommt

Das können wir auch von Pfarrer Johann Christoph Blumhardt lernen. Von dem munkelt man bis heute in der Christenheit: »Der hat Dämonen austreiben können, der machte Kranke gesund, der konnte Wunder tun!« Blumhardt selbst hat jedoch klar gemacht: »Das Besondere waren nicht die Heilungsgeschichten, sondern die Buße und die Bekehrung von Menschen!« 

»Jesus ist Sieger!«, das war Blumhardts Ruf. Bis heute ist das nicht vergessen. Dabei ging es Blumhardt um mehr, als dass Krankheit und Dämonie besiegt werden. Vielmehr konnte er sich darüber freuen, dass dieser Jesus auch für ihn der Heiland sein wollte. Als alter Mann be-kannte er staunend: »Was wir an Jesus haben, das weiß ich jetzt erst recht!«

Gerade auch bei unerklärbaren Vorgängen ist Gottes Geist daran zu erkennen, dass er darauf drängt, Jesus bekannt zu machen. Jesus soll groß herauskommen. Nicht aber der Name eines Wundertäters, oder einer geheimnisvollen Wundertinktur, oder irgendeines Wallfahrtsortes. »Es ist ein Herr!« So lesen wir in unserem Abschnitt aus dem Brief an die Korinther. Gemeint ist damit: Jesus ist »der Herr«, also Gott in Person. Gott hatte sich vor langen 

Zeiten selbst vorstellen lassen als »den Herrn, den ewigen Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, dessen Verstand unausforschlich« (3) ist. Genau diese »Herren«-Macht hat Gott aber dem Jesus anvertraut, seinem Sohn.  

Das ist nicht etwas, das uns normal gebauten Leuten »einleuchtet«. Aus eigener Vernunft kommen wir nicht dazu, Jesus als »den Herrn« zu erkennen. Dazu braucht es den Geist Gottes, dass Jesus als Herr erkannt wird und dass wir dann auch vertrauensvoll zu ihm kommen (4).

So war es schon einst dem Thomas ergangen. Er konnte und wollte nicht begreifen, dass Gott seinem Sohn sogar Macht über den Tod anvertraut hat. Damals ist extra für den Zweifler Jesus als Auferstandener erschienen. Mit eigenen Augen konnte Thomas wahrnehmen: Jesus lebt! Erstaunlicherweise sagte er jedoch nicht: »Ach so, jetzt will auch ich’s gelten lassen!« Vielmehr brach aus ihm das Bekenntnis heraus: »Mein Herr! Mein Gott!« Da ist ja Gottesvollkommenheit, Gotteskraft, Da ist ja »der Herr, der ewige Gott« – und das für mich (5)! Das auch heute zu erkennen, dafür sorgt Gottes guter Geist. Und zwar gerade dann, wenn Gott Ungewöhnliches gewirkt hat.

Mit Macht kann Gottes Geist Menschen sogar dazu bewegen, staunend und dankbar zu bekennen: »Jesus ist der Herr« (6)!  Er ist der Herr der Welt und auch der Herr seiner Leute. Er ist Herr über alle Gewalten und über alle Situationen! – Auch über die armselige Lage seiner Gemeinde. Deshalb ein weiterer Merksatz: 

2. Jesus tut Entscheidendes gegen die Armseligkeit seiner Gemeinde

Jesus bekümmerte schon bei den ersten Jüngern, die er um sich gesammelt hatte, dass es bei ihnen so gar keine Fortschritte gab im Glauben und im Verstehen. Geradezu un-gehalten ist einmal aus Jesus die Frage herausgebrochen: »Seid denn auch ihr noch immer unverständig?« (7) 

Jesus tat es im tiefsten Herzen weh, dass seine Leute so ohne Durchblicke und so ohne rechte Ausstrahlung in den Tag hineinlebten. Ein anderes Mal fragte er sie geradezu klagend: »Wie lange soll ich bei euch sein? 

Wie lange soll ich euch ertragen?« (8) Jesus möchte sich doch nicht damit abfinden, dass seine Leute sich auf niedrigem Glaubens-Niveau einpendeln.

Darum geht es doch, wenn im Bibelabschnitt für die heutige Predigt dies das Thema ist: Jesus, der »Herr« seiner Leute, vertraut seiner Gemeinde »Geistes-Gaben« an. Die sind doch nicht dazu da, dass einzelne Gemein-den oder Christengruppen damit prahlen: »An unsere Pfarrerin kommt so schnell nichts heran!« Oder: »Unser Pfarrer meint es so ernst wie kaum ein anderer!« Oder: »Unsere Gemeinde ist auf Vordermann gebracht worden durch einen Vorsitzenden, der endlich einmal richtiger Leiter ist!« Oder gar: »Bei uns sind sogar schwer Kranke gesund gebetet worden! Und auch andere Wunder könn-tet ihr bei uns erleben!«

Jesus, der Herr, gibt doch nicht dazu seine Gaben, dass einzelne Menschen als Vorzeige-Christen ins Schaufenster gestellt werden. Auch nicht dazu, dass einzelne Gemeinden sich über andere stellen, so nach dem Motto: »Schaut auf uns, was es bei uns gibt! Her zu uns; denn bei uns ist echtes Leben aus Gott!« 

Vielmehr gibt Jesus seiner Gemeinde diese Impulse, weil ihn traurig macht:

– dass es so wenig brennenden und ansteckenden Glau-ben gibt,

– dass so wenig packende Weisheit zu hören ist, dage-gen so viel Plattes, was ohnehin schon in der Zeitung zu lesen ist,

– dass auch Glaubende so oft auf den Zeitgeist hereinfallen, weil ihnen niemand hilft, die falschen Geister zu entlarven,

– dass auch Christen oft mehr von geheimnisvollen Tinkturen erhoffen als vom Gebet um Heilung oder um Aufschub der Krankheit,

– dass das Beten vielfach so steril und so formelhaft klingt.

Dabei soll es nicht bleiben! Schließlich ist Jesus auch noch da! Jubelnd erinnert der Apostel Paulus daran: 

»Es ist ein Herr!« »Es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen!« Sogar »verschiedene Gaben«. Sie sind keine Er-rungenschaften dieser Christen und dieser Gemeinden. Vielmehr ist es der »eine Geist« Gottes, der diese Fähig-keiten zugeteilt hat und zuteilt. »Er teilt das Seine zu«. Der »Herr« Jesus ist es, der dafür sorgt, dass dieser »eine Geist« des »einen Gottes« wirkt »zum Nutzen aller«. Alle sollen etwas davon haben. Denn alle bedürfen diese Impulse, diese Wachmacher, diese Fähigkeiten.

Jesus hilft der Armseligkeit seiner Leute auf! Er tut Entscheidendes gegen die matte Schläfrigkeit seiner Gemeinde. Dazu der letzte, aber wichtigste Merksatz:

3. Gemeinden von Jesus können mit diesen Geistesgaben rechnen

Es ist absolut nicht nötig, vor dem Thema »Geistesga-ben« das »Kreuz zu machen«. Geistesgaben grenzen nicht beinahe schon an Zauberei und Okkultismus. Viel-mehr können Gemeinden, die Jesus gehören, mit diesen besonderen Gaben rechnen. Sogar mit der Gabe der Krankenheilung. 

Da war die Ehefrau eines württembergischen CVJM- Bruderschafts-Sekretärs auf den Tod krank geworden. Der Professor ließ wissen: »Die Frau hat irgendwie eine Form von Leber-Egeln gefangen, gegen die wir machtlos sind.« Da haben in den schwäbischen CVJMs hunderte junger Christen angefangen, für die Frau und Mutter zu beten. Als sie nach zwei Jahren beim nächsten Heimat-urlaub wieder zum Professor kam, sagte der staunend: 

»Sie haben ja eine ganz neue Leber! Ich finde noch nicht einmal mehr Narben.« Es gibt auch unter uns die Gabe, für Gesundheit zu beten und Genesung zu erleben – oder erstaunlichen Aufschub des Krankheitsverlaufs.

»Einem wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden«. Gegeben war dies einem Mitchristen, als eine Schwerkranke ihm klagte: »Bei mir hat alles Beten nichts geholfen!« Da wurde ihm das Wort voll Glaubensweisheit auf die Lippen gelegt: »Warten Sie doch darauf, dass Ihnen – wie einst dem verzweifelten Hiob – die Gewissheit geschenkt wird: ›Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!‹« (9) Das war hilfreicher Trost – voll biblischer Weisheit.

»Zu reden von der Erkenntnis«, das war einem schwäbi-schen Gemeinschaftsmann gegeben. Sein Gemeindepfarrer hatte ihm etwas mutlos geklagt, es hätten alle Versu-che nichts gebracht, die Gemeinde zu beleben. Da sagte der Pietist: »Herr Pfarrer, dann gilt ihnen wie dem ver-zagten Paulus das Gotteswort: ›Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt‹« (10)!

»Einem andern wird der Glaube gegeben«. Es gibt quer durch unsere Gemeinden so manche treue Mitarbeiter in Frauenkreisen und Jugendgruppen, in Kirchengemeinde-

räten und in Chören, die können keine großen Reden schwingen; auch wird ihr Name nie im Gemeindeblatt lobend erwähnt werden, weil sie auch keine Brenz-Medaille verliehen bekommen. Aber sie haben etwas anderes ver-liehen bekommen, nämlich einen Glauben, der »ansteckt«.

»Einem andern die Kraft, Wunder zu tun«. Wie etwa dort im Remstal, als beim Bau des Gemeindehauses selbst der fähige Architekt etwas ins Schleudern kam. Wie sollte denn die kühn konstruierte Holzdecke auch vom ehrenamtlichen Bauhelfer-Team zusammengefügt werden können? Da hatte einer, übrigens auch ein Prädikant, nachts – fast im Traum – so etwas wie eine Vision. Er wurde hellwach und zeichnete auf, was er geschaut hatte. Am nächsten Morgen sagte der Fachmann staunend: »Ja, so können wir’s 

machen! Wie sind Sie denn bloß darauf gekommen?« 

Oder da erzählt eine Hausfrau: »Mit Begeisterung habe ich aus Überzeugung die Aktion unterstützt, die sich mit ihren Aufrufen so wichtig tat. Aber dann habe ich aus allem, was da geschrieben wurde, gemerkt: Das ist nichts Gesundes!« Sie hatte »die Gabe, Geister zu unterschei-den«. Nicht alle Gemeindeglieder haben sie. Darum sol-len nicht alle sich zu Kritikern aufwerfen. Aber wer diese Gabe hat, Ungesundes und Unwahres zu erkennen, der soll sie auch »zum Nutzen aller« gebrauchen.

Ganz zuletzt erwähnt der Apostel auch noch »mancherlei Zungenrede«. Bis heute ist zu spüren, dass ihm dieses Thema manche Sorge gemacht hat. Denn das wurde schon damals von manchen als das Wichtigste und als das Größte angesehen. Die Formen von Lobpreis Gottes nämlich, der ohne verständliche Worte aus Menschen strömt. Die meisten von uns kennen das vom Abendge-bet: Es »betet in ihnen weiter«, auch wenn keine Worte mehr formuliert werden. Aber wenn das öffentlich ge-schieht, dann sollte dieser Lobpreis in verständliche 

Worte übersetzt werden. Wenn alle zwei Jahre der Ulmer Landesposaunentag mündet in den großen Lobpreis »Gloria sei dir gesungen mit Menschen- und mit Engels-zungen«, dann muss das den Ulmern gesagt werden. Sonst denken manche, es handle sich um so etwas wie den Radetzky-Marsch.

Die Gemeinde des Christus Jesus muss nicht arm bleiben, auch heute nicht. Denn wir können mit den Gaben des Geistes Gottes rechnen. Jesus gibt sie gerne. Bei ihm sind sie abrufbar. Aber: Wollen wir sie denn wirklich? Hungert und dürstet uns nach ihnen? Wir sollen doch Jesus »erkennen und die Kraft seiner Auferstehung«! (11)  

Amen. 

Anmerkungen:

(1) vgl. zum Ganzen Apostelgeschichte 3, 1–26

(2) 1. Korinther 12, 1f.

(3) Jesaja 40, 28

(4) vgl. Luther, Kleiner Katechismus, 

Auslegung des III. Glaubensartikels

(5) vgl. Johannes 20, 24ff, bes. V 28

(6) 1. Korinther 12, 3

(7) Matthäus 15, 16

(8) Markus 9, 19

(9) Hiob 19, 25

(10)  Apostelgeschichte 18, 9f.

(11) Vgl. Philipper 3, 10




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
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10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
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Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi