2010-05-13 Christi Himmelfahrt

Gottesdienst mit Vorstellung der neuen Konfirmanden und Predigt über Apostelgeschichte 1,3-11 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören heute Gottes Wort für den Festtag "Christi Himmelfahrt"

aus der Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 1, die Verse 3-4 und  

8-11: 

"Nach seinem Leiden zeigte sich ihnen (Jesus) durch viele Beweise

als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen 40 Tage lang und 

redete mit ihnen vom Reich Gottes.

Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht

zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, 

so sprach er, von mir gehört habt ...

Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch 

kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in 

ganz Judäe und Samarien und bis an das Ende der Erde. 

Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und 

eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.

Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da 

standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 

Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum 

Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenom-

men wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel 

fahren sehen." 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

wir feiern heute das Fest "Christi Himmelfahrt", 

das heißt eben wir, die wir heute in einen Gottesdienst gehen, 

während die meisten anderen mit diesem Tag überhaupt nichts

anfangen können. 

Sie nennen ihn einfach den "Vatertag", weil es ja nicht nur den 

"Muttertag" geben kann. 

Was "Christi Himmelfahrt" überhaupt sein soll, 

das erscheint heute so total fremd und von vorgestern, 

dass womöglich die Politik diesen Tag irgendwann streicht aus

dem Festkalender, wenn ihn die Gewerkschaften nicht retten. 

Dabei stellt sich schon die Frage, warum eigentlich können 

so wenige etwas mit "Christi Himmelfahrt" anfangen?

- Liegt es am "entzauberten" Himmel der Moderne?

- Liegt es daran, dass der Grundwasserspiegel des Glaubens-

wissens in Deutschland so enorm gesungen ist? 

- Oder haben die Kirchen da sogar eine Mitschuld, 

weil sie in so manchen Kommentaren diesen Tag selbst

nur noch nebulös und wenig überzeugend umschreiben?

Aber so leicht, liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde, 

darf man es sich nicht machen. 

Unser Glaube braucht zwar keinen ausgedruckten Busfahrplan

in den Himmel, aber die Gewissheit, dass das wahr ist, 

was da von Christus gesagt wird, das braucht er schon: 

Nämlich dass er jetzt mit und bei Gott im Himmel ist und dort regiert.

Wäre da nicht so, warum treffen wir dann heute?

Warum beten wir dann, hören uns eine Predigt an?

Es wäre alles eine große Farce. 

Aber was steht denn da nun in der Bibel? 

"Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, 

der auf euch kommen wird und werdet meine Zeugen sein 

in Jerusalem und ganz Judäa und Samarien, ja bis ans Ende 

der Welt" , mit diesen Worten hat sich der vom Tod auferstandene

Jesus am Himmelfahrtstag verabschiedet und Lukas berichtet

weiter: "als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben 

und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg" (Vv8f). 

"Christi Himmelfahrt", so geschehen!

Aber was ist denn eigentlich der "Himmel", 

also dieser Ort, von dem die Christen in ihrem schönen Glaubens-

bekenntnis beten, dass Jesus dorthin gegangen ist, zur Rechten 

Gottes des Vaters sitzt (also regiert) und von dort einmal wieder

kommen wird auf die Erde zum jüngsten Gericht?

Wie ist das mit diesem Himmel, der doch nicht dasselbe wie 

der Sternenhimmel über uns ist?

Wie ist das mit diesem Himmel, der vielen heute so "entzaubert", 

als längst überholte Vorstellung vorkommt, 

als paradiesisch-malerischer Ort voller schwirrender Engel, 

der gerade noch die Phantasie beflügelt?

Wie ist das mit diesem "Himmel und der Bibel, die davon berichtet?  

Ist seine Wirklichkeit nicht widerlegt, heute im Zeitalter der Raumfahrt!? 

Am 17. Mai 1958 stand im "Neuen Deutschland", Zenralorgan der 

sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, nachdem die Russen 

als erste mit einem Kosmonauten im All waren: 

"Was diesmal geschah?" - Sputnik III flog zum Himmel, 

sein Piep, Piep übertönt das Glockengebimmel. 

Da lacht man: "Himmelfahrt"; aber auf sozialistische Art. 

Der Mensch, stark beeindruckt von neuen Dingen, 

hört aus dem All die Signale erklingen, 

stutzt: "Himmelfahrt?" - Aha, Weltraumfahrt! Ach so!"

Nun ist dieser sozialistische Triumpf bereits wieder erledigt. 

Aber nicht die vielen Ersatzvorstellungen vom Himmel, 

die sich unsere Zeitgenossen machen. 

Aber haben sie auch das Zeug und wirklich den Himmel nahe zu 

bringen? 

Um es gleich zu sagen: Ohne die Bibel, ohne dass Gott selbst

uns etwas Sicheres zum Thema "Wer oder was ist der Himmel?" 

sagt, stöchern wir alle im Trüben. 

Denn von uns Lebenden war noch keiner dort. 

Aber wir alle wollen doch dort hin kommen!

Deshalb machen wir uns einmal zusammen auf die Suche nach 

dem "Himmel und durchleuchten unsere Bibel. 

Wir brauchen dazu keine Esoterik, keines der Millionen Bücher über

Engel und Nahtoderscheinungen, sondern schauen bei dem 

nach, der uns darüber etwas Zuverlässiges sagen kann. 

Was kann man denn nach der Bibel vom "Himmel" wissen? 

1. Der Himmel Gottes (der Herrschaftsort des Auferstan-

denen) ist nicht das Universum!

Auch wenn sich die ganze abendländische Theologie der Kosmologie

ihrer Zeit bedient hat, unterscheidet schon das 1. Buch der Bibel 

zwischen Himmel und Erde: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde." (2)  

Damit macht die Bibel klar: Der Planet Erde und das ganze Universum 

sind von Gott geschaffen, existieren also nicht wie Gott schon immer

und für immer. 

Das wird durch aktuelles Wissen aus der Physik heute eindrücklich 

bestätigt. 

Der Sternenhimmel über uns ist so vergänglich wie unsere Erde!

Es gibt kein ewiges Werden und Vergehen, wie es sich die Griechen 

vorgestellt haben. 

Unsere Erde und der ganze Kosmos gehen einem "energetischen"

Ende entgegen, irgendwann wird die Sonne aufhören, ihre Energie

auszustoßen und das wäre das Ende allen Lebens, 

wenn Gott nicht vorher eingreift, 

indem Jesus vorher wiederkommt, Gericht über alle Menschen hält

(über die bereits Gestorbenen und die noch Lebenden) und sich 

dann erfüllt, was der Seher Johannes in der Offenbarung geschrieben 

hat: Dann wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen 

(Offb. 21,1)

Was heißt das, dass "ein neuer Himmel und eine neue Erde" auf

uns zukommen werden von Gott her? 

Das heißt, dass der Himmel Gottes ganz bestimmt nicht hinter 

dem Tausende Lichtjahre entfernten Andromeda-Spiralnebel 

oder der großen Magellanschen Wolke liegt, 

sondern dass er ein Ort jenseits von Raum und Zeit sein muss, 

ein Ort jenseits aller Relativität unser Wahrnehmung! 

Und deshalb wird ihn menschliche Vernunft auch niemals begreifen

geschweige denn ergreifen können!

Er ist weder zu beweisen noch zu widerlegen. 

Und doch können Christen mit Glaubensgewissheit davon ausgehen,

dort einmal auf den auferstandenen Christus (ihren HERRN) zu 

treffen und bei IHM zu sein!

2. Der Himmel ist von uns aus auch nicht auf einen 

Ort festlegbar! (Weil er nicht an unsere Raum-Zeit 

gebunden ist)

Das machen die Gleichnisse deutlich, in denen Jesus vom 

Reich Gottes gesprochen hat, z. B. 

"Das Himmelreich gleicht einem Schatz im Acker 

oder einer Perle ..."  und noch auf andere Weise. 

Weil der Himmel nicht einfach oben oder unten ist, 

innen oder außen, diesseits oder jenseits,

deshalb müssen wir vorsichtig sein, 

wenn wir Kindern den blauen Himmel zeigen und dazu sagen:

"Schau her, da oben sitzt Gott im Himmel und schautauf uns herab ..." 

In der englischen Sprache wird deshalb zwischen dem für 

uns sichtbaren (blauen) Himmel ("sky" genannt) und dem für

uns unsichtbaren Himmel Gottes ("heaven" genannt) unterschieden. 

Der Himmel ist für unser Erkennen nicht auf einen Ort festlegbar. 

Deshalb gibt es in der Bibel auch Aussagen, die besagen: 

Im Glauben an Jesus Christus findest Du den Himmel 

Der Himmel ist also auch eine innere Erfahrung und Gewissheit!

Er ist kostbarer als alles andere auf der Welt, sagt Gott damit.

Und wenn Du an ihm Anteil haben willst, musst du dich 

mit deinem ganzen Menschsein darauf einlassen!

Der Himmel ist aus dieser Warte ein Wachstumsprozeß:

"zuerst winzig wie ein Senfkorn und 

unscheinbar wie Sauerteig, wächst er und wird schließlich 

für alle Menschen sichtbar" (3) 

3. Der Himmel Gottes ist trotzdem keine Projektion 

des Glaubens!

Wenn Jesus uns beten lehrt: "Dein Wille geschehe, wie im Himmel 

so auf Erden", dann richtet er unseren Blick zugleich auf eine 

Wirklichkeit jenseits von Raum und Zeit. 

Eine Wirklichkeit, die man nicht in unsere Verstehensvoraussetzungen

hinein auflösen kann und in die hinein selbst gläubigen Menschen der

Blick zu ihren Lebenzeiten noch verwehrt bleibt. 

Sich des Himmels bemächtigen zu wollen, wie beim Turmbau zu 

Babel (4), ist in der Bibel ein Ausdruck der Sünde. 

Wir wollen gerne Gott vorzeitig in die Karten schauen, trauen uns

das zu, wo das doch überhaupt nicht geht und wo nur ganz wenige

von Gott bisher einen Einblick nehmen durften: 

- Henoch z. B. (5) und

- Elia, den ein "feuriger Wagen" in den Himmel entführte (6) .

Aber auch da: Es steht kein Wort darüber in der Bibel, 

was sie dort geschaut haben, wohl wissend, dass das Geheimnis 

des himmlischen Lebens mit Worten und Kategoriender Menschen 

überhaupt nicht zu beschreiben ist. 

Immerhin geben die Propheten Jesaja und Hesekiel preis, 

was sie in ihren Visionen gesehen und gehört haben:

- Jesaja sieht Gott im Himmel in einem Tempel auf 

einem Thron sitzen, von 6-flügeligen Engeln umgeben, 

die das "heilig, heilig, heilig ist der HERR" singen (7). Auch 

- Hesekiel tut sich der Himmel auf und er schaut Engel,

die keine menschliche Form besitzen. 

Diese Darstellung soll uns davor warnen, den Himmel zu 

vereinnahmen, indem wir menschliche Vorstellungen auf das 

Leben in dieser jenseitigen Welt übertragen und uns damit 

überschätzen!

Der Himmel Gottes ist real, aber eben doch von einer ganz anderen Art!


4. Wie wird es im Himmel sein?

Kann man darauf schon etwas Bestimmtes sagen? 

Paulus, der hier nur hin und wieder von Visionen berichtet, 

schreibt einmal von der Entrückung eines Christen in den Himmel:

"Er hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann" (8).

Und obwohl er uns auffordert, alles Augenmerk auf den Glauben und 

weniger auf das jetzt Sichtbare zu legen, 

schreibt er in 1. Kor 13, Vers 12 doch: "Wir sehen heute wie durch einen 

Spiegel ein dunkles Bild".

Was wir sehen können, ist vorerst ein Bild, Gott selber und den 

Himmel können wir jetzt noch nicht sehen. 

Erst im Himmel werden wir einmal Gott sehen, wie er ist

und wie wir und wie alle Menschen um uns herum sind. 

Im Himmelreich werden nach Jesus die Kinder die Größten sein!

Die ihm wie die Kinder vertrauten und glaubten!

Es ist ein Ort der Freude wie auf einer Hochzeit (9),

vergleichbar mit einem großen Festmahl (10)!

Und die Offenbarung ergänzt das Bild vom Himmel noch:

- Gott wird dort sichtbar unter den Menschen wohnen,

- ihre Tränen abwischen.  

- Es gibt keine Kultorte und Tempel mehr (11) 

- keine Sonne, keinen Mond (12), 

also auch keinen Tag und keine Nach mehr, 

denn Gott und Christus werden alles erleuchten!

Es sind Bilder der Aufhebung von Raum und Zeit,

Symbole der Ewigkeit! 

In diesem Himmel bei Gott und seinem Christus 

ist kein Platz mehr für die Ungläubigen (14)! 

Die ihn zu Lebzeiten abgelehnt haben, kommen nicht hinein!

Die Verfolgten, Geschundenen und Mißbrauchten aber

finden dort endlich ewigen Frieden.

Im Himmel wird es keinen Hitler und keinen Stalin mehr geben, 

nur Menschen, die Jesus als ihren Herrn und Heiland angenommen 

haben. 


5. Die Himmelfahrt Jesu Christi bedeutet also: Unser 

HERR Jesus Christus hat die Macht im Himmel 

angetreten! Die ihm vertrauen, dürfen sich 

auf die kommende Gemeinschaft mit ihm freuen! (15) 

Nochmals in Kurzfassung:

Eine himmlische Landkarte finden wir auch in der Bibel nicht. 

Abr der Himmel Gottes existiert wirklich, auch wenn wir ihn nicht sehen 

und kein Raumschiff ihn je zu Gesicht bekommen wird. 

Die biblischen Autoren selber wissen um diese Grenze, 

die nur Gott selber lüften kann und lüften wird, wenn Christus wiederkommt

zu richten die Lebenden und die Toten. 

Auf diesen Zeitpunkt soll unser Leben ausgerichtet und wir sollen 

auf diesen Tag vorbereitet sein. 

Wir sollen bis dahin an die "Hecken und Zäune gehen", raus aus 

den Kirchenräumen und Gemeindehäusern mit der frohen Botschaft. 

Alle sollen sie hören, auch die, die nie einen Fuß über die Schwelle

der Kirchentür bringen. Sie sollen nicht verloren gehen. 

Was hat Jesus nochmal gesagt, damals bei seinem vorläufigen 

Abschied in Richtung "Himmel"?

"Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, 

der auf euch kommen wird und werdet meine Zeugen sein 

in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis

an das Ende der Welt".

Worauf hin Lukas abschließt mit den Worten (Vv9-11): 

"Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben

und eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg.

Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, 

siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und 

seht zum Himmel? 

Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen 

wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel

fahren sehen".

Lassen Sie uns in dieser Zwischenzeit unseren Auftrag erfüllen. 

Auch ohne Landkarte des Himmels. 

Aber mit dem Wissen: Von dort wird schon heute regiert. 

Wir wollen Christus entschieden entgegen leben. 

Amen

Anmerkungen:

3 Gen 1,1

4 Mt 13,31.33

5 Gen 11,1-9

6 Gen 5,24

7 2. Kg 2,11

8 Jes 6,3

9 2. Kor 12,4

10 Mt 22,1-14

11 Lk 14,15-24

12 Offb 21,22

14 EG 148,3

15 Offb. 21,8

16 Vgl. 1. Kor 6,2; Kol 1,9




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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Mittwoch, 27.06.2018
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Donnerstag, 28.06.2018
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