2010-05-02 Jubelkonfirmation

Jubelkonfirmation mit Predigt über Kolosser 3,12-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Festgemeinde, Liebe Jubelkonfirmanden,  

was für Erfahrungen haben Sie denn in vergangenen Jahren mit Gott 

gemacht? Können Sie sagen: Ja, „lobe den Herren, den mächtigen 

König der Ehren“ / „Ich will den Herrn loben allezeit“ - oder sind 

Sie heute halt gekommen, weil die Einladung so nett war?

Aber ansonsten haben Sie den Faden zu Gott verloren, 

vielleicht noch nie richtig gefunden? 

Auch das wäre eine ehrliche Antwort.

Als Sie konfirmiert wurden, da war das Leben noch sehr bescheiden, 

aber man hat zusammen gehalten - auch weil man musste. 

1950 - als Sie, liebe Diamantkonfirmanden hier in der Kirche Gott ihre 

Treue gelobt haben und ins volle Leben gestartet sind, 

da waren die Lehrstellen noch knapp. 

Etliche mussten nehmen, was es halt gab. 

Ob sie den Platz wirklich wollten oder nicht. 

Und es galt für viele: So weit die Füße tragen ... Kein Bus, kein Auto

brachte sie so schnell von A nach B. 

Auch im Konfirmanden-Unterricht ging es streng zu: 

Viele Verse mussten gelernt werden und Sprüche. 

Und doch ist manches segensreich hängen geblieben. 

Vielleicht auch durch die Christenlehre, die sich danach noch zwei Jahre

anschloss. Und von der man sich entschuldigen musste, wenn man 

nicht kam. So war das 1950. 

Zehn Jahre später, 1960, gab es in Schwann eine

Konfirmation mit nur zwei Jugendlichen: mit Frau Härter, die damals

noch Christel Straka hieß und Gerhard Weidl. 

Ein neuer Pfarrer war aufgezogen: Pfarrer Richter. 

Er kam oft singend in den Gottesdienst, 

brachte so manches Neue mit in die Gemeinde.

Was ist davon geblieben?

Gibt es eine Segenslinie von Ihrer Konfirmation bis heute?

Haben Sie ihr Treueversprechen eingehalten, 

Gott wirklich Platz eingeräumt in ihrem Leben, 

seine Nähe gesucht im Gottesdienst?

Und große Dinge mit ihm erlebt!?

Oder war die Konfirmandenzeit damals eher eine Schnellbleiche, 

nicht wirklich lebenstauglich?

Vielleicht haben Sie aber auch Krankheiten und Unglücke

irritiert und das hat  dazu geführt, dass Sie an diesem Gott irre geworden 

sind,  weil sie seine Führungen einfach nicht verstehen konnten. 

Wie auch immer, er war bei Ihnen bis heute, 

hat sie vielfach bewahrt und mit Liebe umgeben, 

sucht bis heute jeden Tag neu ihre dankbare Antwort. 

Jetzt haben wir heute ja den Sonntag „Kantate! - Singet!“

„Singet dem HERRN neue Lieder, 

denn ER tut Wunder!“

Und ich wünsche mir, dass wir alle darüber ganz neu nachdenken: 

Cantate – Singet! – Dem HERRN - neue Lieder!

Vögel brauchen diese Aufforderung nicht. 

Die machen von ganz alleine ihren Schnabel auf. 

Bei ihnen kommt das Singen von innen heraus, 

wie selbstverständlich. 

Gerade in dieser Jahreszeit hören wir sie schon früh am Morgen. 

Amsel, Drossel, Fink und Star - mit ihrem vielstimmigen Chor. 

Jeden Morgen geben sie ein großes Konzert zur Ehre des Schöpfers. 

Singt ein Vogel aber nicht mehr singt, dann weiß man: Er ist krank.

Cantate! – Singet! – Was sind wir Menschen dagegen doch für 

komische Vögel: Uns muss man zum Singen erst aufrufen. 

Und wenn wir es tatsächlich tun, 

hört sich das oft viel bescheidener an als der morgendliche

Chor der Vögel. 

Wie ein komischer Kauz beklagen wir gerne unsere Sorgen. 

Manche klagen - wie Papageien - immer dasselbe. 

Andere krächzen schon aus dem letzten Loch. 

Viel zu selten sind unsere Lieder auf das Lob Gottes gestimmt. 

Deshalb trifft uns der Aufruf »Cantate« heute morgen an der 

richtigen Stelle. 

Singet! Nicht irgendwem. Sondern dem Herrn. 

Nicht irgendwas. Sondern ein neues Lied. 

Nicht irgendwann. Sondern heute. 

Wir hören das Wort Gottes für diesen Sonntag aus dem Brief des

Paulus an die Kolosser, Kapitel 3, die Verse 12-17:

„So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und 

Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 

und ertrage einer den andern und  vergebt euch untereinander, 

wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben 

hat, so vergebt auch ihr! 

Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. 

Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid  in einem Leibe,

regiere in euren Herzen; und seid dankbar. 

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt 

einander in aller Weisheit;  mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen 

Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. 

Und  alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im 

Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“

»Singet dem Herrn ein neues Lied« – der Wochenspruch.

»Singt Gott dankbar in euren Herzen« – ein Vers aus dem Predigttext. 

Zweistimmig sind wir aufgerufen, damit wir es auch sicher nicht vergessen. 

Aber wie sieht das neue Lied aus, das wir für Gott anstimmen sollen?

Da sind zunächst ...

1. Die Vorzeichen des neuen Liedes.

Auf sie kommt es ganz entscheidend an. 

Auf die Kreuze und Bs. Sie entscheiden über Tonhöhe und Tonart. 

Noch bevor der erste Ton gesungen ist muss klar sein, 

ob das Lied in Dur oder in Moll steht.

So ist es auch beim neuen Lied für Gott. 

Wie lauten da die Vorzeichen?

»So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und 

Geliebten« (Vers 12a).

Wie drei Kreuze stehen sie am Anfang: »Auserwählte Gottes – Heilige 

Gottes – Geliebte Gottes«.

Das sollt ihr sein, sagt Paulus. 

Sie sind die drei Vorzeichen, die Gott vor das Leben der Christen 

gesetzt hat, Ehrentitel, die er an seine Gemeinde verliehen hat.

Noch bevor wir krabbeln konnten, 

noch bevor wir eine Beziehung zu unserer Mutter aufnehmen konnten, 

hat Gott schon seine Liebesbeziehung mit Dir geknüpft, 

den Wunsch gehegt, mir Dir einmal eine sehr persönliche Beziehung 

zu haben. Ganz von sich aus. 

Nicht weil wir es wert wären oder weil wir so tolle Typen sind. 

Nein, in Gottes gerechten Augen, sind wir alle dem Tod verfallen. 

Und selbst wenn er bei uns nach etwas Liebenswertem suchen würde, 

er würde nichts finden, was Ewigkeitswert hat. 

Wir können in seiner Gegenwart keinen Augenblick stehen. 

Und trotzdem hat er mich und Dich erwählt. Aus Liebe. 

Unglaublich! Gott schickt seinen Sohn und sagt uns damit: 

›Du, Mensch, wie auch immer du heißt, bist meine erste Wahl.‹

„Kehre um zu IHM und Du wirst dadurch zu Gottes Kind, 

zu Gottes Mitarbeiter: Gewählt, geheiligt, geliebt von Gott und 

zum Dienst für Gott.

Das sind die drei Vorzeichen des neuen Liedes, 

mit denen Gott Zeichen gesetzt hat. 

Für ein neues, großartiges Lied in unserem Leben. 

Und dann ist da ...

2. Der Takt des neuen Liedes.

Erst der richtige Takt macht ein Lied schwungvoll, 

gibt einem Musikstück seinen besonderen Charakter:

Dreiviertel, Dreihalbe oder Neunachtel ... 

Das Gleiche gilt für das neue Lied, das Christen mit ihrem Leben 

zum Ausdruck bringen dürfen: 

›Und ertrage einer den anderen und vergebt euch untereinander, 

wenn jemand Klage hat gegen den anderen; 

wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!‹ (Vers 13).

Jesus hat den Takt der Vergebung vorgegeben. 

So wie ER vergibt, wenn wir ihn darum bitten, 

so sollen Christen nicht mehr nach dem Motto „Ach, geschieht ihm 

doch recht!“ ge-takt-et sein, sondern selber den Takt der 

Vergebung leben. 

Unsere Welt ist genau anders herum geprägt. 

Aber es geht auch anders - und fällt auf -, 

wenn bei uns Jesus im Mittelpunkt steht - und sich der Takt ändert. 

Da kann ich selber die Last, die mir andere aufladen, weglegen

ich muss nicht mehr nachtragend sein

und habe den Rücken wieder frei. 

›Vergebt euch untereinander‹. 

Das ist der Takt im neuen Lied des Glaubens. 

Leicht ist das nicht immer. Aber wir können beim Taktgefühl von 

Jesus Maß nehmen und das, was uns schwer im Magen oder 

auf dem Rücken liegt, bewusst bei Gott abgeben. 

So hat es auch Jesus getan. 

Sogar am Kreuz konnte er noch vergeben. 

Belastende Sachen Gott übergeben befreit. 

Das ist der Takt eines neuen, großartigen Liedes, 

der unser Leben kennzeichnen will. 

Schauen wir von da aus auf die ...

3. Die Melodie des neuen Liedes.

Es gibt Lieder, die sind so eingängig, dass sie schon bald 

zu „Ohrwürmern“ werden und sie uns nicht mehr loslassen. 

›Über alles - aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der 

Vollkommenheit‹ (Vers 14).

Die Melodie von Gottes neuem Lied heißt Liebe. 

Sie ist total eingängig und wird doch nie abgedroschen.

Deshalb ist unser Bibelwort heute nicht nur ein Wort an 

Hochzeitspaare. 

Die Melodie der Liebe Gottes gehört mitten hinein in die Normal-

Situationen meines Lebens, nicht nur in die Hoch-Zeiten. 

Ja, Gottes Liebe reicht sogar bis hinunter in die Niederungen von 

Schmerz und Zerbruch. 

Gerade dann zeigt es sich: Wer Gottes Liebe angenommen hat

und aus ihr zu leben gelernt hat, bei dem reist das „Band der Liebe“

immer mit. Und sie ist unglaublich belastbar, 

gerade in den kleinen Dingen des Alltags, 

den Herausforderungen und Belastungen, 

Aufgaben und Erwartungen, in denen jeder auf seine Weise 

drin steckt. 

Sie ist wie eine Perlenschur, an der eben alle diese kleinen Dinge 

aufgefädelt sind - am „Band der Liebe“. 

Taten, aus Liebe getan. 

Worte,  mit Liebe gesagt. 

Gaben, mit Liebe gegeben. 

Vergebung, in Liebe geschenkt. 

Wie kostbar ist es doch für unsere ganze Umgebung, 

wenn die Liebe Jesu sich in einem Leben durchzieht 

wie eine wohl klingende Melodie.

›Über alles aber‹ schreibt Paulus ›zieht die Liebe an‹. 

Gemeint ist: In allen Bereichen! In Freud und Leid

soll sie alles verbinden und zusammen halten. 

Mit ihr baut Gott seine Gemeinde. 

Mit Menschen, die sie von Jesus angenommen haben und  

weitergeben - in Wort und Tat zum Klingen bringen. 

Die Liebe Gottes, was für eine Melodie in unserer Welt!

Zum Schluss noch ein Blick auf den ...

4. Der Text des neuen Liedes.

Jedes Lied braucht auch einen Text!

Erst der Inhalt gibt dem Lied eine klare, eindeutige Botschaft. 

›Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: 

lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit‹ (Vers 16), hören wir hier.  

Gott gibt uns in seinem Wort also den Text des neuen Liedes vor. 

Nämlich das Wort des lebendigen Gottes, in der Bibel zu finden.

Wir können es uns nicht selber sagen. 

Wir finden es nicht in der Natur, so schön sie auch ist. 

Es kommt von außen auf uns zu. 

Nur in der Bibel haben wir den Originalton Gottes!

Und dieses Wort will „reichlich“ bei uns Wohnung nehmen, 

nicht nur gehört, sondern auch durchdacht und umgesetzt werden. 

Es will kein Zaungast sein für bestimmte kirchliche Festtage, 

sondern fordert Wohnrecht bei uns. 

Wir sollen in der Bibel daheim sein. 

Sie soll unsere geistliche Heimat werden, 

ohne die wir nicht mehr leben und sein wollen. 

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. 

Ein Bibelleseplan zum Beispiel, der mich jeden Tag abschnittweise

beim Lesen in der Bibel begleitet, ist eine große Sache. 

Ich mache es selber so, noch bevor ich die Zeitung aufschlage und 

das Radio anschalte - möchte ich ganz Ohr für Gott sein. 

Bevor die Flut der vielen Informationen auf mich einströmt ...

Auch der Gottesdienstbesuch dienst diesen Zweck. 

Nicht der Leute wegen sollen daraus eine gute Übung machen, 

sondern weil Gott eine Verheißung (ein Versprechen) darauf gegeben

hat, dass er Menschen segnen wird, die im Gottesdienst etwas von 

ihm erwarten.  

Er hat versprochen: Selbst dort, wo nur zwei oder drei in meinem 

Namen versammelt sind, da bin ICH mitten unter ihnen. 

Und ich wüsste keinen größeren Segen als den, 

dass Gott so konkret bei mir ist. 

Wie stark ist das heute in Vergessenheit geraten. 

Und im gleichen Maße nehmen die Sorgen und Ängste der Menschen zu. 

Weil sie vergessen haben, Gottes Segen auch abzuholen!

Erst Gottes Wort gibt dem neuen Lied, das Jesus komponiert hat

für unser Leben, seine klare und eindeutige Botschaft. 

Und es hat die Kraft für Veränderungen. 

Es wirkt Neues. 

Es schreibt einen unvergleichlichen Text zu unserem Lebenslied.

Ganz bestimmt haben das auch manche unter uns so erlebt

und erleben es bis heute. 

So haben wir jetzt vier Merkmale des neuen Liedes angeschaut. 

1. Gottes Vorzeichen: Er hat jeden von uns erwählt. 

2. Gottes Takt: Seine Vergebung, die unser Leben prägen will.  

3. Gottes Melodie: Die Liebe, sie steht „über allem“ und

4. Gottes Text: Sein Wort, die Bibel, durch die er bis heute zu uns spricht. 

Zusammen gefasst ergibt sich daraus:

„Jetzt singt Gott dankbar in euren Herzen!“

Und manche haben sich deshalb entschieden, es auch nach außen hin 

zu tun: Indem sie z. B. im San-Sebastian-Chor mitsingen oder in 

einem kirchlichen Chor an Ihrem Heimatort. 

Eine gute Sache, kann ich nur sagen. 

Nicht ohne Grund ist die christliche Gemeinde immer eine singende 

Gemeinde gewesen. Das Lob Gottes muss hinaus. 

Man kann die Güte Gottes nicht im Kopf einsperren. 

Das Lob Gottes muss einfach hinaus. 

Das gilt für Nicht-Sänger genauso. 

Sie werden dafür eine andere Art und Weise finden!

Ganz bestimmt. 

Vögel muss man nicht zum Singen animieren. 

Sie können gar nicht anders. 

Uns vergesslichen Menschen aber muss man es von Zeit zu Zeit 

neu sagen: 

›Singet dem Herrn ein neues Lied!‹

Und das wünsche ich uns allen, 

ganz besonders den Jubelkonfirmanden. 

Dass sie die zurück liegenden [50 oder] 60 Jahre seit Ihrer Konfirmation, 

die vielleicht schweren Erfahrungen, noch einmal neu unter diesen 

Vorzeichen sehen - und mit dem neuen Lied unter dem Segen Gottes

weitergehen. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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