2010-04-11

Predigt über 1. Petrus 1,3-9 / Pfarrer Winfried Gruhler, Schrozberg

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus 1. Petrus 1, 3-9:

„3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, 5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. 6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 7 damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. 8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, 9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“

Liebe Gemeinde,

immer mehr Erwachsene lassen sich in der Osternacht taufen. In der Frauenkirche in Dresden waren es im letz-ten Jahr 25 Erwachsene, im Liebfrauendom in München 12 Täuflinge. Mit ihrem Tauftermin knüpfen sie an eine alte Gewohnheit der Christenheit an. Im 4. Jahrhundert wurde die Osternacht zur großen Taufnacht. Ostern und Taufe, Auferstehung Jesu und der Zuspruch des neuen Lebens gehören zusammen.

Tobias, der Historiker aus dem Münchner Umland, der sich in München in der Osternacht taufen ließ, berichtet: Er ging schon als Kind in den katholischen Religionsun-terricht. »Latent war das Bedürfnis zu glauben und sich taufen zu lassen schon immer da«, erinnert sich der 

33-jährige Doktorand. Dann heiratete er eine praktizie-rende Katholikin. »Sie hat den Stein ins Rollen ge-bracht.« Seine frühere Religionslehrerin schickte ihn  

zur »Glaubensorientierung«, dem Kurs an der Gemeinde St. Michael. »Heute lebe ich bewusster, die Prioritäten haben gewechselt«, erzählt Tobias. Heute ist für ihn 

Ostern mehr als ein weltliches Fest. 

Ostern und Taufe, dass Jesus auferstanden ist in die Herrlichkeit, und dass wir wiedergeboren werden zu einem Leben mit Jesus, sind miteinander verbunden – auch wenn unsere Taufe an einem anderen Kalendertag im Jahr geschehen ist, auch wenn unsere Wiedergeburt sich nicht am Osterfest ereignet hat. 

Wenn wir Ostern feiern, uns freuen und danken, dass Jesus den Tod durchbrochen hat und auferstanden ist; wenn wir singen und jubeln, dass er lebt: »Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.«; wenn wir nicht anders kön-nen, als vertrauensvoll damit zu rechnen, dass das Aufer-standene bei uns ist jeden Tag – dann sind wir »wieder-geboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Aufer-stehung Jesu Christi«. 

Die Auferweckung Jesu vor 2.000 Jahren gibt unserem Leben heute die Richtung. 

Petrus beschreibt in seinem Brief, was mit uns geschieht. Er macht uns auf Zweierlei aufmerksam: 1. Ostern lässt hoffen auf Ewigkeit 2. Ostern vergewissert uns: Jesus ist Sieger.

1. Ostern lässt hoffen auf Ewigkeit.

Viele sind zuversichtlich, dass es nach dem Tod gut weitergeht, auch wenn sie Ostern nicht feiern. Berichte von dem Lächeln auf den Lippen, bevor jemand seinen letzten Atemzug tat – so zu lesen auf der Homepage: »krankenschwester.de« –, Erzählungen von Menschen, die klinisch tot waren und wieder ins Leben zurückgekehrt sind, vom guten Licht, in das sie am Ende des Tunnels hineinfinden – wir sprechen von Nahtoderfahrungen –, Nachrufe an offenen Gräbern: »Ruhe in Frieden«, und die Geschichten von der verstorbenen Oma, die aus dem Himmel herab auf die Enkel schaut, setzen sich in Menschen fest. Sie versprechen: Nach dem Tod wird alles gut. 

Haben sie recht? Oder ist bei allem nur der Wunsch der Vater des Gedankens? 

Inzwischen hat sich auch eine andere Vorstellung in Deutschland verbreitet. Wie der Kreis des Lebens immer weitergeht und sich immer wieder schließt, so könnte es doch sein, dass wir aus einem Leben in ein anderes Le-ben wiederkehren. Wir kommen zurück in einer anderen Person: Reinkarnation. Und je nachdem wir uns verhal-ten haben, steigen wir auf oder steigen wir ab. Die Vor-stellung der Wiederkehr ins Leben hat ihre Wurzeln in den jahrhundertalten Überlieferungen des Hinduismus und Buddhismus.

Was aber, wenn mit dem Tod alles aus ist? 

Eine Studie hat 2006 Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren befragt. (de.statista.com). Etwa jeder 5te, 17 %, dieser jungen Menschen waren sich sicher: »Es gibt kein Leben nach dem Tod.«

Was können wir allen diesen Menschen sagen, wenn wir mit ihnen ins Gespräch kommen?

Gottes Wort zeigt uns:

a) Ewigkeit schenkt der Auferstandene Jesus Christus. 

Bei jeder Beerdigung hören wir die Zusage. Jesus Chris-tus spricht: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt « (Johannes 11, 25) Jesus lässt uns hoffen. Er ist vom Tod auferweckt in Gottes Ewigkeit. Wer Jesus hat, der hat das ewige Leben.

b) Ewigkeit schenkt Jesus denen, die ihm vertrauen. 

Vertrauen können ist nicht selbstverständlich. Die Christen, an die Petrus damals seinen Brief schreibt, be-kommen mehr und mehr Ablehnung zu spüren. Sie sind eine krasse Minderheit und ihr Glaube ist in Gefahr. Da weist sie der Apostel darauf hin, erinnert sie: »Eure E-wigkeit ist im Himmel schon bereit. Sie liegt dort, wie ein Erbe, das ihr ganz sicher bekommt. Eure Ewigkeit ist euch garantiert. Es dauert nur noch, bis ihr in sie hinein-kommt.« 

Wann wird das sein? Wenn ein Christ stirbt? Petrus weiß: Ewigkeit bricht an am großen Tag, wenn Jesus wiederkommt. Der Apostel betont: »Dass euer Glaube als echt befunden werde, wenn offenbart wird Jesus Chris-tus.« (V. 7) Unsere eigene persönliche Ewigkeit ist ver-bunden damit, dass Gott die Geschichte der Welt am Jüngsten Tag vollendet. Denen, die ihm vertrauen, schenkt Jesus dann ein persönliches Leben nach dem Tod und das Recht, in der neuen Welt Gottes zu wohnen.

c) Ewigkeit ist: 

gerettet werden durch das Gericht hindurch. 

Anders als in der volkstümlichen Vorstellung vom Leben nach dem Tod wissen wir durch Jesus, dass es nicht glatt von diesem Leben in den Himmel geht. Bevor Jesus in den Himmel bringt, kommt das Gericht. Bevor die neue Welt Gottes anbricht, gehen die Menschheit und das Weltall unter. »Der Himmel, der jetzt ist, und die Erde werden durch Gottes Wort aufgespart für das Feuer, be-wahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. Es wird der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb. Dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente werden vor Hitze schmelzen und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen.« (2. Petrus 3, 7.10.11) 

Petrus lässt in seinen Briefen an die Gemeinden keinen Zweifel: Gott richtet. Umso mehr jubeln die Glaubenden darüber, dass wir „aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werden zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie 

offenbar werde zu der letzten Zeit.“ (V. 5). Ewigkeit, die Jesus schenkt, rettet durch das Gericht. Jesus versöhnt mit Gott, erweckt vom Tod, richtet und rettet in die 

Ewigkeit.

Der Stadt Stadtlohn im Münsterland, nicht weit von der holländischen Grenze, hat der Künstler Joseph Kraut-wald eine beeindruckende Kreuzskulptur auf den Fried-hof gestellt. Es ist eine Steinsäule auf der drei Christus-gestalten übereinander eingemeißelt sind. Zu unterst ist der leidende Jesus dargestellt, der unter der Last des Kreuzes zerbricht, und nur noch seine Hände zu Gott empor strecken kann. Darüber ist Jesus Christus, der als der Auferstandene den Tod besiegt hat und segnend seine Hände über die Welt hält: »Friede sei mit euch!« An der Spitze der Säule sitzt Christus als Weltenherr, der das Buch des Lebens in seiner Linken hält und die Rechte zum Schwur erhoben hat. Als Worte sind an dieser Friedhofsskulptur zu lesen: »Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.« Karfreitag, Ostern und Advent – Sterben, Auferstehung und Wiederkunft Jesu gehören zusammen. Sie geben Hoffnung angesichts des Sterbens (1). 

2. Ostern vergewissert uns: Jesus ist Sieger.  

In der Auferstehungskirche in Schweinfurt ist in der Mitte der Kirche ein großer Leuchter aufgehängt. 12 Engelsgestalten hat Professor Erwin Sattler für diesen Leuchter gestaltet und darüber ein Lamm. Das Lamm trägt den Kopf hoch, in seiner Vorderpfote trägt es eine Fahne, die österliche Siegesfahne. Wer in die Kirche kommt und das Lamm sieht, soll wissen: Jesus trägt als Lamm Gottes die Sünden der Welt. Er hat für alle geblutet. Jetzt lebt er und ist Sieger, der alles, was dem Leben und Gott feindlich ist, überwindet. (2).

Viele Erfahrungen sprechen scheinbar eine andere Spra-che. Wir müssen nicht weit gehen, um die zu treffen, die Gott um Hilfe baten, denen aber nicht geholfen wurde. Und auch die Nachrichten reißen nicht ab von denen, die Haus und Hof, Arbeit und Freiheit verlieren, weil sie zu den Christen zählten, über 250.000 seit 2003 aus dem Irak. 

Petrus spricht von der »Traurigkeit in mancherlei An-fechtungen« und meint solche schrecklichen, existenz-bedrohenden Erfahrungen. Wer Jesus vertraut und dies äußert und praktiziert, erlebt sich als Fremdkörper in einer nichtchristlichen Umwelt. 

Dringt in einen Körper ein Fremderreger ein, dann wehrt sich der Körper, Antikörper bilden sich, die Person be-kommt Fieber und erkrankt. So wehrt sich die gottlose Menschheit gegen die, die sich Jesus verschrieben haben. 

Selbst wenn Jesus als Sieger aus dem Tod hervorgegan-gen ist, sind Christen keine Überflieger. Christen leiden. Christen trauern. Christen wissen nicht mehr weiter. 

Christen sind bedrückt. Christen sind von Gedanken ver-sucht: »Wäre ein Leben ohne Glauben nicht einfacher? Warum noch glauben?« 

Um an Jesus Christus festzuhalten, werden wir an seinen Sieg erinnert. Es wird uns noch einmal gesagt: Er hat den Tod überwunden. Er ist aufgefahren zu Gott dem Vater. Und wir brauchen die inneren Augen, mit denen wir wahrnehmen, dass die Wirklichkeit größer, weiter und herrlicher ist, als was wir sehen. 

In Frankreich in der Gegend von Piemont, gibt es am 

Ostermorgen einen alten  Brauch: Wenn am Ostersonntag zum ersten Mal die Glocken läuten, laufen Kinder und Erwachsene zum Dorfbrunnen  und  waschen sich die Augen mit kühlem, klaren Brunnenwasser. Die Menschen wollen Gott damit um neue Augen, um Oster-Augen bitten. 

Nur mit Oster-Augen, die Gott geöffnet hat, sehn wir, dass Jesus gesiegt hat und siegt und Sieger bleiben wird. Wie gut dass es den Sonntag gibt!  Jeder Sonntag im Jahr erinnert an den Ostertag. Sonntag ist der Tag des Herrn. Am Sonntag geht es weniger darum, dass wir nicht ar-beiten, als vielmehr, dass wir uns vor Augen führen: Jesus ist auferstanden. Jesus siegt. So können wir an jedem Sonntag Gott um Oster-Augen bitten: »Lass mich dich sehen: Du lebst, du siegst! Schenk es mir, dass ich den Glauben festhalte, auch Schweres durchstehe, wenn es denn sein muss, und zuversichtlich bleibe, auch wenn die, zu denen ich von dir, Jesus, rede, nichts wissen wol-len.«

Timotheus ist indischer Evangelist im Siler-Dschungel. Wie sein Bruder Paul Raj gehörte er früher zu einer 

Terroristengruppe. Wie sein Bruder treibt ihn der feste Wille: »Überall dort, wo ich früher kommunistische Pa-rolen mit Gewalt gesät habe, da will ich das Evangelium des Friedens in Jesus verkündigen.« Sein Bruder Paul Raj wurde von seinen ehemaligen kommunistischen Genossen ermordet. 

Ein halbes Jahr später, im Advent 1997, verschwand auch Timotheus. Kurz vor Weihnachten tauchte er wieder auf. Er erzählte: »Ja, sie haben mich entführt und gefangen gehalten. Pausenlose Verhöre mit Vorwürfen, Fragen, Drohungen und Spott. Und immer wieder: Es wird dir wie deinem Bruder gehen. Wenn du weiter von diesem Gott Jesus redest, werden wir dich umbringen.« Pfarrer Heiko Krimmer riet ihm: »Geh einige Zeit weg vom Dschungel, bis sich die Lage beruhigt hat.« Timotheus wollte nicht: »Meine Arbeit ist nicht fertig. Es sind noch so viele Dörfer, wo ich hin muss. Ich bin ihnen doch das Evangelium schuldig«, war seine Antwort.

 

Jesus ist auferstanden. Darum stehen wir an den Gräbern und sprechen von der Ewigkeit, die er bringt. Jesus siegt. Darum stehen wir mitten im Leid und in der Bedrohung und sind zuversichtlich: »Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht.«




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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