2010-03-28 Konfirmation

Festgottesdienst zur Konfirmation zu 1. Kor 1,9 und dem ABC des Glaubens / Pfarrer Friedhelm Bühner

Lied "54, 74, 90, 2010" von den "Sportfreunden Stiller"

Ansprache


Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden,
liebe Festgemeinde,
darf man das, so ein Lied in der Kirche laufen lassen?
Passt das zusammen, Fußball und Glaube?
Oder sind das nicht zwei völlig verschiedene Bereiche?

Die einen gehen am Sonntag auf den Sportplatz und die anderen
in den Gottesdienst.
Die einen singen "So ein Tag, so wundersch, so wunderschön wie heute"
und die anderen "Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes
Haus mich ein".
Für die Fans heißt es: "König Fußball regiert die Welt!" - aber die
Evang. Kirche hat schon vor Jahren gefragt auf großen Plakaten:
"Sind Fußballer die wahren Gotter?"

Man muss sicher aufpassen, dass die "schönste Nebensache der
Welt" nicht zum Lebensinhalt wird.
Es gibt aber auch wirklich Berührungspunkte zwischen Fußball
und Glaube:
> In der Arena "Auf Schalke" finden zum Beispiel in einer kleinen
Kapelle Gottesdienste für Fußballfans statt,
dort kann man auch die königsblaue Schalke-Bibel kaufen.
> Wenn eine Mannschaft am Ende der Tabelle steht,
dann hält der Trainer den Spielern eine sogenannte Kabinenpredigt
und der Sportdirektor sagt: "Jetzt hilft nur noch beten!"
> Oder nehmen wir Jesus - Der hat gewusst, was die Menschen bewegt.
Zu ihm sind die Massen geströmt, genau so wie in die Fußballstadien.
Und die Jünger, die waren eine richtige Mannschaft, ein echtes Team.

"Elf Freunde müsst ihr sein", hat der erste Bundestrainer Sepp
Herberger zu Fritz Walter und den Weltmeistern von 1954 gesagt.
Das haben Jesus und seine Jünger umgesetzt.
Gemeinsam etwas erleben, miteinander weiterkommen,
sich aufeinander verlassen können und zusammen halten.
Darum geht es beim Fußball und im Glauben.

Und ich habe mir überlegt, ob es nicht noch ein paar Vergleichspunkte
gibt.
Was meinen Sie, das wär' doch was, was sich - nicht nur - unsere
Jugendlichen bestimmt gut merken können ...

(1) Als Erstes bin ich auf A wie Ausdauer gekommen.
Im Fußball und in der Kirche braucht man Kondition.
Ein Spiel dauert 90 Minuten - so lange wieder Konfirmandenunterricht
am Mittwochnachmittag.
Bei einem Sportler wird die körperliche Ausdauer durch Grundlagen-
training aufgebaut.
Ganz ähnlich ist es mit der Konfirmation.
Man könnte sagen: Ihr Konfirmanden habt im letzten Jahr Kondition
gebolzt. Wir haben die Grundlagen des christlichen Glaubens
miteinander besprochen:
Taufe, Glaubensbekenntnis, Abendmahl, die Zehn Gebote -
und vorhin beim Aufsagen habt ihr Jungs und Mädels gezeigt,
dass ihr fitt seid.
Und das ist gut so, denn Christsein braucht Ausdauer und Kondition.

Nicht nur auf dem Sportplatz gibt es Durststrecken.
Auch im Leben stehen wir manchmal im Abseits  oder am
Rand einer Niederlage.
Auch ihr Jugendlichen werdet Krisen erleben.
Dann sind plötzlich Zweifel da:
    - Ist das wahr: "Der Herr ist mein Hirte?"
    - Hält Gott sein Versprechen: "Ich bin bei euch alle Tage?"
    - Und andere Fragen: "Macht der Glaube überhaupt Sinn
        in einer modernen Welt?"
        Wir Menschen nehmen doch unser Leben selber in die Hand.
        Computer berechnen alles bis zur letzten Kommastelle -
        ist da noch Platz für Gott?
A wie Ausdauer.

Glaube ist keine Selbstverständlichkeit, sondern braucht
eine Grundlage.
Der Konfirmandenunterricht war das Konditionstraining.
Aber nicht nur Ausdauer im Auswendiglernen,
nicht nur Ausdauer im Absitzen von Gottesdiensten,
sondern Ausdauer im Vertrauen auf Gott, auf Jesus,
mit ihm reden im Gebet,
erleben, wie er es gut mit Dir meint,
wie er Dein Leben mehr und mehr bestimmen will.
Eine solche Ausdauer macht fitt für das Spiel des Lebens.

(2) Als Zweites fällt mir ein B wie Begeisterung ein.
Jugendliche sind nicht immer begeistert von der Kirche.
Wenn im Stadion die "La Ola"-Welle umgeht,
da ist scheinbar mehr Begeisterung drin als im Gottesdienst.
Aber ich bin überzeugt:
Gerade Christen haben allen Grund, begeistert zu sein!

Mein Gewährsmann dafür ist ein Fußballer.
Er heißt Jeronimo Maria Barreto Claudemir da Silva - aber alle
kennen ihn nur unter seinem Künstlernamen Cacau.
Zusammen mit Mario Gomez hat er vor drei Jahren den VfB Stuttgart
zur deutschen Meisterschaft geschossen.

Früher hat er nach jedem Tor sein Trikot hochgehoben  und
den begeisterten Fans die Aufschrift "Gott ist treu" gezeigt.
Leider hat das der DFB inzwischen verboten,
dafür läuft der Brasilianer beim Torjubel mit erhobenen Zeige-
fingern zur Eckfahne und kniet dort nieder.

"Gott ist treu", das ist Grund zur Begeisterung.
Und das ist auch die Grundlage unseres Glaubens.
Gott ist treu, er hat uns Jesus gesandt, mit ihm durchs Leben
zu gehen, lässt diese Treue erleben.
Das ist die gute Nachricht für euch Konfirmanden:
Gott ist treu auch in der Schule, selbst wenn die Lehrer Dich schon
abgeschrieben haben.
Gott ist treu auch wenn es in Deinem Traumberuf keine Lehrstelle gibt.
Gott ist treu auch auf dem Weg zum Erwachsenwerden,
wenn Du es mit Deinen Eltern nicht leicht hast.
Gott ist treu, Jesus ist treu, ein ganzes Leben lang.

Im 1. Korintherbrief schreibt Paulus den Christen damals:
"Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft
seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn."

Gott ruft uns also in seine Gemeinschaft - und jetzt sind wir gefragt!
Wir können Antwort geben auf das große Ja, das er in der Taufe
zu jedem von uns sagt.
Du kannst im Glauben das Geschenk von Jesus annehmen,
ihm folgen, Dich Schritt für Schritt führen lassen. 
Davon hängt alles ab.

Dann verändert sich etwas in Deinem Leben,
dann kommt Begeisterung auf
und Du erlebst wie Cacau: Gott - ist - treu.

(3) Und diese Treue zeigt sich ganz besonders in C wie Christus.
Im Millionengeschäft Fußball kommt es immer wieder vor,
dass einer über das Ziel hinausschießt,
nicht nur mit dem Ball, sondern auch mit Worten.
So stand vor ein paar Monaten in der BILD-Zeitung,
dass Bayerntrainer Louis van Gaal zu seinen Spielern gesagt
haben soll: "Ich bin Gott."

Und vielleicht stellen sich manche Gott tatsächlich wie einen
strengen Trainer vor, der am Spielfeldrand fuchtelt und schreit
und die Spieler hinterher als "leere Flaschen" beschimpft.
Aber mit Jesus Christus bleibt Gott nicht draußen stehen.
Eine alte Fußballerweisheit sagt: "Entscheidend is' auf'm Platz"
(Adi Preißler)

Und so kommt der Sohn Gottes hinein in unsere Welt.
Jesus geht dorthin, wo es wehtut,
für einen Stürmer ist das der Strafraum,
für Jesus war es die Todesstrafe.
Am Kreuz von Golgatha stirbt er für die Schuld der Menschen
Die Zuschauer auf Golgatha haben ihn als Verlierer ausgepfiffen
und verhöhnt, es war ein Abstieg in die tiefste Verzweiflung.
Aber drei Tage später ist Jesus als Sieger über den Tod auferstanden.

Seitdem steht fest: Gott ist treu.
Wer an diesen auferstandenen und lebenden Jesus Christus glaubt
und ihm sein Leben anvertraut, den kann nichts und niemand mehr
von Gottes Liebe trennen.

(4) Und deshalb heißt es jetzt für Euch Konfirmanden und jeden
von uns: D wie "Dabei sein ist alles".
Dabei sein im Leben mit Jesus und
dabei sein in der Gemeinschaft der Kirche.
"Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines
Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn."

Bundestrainer Jogi Löw wird im Mai - 23 Spieler für sein Aufgebot
für Südafrika berufen.
Viele wären gerne dabei, aber nur wenige erhalten das WM-Ticket.
Stellt Euch einen Fußballer vor - einen, der erfolgreich ist und
Millionen verdient.
Stellt Euch vor, dieser Spieler sagt: "Wozu muss ich in die National-
mannschaft berufen werden? Fußball spielen kann ich doch auch
ohne die anderen ...!?"
Was käme dabei heraus?
Ein Solokünstler und Ballakrobat, der allein auf dem Platz herumhüpft.

So gibt es auch manche, die fragen: "Wozu brauche ich die
Gemeinschaft der Kirche? Was ich glaube, das weiß ich selber
am Besten."

Ein Fußballer, der mit sich allein spielen will, tritt immer auf der Stelle.
Und auch im Glauben können wir uns den Ball nicht selber zuspielen -,
wir brauchen die Gemeinschaft, die gegenseitig stärkt und trägt.
Wir brauchen den gegenseitigen Austausch,
dass wir uns sagen, was wir von Jesus wissen und mit ihm erleben,
was uns weiterhilft im Leben.
Dazu gibt es bei uns den Jugendkreis jeden Donnerstag
und den Gottesdienst am Sonntagmorgen.
Und wir hoffen, dass schon in diesem Jahr noch ein Teenkreis
gerade für Euch Youngsters im Glauben dazu kommt.
Nutzt diese Chance unbedingt!

Was auf dem Grünen Rasen der Mannschaftsgeist ist, das
kann man in der Kirche den "Heiligen Geist" nennen.
Es geht um Gottes guten Einfluss in unserem Alltag,
damit wir gemeinsam - statt einsam
und miteinander - anstatt nebeneinander (gegeneinander) leben.

D wie "Dabei sein".
Ein Letztes fällt mir noch ein: Beim Fußball gibt es eine Halbzeitpause.
Vielleicht denken auch einige Konfirmanden unter euch jetzt:
"Das letzte Jahr war ziemlich anstrengend - ich mach jetzt erst mal
Pause in Sachen Kirche."

Wenn es so sein sollte,
dann weißt Du vielleicht nur noch nicht,
dass die zweite Halbzeit, die jetzt ansteht, einen ganz anderen
Charakter hat: Viel gelöster und spannender und mit vielen Höhepunkten,
so dass Du unmöglich aussteigen solltest aus dem Spiel.
Gerade diese zweite Halbzeit ist total wichtig für Deinen persönlichen
Glauben, für Dein ganzes Leben.
Ohne sie kannst Du nicht gewinnen.

Wie im Fußball gilt: Dabei sein und dabei bleiben!
Mit A wie Ausdauer,
B wie Begeisterung
und C wie Christus.
Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)