2010-03-21

Predigt über Hebräer 5,7-9 / Pfarrer Friedhelm Bühner (2004)

Liebe Gemeinde,


eine lateinische Redewendung sagt: per aspera ad astra: »durch


Unebenheiten, durch mühsame Anstrengung hin zu den Sternen«.  


Diese Weisheit bestätigt sich immmer wieder.



So radeln z. B. jedes Jahr Tausende von Menschen den Donaurad-


weg entlang bis nach Passau oder sogar nach Wien.


Allein bis Passau sind das in mehreren Tagesetappen rund 300 km.


Das macht sicherlich Spaß sonst würden es nicht so viele machen -


und außerdem ist der Weg ziemlich eben, meistens sogar asphaltiert -,


aber das lange Sitzen im Sattel ist dann doch mühsam


und auf die Dauer auch schmerzhaft.  



Deshalb würde so macher  wahrscheinlich irgendwann aufgeben -,


wenn da nicht das verlockende Ziel wäre: WIEN!



Und dort kann man nach 3, 4 oder 5 Tagen tatsächlich ankommen!


Und den Stephansdom anschauen, mitten im Stadtzentrum und


den ganzen Flair der Stadt genießen mit den typischen Straßenkaffees


und was es dort sonst noch Schönes gibt.



Gerade der Dom zieht fast alle Besucher magnetisch an.


Ich selber war erst ein Mal dort ...


Aber spätestens wenn man hineingegegangen ist, überkommt einen die


Ruhe (so ganz anders wie der Lärm draußen), man kommt zur Besinnung


und kann sich wieder konzentrieren.


Der Blick wird regelrecht angezogen vom Altar und dem Kruzifix,


dem Abbild des gekreuzigten Christus.



Hier angekommen ist der Radwanderer wenn auch mit schmerzen-


dem Hinterteil am Ziel und freut sich, weil sich die Anstrengungen


gelohnt haben.



Ein Beispiel für unseren Lebensweg insgesamt:


Am Ende - wird es Ruhe und Erfüllung geben,


wenn man die Mühen und Anstrengungen hinter sich gebracht hat.



Diese menschliche Erfahrung hat auch eine Beziehung zum Weg


des Jesus Christus auf dieser Erde.


Sein Lebensweg und sein Wirken als Mensch sollte der Weg der


Rettung, der Erlösung für die ganze Welt werden.


Das ging aber »nicht einfach so mit links«.


Es kostete ihn große Mühe, Anstrengung, Schmerz.


Er bezahlte sogar mit seinem Leben.



Das fasst der heutige Predigttext aus dem Hebräerbrief (5,7-9) mit
wenigen Worten zusammen
:


„Und Jesus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und
Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der
ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er
Gott in Ehren hielt.
So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt,
Gehorsam gelernt. Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm
gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden.“



In wenigen, dichten Worten wird hier zusammengefasst,


dass der Leidensweg Jesu ein Weg durch Mühe und Schmerz


zum angestrebten Ziel war.


Und er hat es geschafft aber nicht so, wie wir uns das menschlicher-


seits vorstellen. Zum Gelingen seines Weges haben verschiedene


Faktoren beigetragen, von den ich drei herausgreifen will:


1. Jesus Vorbild im gehorsamen Leiden.


Was hier von Jesus gesagt wird, passt so gar nicht -mit dem


zusammen, wie wir uns den Sohn Gottes vorstellen:


    - Ist er nicht etwas ganz Besonderes?


    - Heilig, abgehoben, unwirklich, ja ideal? (


Aber wir verkennen ihn, wenn wir so denken!


Ausdrücklich heißt es hier: er hat gelitten, gekämpft, geschrieen,


Tränen geweint, war im Stich gelassen . . .



Mehrere Geschichten in der Bibel berichten davon, dass Jesus


geweint und getrauert hat, z. B.


    - als sein Freund Lazarus verstorben war - oder


    - als er im Garten Gethsemane mit dem Vater im Gebet


        darum gerungen hat, nicht in den Tod gehen zu müssen, oder


    - als er am Kreuz hing voller Qualen im Todeskampf.



Alle diese Berichte machen uns deutlich: Jesus war voll und ganz


Mensch, nicht nur als Kind im Stall von Bethlehem,


viel mehr noch in all dem,


    - wo auch wir fast täglich an unsere Grenzen stoßen,


    - wo wir mit Krankheit zu tun haben, mit leidvollen Erfahrungen,


         mit zerstörten Beziehungen,


    - wo wir nicht mehr können und vielleicht auch nicht mehr wollen . . .


Ja, Jesus hat Teil an unserem Schmerz, an unserem Leid,


an unserer Verlorenheit ...



Und wir kennen die quälenden Fragen: Wie kann Gott das zulassen,


    - dass hunderte Menschen durch einen Flugzeugabsturz ums


        Leben kommen,


    - dass Tausende durch eine Hochwasserkatastrophe ihr


        Zuhause verlieren,


    - dass Zehntausende wegen ihrer Rasse - einfach vertrieben werden?


Diese bohrende Frage des Warum kann uns aber auch persönlich


treffen: »Warum muss das ausgerechnet mir heute passieren!?«



Bei einem Ehepaar erleidet der Mann kurz nach Erreichen der Rente


einen Schlaganfall und wird für seine Frau zum Pflegefall.


Sie wird darüber ganz verbittert: »Unser ganzes Leben haben wir


hart gearbeitet, um uns ein kleines Häuschen leisten zu können


und uns auf die Pension gefreut und jetzt?!


Wir waren doch ehrliche Christen, auch wenn wir nicht in die Kirche


gegangen sind. Wie kann uns Gott so etwas antun?!


Mit dem kann mir keiner mehr kommen!« (



Vielleicht hilft uns das Bild vom leidenden Gottessohn, unsere


vorwurfsvollen Fragen auch einmal umzudrehen: Nicht: Wie kann


Gott nur!? Sondern: Wie sehr muss er an uns (mir) leiden, dass er das


auf sich nimmt, was sein Sohn ertragen musste?!



Genau darin, dass Jesus so leiden musste, darin ist er zugleich


ganz und gar Gott selbst.


Und das Besondere an ihm ist, dass er im Todesleiden den Gehor-


sam lernte, den Gehorsam gegen Gott.




2. Jesus Vorbild im vertrauenden Gehorsam.


Jesu Gehorsam gegen den Vater führte ihn geradewegs in das


Leiden und in den Tod.


Und auch er musste sich am Ende durchringen, diesen Weg


im Vertrauen auf Gott tatsächlich zu gehen.



Stellen wir uns nur einmal vor, was mit uns geworden wäre,


    - wenn Jesus seinem Vater nicht gehorcht hätte,


    - wenn Jesus im Garten Gethsemane zu Gott gesagt hätte:


        Nein Vater, diesen Kelch trinke ich nicht,


        diesen Weg gehe ich nicht.


Die ganze Rettung der Welt wäre dahin gewesen!



Vielleicht hilft es, wenn wir uns klarmachen, was das Wort „ge-


horchen“ eingentlich aussagt:  


Das Wort besteht aus der Vorsilbe ge- und dem Verb horchen.


Eine besonders enge, ja innige Verbundenheit ist damit ausgedrückt


zwischen Menschen und sie beruht auf einem intensiven Hören!  



Und das Hören ist wichtig!


Weil uns erst die gesprochenen Worte sagen, was bestimmte Dinge


bedeuten, die wir sehen und erleben.


Denken sie nur an zwei verschiedene Nachrichtensendungen,


die beide über das gleiche Ereigenis berichten!  


Dabei sind die Bilder oft haargenau gleich, aber das, was dazu


gesprochen wird, kann doch ganz unterschiedliche Schwerpunkte


setzen - oder die Bilder sehr unterschiedlich bewerten.


Das Hören ist also noch nachhaltiger als die Bilder!



Nicht andersist es mit der besten Nachricht aller Zeiten,


dem Wort Gottes.


Auch darüber sagt Paulus: „Nun aber kommt der Glaube aus dem


Hören, aus der Predigt (des Wortes Gottes (1)).



Dabei haben wir immer drei Möglichkeiten, wenn es etwas zu hören gibt:


1.    wir können es überhören,


2.    wir können es hören, aber ablehnen, und


3.    wir können es hören, beachten, annehmen und dann


       danach handeln.



Diese dritte Möglichkeit ist mit dem Wort „ge-horchen“ gemeint.


Dabei geht nicht um blinden Gehorsam, denn auch die Einsicht ist wichtig.



Grundsätzlich aber setzt das Ge-horchen eine enge Vertrautheit


mit der Person voraus, auf die wir hören.


Und unser Vertrauen soll nicht missbraucht werden, sonst wäre sofort


alles passé.



Gott, liebe Gemeinde, missbraucht unseren Gehorsam nicht.


Er benützt unser Vertrauen auch nicht für sich.


Sondern er will unser Heil, er will, dass wir leben!


Er will, dass wir zur Freiheit, zur Freude und zum Frieden kommen . . .  


Und dazu - hat er seinen Sohn in die Welt gesandt.


Damit Jesus für uns tut, was uns so schwer fällt,


ja, was wir eigentlich gar nicht können:


Dem Vater rückhaltlos vertrauen und umgekehrt!



Aber leicht ist es ihm auch nicht gefallen.


Es hat ihn sein Leben gekostet.


Aber er hat es um unseretwillen getan.


Und durch seinen Gehorsam ist er für uns zum Urheber des Heils


geworden, zum Retter und Erlöser für alle, die jetzt gehorsam sind.




3. Jesus Vorbild im erhörten Flehen.


Wenn wir Durststrecken durchstehen müssen und Schmerzen


auszuhalten, dann quälen wir uns leicht mit der Frage oder sogar dem


Vorwurf an Gott, ob er uns denn verlassen habe.


Jesus hat das selber durchgemacht auf seinem Weg ins Leiden.


Er hat zu Gott geschrieen und wurde, wie es heißt, erhört.


Aber nicht so, dass er am Tod vorbei gekommen wäre.



Nein, Jesus wurde gerade mitten im Leid gehalten und am Ende


als der erkannt, der diesen Weg für uns auf sich nehmen musste.


Genau das war das Ziel seiner Mission,


mit Schmerzen und durch Leiden zum Ziel Gottes!



Das kann für uns heißen, Gott ist uns gerade dort sehr nahe,


    - wo wir am meisten daran zu knabbern haben,


    - wo wir mit großer Niedergeschlagenheit durch den Tag gehen.


Und wäre es anders, würden wir am eigentlichen Leben gerade


vorbei gehen.



So seltsam das klingt: Wir brauchen auch die Krisen in unserem


Leben


    - um die Richtung zu klären,


    - um zur Besinnung zu kommen


    - und um den nötigen Tiefgang für unser Leben zu bekommen.


Denn: Mitten im Leid kann uns Gott berühren.



So kam der Jugendpfarrer Wilhelm Busch aus Essen dadurch


zum Glauben, dass ein Kamerad an der Front unmittelbar neben ihm


tödlich getroffen wurde.


Da ist ihm klar geworden, dass die Kugel genauso gut ihn hätte


treffen können.


Und diese Warnung hat ihn dazu gebracht, sein Leben zu ändern -


und später Theologie zu studieren. (2).



Gott hat viele verschiedene Möglichkeiten, um mit uns zu reden.


Aber wir gehen oft darüber hinweg, weil wir nicht offen genug dafür sind.


Oder weil wir meinen, Gottes Weg mit uns müsse genau anders


herum verlaufen.


Aber das, was wir uns idealerweise vorstellen,


ist meistens gerade nicht - der Weg, den Gott mit uns vorhat.


Und der Erfüller unserer schnellen Harmoniebedürfnisse ist


er auch nicht!



Sondern: Er war sich selbst nicht zu schade ist, sich unserem


Elend und unserer Not auszusetzen.


Er ist der, der in seinem Sohn sich selbst alles abfordert.


In Jesus geht er durch Schmerzen hindurch und gelangt so


zum Ziel.  Zum Ziel des wahren Friedens, das uns allen vor


Augen gestellt wird und das wir erreichen sollen.



Wer den Blick auf dieses Ziel voller Vertrauen und Hoffnung auf den


für uns am Kreuz hängenden Jesus festhält,


den werden     - weder Hitze noch Kälte,


        - weder Sturm noch Schnee


        - und auch nicht Mühe, Schmerz und Leid so lähmen,


dass er einfach sitzen bleibt und aufgibt.



Wir haben ein großartiges Ziel vor uns – per aspera ad astra  -


»durch Leiden zur Herrlichkeit«!



Und heute schonkönnen wir auf den am Kreuz schauen, der


uns so voller Liebe anschaut.


Und wenn wir das  tun, werden wir in jeder erdenklichen Lage zur


Ruhe Kommen und den Frieden, den er schenkt, in uns aufnehmen


und Freude wird bei uns einkehren.


Amen




Anmerkungen:


(1) Röm 10,17


(2) Jesus, unser Schicksal, Gladbeck 7 1973, Seite 51.





Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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