2010-02-07

Predigt über Hebräer 4,9-13 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Unser Predigttext heute steht im Hebräerbrief der Bibel,

Kapitel 4, die Verse 9-13:

  "Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.

  Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch

  von seinen Werken wie Gott von den seinen.

  So lasst uns nun bemüht sein, zu dieser Ruhe zu kommen,

  damit nicht jemand zu Fall komme durch den gleichen Un-

  gehorsam.

  Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer

  als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch bis es

  scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein und ist

  ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.

  Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist

  alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir

  Rechenschaft geben müssen".

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

der große Erzähler Adalbert Stifter erzählt einmal folgende

Geschichte: "Zwei Kinder, Konrad und Susanne, werden von ihrer

Mutter am Heiligen Abend früh zu den Großeltern geschickt,

die in einem Alpendorf über den Berg hinweg wohnen.

Sie sollen dort etwas für Weihnachten abgeben und sich

die Geschenke der Großeltern abholen.

 

Am frühen Nachmittag schickt die Großmutter die Kinder wieder

zurück nach Hause, denn sie befürchtet, 

dass es Frost gibt und es zu schneien anfängt 

und die Kinder den Weg verfehlen könnten.

So treten die Kinder fröhlich ihren Heimweg an.

Auf der Anhöhe beginnt es tatsächlich zu schneien!

Und das gefällt den Kindern: Sie lassen sich faszinieren von den

riesigen Flocken und vergessen die Zeit.

Bis sie merken, dass sie den Weg nicht mehr sehen

und herumzuirren beginnen ohne Orientierung.

 

Als sie müde werden und schon kurz davor sind einzuschlafen,

setzen sie sich zum Ausruhen in eine kleine Berghöhle.

Aber da wird die Müdigkeit umso stärker.

 

Der ältere Bruder Konrad weiß: Eines darf uns nicht passieren:

dass wir einschlafen - und so versucht er, sich und die

kleine Schwester wachzuhalten.

Weil er weiß, dass Einschlafen den Tod für sie bedeutet,

wendet er auch die äußersten Mittel an, dass das nicht passiert:

Er rüttelt seine Schwester wach, geht ganz unsanft mit ihr um, 

nur, um den tödlichen Schlaf bei seiner Schwester zu verhindern.

Auch im Hebräerbrief begegnen uns Menschen, die in der

lebensbedrohlichen Gefahr stehen, die Ruhe zu suchen, bevor

sie das Ziel erreicht haben!

Sie haben zwar zum Glauben an den HERRN - Jesus Christus -

gefunden, aber auf die Dauer waren sie in ihrer nichtchristlichen

Umgebung unter Druck geraten.

Was ihr Leben verändert hat, was ihnen Sinn und Ziel gegeben hat, 

wird plötzlich zur Belastung!

Nachteile müssen in Kauf genommen werden:

Gehänselt zu werden, die gesellschaftl. Achtung zu verlieren,

wo man nicht überall mitmacht und sie sind dadurch im Leben bedroht. 

 

Vielleicht aber liegt das Problem dieser Menschen auch darin,

dass sie sich mit ihrem Glauben an die Umwelt akklimatisiert haben.

Dass sie, die eigentlich - durch den Glauben an Jesus - "Gäste

und Fremdlinge" geworden sind,

sich wieder heimisch gemacht haben, 

vom Geist der Zeit geprägt worden sind 

und jetzt sind sie unversehens dabei, ihre Zukunftsperspektive 

wieder zu verlieren: Ihr Glaube versandet im Lebensablauf

und in der Art, wie sie ihren Lebensalltag gestalten. 

Aber ob sie jetzt auf dramatische Weise unter Druck geraten sind

oder auf sanfte Weise einfach schlapp geworden sind, 

sie gleichen den beiden Kindern in der Erzählung von Adalbert Stifter:

Fasziniert von dem, was das Leben bietet, 

wie Kinder bei beginnendem Schnellfall, 

merken sie nicht, dass diese Faszination ihnen den Blick trübt

für den Weg, auf dem sie unterwegs sind, um das Ziel zu erreichen.

Und sie werden zu müde zum Weitergehen, 

suchen die Ruhe, bevor sie am Ziel sind. 

Und so sind sie, wenn sie einschlafen, Kandidaten des Todes. 

 

Diese Gefahr, liebe Gemeinde, die gibt es gerade auch in unserer Zeit, 

dort, wo Christen dabei sind, sich dem Zeitgeist anzugleichen:

Da ist so vieles interessant und so manches leuchtet echt ein.

Sich Wohlfühlen ist gerade auch im geistlichen Bereich angesagt!

Nicht das Sich-bewähren an dem Platz, an den mich Gott 

gestellt mit einem geistlichen Auftrag ...

So reicht es dann vielen (und leider gerade auch) Christen, 

allein das zu machen, von dem sie meinen, dass es ihnen gut tut, 

was ihren Vorlieben und Hobbys am nächsten kommt. 

Und sie richten sich ein. 

Aber das kann eine gefährliche Ruhe sein, die das Ziel des Glaubenslebens

komplett aus den Augen verliert! 

Nämlich seiner Berufung nach zu leben, 

das Ziel vor Augen zu haben, das Gott gesteckt hat: Ein Zeuge

für den Retter Jesus zu sein vor solchen, die es hören wollen 

und vor solchen, die darauf überhaupt „keinen Bock“ haben. 

Wie leicht ist es doch, da einfach seine Stellung zu verlassen!

Aber wo ich dem Ziel (Gottes für mein Leben) nicht mehr zulebe, 

da lauert am Wegrand der geistliche Tod. 

Das ist der Grund, warum gerade auch die Christen 

immer wieder daran erinnert werden müssen, 

das Ziel, für das sie einmal gestartet sind, 

nur ja nicht aus den Augen zu verlieren. 

Drei Punkte dazu: 

 

1. Jünger Jesu gehen dem Ziel, der Ruhe Gottes, entgegen (Vv9f).

Und bei dieser "Ruhe" geht es nicht darum, dass Menschen, 

die sowieso nicht viel vorhaben mit ihrem Leben, 

endlich in Ruhe gelassen werden.

Sondern gemeint ist, dass der lebendige Gott alle Menschen durch Jesus

Christus einlädt, in seiner neuen Welt dabei zu sein,

von der Gott sagt, dass dort "kein Leid, kein Geschrei und keine 

Schmerzen" mehr sein werden.

Ja, dass es den Tod nicht mehr gibt, 

sondern eine ewige Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott, 

durch den Glauben an den Retter Jesus Christus.

Gibt es ein größeres Ziel als diese "Ruhe"?

Ist es nicht die Berufung jedes Christen, möglichst viele dorthin 

mitzunehmen?

 

2. Nicht alle erreichen die "Ruhe" (V. 11).

Wie Konrad seine Schwester Susanne immer wieder unsanft wach

hält, so wird auch hier Alarmstufe 1 geläutet!

In eindringlicher Weise werden Menschen zu allen Zeiten

von Gottes Wort aufgerüttelt, doch nur ja nicht vor dem Ziel

einzuschlafen! (Gleichnis von den 10 Jungfrauen ...)

 

Was heißt das ohne Bild gesprochen?

Es geht darum, dass "nicht jemand zu Fall kommt durch Ungehorsam"

(V11) oder "dass keiner von euch etwa zurückbleibe, solange die

Verheißung noch steht, dass wir zu seiner Ruhe kommen" (V1).

 

Die Gefahr des Einschlafens besteht darin, dass Glaube 

versanden kann, dass Jesus und sein Wort an mich nicht mehr 

der bestimmende Faktor im Alltag ist, 

dass ich anfange Gottes Wort zu relativieren und es für meinen

Geschmack zurechtlege. 

Dabei soll es doch die absolute Richtschnur für alles in meinem Leben 

sein, für mein Denken, für die Bewertung von Meinungen und Trends, 

für jedes Wort, das aus meinem Mund herauskommt

und für alles Tun und Lassen. 

Nicht das, was gerade zweckmäßig scheint, soll mich leiten!

Auch nicht eine falsche Toleranz und Kompromissbereitschaft!

Für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft ist beides natürlich 

nicht wegzudenken und nötig!

Aber wenn es darum geht, was für mich gut und nützlich ist, 

dann relativiere ich Gottes Anspruch auf mein Leben, 

wenn ich nicht von Anfang an nach Gottes Willen frage!

Christen sollen immer auch bereit sein, 

mutig gegen den Strom zu schwimmen, 

sich an Gottes Wort zu halten - oder - und davor wird hier gewarnt: 

Sie werden zurück bleiben (V1), ja sie werden zu Fall kommen (V11)

und sie werden zuletzt das Ziel nicht erreichen. 

Eine harte Aussage, ich weiß!

Aber hier steht klar und deutlich: Es ist eine Fehleinschätzung, 

wenn Menschen meinen, schon irgendwie automatisch in die ewige

Gemeinschaft mit Gott hinüber zu gleiten. 

Nein, das Gegenteil ist der Fall!

Und es kostet große Anstrenung, Disziplin und immer wieder neu 

konkrete Alltagsentscheidungen: „Egal, was andere sagen: Ich will in 

Gottes Spur bleiben!“. 

Wie ist das zu schaffen? 

Und was ist das Kriterium für die vielen großen und kleinen 

Entscheidungssituationen?

 

3. Gottes Wort entscheidet über das Erreichen des Ziels (Vv 12f)

Das Wort Gottes, liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

kann man nicht so nebenbei auch noch für das Leben zu Rate ziehen, 

um dann aus einem Füllhorn der Möglichkeiten das herauszusuchen, 

was einem gefällt.

Weil die Bibel kein Rezeptbuch ist, 

kein Pool möglicher Lebensentwürfe zur Auswahl!

Sie verteilt auch nicht Lebensweisheiten und moralische Maßstäbe,

die man ernst nehmen oder auch lassen kann. 

Das Wort Gottes ist leicht verwechselbar, aber gerade deshalb

nicht zu verwechseln mit Menschenwort.

Es ist "lebendig", "kräftig" und kommt uns nicht selten als "scharf"(e) 

Zumutung vor. 

 

"Lebendig", das heißt nicht etwas, was im Menschen produziert wird

und so vom Menschen und seinem Wohlwollen abhängig ist, 

sondern: Es wirkt aus sich selbst, weil es Leben in sich hat.

Es ist energiegeladen, das heißt in der Lage, 

in unserem Leben Fuß zu fassen, 

uns aufzuschließen für das, was Gott uns zu sagen hat. 

Es kann bewirken, dass ich mich für Gott öffne,

ob ich das selber will oder nicht. 

 

Weil es lebendig ist, kann es Leben schenken

und unseremLeben Ewigkeitswert geben!

Es kann aber auch tödlich sein,

wo Menschen sich vor ihm verbarrikadieren und seine prägende Wirkung

nicht zulassen wollen. 

 

Der lebendige Gott ist es, der uns in seinem Wort der Bibel begegnet

und er legt die Versuche offen, 

mit denen ich mich seinem Zugriff versuche zu entziehen. 

Wenn ich in der Bibel lese und dieses Wort mich infrage stellen lasse, 

dann gibt es mir den Maßstab an die Hand,  

ob meine Gedanken, mein Wollen und meine Einstellungen, 

nun mit Gott zu tun haben oder nicht. 

Wenn ich in der Bibel lese und dieses Wort mich infrage stellen lasse, 

dann gibt es mir den Maßstab an die Hand zu prüfen,

ob mein Christsein in der Hingabe meines Lebens an Jesus 

und seine Worte besteht, oder ich letztlich nur christlich eingefärbt bin.

 

Ich gebe zu, das ist kein „Weichspüler“!

Das ist „Vollwaschmittel“, dem wir hier ausgesetzt werden. 

Aber aus der Erkenntnis heraus, dass wir das brauchen, auch ich!

Das Ziel der Ewigkeit bei Gott zu erreichen, 

ist einfach zu kostbar und zu gefährdet ... 

wenn wir den Klarheit verlieren. 

Gottes Wort:

 "Lebendig"?, so manchen erscheint es eher tot, verstaubt,

   von vorgestern. Womöglich auch Christen?

 "Kräftig"?, Ist es heute nicht eher umgekehrt? Kraftlos? 

   Bedeutungslos für das Leben, irrelevant?

 "Schärfer als jedes zweischneidiges Schwert"? 

   Können wir es jemand verübeln, der darüber lacht?

   Wo tut es denn Menschen noch weh?

 

Und genau besehen: Mögen wir Gottes Wort eigentlich so? 

Entspricht es nicht unserem menschlichen Naturell,

Streicheleinheiten zu erwarten?

Klar, Gottes Wort tröstet auch, 

es richtet auch auf und ermutigt!

Und trotzdem ist es lebensgefährlich, das zu ignorieren, was uns 

der Hebräerbriefschreiber hier als Mahnung mitgibt. 

Er weiß, wovon er spricht. 

Am Wegrand des Glaubens liegen viele Leichen, 

Menschen, die einmal gut angefangen haben,

aber dann auf der Strecke geblieben sind. 

Genau davor will Gott uns bewahren. 

Er hat Angst um uns, sieht, wie schnell wir einschlafen können und 

dann das Ziel nicht erreichen. 

Deshalb lässt er uns das heute sagen: 

Dass wir wach bleiben sollen, 

dass wir sein Rufen hören sollen 

und uns nicht auf den Teilstrecken zum Ziel schon vorzeitig ausruhen. 

 

Konrad und Susanne übrigens haben das Rufen der Bewohner 

ihres Heimatdorfs gehört und gemerkt: 

Sie suchen uns. 

Sie lassen uns nicht im Stich. 

Und so sind sie am Weihnachtsmorgen zur Freude des ganzen Dorfs 

nach Hause gebracht worden. 

Daheim angekommen, war jetzt die Zeit da, 

zur Ruhe zu kommen, sich zurück zu lehnen. 

Nichts anderes will Gott mit uns!

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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