2010-01-17

Predigt über Römer 12,9-16 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Brief des

Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 12, die Verse 9-16:

9 Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. 

10 Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme 

dem andern mit Ehrerbietung zuvor. 11 Seid nicht träge in dem, 

was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. 12 Seid 

fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. 

13 Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. 

14 Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. 

15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. 

16 Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, 

sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht 

selbst für klug.“

Liebe Gemeinde,

in einem Witz fragt ein Schwabe: »Was ist ein Christ (Chrischt)?« 

Antwort: »4 Stangen und 2 Bretter«. 

Der Antwortende hat an ein Ge-rüst gedacht. 

Vielleicht fällt es auch uns leichter ein Ge-rüst zu beschreiben, 

als das, was einen Christen ausmacht. 

Wenn ich frage, was einen Christen kennzeichnet, 

dann antworten manche vielleicht: »Ein Christ darf das nicht und 

das nicht und das nicht und er muss Gutes tun, wie Mutter Theresa.«

So sieht es auch hier in unserem Bibelabschnitt aus. 

Aber in den Kapiteln vorher hat Paulus beschrieben, 

dass zunächst alles auf Jesus ankommt: 

Weil Jesus uns zuerst geliebt hat, 

deshalb ist er für uns gestorben. 

Er hat Gemeinschaft mit uns gesucht, 

deshalb ist er in diese Welt gekommen. 

Und er gibt uns Hoffnung, weil er auferstanden ist. 

Die Hingabe von Jesus ist der Grund des Christseins. 

Wer das für sich gelten lässt, ist ein Christ. 

Das ist der Grund und Boden des Christseins.

Ganz ähnlich sagt es der Heidelberger Katechismus.

Auf die erste Frage: »Was ist dein einziger Trost im Leben und im 

Sterben? heißt dort die Antwort: Dass ich mit Leib und Seele, 

beide im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines 

getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin, der mit seinem teuren 

Blut für alle meine Sünde vollkommen bezahlt hat ... « (2) 

Diese Zusage von Jesu steht.

Aber Christ ist man nicht einfach und dann ist es gut, 

nachdem man zum Glauben gefunden hat. 

Christsein hat Auswirkungen, es zieht Kreise, es strahlt ab, 

so wie Reflektoren das Licht nicht für sich behalten, 

sondern weitergeben. 

Christen sind nicht Endverbraucher der Liebe Gottes. 

Sie sind Zwischenstation, die diese Liebe weitergeben und damit 

andere erhellen.

Wenn sie ihren Namen („Christ“) nicht nur auf dem Papier tragen. 

Christen erkennt man nicht an der Kleidung, 

nicht am Auto und nicht am Lächeln, 

sondern am Leben und am Umgang miteinander. 

Und auch - am Umgang mit Außenstehenden. 

Dass sie leben wollen nach dem Vorbild von Jesus, 

das ist ein ganz wesentliches Erkennungszeichen der Christen.

Paulus beschreibt dieses Erkennungszeichen, das mit dem Leben 

zu tun hat, mit Blick auf unser Denken, Fühlen und Tun, 

eben mit Blick auf den ganzen Menschen mit Haut und Haaren:

Jesus ist das Licht, das sie anstrahlt. 

Und jetzt sollen von ihnen Strahlen ausgehen 

hinein in unsere Gemeinde 

und nicht minder auch hinein in diese Welt. 

Der Apostel zählt im 12. Kapitel des Römerbriefs viele Strahlen auf, 

die sich aber bündeln lassen in drei Hauptstrahlen:

Die Liebe, die hoffnungsvolle Freude und die Gemeinschaft.

1. Die Liebe.

Liebe ist das Grundprinzip im Reich Gottes. 

Heute wird viel über Liebe geredet und gesungen. 

Aber meistens ist mit Liebe ein Gefühl gemeint. 

Dem gegenüber schreibt Paulus von der Liebe, die in Jesus sichtbar 

geworden ist (3). 

Das ist eine ganz andere Qualität.

Liebe bei uns ist immer wieder ähnlich einem Theaterstück. 

Da wird dem anderen etwas vorgespielt. 

In der Antike wurden für das Theater Masken benützt, 

um deutlich zu machen, dass der Schauspieler nur eine Rolle spielt. 

Das muss beachtet werden, wenn wir hören: Die Liebe sei ohne Falsch, 

also ungeheuchelt (Vers 9). 

Denn wahre Liebe spielt keine „Rolle“, die ganz andere Hintergedanken im 

Schilde führt und deshalb falsch wird. 

Heuchelei ist, wenn Liebe vorgespielt wird und trotzdem böse Gedanken 

bleiben, wenn Liebe geübt wird, aber nur um gut vor anderen dazustehen, 

oder wenn Liebe gezeigt wird, aber mit der Absicht, dass man selber 

geliebt wird.

Die Liebe, die von Gott kommt, ist echt, ohne falschen Hintergedanken, 

sie ist auch nicht nur gespielt, sondern in Jesus Realität geworden. 

Gerade diese konkrete Liebe soll durch uns hindurchleuchten. 

Ein ein Merkmal von ihr ist, dass sie das Gute sucht – und nicht 

das Böse um des lieben Friedens willen mit dem Mantel des 

Schweigens zudeckt. 

Echte Liebe hasst das Böse und deckt es auf, um es zurecht zu bringen.

Sie zeigt sich zunächst im Umgang mit anderen Christen, 

indem man nicht nur auf sich selbst Gewicht legt. 

Liebe ist zu spüren, wenn einer nicht selber am längsten redet, 

oder selber meint, alles besser zu können, 

oder selber am meisten haben will, 

sondern zurücktritt und anderen den Vortritt lässt. 

Solche Liebe kann auch nicht nur in sich ruhen und alles andere einfach 

liegen lassen. Sondern sie will dienen und aktiv zu werden.

Liebe ist also ein Grundprinzip im Reich Gottes. 

Wenn aber die Liebe fehlt, wird es gefährlich. 

Denn: »Glaube ohne Liebe macht fanatisch. 

Wahrheit ohne Liebe macht unnahbar. 

Gerechtigkeit ohne Liebe macht rechthaberisch. 

Ehre ohne Liebe macht hochmütig. 

Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch. 

Ordnung ohne Liebe macht kleinlich. 

Wissen ohne Liebe macht überheblich. 

Reichtum ohne Liebe macht geizig. 

Dienst ohne Liebe macht hartherzig. 

Nachfolge ohne Liebe macht selbstsicher.«, hat einmal ein 

weiser Mensch geschrieben. (4)

Als Johannes, der Evangelist, schon sehr alt war – so wird berichtet – 

ist er regelmäßig in die Gemeindeversammlung herein getragen worden.  

Dabei soll er immer wieder nur den einen Satz gesagt haben: 

»Liebt euch, ihr Kinder!«. 

Die Liebe ist entscheidend.

Aber neben der Liebe gehört zum Christsein auch das zweite:

2. Die hoffnungsvolle Freude.

Christsein wird von manchen zu Unrecht als eine langweilige und 

traurige Sache gesehen. 

Genau das Gegenteil ist der Fall. 

Denn Christen haben eine Hoffnung, die über den Tod hinaus reicht!

Der Tod ist die natürliche und zugleich unüberwindbare Grenze für uns. 

An Grenzübergängen wird deutlich, dass hier die Macht eines Staates 

zu Ende ist. Hier enden seine Gesetze und seine Währung. 

Jeder Staat hat Grenzen. 

Und dort hört der Einfluss dieses Staates auf. 

Entsprechend ist der Tod die Grenze, an der unsere Macht endet, 

trotz aller modernen Medizin.

Aber Jesu Macht kennt keine Grenzen. 

Sein Licht leuchtet über den Tod hinaus. 

Er ist der Herr im Leben und auch im Tod. 

Cbristen haben deshalb eine ganz andere Perspektive und sehen nicht 

nur diese Welt und unser Leben mit ihren scharf gezogenen Grenzen, 

sondern mehr.

Freilich, oft genug sehen wir nur das Elend hier, das ja auch uns 

treffen kann. So wie in der vergangenen Woche auf erschreckende

Weise die Menschen in Haiti. 

Bilder, die einen nicht mehr los lassen und dazu bringen müssen, 

wenigstens einen kleinen Beitrag an Hilfe zu leisten ...

Aber Not gibt es auch in unseren Gemeinden, 

wenn wir zu Kranken kommen, die keine Hoffnung mehr haben. 

Oder wenn wir Kinder sehen, um die sich keiner kümmert. 

Oder wenn wir davon hören, dass Menschen in der Nachbarschaft 

arbeitslos sind und nicht mehr weiter wissen.

Wie ein unauflöslicher Widerspruch scheinen sich die Not hier und 

die Hoffnung dort gegenüber zu stehen. 

Dazwischen ein Graben, über den keine Brücke führt.

Aber Paulus kennt die Verbindung. 

Als er im Gefängnis gesessen ist als ein hoffnungsloser Fall, da hat er 

gebetet. Zusammen mit seinem Freund Silas (5) hat er gelobt und gedankt.

Das Gebet schlägt die Brücke von unserer Not zum himmlischen Helfer. 

Dabei wird die eigene Realität im Auge behalten und nicht einfach weg 

gewischt: der Schmerz, das Leid, die Schwierigkeiten. 

Aber da wird eine ganz andere Realität deutlich, nämlich die Realität Gottes. 

Im Gebet ändert sich unsere Perspektive. 

Gott kommt in den Blick.

Paulus und Silas beginnen inmitten der Gefängnismauer Gott zu loben.

Auch bei uns gilt: Im Gebet bekommen wir Kontakt mit Gott, 

und seine Realität bahnt sich in uns Raum.

Weil Christen betende Menschen, kriegen sie einen anderen Blick, 

macht sich bei ihnen Hoffnung breit, 

kommt bei Ihnen Freude auf. 

Freude, selbst in großem Leid. 

Haben Sie das schon erlebt? Probieren Sie es aus!

3. Die Gemeinschaft.

Vom Stauferkaiser Friedrich II. wird berichtet, dass er die Ursprache 

der Menschen herausfinden wollte und dass er dazu in einem Experiment

Kinder ohne menschlichen Kontakt aufziehen ließ. 

Diese Kinder haben alles bekommen, was sie zum Leben brauchten, 

aber Zuwendung und Liebe bekamen sie nicht. 

Sie sollten ganz auf sich allein gestellt leben. 

Mit dem grausamen Ergebnis, dass diese Kinder schon bald

gestorben ist. 

Wir Menschen sind auf Gemeinschaft angelegt - und ohne Gemeinschaft 

gehen wir ein. 

Das gilt auch ausdrücklich für die Gemeinschaft unter Christen. 

Unsere Gemeinde stirbt, wenn jeder für sich bleibt 

und jeder sein eigenes Süppchen kochen will, 

wenn wir dem starken Hang unserer Zeit zum Privatglauben ohne 

Gottesdienst und gelebte Gemeinschaft nicht widerstehen. 

Wenn keiner mehr für den anderen da ist und eintritt.

Wenn der Gottesdienstbesuch und die Bedeutung des Kindergottes-

dienstes als nebensächlich gesehen wird. 

In der Gemeinde muss es - umgekehrt - selbstverständlich sein, 

dass wir einander tragen und uns gegenseitig stützen, 

sowohl in Freude als auch im Leid.

Trotzdem leben wir zu oft nach dem Motto: „My home is my castle“

(Mein Heim ist meine Burg), und wir lassen niemand an uns heran. 

Da werden Mauern hochgezogen 

und wir strengen uns an, ja kein bisschen zu viel von uns Preis zu geben. 

 

Mancher geht lieber nirgends hin oder lädt lieber niemanden ein, 

aus der Sorge, was die anderen wohl denken werden! 

Begegnungen werden zu Zufälligkeiten.

An unserem Bibelwort heute erkennen wir dagegen das Geheimnis 

christlicher Gemeinschaft: 

Sie ist kein Laufsteg, aber auch keine Kuschelecke. 

Gemeinschaft der Gläubigen heißt, dass wir mit dem anderen mitleben; 

mit den Trauernden weinen, aber auch mit den Fröhlichen lachen, 

einander Anteil geben in Freud und Leid.

So lassen sich die Mauern meiner Ichbezogenheit, meiner Ängste 

und meiner Unverbindlichkeit einreißen. 

Und vielleicht muss ich es neu lernen, auf einen anderen zu zu gehen.

Im Tierreich ist es so, dass zwei Pferde, die zusammengespannt sind, 

mehr ziehen können als zwei Pferde, die getrennt gehen. 

Zwei Christen zusammen schultern mehr, als wenn beide für sich 

allein blieben. 

Wo Christen eins werden in ihrem Herrn, da wird die Gemeinde stark. 

Und diese Einheit besteht nicht in Sympathie. 

Es muss auch nicht jeder dasselbe denken

und sich alle nett finden. 

Nein, Gemeinschaft im Glauben ist gesetzt durch den einen Herrn. 

ER will denen, die seinen Namen tragen und IHM nachfolgen, 

zusammen den einen Sinn geben, der auf IHN gerichtet ist. 

Und so eine Gemeinschaft wird dann auch nach außen ein klares Licht 

abgeben, sie wird anziehend sein und eine Hilfe für andere. 

Paulus geht sogar noch einen Schritt weiter.

Er sagt: Gemeinde darf sich nicht abschotten wie in einer Festung. 

Sie soll denen außerhalb der Kirchenmauern ganz ähnlich begegnen, 

wie denen, die drinnen sind. 

Er verlangt ganz im Sinne von Jesus: »Segnet, die euch verfolgen« (V14).

Die Maxime: »Wie du mir, so ich dir!«, wird damit durchbrochen. 

Die Spirale der Vergeltung läuft aus. 

Weil und wenn Christen anders reagieren als andere. 

Wenn sie es lernen zu sagen: »Wie Gott mir, so ich dir!«, und 

wenn sie ihr Leben danach gestalten. 

Dadurch kann Schlimmes verhindert werden und Neues entstehen. 

Ohne Frage ist das ein hoher Anspruch. 

Aber Christen können tatsächlich als Segensträger leben, 

wenn sie es fest vor Augen haben, 

was Jesus für sie getan hat. 

Damals am Kreuz. Und mit seiner Auferstehung, 

deren Kraft in uns mächtig werden will. 

Jesus hat es uns von Anfang an vorgelebt: 

Man hat ihn gescholten, gemieden und verflucht. 

Aber er hat gesegnet. 

Sogar am Kreuz kann er für seine Peiniger beten: 

»Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.« (6)

Wer so - mit Blick auf Jesus - handelt, bringt andere zum Nachdenken. 

Und gar nicht so selten entsteht daraus auch ein Nachdenken über den 

Glauben. 

Christen bezeugen ihren HERRN nicht nur mit Worten, 

sondern ihr Leben und ihr Verhalten unterstreicht es aus seine Weise

(oder es streicht alles durch, was sie mit Worten bekennen). 

Eine Geschichte erzählt von einem Mann, der am Meer steht und 

gestrandete Seesterne wieder ins Meer zurückwirft, 

damit sie weiterleben können. 

Ein Anderer sieht zu, lacht und sagt: »Was hat denn das für einen Sinn? 

Es gibt noch viele Strände, die viele Kilometer lang sind, 

allen kannst du nicht helfen.« 

Und der Mann erwidert: »Aber die hier haben das Leben.«

Auch die Christen können die Welt nicht retten, das bleibt Gottes Aufgabe. 

Aber an ihrem Platz können sie helfen, dass Menschen ins Leben finden. 

Ihre Aufgabe ist es, ihnen den Weg zu zeigen und mit dem eigenen 

Leben ein Vorbild zu sein. 

Was ist ein Christ? 

Antwort: Einer, der von Jesus angestrahlt ist

und deshalb Liebe üben und voller Hoffnung sein kann -

stark in der Gemeinschaft des Glaubens. 

Anmerkungen:

(1)  vgl. Matthäus 5, 43ff.

(2)  Heidelberger Katechismus, Frage 1

(3)  vgl. auch Galater 5, 22

(4)  zitiert bei Zuversicht und Stärke 1997/98, Heft 1, Seite 123

(5)  vgl. Apostelgeschichte 16, 23ff.

(6)  Lukas 23, 34




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 23.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Dekan Botzenhardt)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Dienstag, 25.09.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Donnerstag, 27.09.2018
12:00 Uhr in Schwann:
Nachmittagsausflug (nach Locherhof mit Besuch von Pfarrer Bühner)
Sonntag, 30.09.2018
18:00 Uhr:
Feierabendgottesdienst in Schwann (Studenten)
Dienstag, 02.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 07.10.2018
9:15 Uhr:
Erntedankgottesdienst mit Gemeindefest in Dennach (Pfarrer Held)