2010-01-10

Predigt über Römer 12,1-3 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Der Textabschnitt, den wir heute betrachten, steht im Brief

des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 12, Verse 1-3

Wie ein Scharnier steht er dort, 

am Gelenk zwischen dem 1. und dem 2. Teil des Römerbriefs.

Bisher hat Paulus immer davon gesprochen, was Gott für die 

Menschen getan hat, und jetzt dreht er sich nochmals um und fragt zurück: 

Und welche Folgen hat das jetzt, was Gott für die Menschen tut? 

"Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, [schreibt Paulus], durch die 

Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, 

das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. 

Das sei euer vernünftiger Gottesdienst!

Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch 

durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, 

was Gottes Wille ist nämlich das Gute und Wohlgefällige 

und Vollkommene. 

Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist jedem unter

euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich‘s gebührt zu 

halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott

das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.“

Liebe Gemeinde, 

drei Dinge stellt uns der Apostel Paulus hier vor Augen: 

1. ) Vergesst es nicht: Ihr gehört jetzt Gott und zwar ganz.

2.)  Vergesst es nicht: Eure Maßstäbe sind jetzt anders

und zwar ganz anders  und 

3.) Vergesst es nicht: Ihr braucht einander und zwar ganz. 

Der erste Punkt:

Vergesst es nicht: Ihr gehört jetzt Gott und zwar ganz 

(a) Gebt eure Leiber Gott zum Opfer! - das ist der erste Ausrufesatz!

Wenn der Apostel Paulus hier von einem Opfer der Christen spricht, 

das sie Gott darbringen sollen, dann in einem völlig anderen Sinn, 

als man es sich in der heidnischen Umwelt vorstellte.

Das christliche Opfer ist eine dankbare Reaktion auf jenes Opfer, das 

Gott selber gebracht hat und wie wir es an Weihnachten besungen

haben: „Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben, 

ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben ...“ (1)

So ist also die Mahnung gemeint: Gebt eure Leiber Gott zum Opfer! 

„Eure Leiber“ - das heißt: euch ganz, nicht etwas von euch und 

nicht einzelne Opfergaben wie bei den Heiden!

Gottes ganzes Opfer wartet gewissermaßen auf unser Ganzopfer,

indem wir uns Gott uneingeschränkt zur Verfügung stellen. 

Gott zur Verfügung stellen, das heißt, einmal grundsätzlich (eine

persönliche Entscheidung für ihn treffen) und dann immer wieder neu

ihm sein Leben, seine Zeit, seine Kraft, seine Prioritäten zur Verfügung 

stellen: 

- mit Herzen,

- Mund und Händen, 

- mit Haut und Haaren ...

- mit jeder Sehne und jedem Knochen an mir ...

- mit jeder Windung meines Gehirns ...

Nichts an mir darf jetzt noch ein Eigenleben führen, 

sich Gottes Herrschaft entziehen wollen. 

Darauf antwortet Paulus mit einem zweiten Ausrufesatz:

(b) Nur dieses Opfer bringt Gewinn! 

Wir alle wissen: Unsere menschliche Natur hat überhaupt nichts 

dagegen, hin und wieder gewisse  „religiöse Pflichten“ zu erfüllen, 

eben dann doch mal wieder in die Kirche zu gehen, 

zum Jahreswechsel vielleicht einen größeren Schein zu spenden, 

sich sozial zu engagieren ...

Denn solche gelegentlichen „Opfer“ lassen unserer menschlich

tickenden „Natur“ ja immer noch genug  Spielraum für Kompromisse 

mit einer gottlosen Umwelt! 

Aber unsere menschliche Natur wehrt sich vehement dagegen, 

dass ich mein Leben restlos an Christus übergebe! 

Sie sieht darin eher eine maßlose Übertreibung, 

unnötigen Fanatismus.

Aber bedenken wir: Gott hat sich ja auch nicht nur ein bischen für uns 

interessiert und engagiert, sondern hat ein ganzes Opfer gebracht 

und verströmt seine ganze Liebe und Geduld zu uns an jedem Tag neu!

Entsprechend wartet er zu Recht auf unsere angemessene Antwort. 

Und das Erstaunliche ist:

Wer sein Leben Gott übergibt, der erfährt, dass er gerade nicht

eingeengt wird, sondern die größte Weite eröffnet bekommt: 

„... du übergibst mich nicht in die Hände des Feindes, 

sondern stellst meine Füße auf einen weiten Raum“, 

lesen wir in Psalm 31, Vers 9. 

Wer sein Leben Gott übergibt, der sieht auch, 

dass die von den meisten Menschen gewählte Alternative, 

nämlich die Lebensregie selber in der Hand zu behalten, 

im Grunde Selbstbetrug ist. 

Weil man gerade so in die Enge gerät,

Gottes Gottes am laufenden Band hinten anstellen muss,

bis er schließlich ganz aus meinem Leben auszieht! 

Wer sein Leben dagegen restlos Gott übergibt, das gibt uns 

Paulus hier mit, der tut sich selber und vielen anderen damit

das Beste!

Warum? 

Weil nur so alles in meinem Leben den richtigen Platz, 

seinen Wert und seine Würde bekommt!

Weil nur so das Leben im Glauben sich ständig  erneuern kann

und ich wachsen kann (2) und ich die „volle Genüge“ haben kann, 

„Leben im Überfluss“, was Jesus denen versprochen hat, 

die IHM nachfolgen (3).

Paulus will uns also mit seiner Mahnung zur Konsequenz

und Eindeutigkeit dazu verheilfen, dass unser Leben zur Erfüllung

kommt und nicht am Ende scheitert (4). 

„Ein Leben, gegeben für das, was wirklich zählt, 

ein Leben für Gott ...“

ist im besten Sinne „vernünftig“. 

Bringt es doch nur Gewinn, jetzt und nach dem Tod. 

Und es bringt das Leben in sein eigentliches Element, 

für das es geschaffen ist .

„Ein Leben, gegeben für das, was wirklich zählt, 

ein Leben für Gott ...“ macht das Leben zum Gottesdienst. 

Der zweite Merksatz des Paulus heißt deshalb:

2.)  Vergesst es nicht: Eure Maßstäbe als Christen sind jetzt anders 

und zwar ganz anders

(a) Stellt euch nicht dieser Welt gleich! 

Sollen Christen also gegen die bürgerliche Gesellschaft leben, in 

der sie leben und äußerlich zu einer anderen Welt gehören? 

Das ist natürlich nicht gemeint. 

Im griechischen Urtext heißt es genauer: „Ihr passt (jetzt) nicht (mehr) 

in das Schema dieser Welt“ oder „Fügt euch nicht (mehr) ins Schema 

dieser Welt!“ 

Das heißt, Christen sollen sich auf keinem Gebiet „gleichschalten“

lassen, sie sollen keine stromlinienförmige Gestalt annehmen, 

die sie wie Aale durch das Leben schlängeln lässt

und das auch noch möglichst weit unten im See, 

so sie keiner bemerkt. 

Wer Gott gehören und dementsprechend leben will, 

der braucht gewissermaßen einen „sechsten Sinn“, 

ein  feines, am Wort Gottes geschärftes Gewissen, 

um nicht unbewusst im landläufigen Denken und Treiben 

einfach mitzuschwimmen.

Weltverneinung oder Weltflucht bedeutet das nicht,

aber es geht darum sich klar zu machen, dass 

- eine gesunde Distanz zu den Maßstäben dieser Welt total wichtig ist,

- um nicht mit den Wölfen zu heulen,

- um nicht das zu tun, was heute vielleicht die Mehrheit für richtig

und vernünftig hält und was in Gottes Augen trotzdem Sünde

sein kann (selbst dann, wenn es in Gesetzesform gegossen 

sein sollte, wie z. B. ein Recht auf Abtreibung, 

eine Ehe zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau). 

Unter Gottes Segen kann nur stehen, was Gott segnet.

Und daran muss sich ein Denken, das sich an Gottes Wort und Willen 

orientiert, messen lassen. 

Es wird in vielen Bereichen zu ganz anderen Ergebnissen kommt, 

als das Denken von Menschen, die sich selbst und ihrer (natürlichen)

Vernunft leben. 

Paulus ruft uns deshalb zu: 

(b) Ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes! 

Das bedeutet: Lasst euch die falschen Maßstäbe dieser Welt nehmen 

und gewinnt neue Kriterien aus der Erkenntnis von Gottes Willen!

Da dürfen wir uns auch als Kirche nichts vormachen. 

Wir sind kein geschützter Raum, kein Biotop. 

Sondern auch bei uns möchte Gottes Geist noch viel mehr 

Raum zur Klarheit und Eindeutigkeit bekommen. 

Denn Christsein ist kein Nachtschattengewächs. 

Keine selbst gezimmerte Lebenseinstellung. 

Wo das Licht Gottes fehlt, da stirbt auf Kurz oder Lang der ganze 

Organismus einen schleichenden Tod.

Da ist es so wie beim Klimaschädiger CO2 - man fühlt ihn nicht, 

riecht ihn nicht und doch wirkt er auf lange Sicht tödlich. 

In einem abgeschlossenen Raum würde man schleichend

an einer CO2-Vergiftung sterben und es bis zu letzt gar nicht bemerken ...

Gottes Maßstäbe sollen gerade bei den Christen absolut gelten!

Passt euch nicht den herrschenden Moden an, 

- nicht den Modeideen, 

- nicht den Modeideologien, 

- nicht der Modemoral, sagt Paulus! 

Ja, im geistlichen Leben eines Christen ist genau das fortschrittlich, 

was Menschen ohne Gott als „Rückschritt“, als überholt oder 

altmodisch belächeln!

Und es kostet durchaus Überwindung, sich hier und da nicht vom 

allgemeinen Trend erfassen und mitreißen zu lassen. 

Paulus lässt uns wissen: Die „Erneuerung unseres Sinnes“ ist eine

kontinuierliche Aufgabe! 

Wer sich dagegen anpasst, geht geistlich kaputt. 

Und ein christliches Chamäleon ruiniert in der Regel nicht nur sich 

selber, sondern reißt auch andere mit, von Christus weg! 

Natürlich haben auch Christen das Spannungsfeld Glaube und Welt 

nie ganz hinter sich gelassen:

- Sie sind in die Welt gestellt, sind offen für die Welt und 

- trotzdem nicht von der Welt, haben also andere Maßstäbe als sie. 

Auch kann niemand aus eigener Kraft dem Anpassungsdruck standhalten! 

Aber im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes 

können Christen ihren alternativen Lebensstil durchhalten  

und nicht nur nicht die Maßstäbe ihrer Umwelt umsetzen, 

sondern die eigenen Maßstäbe einsetzen! 

Es kann durchaus sein, dass so eine Haltung zunächst einmal 

auf viele anstößig wirkt und trotzdem ist sie ihnen letztlich zum Segen! 

Ja, ich behaupte sogar, dass es eine stille Sehnsucht in unserer 

Welt gibt nach derartigen Menschen, die sich nicht den gängigen 

Trends einfach anpassen, sondern ihrem Glauben und damit 

den Geboten Gottes treu bleiben! 

(c) Prüft, was der Wille Gottes ist!, gibt uns Paulus heute mit! 

Überwindet das gespaltene Denken, in dem ihr meint, es gäbe

Lebensbereiche, in denen ihr 

- nicht zu beten und 

- nicht nach Gottes Willen zu fragen braucht, 

- in denen die reine praktische Vernunft gilt. 

Prüft alles, was ihr tut, auf seine Tauglichkeit nach Gottes Maßstäben! 

Denn das führt in die königliche Freiheit der Kinder Gottes 

und zu einem Leben, das Gott bestätigen wird! 

Es geht dabei wirklich nicht um Lappalien, 

sondern um Sein oder Nichtsein als Christ! 

Jetzt heißt der 3.) und letzte Merksatz des Paulus:

Vergesst es nicht: Ihr braucht einander und zwar ganz. 

Vom Evangelium her steht völlig außer Zweifel: 

- Jeder Christ hat eine geistliche Gabe, 

- jeder wird mit seiner Gabe in der Gemeinde gebraucht und 

- aus jeder Gabe folgt eine Aufgabe! 

Wer sein Leben Gott übergeben und eine neue Gesinnung 

bekommen hat, der wird darauf achten, dass er die Maßstäbe 

geistlichen Lebens zuerst im privaten und gemeindlichen Rahmen

bewährt.

Und da wird er über Gemeindegrenzen hinweg Schwestern und 

Brüder erkennen, die nicht einfach aneinander vorbei laufen können, 

sondern sich brauchen und für die alle unser Wochenspruch gilt:

„Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder!“ 

Weil Christen einander brauchen, egal, aus welchem Stall sie kommen ...

Weil nicht Geschmack, sondern Gottes Geist sie innerlich vereint

und verbindet. 

Für Paulus ist klar: Nach dem Schema dieser Welt

wird ein Mensch zuerst einmal seine Karriere und seinen persönlichen

Vorteil im Blick haben, aber unter Christen muss das ganz anders

sein: 

Hier gibt es nur ein Dienen aneinander und miteinander, 

ein Dienen für den HERRN 

in dieser Welt, in die er seine Jünger hineingestellt hat.

Deshalb sieht Paulus das Leben der Christen auch insgesamt 

als Gottesdienst an. 

Und diese Welt als Übungsgelände für den Himmel. 

Als den Platz zur Verherrlichung Gottes.

Amen

Anmerkungen:

(1) EG 37,1

(2) 2. Kor 5,15.17

(3) Joh 10,11

(4) Mt 16,25f





Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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