2010-01-01 Neujahr

Predigt über Römer 8,31b-39 / Pfarrer Johannes Beyerhaus, Schwäbisch Hall (ersatzweise)

Liebe Gemeinde,

Altjahrsabend sagen wir – die Engländer sprechen von New Year’s Eve, Vorabend des neuen Jahres. Darin kommt eine unterschiedliche Betrachtungsweise zum Ausdruck. Manche blicken heute eher zurück auf das vergangene Jahr, andere schauen bereits nach vorne – 

mit was für Gefühlen auch immer.

Ein Großteil allerdings tut weder das eine noch das ande-re, sondern stürzt sich in den Trubel rauschender Silvesterfeten oder überlässt einfach die Programmgestaltung an diesem Abend den Fernsehanstalten. Nicht ganz ohne Grund, denn ein bewusster Übergang ins neue Jahr birgt durchaus auch Unangenehmes. 

Wer zurückschaut, stößt neben manchem, was sicher gelungen ist, zwangsläufig auch auf Verletzungen oder Versagen. 

Wer den Blick nach vorne wendet, nimmt kaum mehr wahr als eine verschlossene Tür – trotz der vielen okkulten Tricks, die es für die Erforschung der Zukunft an Silvester gibt, wie etwa Bleigießen oder Tarotkarten. Aber wir können nun mal nicht wissen, was die Zukunft bringt, und wir sollen es auch gar nicht wissen. Gott hat uns dies mit guten Gründen verwehrt. Wer aber seine klaren Verbote von Wahrsagerei und Sterndeutung missachtet, tut es zum eigenen Schaden: Allzu leicht werden wir so zu Gefangenen anonymer Mächte und Ängste. 

Vertrauen wir also lieber der Führung Gottes und hören auf sein Wort, das uns wirklich Halt und Perspektive für den Übergang ins neue Jahr 2010 gibt. 


Wir hören den Predigttext aus Römer 8,31b-39:

„Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

Gottes Wort gibt Hoffnung und Orientierung

Liebe Gemeinde, ein Biologe startete mal einen Versuch. Er setzte Raupen auf den Rand einer bestimmten Topf-pflanze, deren Blätter eine Delikatesse für Raupen sind. Er ordnete sie in einem geschlossenen Kreis so an, dass jede von ihnen das Hinterteil der vorderen Raupe vor Augen hatte. Vielleicht gab er ihnen noch einen kleinen Schubs – jedenfalls setzte sich die erst Raupe in Gang und alle anderen folgten ihr brav. Immer im Kreis herum.

Offensichtlich verließ sich jedes dieser kleinen Tiere darauf, dass die Raupe vor ihr die Blätter schon finden würde. Und stellen Sie sich vor: Fast eine Woche lang liefen die Raupen hinter einander her, immer im Kreis herum. Nach einer knappen Woche starben die ersten Raupen vor Erschöpfung und Hunger. 

Tragisch, nicht wahr? Dabei gab es Nahrung in Hülle und Fülle – und das nur eine Handbreit von ihnen weg! 

Viele Menschen leben genau wie diese Raupen. Sie 

machen, was andere ihnen vormachen oder was sie selbst schon immer so gemacht haben. Ihnen fehlt der Blick für das, was für ihr Leben und ihre Zukunft wirklich zählt. Dabei ist die Bibel randvoll mit Hilfestellungen und Verheißungen, die uns den Weg zum Leben zeigen möchten. 

Die erste Verheißung, die uns im heutigen Predigttext für das neue Jahr 2010 mitgegeben wird, lautet: »Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?« 

Gott ist für uns. Gottes Augen schauen freundlich und voller Liebe auf uns. Er steht uns zur Seite. In Jesus Christus ist er zu uns gekommen, weil er uns in seine Gemeinschaft ziehen möchte. Wir sind auserwählt, bei ihm und an ihm zu bleiben. Und zwar für immer. 

Vielleicht hat so manches hier im zurückliegenden Jahr bisweilen das Gefühl gehabt: 

»Alles ist gegen mich! Alle sind gegen mich!« Doch hier wird uns etwas ganz anderes zugesprochen: »Gott ist für mich«. Und es geht noch weiter: »Der auch seinen eige-nen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben –, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?«  

Alles – über Bitten und Verstehen hinaus möchte Gott uns beschenken. Vielleicht nicht unbedingt so, wie wir das gerne hätten. Aber so, wie er es für uns geplant hat und wie er es für richtig hält. Denn schließlich weiß der, der uns geschaffen hat und der uns besser kennt als wir uns selbst kennen, sehr viel besser, was unserem Leben förderlich ist und was nicht. 

Gott hält uns – auch in Krisen und Anfechtungen

Alles, was im neuen Jahr auf uns wartet, liegt in seiner Hand. Ja, wir selber sind in seiner Hand – eine Hand, die uns auch in schlimmen Zeiten festhält: 

»Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?« 

Natürlich könnte gerade diese Aufzählung von Schick-salen und Mächten als Hinweis dafür gesehen werden, dass Gott gerade nicht für uns ist. Warum sollte ein Gott der Liebe all diese Nöte und Anfechtungen überhaupt erst zulassen? Warum räumt er nicht alle Widerstände gleich aus dem Weg? 

Aber: Gott benutzt gerade auch schwere Zeiten, um uns näher an sich heranzuziehen. Wie oft erleben Menschen die tiefsten und nachhaltigsten Begegnungen mit Gott gerade in dunklen Zeiten – wenn unser Herz zittert und zagt und wir durch Krisen hindurch müssen. Gott kann auch aus schweren Erfahrungen Gutes werden lassen.

Vielleicht darf ich das mit einem Vergleich anschaulich machen: Um einen Kuchen zu backen, braucht es Mehl, Salz, Butter, rohe Eier und anderes. Alles Zutaten, die jede für sich genossen, eher scheußlich schmecken. 

Zusammen aber ergeben sie einen wohlschmeckenden Kuchen. Genau so gilt: Wenn wir Gott all unsere herben Erfahrungen hinlegen, wird er sie auf seine Weise aber zu unserem Guten zusammenmischen.

Vorausgesetzt allerdings, wir suchen überhaupt die Nähe Gottes. – ganz im Sinne des Psalmbeters: »Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.« (Psalm 73, 23–24)

Sehen Sie, Gott hätte verhindern können, dass Hagar mitsamt ihrem Kind in die Wüste gejagt wird. Er hätte verhindern können, dass Josef im Gefängnis schmachten muss und Daniel in der Löwengrube den Tod vor Augen hatte. Gott hätte auch dem Apostel Paulus ersparen kön-nen, all das durchzumachen, was er hier in Römer 8 

beschreibt: Trübsal, Angst, Verfolgung, Hunger, Blöße, Gefahr und Schwert – was der Apostel hier aufzählt, sind alles Dinge, die er schmerzhaft am eigenen Leib erfahren hat. Und vieles darüber hinaus – wie Krankheit und sogar Folter. Er und die anderen genannten Personen aus der Bibel wurden in keiner Weise vor Leid, Schmerz und Angst bewahrt. Aber: Sie wurden immer enger in die Gemeinschaft Gottes hineingezogen. Eine Gemeinschaft, auf die alles, aber auch alles in unserem Leben ankommt. 

Gerade solche Situationen und Bedrohungen, die Paulus nennt, führen uns vor Augen, wie sehr wir darauf ange-wiesen sind, uns an Gott festzuklammern, auf ihn zu schauen und uns nicht auf unsere eigenen Möglichkeiten zu verlassen.  

Gewiss: Viele Menschen werden eher bitter, als dass sie durch schlimme Erfahrungen näher zu Gott hingezogen werden. Es kommt also darauf an, dass wir uns diese Haltung des Apostels Paulus zu eigen machen, der sich in allem und trotz allem von Gott gehalten weiß. 

Der Apostel schreibt: »In dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.«

Möglicherweise war es auch für Paulus ein langer Weg, bis er schließlich dieses großartige Bekenntnis zur Liebe und Treue Gottes als gültige und im Leiden bewährte Wahrheit so aussprechen konnte, wie das in diesen Worten geschieht. Aber er hat es immer wieder erfahren, dass inmitten von allem, das ihm zusetzte, Gott da war – als die stärkere Macht. Als die alles umspannende Kraft und Hoffnung für sein Leben. Vor allem hielt er sich und seinen Gemeinden immer wieder vor Augen, dass Jesus selbst unsagbares Leiden und den Tod am Kreuz auf sich genommen hatte und uns nun als Fürsprecher zur Rechten Gottes vertritt (V. 34). So wusste Paulus, dass Leiden und Glück, Niederlage und Sieg, Tod und Auferstehung hier auf Erden noch zusammengehören – am Ende aber das Leben siegen wird. In seinen eigenen Worten: Die Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn 

(V. 39). Sie bleibt. Sie hat das letzte Wort.

Paulus streitet nicht ab, dass es dunkle Mächte gibt, die tatsächlich auch Macht haben und auf unser Leben einwirken. Aber entscheidend ist für ihn, dass keine Macht dieser Welt, woher immer sie kommen mag, das große »Ja« umstoßen kann, das Gott in seinem geliebten Sohn ein für alle Male über uns ausgesprochen hat. Und deswegen brauchen wir nicht auf diese Mächte starren, wie das Kaninchen auf die Schlange, bis sie uns in ihren Bann ziehen und uns zu Sklaven der Furcht machen. Letztlich gehören sie alle nur der »Kreatur« an, wie Luther übersetzt, also der geschaffenen Welt. Sie sind Gott weit untergeordnet. Dort ist ihr Platz.

Unser Platz aber ist an der Seite und in der Gemeinschaft von Jesus Christus. Hier allein bekommen wir angesichts aller destruktiven Mächte, die uns umgeben und unser Leben bestimmen wollen, den freien Atem, die Kraft und den Mut, als Menschen in dieser Welt zu leben. Und dem, was immer – auch im Jahr 2010 – auf uns zukom-men mag, tapfer entgegen zu sehen und tapfer entgegen zu gehen.   Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Mittwoch, 20.06.2018
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Donnerstag, 21.06.2018
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19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
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18:15 Uhr:
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Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)