2009-12-31

Predigt über die Jahreslosung Joh 14,1 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde!

Wie viele Menschen werden sich für heute vorgenommen haben: 

„Ab sofort wird alles anders! Ab jetzt stelle ich mich um!

Für den Rest meines Lebens werde ich geduldiger sein 

und ich werde meinen Umgang verändern!

Schließlich muss es doch möglich sein, 

auch gelassen durchs Jahr zu gehen, 

selbst dann, wenn es Situationen gibt, die man einfach ertragen muss!“

Erstaunlich viele Menschen sehnen sich danach, 

das Ruder ihres Lebens herumwerfen zu können!

Wie oft haben sie es sich schon vorgenommen, das zu tun!

Nur: Was ist daraus geworden?

Umso erstaunlicher war das, was jene „Männer aus Galiläa“ erlebt haben.

Die Bibel erzählt von ihnen. 

Sie werden „Jünger“ genannt, also Nachfolger. 

Von heute auf morgen waren sie jenem Jesus nachgefolgt. 

Er hatte sie fasziniert. 

Und es hat sie gepackt, dass er gerade Sie wissen lässt: 

„Komm doch zu mir, folge mir nach!“

Sie haben sich dem nicht entziehen können, 

haben alles verlasssen, was ihr Leben bisher lebenswert gemacht 

hat - den Beruf, die Familie, das gemütliche Zuhause. 

Und trotzdem - haben sie es keinen Tag bereut, 

diesen Schritt, dass sie sich in die Gemeinschaft mit diesem Jesus 

haben hineinnehmen lassen. 

Sondern dort - bei Jesus und mit Jesus - hat ihr Leben nochmal 

neu angefangen. 

Etwas völlig anderes war angebrochen - mitten in ihrem bisher total 

normal verlaufenen Leben. 

Und von ihnen will ich heute etwas erzählen. 

Weil sie erlebt und geschmeckt haben, 

wonach wir uns wohl alle sehnen - gerade auch heute!

Mit Jesus!

Das war es, was ihr Leben so von Grund auf anders gemacht hat. 

Sie haben bei Jesus und mit ihm das erlebt, was viele von uns 

eigentlich für sich im neuen Jahr erhoffen. 

Anders - war die Welt um sie herum ja nicht geworden!

Sogar in ihrer kleinen Gruppe gab es Rivalitäten und Eifersucht. 

Und außerhalb noch mehr: gleichgültige Lieblosigkeit, 

manchmal hat man sie dumm angepöbelt, 

sie haben bei ungezählten Menschen Krankheit und Ratlosigkeit 

mitbekommen, 

die Römer und die jüdische Oberschicht quetschten die Leute 

gnadenlos mit Steuern aus und da war ein ständiges 

revolutionäres Brodeln unter der Oberfläche im Volk. 

Auf Schritt und Tritt haben sie sehen: Wir leben in einer unerlösten Welt. 

Daran war durch Jesus nichts anders gemacht worden. 

Und doch war für sie alles anders geworden!

Jesus selber hat dafür am Besten - Worte gefunden: 

Sie fühlten sich mitten in Unwettern - nicht mehr wie auf Sand gesetzt, 

sondern wie ein auf Felsen gebautes Haus. 

Nicht mehr wie welkende Schnittblumen, sondern eher wie 

schwache Reben, die aber fest verwachsen waren mit dem Weinstock

und von ihm gehalten und ernährt wurden. 

Sehr oft ist ihnen die eigene Ohnmacht bewusst geworden!

Sie sind ratlos dagestanden und haben das richtige Wort nicht gefunden: 

Da hat Jesus den Zöllner Matthäus berufen (Mt 9,9-13), 

eine schillernde Figur und „er stand auf und folgte ihm nach“, 

heißt es da. Aber o Schreck: Eine ganze Reihe seiner Zöllnerkollegen

hat das aufgeschreckt und angezogen und so sitzen sie plötzlich 

zusammen mit ihnen am Tisch - argwöhnisch beäugt von den Pharisäern. 

Aber dann wird alles anders: Jesus hat das Wort ergriffen 

und die peinliche Situation in die Hand genommen: 

„Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten!“ (V13). 

Auch später haben die Jünger ihre Verzweiflung an Jesus 

anlässlich einer stürmischen Überfahrt auf dem See Genezareth 

nicht verschwiegen, als sie selber ihren Herrn und Meister  - Jesus - 

eher für ein Gespenst gehalten haben als für ihren Helfer (Mk 6,45ff). 

Aber dann war er da und hat ihnen alle Furcht und alle Beschämung

über ihr Versagen genommen!

Dieser Jesus „wusste, was er tun wollte“ (Joh 6,6), 

als die Jünger angesicht von Tausenden ausgehungerter Zuhörer 

nur noch auf komische Ideen gekommen sind.

Sie haben bei ihm immer und immer wieder die Erfahrung gemacht: 

Wir sind schwach, aber unser Herr - Jesus - hat Stärke

Wir sind arm, aber er - ist reich!

Und das hat ihr Leben verändert. 

Ohne Jesus - „wie ein Tropfen in der Glut“

Glücklich und dankbar Verheiratete, liebe Gemeinde, 

verbieten es sich, auch nur von Ferne daran denken zu wollen, 

dass einmal einer von ihnen gehen wird 

und der andere Partner dann allein weiterleben muss. 

Und so ist es auch diesen Leuten um Jesus gegangen. 

Sie haben es schon gehört, was Jesus immer wieder klar ausgesprochen 

hat: „Ich bin nur noch eine kleine Zeit bei euch. Dann gehe ich zu dem, 

der mich gesandt hat“ (Joh 7,33)

Aber sie haben sich das nicht vorstellen können, 

sie wollten es nicht wahrhaben. 

Allein, ohne Jesus leben zu müssen, 

ohne ihn sichtbar und greifbar bei sich zu haben?

Nein, bloß das nicht!

Schließlich hat doch Jesus immer wieder gesagt: Ihr seid mir von 

Gott gegeben, Jesus zu treuen Händen anvertraut. 

Ich stelle mir vor, wie aufgebracht sie wohl gewesen wären, 

hätte man sie beruhigen wollen: „Leute, ihr habt dann ja immer noch gute

Erinnerungen an Jesus. Ihr könnt sogar versuchen, so nächstenliebend

zu leben wie er. 

Ihr braucht doch keinen Christus, um euch „christlich“ zu benehmen!“

Ich bin überzeugt, sie hätten so geantwortet, wie man das bis heute

tun sollte: „Was soll denn alle Christlichkeit ohne Christus?

Ohne ihn bleibt doch unser ganzes noch so gut gemeintes Leben 

der reinste Schutthaufen von zerbrochenen Idealen!“

Aber jetzt sollten wir nicht mit dem weitermachen, 

was wir uns ausmalen, wie es hätte sein können. 

Ich will mich an das halten, was wir 100-prozentig wissen. 

Und das macht das Jesuswort unserer Jahreslosung deutlich: 

Er hat klar voraus geahnt, wie es kommen wird, 

wenn er seinen engsten Nachfolgern weggerufen werden wird,

um wieder beim Vater zu sein. 

Sie würden in totale Panik verfallen. 

Weil sie seine Ankündigungen einfach nicht ernst genommen haben. 

Und das ist wirklich der größte Schrecken für Menschen, 

die Jesus im Leben wie im Sterben gehören wollen, 

wenn Jesus sich ihnen entziehen würde, er einfach nicht mehr

da sein würde. 

Das wäre schlimmer als Hunger, Krieg und Pandemien. 

Dass man so tief und fest an Jesus hängt, 

das ist es, was wirklichen Christusglauben ausmacht. 

Und Jesus wollte dieser Verzweiflung schon im Vorfeld begegnen. 

Darum ist es ihm gegangen, als er gesagt hat: 

„Euer Herz erschrecke nicht! 

Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Jahreslosung Joh 14,1)

Keinen Tag ohne Jesus!

Liebe Gemeinde am Altjahrsabend (Neujahrstag), 

wir sollten so mit dem Retter Jesus rechnen, wie wir mit Gott rechnen!

Gesehen hat diesen Gott zwar noch niemand. 

Aber erlebt. 

Wir verdanken ihm jeden unserer Atemzüge!

Er ist es, der eine in Spannungen hoch brisante Welt, 

eine Welt, die weithin ohne ihn lebt, in Geduld trägt. 

Und das bis heute an jedem neuen Tag. 

Wenn dann und wann, hier und dort schlimme Katastrophen losbrechen, 

dann fragen Menschen bedauerlich schnell: „Wo ist er denn, dieser Gott?“

Dabei hätten sie doch merken müssen: Gott hat uns nur für einen 

Augenblick spüren lassen wie es wäre, 

wenn er unsere Welt  ganz hätte fallen lassen. 

Verdient hätten wir das, dass er seine bewahrende Hand ganz abzieht - 

und nicht nur für einen Augenblick einen Finger seiner Hände zucken lässt. 

„Glaubt an den Gott“, 

der nahe ist und nahe sein möchte, 

auch wenn ihr ihn nicht sehen könnt!“

„Glaubt an den Gott, der euch an Gott kranken Menschen einen Arzt, 

einen Helfer, zugedacht hat!“

Und „glaubt an Jesus!“ Rechnet mit ihm!

Gott hat es so bestimmt, dass es mit Jesus so bleiben kann, 

wie es die Jünger damals handgreiflich erlebt haben:

Auch wenn Unwetter und Stürme kommen sollten, 

„mit Jesus“ bleibe ich gegründet wie ein solide auf Felsen verankertes Haus. 

So wie Gott diese Welt und erst Recht die Menschen 

ganz nah bei sich hätte, 

so will Jesus denen nahe sein, die ihm der Vater gegeben hat 

und die es unbändig freut, wenn sie bei ihm geborgen sein dürfen. 

Im Jahr 1977 sind die Christen von Uganga in Ostafrika in eine böse

Verfolgung hineingerissen worden: Der brutale Diktator Idi Amin 

wollte seinen Hass über sie ausleben. 

Erzbischof Luwum in der Hauptstadt ist ermordet worden. 

Tausende von Gemeindegliedern sind in den unwegsamen Busch 

geflüchtet. 

Davon erzählt Bischof Festo Kivengere in einem Buch auf eindrückliche

Weise: „Ich fühlte mich genötigt, nach den Christen meiner Gemeinde 

zu schauen. Ich malte mir aus, wie ihr Vertrauen in Jesus geschwunden 

sein musste über all dem Bitteren, was sie erlebten.

Aber als ich dann in die verregneten Buschgehölze hineingerufen habe: 

Kommt doch, euer Bischof ist da, Festo ist hier!“, 

da kamen sie vor Kälte und Hunger zitternd, 

nass geregnet aus ihren Verstecken. 

Aber ihre Augen strahlten, weil - wie sie sagten - „Jesus nahe ist!“

(„because the Lord is so close!“). 

„Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ werden wir aufgefordert 

in der Jahreslosung für das Jahr 2010.

Die Augen- und Ohrenzeugen von Jesus haben dieses Wort von 

Jesus weitergegeben, weil es auch uns bewusst werden soll: 

Ich will doch - um Gottes Willen - nicht Jesus abweisen oder 

ihn auch nur stehen lassen!

Ich will doch mit Leib und Seele beides, 

im Leben und im Sterben, diesem Jesus gehören!

Es soll doch ein „gutes neues Jahr“ werden!

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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