2009-12-06

Predigt über Jakobus 5, 7-8 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde

die Kinder zählen schon die Tage bis Heilig Abend. 

Die Adventszeit ist für Sie eine Zeit des Wartens und der Vorfreude. 

Und dieses Warten ist echt schön und spannend für sie.

Aber Warten kann auch eine Zumutung sein. 

Denken Sie nur mal an eine Situation wie diese: 

Sie haben alles vorbereitet, sich voll reingehängt, 

die Wohnung geputzt, das Essen gekocht, 

den Wein geöffnet, was Schönes angezogen -, 

nur, der Gast kommt nicht!

Er ist total wichtig, weil ohne ihn das Fest nicht beginnen kann!

Und Sie warten 10, 20, 30 Minuten - innerlich bewegt zwischen 

Ärger, Enttäuschung und Hoffnung. 

Warten ist eine Zumutung, denn wir kämpfen mit der Anfechtung, 

unsere Zeit zu vergeuden!

Warten kann auch riskant sein. 

Denn wer zu lange (ab)wartet, der verliert scheinbar immer mehr 

Möglichkeiten zu handeln.

Vor 20 Jahren hat sich der Eiserne Vorhang geöffnet. 

Damals prägte Gorbatschow den inzwischen berühmt gewordenen

Spruch „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“

Was so viel heißt wie: Wer immer nur zuwartet, der kommt 

vielleicht zu spät. 

Aber auch das: Wer wartet, macht sich u. U. verdächtig!

So wird ein Kundenberater vielleicht von seinem Chef kritisiert: 

Schon eine ganze Woche liegt das Angebot beim Kunden und 

er hat noch nicht telefonisch nachgefasst?

Der Auftrag wäre so wichtig für die Firma, 

vielleicht sogar entscheidend in der jetzigen Auftragsklemme!?

Aber der Berater kennt den Kunden schon lange, 

er spürt, dass es jetzt nicht gut wäre, hier Druck auszuüben.

Auf der anderen Seite gibt‘s  viele, die mitreden wollen. 

So muss er womöglich, seinem Instinkt folgend, 

den Vorwurf aushalten, untätig zu sein!

Abläufe steuern, die Kontrolle behalten, Controlling sind Zauberwörter

unserer Zeit, mit denen unzählige Angestellte drangsaliert werden, 

die aufgrund ihrer Erfahrung einen anderen Weg einschlagen. 

Warten und Hoffen ist tatsächlich oft Zumutung und Wagnis. 

Wer weiß, ob das alte Sprichwort des römischen Dichters Ovid (1)

nicht doch stimmt: „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren!“?

Worauf warte ich (Du) - ganz persönlich?

Welches Wagnis bin ich - bereit einzugehen?

Es gibt in unserer atemlosen Zeit viele Vorwürfe an Wartende, 

Sie werden das aus eigener Erfahrung kennen!?

Und so hören wir das Wort Gottes für diesen 2. Adventssonntag 

aus Jakobus 5, die Verse 7+8, in dem es auch um Geduld, 

genauer gesagt „Langmut“ geht:

7 So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. 

Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei 

geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. 8 Seid 

auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des 

Herrn ist nahe.“

Ja, so ist es:

Warten ist oft eine Zumutung. 

Ja, es ist so:

Wer wartet, riskiert einiges: 

Die Gefahr, vom Leben bestraft zu werden.

Ja, es ist so:

Gott fordert sie Seinen zu einem aktiven Warten auf, 

das „Ja“ sagt zu seinem Zeitplan!

Wer aktiv wartet, liebe Gemeinde, sagt „ja“ zu Gottes Zeitplan!

Aber was heißt das konkret? - Ausharren, Ausdauer zeigen, standhaft sein!

Wir werden hier nicht zu einem passiven Warten aufgefordert, 

das die Hände in den Schoß legt, 

sondern zu einem aktiven Watren, das die von Gott geschenkte Zeit ausnutzt!

So wie ein Langstreckenläufer, der unheimlich viel vor allem mentale Kraft 

braucht um auszuharren, nicht nachzulassen. 

Oder ein Fluglotse zum Beispiel, der Tag und Nacht angespannt vor seinen

Radarschirmen zubringt und den Morgen, seine Ablösung herbei sehnt. 

Auch der Bauer in unserem Gleichnis ist nicht untätig, nicht passiv, 

sondern wird düngen, Maßnahmen zum Pflanzenschutz ergreifen, 

z. B. Unkraut jäten, bewässern und was sonst noch nötig ist. 

Aber er lässt der Saat die Zeit, die sie braucht. 

Das ist mir selber in den letzten zwei Jahren so aufgegangen, 

seitdem ich angefangen habe, einige Bienenvölker zu halten. 

Da muss man bestimmte Schritte unbedingt einhalten, 

dass man die Tierchen in der richtigen Zeit füttert und gegen 

Parasiten behandelt, aber dann kommt der Winter, die Kälte, 

da muss man die Geduld aufbringen zu warten bis zum Frühjahr

und kann erst dann sehen, ob und wenn ja wieviele Völker

überlebt haben, wie ihr innerer Zustand ist. 

Wer nicht warten kann in dieser Jahreszeit macht viel kaputt.

Geduld haben ist total wichtig!

So ist auch das „Ja“ Sagen zu Gottes Zeitplan für uns klug und

bringt weiter!

Und das „Ja“ Sagen zu Gottes Zeitplan bedeutet, sich und anderen 

die Zeit lassen, die Gott vorgesehen hat. 

Gerade das Kostbare braucht Zeit, 

vieles - auch in uns - muss reifen, bevor es Früchte zu ernten gibt. 

Genau so wie es im Sprichtwort heißt: „Gut Ding will Weile haben.“

Schon in der Natur ist es oft so, dass in der Regel gerade die langsam 

wachsenden Pflanzen am Stabilsten sind gegen Stürme und 

Unwetter.

Die Schwarzwäler Weißtannen hat man deshalb über 300 Jahre lang

vernachlässigt. Weil sie nur halb so schnell wachsen wie die Fichten. 

Heute werden sie wieder entdeckt, weil sie tiefe Wurzeln haben

und damit Stürmen und auch dem Klimawandel besser gewachsen sind. 

So liegt auch in Gottes Zeitplan mit dieser Welt, 

der sich scheinbar über die Maßen in die Länge zieht 

mit der immer noch ausstehenden Wiederkunft von Jesus Christus, 

ein Geheimnis. 

Und dieses Geheimnis dient einem Zweck, dient dazu, 

die Christen zu prägen, sie für das „Licht der Welt“ scheinen zu lassen, 

sie in ihren Gemeinden noch viel enger zusammen zu bringen

und auch durch Schwierigkeiten auf die (Gedulds-)Probe zu stellen: 

Ist die lebendige Hoffnung auf Gottes kommendes Reich 

wirklich die bestimmende Größe meines Lebens?

Dann können es andere Größen wie Reichtum oder Karriere

nicht mehr sein. 

Dann wird sich auch nicht mehr alles nur um mich und meine

Eitelkeit drehen, sondern dann dreht sich alles um den, 

auf den ich warte. 

Dann ist wiederkommende Jesus der, auf dessen Kommen ich 

all meine Hoffnung setze und an dem ich meinen Lebensstil ausrichte.

Dieses gespannte Warten auf die Wiederkunft von Jesus Christus

gehört zum Glauben genau so dazu wie die Vorfreude zur Adventszeit!

Was ist der Unterschied zum Landwirt dabei?

Ein Landwirt weiß genau, dass und wann seine Frucht aufgeht und 

er mit der Ernte rechnen kann. 

Für das Warten auf die Wiederkunft von Jesus aber haben wir keine 

Erfahrungswerte!

Hoffen und Harren aber macht Christen nicht zum Narren - weil Gott 

auf uns wartet!

Zugegeben: Das Warten auf Jesus bleibt - gerade nach 2000 Jahren, die 

seit seiner Ankündigung vergangen sind -, spannungsvoll!

Aber Gottes Langmut uns gegenüber ist kein Hobby, sondern seine

Wesenseigenschaft, die in der Heiligen Schrift größtes Gewicht hat. 

Gottes Langmut hält diese Welt und mich und Dich am Leben. 

Nur, weil Gott Geduld mit uns hat, trotz all unseres Versagens, 

mit dem wir ihn tagtäglich belasten, 

ist es um sie noch nicht aus, gibt es noch Gnade, Zeit zur Umkehr. 

Das Warten, das Gott den Christen zumutet, hat demnach ein 

großes Vorbild in Gott selber. 

Und er will offenbar, dass seine Nachfolger in ihrem „aktiven Warten“ 

auf ihn geprüft und auf seine Wege und Ziele hin geprägt werden. 

Und so lange Jesus noch nicht wiedergekommen ist, 

steht seine Einladung an alle Menschen noch immer in dieser Welt

und solange wartet Gott noch mit großer Geduld auf  Antwort:

Weil Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie

zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Tim 2,4).

Niemand soll verloren gehen. 

Das ist sein sehnlichster Wunsch. 

Die Frage ist nur: Wer kehrt in dieser Zeit noch um?

Die lange Frist bis zur Wiederkunft von Jesus hat damit zu tun, 

dass Gott noch Zeit zur Umkehr gibt, 

Zeit zur persönlichen Entscheidung für ein Leben mit Jesus Christus, 

bevor es zu spät ist.

Und dafür nimmt er das Klagen und den Zweifel derer in Kauf, 

die eigentlich nur noch darauf warten, endlich bei ihm zu sein. 

Jakobus hat hier den langen Atem für Gottes Reich im Blick. 

Und sagt: Wer auf Jesus wartet, wird so aktiv werden wie nur möglich. 

Denn die Langmut Gottes will dazu motivieren, 

auch noch den letzten, der bisher immer übersehen worden ist, 

einzuladen Jesus nachzufolgen, 

weil der auferstandende Herr kommt!

Tun wir das auch?

Sehen wir die Dringlichkeit, die hier ausgedrückt ist?

Unsere Kinder und Enkel warten gespannt auf den Heiligen Abend.

Sie wissen: Warten lohnt sich, denn da ist einiges für uns drin!

Wieviel mehr gilt das für die, die Jesus gehören!

Deshalb: Lasst uns die Zeit nutzen, nicht ungeduldig werden und 

anfangen zu zweifeln, sondern für ihn aktiv erwarten

und noch viele auf diesem (Gedulds-)Weg mitnehmen. 

Amen 

Anmerkungen:

(1) 43 v. - 17n. Chr. 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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