2009-11-29 1. Advent

Predigt über Römer 13,8-12 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Unser Predigttext heute, liebe Gemeinde, hat auf den ersten 

Blick so gar nichts Adventliches an sich. Und trotzdem wurde er 

schon in der Zeit der Alten Kirche - als Adventstext - gelesen. 

Er steht im Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 13, 

die Verse 8-12

"Seid niemand etwas schuldig, außer, daß ihr euch untereinander

liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt. 

Denn was da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst

nicht töten; du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren, 

und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort 

zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich 

selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. 

So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. 

Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich, dass die Stunde da

ist, aufzustehen vom Schlaf.

Denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 

Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. 

So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen 

die Waffen des Lichts."

Liebe Gemeinde,

(auf Uhr sehen) welche Zeit haben wir jetzt? 

Nein, ich will jetzt die Predigt nicht stoppen. 

Aber ich will gerne mit Ihnen überlegen: 

Wie oft schauen wir jeden Tag so auf die Uhr? 

Wie spät ist es? Welche Stunde hat es geschlagen? 

Dabei schauen wir ja nicht aus Langeweile auf die Uhr, 

sondern weil wir die Zeit im Blick haben müssen. 

Die Termine drängen uns: 

Um 7.21 Uhr fährt der Bus, um 9 Uhr das Gespräch mit dem Chef, 

um 15.10 Uhr muss der Kuchen aus dem Ofen, 

um 20 Uhr ist Chorprobe und 

um 21.15 Uhr kommt der Fernseh-Krimi. 

So leben wir doch - voller Termine. 

Nichts wollen wir vergessen - und wenn jetzt die Adventszeit anfängt, 

dann häufen sich die Termine oft noch mehr: 

"Advent, Advent, die Mutter rennt", hat gestern Wolfgang Isenburg

in seiner Andacht auf der (Schwanner) Seniorenfeier gesagt, 

und die Männer - die machen ja meitsens mit 

im vielen Laufen und Kaufen und Vorbereiten. 

Da ist es wichtig, dass wir die Zeit im Blick haben.

Paulus meint das auch. 

Er schreibt: Es ist wichtig, dass ihr die Zeit erkennt. 

Dass ihr wisst, welche Stunde es geschlagen hat. 

Aber Paulus denkt nicht an die Uhrzeit heute Morgen. 

Auch nicht an die Jahreszeit: 

Vergesst nicht, dass schon der 29. November ist. 

Nein, Paulus meint eine andere Zeit. Er meint Gottes Zeit. 

Denn auch Gott hat eine Zeitrechnung. 

Wir messen sie nicht in Stunden und Minuten, 

sondern da gibt es andere Momente. 

Stunden, die Gott gesetzt hat und die er setzen wird. 

Diese Zeit hat im Griechischen sogar ein ganz eigenes Wort. 

Sie heisst »kairos«. 

Und »kairos« heisst »Zeit«, meint aber eine spezielle Zeit, 

einen bestimmten Augenblick. 

Es war kairos-Zeit, als Gott einen Mose berufen und sein Volk Israel 

in die Freiheit geführt hat.  

Es waren kairos-Momente, als Gott die Propheten und Könige erwählt hat.

Es war ein besonderer Augenblick auf Gottes Uhr, als er Jesus 

auf der Erde hat Mensch werden lassen, 

Gottes Stunde - mitten - in unserer Weltzeit. 

Paulus schreibt einmal: »Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn«. 

Und es ist heute eine besondere Zeit, 

wenn ein Mensch merkt es in seinem Innersten: 

Der ewige Gott spricht jetzt zu mir und öffnet mir das Vertrauen auf ihn. 

Und dann weiss Paulus: der letzte »kairos« wird sein, 

wenn Gott unsere Weltzeit beenden wird, 

wenn Jesus sichtbar wiederkommt. 

Gottes Zeitplan lässt sich nicht mit unseren Funkuhren messen

oder mit Quarzuhren stoppen.  

Aber Paulus ist bewegt davon:  

Auf diesen Augenblick, auf diesen Tag gehen wir zu. 

Auch wenn das Warten schon 2000 Jahre dauert: 

Der Tag ist nahe herbeigekommen. Er ist nicht mehr fern. 

Die Nacht ist schon vorgedrungen. 

Das Dunkel lichtet sich. 

Die Morgendämmerung ist da:

Morgenglanz der Ewigkeit - mitten in unserer Zeit, 

in der noch so vieles im Dunkeln liegt, im Ungewissen, in den Schatten. 

Aber es dämmert schon. 

Es ist schon sicher, dass es hell wird. 

Und deshalb, so schreibt Paulus, jetzt ist es wichtig, 

dass ihr diese Zeit erkennt, nicht nur die Uhrzeit heute morgen und 

nicht nur die Jahreszeit, sondern Gottes Zeit. 

Erkennt sie - und richtet euch danach. 

Wie wir uns am besten danach richten, das beschreibt Paulus in drei Ermutigungen: 

1. Aufstehen 

2. Ablegen        

3. Anziehen

1. Aufstehen

Die Stunde ist da, aufzustehen. 

Da rasselt der Wecker. Unbarmherzig. Er gibt nicht nach. 

Es ist Zeit. "Die Nacht ist vorbei. Schlaf jetzt nicht weiter ..."

Klar, wie gern würden wir noch lange liegen bleiben im warmen Bett, 

nur noch ein Viertelstündchen ... einfach noch ein bisschen weiter 

träumen. 

Aber wir kennen auch die Gefahr: Wer weiterschläft, der verschläft. 

Und wer weiter träumt, der ver-säumt. 

Und Paulus sagt: Und auch bei Euch, "die ihr gläubig geworden seid", 

ist es genauso. Ihr seid von Gott aus einer verloren gehenden Welt 

heraus gerettet worden, lebt aber noch in ihr, voller Erwartung auf 

mich ... hoffentlich. 

Und ich, Paulus, sage Euch: Dieser große neue Tag bricht an!

Der Wecker des Wortes Gottes rasselt. 

Jetzt passt nur auf, dass ihr euch nicht wieder auf die andere Seite dreht

und alles bleibt beim Alten. 

Wie der bekannte Weckerton heißt es hier: Aufstehen!

Jetzt kein Langschläfer sein, wenn Gott sich zu Wort meldet. 

Wenn er heute spricht, und wenn der kommende Tag schon dämmert. 

Gottes Wort will dich heute aufrütteln, wecken -, nicht einlullen. 

Mit den Schläfern sind alle die gemeint, die nicht merken, 

dass Gott jetzt - in dieser Stunde - an ihnen wirken will, 

die im gewohnten Trott der Masse mitlaufen 

und die sich nur um sich selber drehen. 

Aufstehen - so will Paulus wie ein Wecker rufen. 

Aufstehen - aus dem Schlaf der Gleichgültigkeit. 

Aufstehen - aus einer klein gewordenen Hoffnung. 

Aufstehen - aus dem Sich-so-dahin-treiben-Lassen.

Aufstehen - aus der gepflegten Selbstrechtfertigung: Aber mit 

meinem Leben muss doch Gott zufrieden sein ...

Aufstehen - aus dem Schlaf des Alltagstrotts, 

ihn einmal ganz gezielt unterbrechen und sich der Frage stellen: 

Was will mir Gott jetzt sagen? 

Was will Gott bei mir ändern? 

Den Schlaf der eingefahrenen Selbstverständlichkeiten einmal 

beenden und fragen:

 Was, wenn Jesus wirklich wiederkommt, 

was müsste sich eigentlich im Licht dieses kommenden Tages 

bei mir umkehren? 

Manches, was mir furchtbar wichtig ist, wird dann doch völlig 

unwichtig - vom Bankkonto angefangen bis zur eigenen Ehre. 

Und anderes - wird viel wichtiger als bisher!

Wir feiern heute den 1. Advent - und viele sagen: 

da beginnt die »Vorweihnachtszeit«. 

Ursprünglich hat die Adventszeit aber eine andere Bedeutung: 

Sie soll Zeit der Stille sein, Zeit der Umkehr auch (deshalb hängen 

wieder die violetten Paramente in der Kirche - die Farbe der Buße!). 

Zeit der Orientierung auf das Kommen von Jesus!

Advent - ist Zeit des inneren Aufstehens und Wachwerdens, 

weil der neue Tag anbricht. 

Zeit der Besinnung, nicht auf unsere Uhren, sondern auf Gottes Uhr.

Aufstehen - das ist die 1. Ermutigung beim anbrechenden Tag. 

Und die zweite: 

2. Ablegen 

Wer aufsteht, der zieht sein Nachthemd aus,

legt seinen Schlafanzug ab. 

Niemand geht im Pyjama ins Geschäft oder in die Schule. 

Wer aufsteht, der zieht aus, was zur Nacht gehört. 

Mit einem Vergleich will uns Paulus sagen:

Auch wer in den Morgenstunden des Tages Jesu lebt, 

der soll das ausziehen, was zur Nacht gehört hat - Paulus nennt 

das Werke der Finsternis. 

Er schreibt: Lasst uns leben wie am Tag und nicht wie in der Nacht - 

nämlich im Fressen und Saufen, in Unzucht und Ausschweifungen, 

in Streitigkeit und Eifersucht. 

Das alles sind alte Nachthemden,

aber es sind keine Kleidungsstücke für den Advent. 

Das steht Leuten nicht, die in den kommenden Tag Gottes gehen. 

Werke der Finsternis, Nachtleben also. 

Um uns zu sensibilisieren, was zur Nacht und was zum 

kommenden Tag gehört, zählt Paulus einfach die zweite Tafel 

der 10 Gebote auf. 

Sie regelt das Miteinander der Menschen, wie Gott es für uns will:

Nicht ehebrechen - legt sie ab, die Sehnsucht nach dem prickeln-

den Seitensprung und lasst im Anbruch des neuen Tages die 

Sonne der Versöhnung scheinen. 

Das kann manches Mal heißen: Schau dir diesen Film erst gar 

nicht an, wenn Du schon von vornherein weißt: Es geht immer nur

um dasselbe ...

Nicht stehlen - legt sie ab, die unpassende Kleidung der Gier 

nach dem immer mehr Habenwollen, 

relativiert beim Morgenglanz der Ewigkeit das eigene Konto 

und lasst vielmehr die Sonne der Gerechtigkeit leuchten, 

"denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb ..." (2. Kor).

Es gibt so viele um ihres Glaubens willen verfolgte Christen

in armen Ländern. 

Wir geben deshalb auch das Kirchenopfer am Heilig Abend bewusst

weg - für solche Menschen - für ein Projekt von "Hilfe für Brüder" ...

Der kommende Tag will unseren Blick der Barmherzigkeit weit

machen! 

Und nicht begehren: Lasst endlich das Vergleichen. 

Ihr Christen, sagt Paulus, habt das Nachtleben des Neids nicht 

mehr nötig. Der neue Tag bricht an. 

Bleibt bei euch selbst und bei dem, was Gott euch gegeben hat 

und womit er euch heute in der Welt gebrauchen will.

So stellt Paulus die Gebote Gottes in das Licht des kommenden 

Tages und spiegelt darin unser Leben:

Legt ab, was nicht zum neuen Tag gehört. 

Noch - ist in unserer Welt - vieles im Dunkeln. 

Noch - ist unser Leben - überschattet von Leid, 

von ungelösten Fragen, von der Suche nach Sinn und von den 

Nächten unserer Schuld. 

Doch wer zur Nacht geweinet, der stimme jetzt froh mit ein. 

Der neue Morgen kommt. 

Die Dämmerung eines neuen Tages zieht herauf. 

Deshalb: Zieht das Alte aus. 

Streift den dauernden Kleinkrieg endlich ab und die billige Rechthaberei. 

Zieht die alte Frage aus: Was habe ich davon? 

Legt das Selbstmitleid ab und die verkrampfende Zwangsjacke, 

ihr müsstet durch viel Leistung eurem Leben Sinn und Erfüllung 

geben. 

Ein solches freudloses, hoffnungsloses, friedloses Leben 

gehört zur Nacht. 

Aber jetzt bricht der Tag an. Aufstehen. Ausziehen. 

Und dann 

3. Anziehen

Zieht an, was euch für den Tag steht. Was steht Christen denn? 

Paulus schreibt: Zieht an die Waffen des Lichts. 

Und ein paar Zeilen weiter: Zieht den Herrn Jesus Christus an. 

Wie macht man das? 

Lasst Euch in das neue Leben des Auferstandenen hinein nehmen, 

der am Ostermorgen mit einem strahlend weißen Kleid vor 

dem alten Felsengrab stand, in das man ihn drei Tage vorher

gelegt hat. 

Ein strahlend weißes Kleid - passt - zur Morgendämmerung der Ewigkeit. 

Eine Jesus gemässe Kleidung. 

Ein Leben, das allein ihm - Ehre - machen will. 

Lassen wir uns doch heute von IHM umhüllen: 

vom Mantel seines Vergebens, der steht uns. 

Lassen wir uns doch heute von IHM ganz neu einkleiden, 

IHN in jeder Hinsicht bestimmen in unserem Leben. 

Lassen wir IHN den kleinlichen Kleinkrieg ausziehen und uns

kleiden von Friedfertigkeit - das steht Christen!

Übergeben wir IHM unsere narzisstischen Fragen: 

Was hab ich davon? - ausziehen

und dafür die Jacke der Freude anziehen 

und den Willen, für den Herrn dazusein in dieser Welt. 

Zieht den Herrn Jesus Christus an. 

Was das ganz konkret heisst? 

Ganz kurz bringt Paulus es auf den Punkt: 

Seid niemand etwas schuldig, ausser dass ihr euch untereinander liebt. 

Das ist das Alltagskleid des kommenden Tages. 

Der Anzug, der Christen steht,  

Die Schürze, die sie brauchen. 

Seid niemand etwas schuldig, ausser dass ihr euch untereinander liebt. 

Die Liebe ist eure Schuldigkeit und nichts anderes! 

Christen sind nicht die Nachtwächter des Egoismus. 

Sondern sie sind durch die österlichen Sonnenstrahlen des neuen 

Lebens dazu befreit worden, 

von Gottes Liebe zu leben und sie, wo es nur geht, weiterzugeben. 

Das sind sie anderen Menschen schuldig, 

in der Ehe, in Freundschaften und in der Familie genauso wie 

in der Weite der Welt, in der Missionsarbeit. 

Die Liebe ist Jesus-gemässe Kleidung. 

Sie ist die Garderobe des kommenden Tages. 

Sie ist die rechte Mode des Advents. 

Wir machen uns in den nächsten Wochen viele Gedanken, 

was man noch alles tun und wem man noch was schenken sollte:

Den Verwandten sollte man noch ein Päckchen machen, 

sich bei jener Nikolausfeier engagieren; 

dies und jenes müsste man noch kaufen, 

damit am 24. 12. alles stimmt, 

und dann sollten wir noch dorthin spenden und irgendwas 

Soziales tun. 

Nicht, dass das alles falsch wäre. 

Aber wir kommen dabei in die Gefahr, uns zu verzetteln. 

Wir sehen dann auf unsere Uhr (auf Uhr sehen) und lassen uns 

von unseren Terminen bestimmen, 

von den Erwartungen, die andere an uns - und die wir auch selber 

an uns haben. 

Aber Paulus macht uns Mut, vor allem auf Gottes Termin zu schauen, 

auf seinen kairos: 

wenn er in stillen Momenten der nächsten Wochen, 

zum Beispiel in den Gottesdienten, zu uns reden will. 

Wenn er zur Besinnung ruft und zur Liebe. 

Wenn er uns an das Kommen von Jesus Christus erinnert. 

Die Nacht ist schon vorgedrungen. 

Es ist Advent. Zeit der Erwartung. 

Es dämmert schon.   

Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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