2009-06-28 Musikalischer Gottesdienst

Predigt über Lukas 15,1-7 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören auf Gottes Wort aus Lukas 15, die Verse 1-7: 

„1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 

2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: 

Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. 3 Er sagte aber zu 

ihnen dies Gleichnis und sprach: 4 Welcher Mensch ist unter euch, 

der hundert Schafe hat und, wenn er "eins" von ihnen verliert, nicht die 

neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, 

bis er's findet? 5 Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf 

die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine 

Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn 

ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So 

wird auch Freude im Himmel sein über "einen" Sünder, der Buße tut, 

mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen."

Liebe Gemeinde, 

... Du bist echt wertvoll

könnte die erste Überschrift lauten angesichts dieser Geschichte in 

Lukas 15 von Jesus, dem guten Hirten, der hundert Schafe hat

und eines davon läuft weg. 

Er erzählt, dass der Hirte sich aufmacht, die 99 zurücklässt und das 

Eine sucht, bis er es gefunden hat. 

Er feiert ein Fest, als er das Verlorene wiedergefunden hat. 

Da fällt mir spontan eine andere Geschichte ein, die viele von uns 

kennen, die Geschichte von „Hänschen klein ...“, der allein in die 

weite Welt hinaus geht, stolz auf sein Outfit, „Stock und Hut, steht ihm gut“. 

Unwahrscheinlich „gut drauf“. 

Er ist wohlgemut, aber seine Mutter weint herzzerreißend, „hat ja nun kein 

Hänschen mehr. Da besinnt sich das Kind, läuft nach Haus geschwind.“

Warum fällt mir diesem Geschichte dazu ein?

Vielleicht deshalb, weil ich das verlorene Hänschen und das verlorene

Schaf irgendwie zusammen gesehen habe. 

Aber dann ist da doch noch ein Unterschied: 

Dieses Kinderlied erzählt die Geschichte vom Hänschen, 

aber die Bildgeschichte in der Bibel vom suchenden Hirten. 

Alle Aktivitäten gehen vom Hirten aus. 

Wir erfahren in der Geschichte auch nicht, warum das verlorene Schaf

weggelaufen ist!

War es einfach nicht mehr gut drauf?

Hatte es keinen Bock mehr?

War es langweilig?

Wollte es einfach mal was Anderes erleben?

Man weiß das alles nicht von diesem Schaf, das für einen Menschen steht, 

der von Gott wegläuft. Verloren ...

Ich kenne auch nicht die Gründe, warum vielleicht gerade Du dich so 

heimlich absetzt, warum Du Dir dir vielleicht sagst: Das mit diesem Jesus 

das bringt doch nichts?!

Vielleicht bist Du einfach nur enttäuscht, 

hattest einmal große Erwartungen an Jesus und die sind nie erfüllt worden. 

Vielleicht waren es ganz bestimmte Vorstellungen: 

Also, wenn Du Christ wirst, 

- dann passiert das und das, 

- dann bestehst du jede Prüfung, 

- dann schreibst du in jeder Arbeit eine zwei, 

- dann wirst du nicht mehr krank, 

- dann flutscht alles nur noch so im Leben. 

Und jetzt hast du eine fünf geschrieben, hast deine Fahrprüfung nicht

bestanden, bist krank geworden. 

Plötzlich kippt das ganze Kartenhaus deiner Vorstellungen über Jesus 

zusammen und du sagst: „Was bringt mir das eigentlich, dass ich 

Christ bin? Ich habe nur Zoff! 

Meine Klassenkameraden, meine Arbeitskollegen, meine Nachbarn 

verstehen mich nicht. 

Die sagen: „Das ist so ein Frommer, der ist doch out!“

Vielleicht läufst Du aber auch weg, weil du den „Großen Kick“ suchst. 

Es brennt unheimlich in dir: „Ich will was erleben. Unter den Frommen 

erlebe ich nichts, das sind alles so langweilige Typen. 

Das sind Leute, bei denen sich alles nur immer in einem gewissen 

Rahmen abspielen muss.“

Und oft hast Du damit sogar Recht. 

Denn wir müssen uns schon fragen: Wo ist Jesus unter den Christen 

eigentlich noch zu sehen?

Wo spüren es die Menschen ab, dass Christen eine solche Perspektive

und Zukunft haben?

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir Jesus echt alt machen. 

Nun weiß ich nicht, wie deine Verlorenheit aussicht, wie unzufrieden du 

mit dir selber bist. Das alles erfahren wir auch nicht in der Bildgeschichte 

vom verlorenen Schaf. 

Nur eines steht fest: Das Schaf ist nicht mehr da, wo es hingehört, 

Und damit bin ich gemeint, bist du gemeint, wenn wir von irgendjemand

anderem als Jesus die große Freiheit erwartet und uns dafür von ihm 

abgeseilt haben, wenn wir uns etwas vorschwätzen und versprechen,

ließen, was völlig ins Leere läuft. 

Die Bibel sagt an einer Stelle: Das ist das Kennzeichen der Sünde, 

dass sie dich betrügt, dass sie dich anlügt. 

Sie verspricht etwas, was sie nie halten kann. 

Was auch immer dich vielleicht bewogen hat, dich äußerlich oder 

innerlich von Jesus abzusetzen, eines steht fest: 

Das macht dem Hirten Beine!

Du bist nicht mehr da, wo du hingehörst. 

Das lässt ihn nicht in Ruhe, denn er sieht: Du bist in Gefahr, ganz 

viel zu verlieren, Dich zu verlieren, Jesus zu verlieren. 

Weg von ihm wirst du immer verdorben. 

Da verlieren wir die richtige Sicht, 

da bekomme ich die falsche Wahrnehmung für mich und das Leben. 

Plötzlich wird das, was unnormal ist, bei mir normal. 

Das passiert immer dann, wenn ich, wenn du von Jesus fortgehst. 

Da verlierst du die klaren Konturen seines Wortes, 

denn du richtest deine Gedanken und dein Lebensziel nicht mehr 

an dem aus, was ER sagt. 

Wer sich von Jesus äußerlich und innerlich absetzt, verliert die klare

Sicht. Nicht nur hier und heute, sondern bis in Ewigkeit. 

Das macht dem Hirten Beine. 

... und gefunden

der nächste Schritt. 

Das Wort Liebe kommt in dieser Bildgeschichte zwar nicht vor, 

aber schöner wie hier kann sie eigentlich nicht beschrieben werden. 

Und sie kennzeichnet den guten Hirten. 

Denn der sagt eben nicht: „Ist mir doch egal, was mit ihm oder ihr 

passiert!“

Er sagt auch nicht: „Selber Schuld!“

Das kann dieser Hirte nicht sagen, weil er dir das Leben gegeben hat. 

Jesus hängt an dir. 

„Gott hat Lust zu dir“, sagt der Psalm. 

Jesus sagt auch nicht: „Soll er doch sehen, wie er damit fertig wird, 

ist doch seine Sache!“

Nein, so kann dieser Hirte nicht sprechen. 

So können Menschen reden. Die Bibel spricht von ihnen als 

„Mietlingen“. Sie hängen nicht mit dem Herzen an den Schafen. 

Jesus aber hängt mit seinem Herzen an dir, denn du gehörst zu ihm

und er vermisst dich, wenn du nicht bei ihm bist. 

Jesus hat alles dafür aufgewendet, dass du wieder zu ihm kommst

und dass er dich wieder findet. 

So wertvoll bist du für ihn. 

Hier steht in dieser Bildgeschichte: Er geht hin, bis er das Schaf findet. 

Das finde ich so toll an Jesus: Er kennt meine Egalhaltung. 

Das ist echte Liebe, die sucht, bis sie findet. 

Er wartet nicht, bis wir kommen. 

Wir würden nie selber kommen. 

Das ist das Kennzeichen der Sünde, dass sie dich überhaupt nicht

auf den Gedanken bringt: „Geh doch zu Jesus!“

Sondern sie bringt dich auf den Gedanken: „Häng dich noch mehr an

dich selber, versuche es mit dem oder jenem, aber zu Jesus brauchst

du nicht zu gehen ...“

Aber Jesus geht hin, weil er weiß, wo wir sind und er weiß, woran wir sind. 

Er begibt sich in Gefahr. 

Er riskiert sein Leben, gibt sein Leben sogar hin. 

So wertvoll, so echt wertvoll bist du für ihn!

Sein Leben ist ihm so wichtig wie dein Leben. 

Er begibt sich in Gefahr und kommt in dieser Gefahr so um, dass er 

am Kreuz schreien muss: „Mein Gott, mein Gott! Warum?“

So schreit einer, der verloren hat, der verloren ist. 

Und das Grausame ist: Es gibt Situationen im Leben, in denen alles 

Schreien nicht mehr hilft, in denen keine Antwort mehr kommt. 

Da bist du auf Gedeih und Verderb nur noch dir selber und deiner Not, 

deiner Sünde, deiner Sorge überlassen. 

Diese tiefste Not hat Jesus am Kreuz für dich durchschrittten, 

damit du eine Antwort hast und in deiner Dunkelheit Licht bekommst. 

Das ist seine Liebe, wenn Jesus sagt: „Ich bin verlassen“ -, 

dann wird deutlich: Das macht die Sünde aus einem Menschen, 

dass er ganz und gar verlassen ist. 

Das macht die Sünde aus Jesus - und Gott schweigt. 

Schlimmer geht es nicht mehr. 

Jesus hat diese Hölle durchschritten. 

Aber das ist die gute Nachricht für dich und für mich: 

Wenn du schreist: „Jesus, hilf mir! Ich bin verloren! Ich habe deine Liebe

verloren. Ich habe deine Nähe verloren!“, dann hört er dich, 

weil Gott Jesus auferweckt hat. 

Weil Jesus sieht, wie verloren die Menschen sind, deshalb macht er sich

auf die Suche, bis er dich findet. 

Und wissen Sie, was er dann tut, wenn er einen Menschen gefunden hat: 

Er kriegt sich nicht mehr vor Freude!

... Freude im Himmel 

Und jetzt kommt das Geniale: Jesus sagt nicht: „Was bist du du für ein Kerl?“

Mit dir ist doch wirklich nichts anzufangen. Wie oft muss ich hinter dir 

herlaufen?“

Er macht dich nicht fertig. 

Da ist kein Zusammenstauchen, da ist nur Freude!

Freude pur: Er nimmt dich auf die Schultern und kriegt sich nicht mehr

vor Freude. 

Noch mehr: Er erzählt uns, der ganze Himmel gerät in Aufregung, 

wenn er jemand gefunden hat, der sich und sein Leben verloren hat. 

In der Bibel steht: Der ganze Himmel ist in Aufregung über einen, 

der Buße tut. 

Komische Buße, habe ich beim Lesen gedacht. 

Da ist überhaupt kein Tränenkampf erkennbar, 

da werden keine Bedingungen gestellt. 

Buße heißt hier: 

- Lass dir gefallen, dass Jesus dich sucht. 

- Lass dir gefallen, dass er dich auf seine Arme nehmen will. 

- Lass dir das einfach gefallen. 

Frage nicht: Kann ich das denn annehmen?

Sei doch nicht so stolz!

Lege deinen Stolz ab, du kannst nichts tun, du kannst dich nur finden 

und in die Arme nehmen lassen!

Das fällt vielen schwer. 

Die Sünde hat so eine Macht, dass sie sagt: „Du musst doch was für 

deine Freiheit tun, du musst doch was für deine Rettung tun!“

Aber Jesus sagt: „Du kannst nichts tun. Ich habe alles für dich getan. 

Lass dir das gefallen!“

Wer sich das gefallen lässt, der tut Buße. 

Denn er erkennt und bekennt: „Das ist bitter nötig, dass Jesus mich 

in die Arme nimmt, damit ich den Platz wiederfinde, wo ich hingehöre.“

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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