2009-06-21

Predigt über Lukas 14,15-24 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem Lukas-Evangelium, 

Kapitel 14, die Verse 16-24:

„Jesus aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein 

großes Abendmahl und lud viele dazu ein.

Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, 

den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit!

Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen.

Der erste sprach zu ich: Ich habe einen Acker gekauft und muss

hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.

Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft

und gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.

Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen, darum kann

ich nicht kommen.

Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn.

Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: 

Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe

die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. 

Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen 

hast; es ist aber noch Raum da. 

Und der Herr sprach zu seinem Knecht: Geh hinaus auf die Land-

straßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf dass 

mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, dass keiner der Männer,

die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.“

Liebe Gemeinde,

stell dir vor, es ist ein Fest, und zunächst geht keiner hin! 

Von so einem merkwürdigen Fest erzählt Jesus. 

Ein Gastgeber hat ein gigantisches Fest vorbereitet, aber er bleibt

auf den vielen Köstlichkeiten sitzen, die er aufgefahren hat. 

Einfach enttäuschend!

Die Gründe für die Absagen scheinen zunächst durchaus 

nachvollziehbar:

Der Erste verweist auf seine Arbeit: »Ohne Job geht  alles hopps« – in 

Krisenzeiten sowieso.

Der Zweite berichtet von seinem Acker: »Wer nichts sät, kann auch 

nichts ernten« – die Pflicht geht vor.

Und der Dritte hat die große Liebe gefunden. 

Na, wenn das kein stichhaltiges Argument ist! 

Man muss doch Prioritäten setzen! Und deshalb auch mal »Nein!« sagen 

können. Entscheidungen sind wichtig. 

1. Entscheidungen müssen sein:

Doch wer »ja« sagt, sagt immer auch »nein«.

Viele reden heute von der Kunst der Lebensführung. 

»Life-Management« sagen die Fachleute dazu. 

Gefragt ist die Entschlossenheit, wichtige und vor allem richtige 

Entscheidungen fürs Leben zu treffen. 

Und es stimmt: Weil uns täglich unzählige Angebote und Wahlmöglichkeiten 

offeriert werden, müssen wir auswählen! 

Was hat Vorrang, und was stelle ich zurück? 

Wofür entscheide ich mich, und was lehne ich lieber ab?  

Wer sein Leben nicht nur so dahinplätschern lassen will, 

sondern wer es planen und gestalten will, der muss sich immer 

wieder entscheiden. 

Man kann eben nicht auf jeder Hochzeit feiern! 

Jesus erzählt dieses Gleichnis und er hat dabei nicht irgend ein Fest 

im Blick. Es geht ihm um das große Abendmahl. 

Also jenes Fest am Ende der Zeit in Gottes neuer Welt. 

Gott will uns in seinem Reich mit an seinem Tisch haben!

Dieses Mahl ist für ihn der Inbegriff des Heils, der Gemeinschaft und der 

Freude. 

Das Größte aber bei diesem kommenden Gottesfest wird die 

sichtbare Gemeinschaft mit Gott selber sein. 

Dann werden die, die ihm gehören und ihm im Heute ihr Leben anvertraut 

haben,Gott schauen. 

Sie werden ihn sehen und mit ihm von Angesicht zu Angesicht reden. 

Aber auch die Gemeinschaft mit anderen Glaubenden aller Zeiten 

wird dann ein Grund zur Freude sein. 

Jetzt lädt also das Personal des Gastgebers zu seinem ganz  besonderen 

Fest ein. Die Gäste sind herzlich willkommen, aber jeder ist mit dieser 

Einladung auch vor eine Entscheidung gestellt: Was ist mir wichtiger? 

Die drei ursprünglich eingeladenen Gäste lassen sich alle entschuldigen. 

Sie haben ihre Wahl getroffen. 

Alltägliche Dinge waren ihnen wichtiger als das ewige Fest. 

Ein Phänomen, das durch alle Zeiten geht: Wenn es um den Gottesdienst

geht, um Zeit für Gott, dann winken auch heute 90% der Dennacher / 

Schwanner ab. Nicht böse meinend, aber sie haben auch damit ihre Wahl 

getroffen und sie treffen sie immer wieder. 

Es sind die vielen anderen Dinge und Werte, die in Konkurrenz 

zu Gott stehen und wir machen uns vor, wenn Gott ruft - diese leise Stimme, 

die jeder in sich wahrnimmt -, dann habe das ja noch lange Zeit. 

Ob es die Karriere ist, der alles andere untergeordnet wird. 

    »Tut mir leid, mein Herr, aber ich bin im Beruf bis über die Ohren 

    zugedeckt. Vielleicht habe ich ein anderes Mal einen Termin frei.«

Ob es das Streben nach Besitz ist: »Tut mir leid, mein Herr, 

    aber ich muss mich für die Zukunft absichern. Später habe ich dann 

    hoffentlich auch für dich Zeit.«

Oder ob es die große Liebe ist: »Tut mir leid, mein Herr, aber wir beide 

    sind im Moment so glücklich. Außerdem denken wir an Familie. 

    Ich hoffe, du verstehst es, wenn wir da keinen Kopf für dich haben.« 

Und das Gemeine ist doch, dass alle diese Gründe irgendwie 

nachvollziebar sind, ja sie scheinen umso richtiger, je mehr Menschen 

sie aussprechen und nach ihnen leben, 

also Gott und seinen Ruf in die Nachfolge auf die lange Bank schieben. 

Weil Anderes wichtiger ist, weil Anderes Vorrang hat. 

Und doch haben alle diese Menschen die wahre Bedeutung der 

Einladung von Jesus nicht verstanden. 

Jesus lädt nicht zu einer weiteren Party ein, die eben etwas besser 

und fröhlicher ist als die vielen anderen Feste.

Jesus lädt ein zu einem Fest für Zeit und Ewigkeit, das man versäumen kann. 

Er ruft uns in die persönliche Nachfolge, an deren Ende als „Krönung“ und 

Höhepunkt Gottes unvergleichlichem Festmahl steht. 

Und wer diese Einladung Jesus nachzufolgen jetzt annimmt, 

dessen Leben wird schon heute Festcharakter bekommen. 

Am dessen Ende steht dann nicht mehr das Grauen des Friedhofs und 

eines verlorenen Lebens, sondern diese große Feier mit Gott, 

von der wir hier im Lukas-Evangelium hören. 

Wir sind eingeladen. Und deshalb müssen wir eine Entscheidung 

treffen. Ja, wir müssen die richtige Entscheidung treffen. 

Und unsere Entscheidung hat Ewigkeitsbedeutung. 

Wer Gottes Einladung hintenan stellt und damit ausschlägt, der ist bei 

Gottes Festmahl nicht dabei.

Aber sehen wir uns auch den Gastgeber an. 

Er hat eingeladen zu seinem Fest. 

Ein »großes« Fest, wie es ausdrücklich heißt. 

Es ist eine Ehre, mit dabei zu sein. 

Es ist ein Vorrecht überhaupt eingeladen zu sein. 

So ein großes Fest will vorbereitet sein, das wissen wir. 

Da steckt viel Arbeit dahinter. 

Ganz zu schweigen von den Kosten, der Mühe und dem Engagement. 

Können wir da die Enttäuschung verstehen, die den Gastgeber 

zornig werden lässt?  

Seine Erwartungen sind bitter enttäuscht worden,

seine Vorfreude ist jäh zerplatzt: 

Ein liebevoll gemeintes Angebot ist in den Wind geschlagen worden,

sie haben seine Gastfreundschaft einfach abgewiesen. 

Ein Skandal ohnegleichen. 

Denn die Entschuldigungen, so triftig sie auch klingen, machen deutlich: 

Meinen Freunden ist anderes wichtiger. 

Andere Angebote hatten Vorrang vor mir und meiner Einladung. 

Entscheidungen sind wichtig, jawohl, aber die Tragik in diesem Gleichnis 

wie im realen Leben ist doch, dass Menschen die falsche Entscheidung 

treffen und so zu Gottes liebevollem Angebot - ganz bestimmt höflich und 

freundlich, aber eben doch - Nein sagen! 

2. Entscheidungen enttäuschen –

jeder darf, aber kein Mensch muss kommen.  

Die Gäste lassen den Festherrn des Gleichnisses sitzen. 

So zornig, so wütend er darüber auch ist, er startet eine neue Runde. 

Nicht beleidigt, aber entschlossen und konsequent: 

Wer nicht will, der muss auch nicht. 

Zum Fest wird keiner gezwungen. 

Aber die Konsequenz stellt Jesus auch klar: Keiner, der die Einladung 

abschlägt wird am Ende am Tisch des Herrn mitfeiern. 

Wer Gottes Einladung nicht an die erste Stelle setzt, der findet am 

Tisch dieses Herrn keinen Platz. 

Und wer die Einladung zurückweist, der wird das Brot des Lebens 

nicht schmecken. 

Ein deutliches Wort, das sowohl heilsam als auch aufrüttelnd sein will.

 

Im Gleichnis geht die Einladeaktion weiter:

Andere sind jetzt dran. 

Nicht mehr die Satten, nicht mehr die Umtriebigen, 

bei denen sich alles um das eine dreht: »Arbeit, Geld, Liebe«.

Nicht mehr die Erfolgreichen, die den eigenen Erfolg vor Gottes 

Lebensangebot stellen. 

Die, die auf der Schattenseite stehen, werden jetzt gerufen. 

Menschen, die an ihren Grenzen leiden oder leiden müssen. 

Menschen, die ihre Schuld einsam gemacht hat. 

Menschen, die meinen, sie seien in Gottes Augen unwürdig. 

Menschen, die schon damals »auf den Straßen und Gassen« zu finden 

waren, wie es auch heute viele Menschen auf der Straße gibt. 

Jeder ist eingeladen. Keine Voraussetzungen sind nötig. 

Und bis heute gilt: Wir dürfen kommen, wer immer wir sind. 

Ob reich oder arm, ob jung oder alt, ob krank oder gesund, ob 

erfolgreich oder abgewiesen ... 

Wir dürfen kommen mit Schuld beladen, mit Fehlern und mit Schwächen. 

Keiner ist für Gottes Einladung zu unwürdig. 

Bei Jesus gilt: Wir dürfen kommen, wie wir sind, aber wir müssen nicht 

so bleiben wie wir sind. 

Er macht uns zu neuen Menschen, er vergibt unser Versagen, 

er heilt unsere Wunden und Enttäuschungen.  

Keine Frage: Die Verachteten in Jesu Gleichnis kommen gern. 

Sie kommen deshalb gern, weil sie Hunger haben. 

Hunger nach Ansehen, Anerkennung und Zuwendung. 

Aber noch mehr, weil sie Hunger nach Leben haben. 

Sie bringen nichts mit, aber sie erleben, dass alles für sie bereit gestellt ist. 

Es ist alles getan, dass sie satt und froh werden.

Was für ein Glück! Alles andere als das »Glück der Tüchtigen«. 

Diese Einladung ist nicht irgendein Verdienst, sondern ein Geschenk. 

Die, die bisher immer draußen waren, sind jetzt drin, an der Festtafel 

beim großen Fest. 

Ihr Lebenshunger wird gestillt, ihre Freude ist groß.  

Und die anderen, die Neinsager, sind draußen. 

Weil sie ja schon satt oder übersättigt sind von dem vielen anderen, 

das sie in Atem hält. 

Und sie werden am Ende mit leeren Händen dastehen. 

Weil ihnen das Eigentliche, die Einladung zum Leben, durch die 

Lappen gegangen ist. 

Die Frage an uns ist damit, ob wir zu Jesus kommen und die Einladung 

zum Fest schon angenommen haben oder sie jetzt annehmen!? 

Es gibt noch viele freie Plätze an Gottes Festtafel!

Sagen wir nicht: Ich bin zu beschäftigt!

Das würde heißen: Ich will nicht wirklich.

Denn dann bin ich draußen ...

3. Gott entscheidet ganz anders als wir.

Mit diesem Gleichnis will uns Jesus letztendlich heilsam erschrecken. 

Er stellt die Rangfolge, die uns so vertraut ist, auf den Kopf. 

Unglaublich, aber wahr. 

Bei ihm zählt nicht, was Rang und Namen hat. 

Bei ihm zählt auch nicht unser Erfolg, in welcher Gestalt auch immer. 

Bei ihm zählt nicht, was uns so wichtig vorkommt. 

Jesus verteilt die Gewichte ganz anders.

Nicht die, die zuerst eingeladen waren, sind am Ende beim Fest, 

sondern die, die draußen waren:

Die »Unreinen«, das niedrige Volk, 

die Leute, die offenbar das Leben verfehlt haben, 

die nützen die offene Tür. 

Auch die Fremden, die im Abseits sitzen, 

denen wir höchstens den Platz an den Hecken und Zäunen zuweisen, 

sie alle sitzen schließlich mit dem Festherrn,

mit dem Herrn des Lebens an einem Tisch. 

Was für ein Wechsel, was für ein Tausch!

Deshalb müssen auch wir uns die Frage stellen:  uns die Frage:

Wie gewichten wir?  

Wie entscheiden wir uns, wenn Jesus heute einlädt? 

Was hat in meinem Leben erste Wahl, wenn ich jetzt gefragt bin? 

Bin ich mit anderem so beschäftigt, dass ich für Gottes Fest praktisch 

weder Ohr noch Interesse habe?

Das wäre tragisch, weil ich dann am Ende nicht dabei bin, sondern 

draußen vor der Tür. 

Stell dir vor, es ist ein Fest, und von den Eingeladenen will keiner hin!

Die Geschichte, die uns Jesus hier zum Nachdenken aufgibt, 

ist alles andere als aus der Luft gegriffen. 

Jesus ist es selber so gegangen, so lange er auf der Erde war: 

Die Leute waren oft freundlich zu ihm, sie wollten was von ihm, 

aber nur ganz wenige haben die Einladung erkannt, 

die Gott in seiner Person mitten unters Volk gestellt hat. 

Damals wie heute gibt es Vorbehalte, viele Gründe, nein zu seiner 

Einladung zu sagen. Faktisch, auch durch Abstimmung mit den Füßen. 

Und da sind auch wir heute morgen angesprochen, uns zu fragen: 

Wo stehe ich?

Habe ich schon „Ja“ gesagt und diese einzigartigen Einladung Gottes

und folge Jesus nach, bin bei seinem Fest dabei, 

oder weiß ich es noch nicht so recht?

Seine Einladung steht noch. 

Die Tür zum Festsaal ist noch nicht zugefallen!

Es gibt noch Plätze! 

Was muss ich mitbringen?

Mich selbst, mein Herz, mein Leben, sonst nichts. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)