2009-05-24

Predigt über Johannes 15,26 bis 16,4 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für den 6. Sonntag nach Ostern aus 

Joh 15,26 - 16,4:

        "Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch 

        senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, 

        der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. 

        Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an 

        bei mir gewesen. Das habe ich zu euch geredet, damit ihr 

        nicht abfallt. 

        Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. 

        Und es kommt die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, 

        er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum

        tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen. 

        Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde

        kommen wird, ihr daran denkt, dass ich's zu euch gesagt habe.

        Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war 

        bei euch."

Liebe Gemeinde, 

was erwarten Sie vom kommenden Pfingstfest? 

Erbitten Sie ein Pfingstwunder, die Ausgießung des Heiligen 

Geistes? 

Wenn nicht, was erwarten Sie dann? 

Der Heilige Geist ist auch für viele Christen wenig konkret

und es fällt ziemlich schwer, ihn zu beschreiben. 

„Geistwirkungen“ wirken für viele eher abschreckend 

und so mancher denkt: Die gehören doch in Gemeinschaften oder 

Freikirchen, die man eher misstrauisch beobachten sollte. 

In die „charismatische“ oder „pfingstkirchliche Ecke“. 

Aber um die ist es ja auch wieder etwas stiller geworden in den letzten

Jahren, jedenfalls bei uns hier ...

Aber: Das Neue Testament hat keine solchen Berührungsängste!

Die erste christliche Gemeinde verstand sich als geistbegabte 

Gemeinschaft! Und in unserem Bibelwort für diesen Sonntag

sagt Jesus zu, dass er den Heiligen Geist senden wird. 

Der wird an seine Stelle treten. 

Und er wird helfen auf dem Weg der Nachfolge. 

Der Heilige Geist macht Christen nicht zu Superchristen.

Sondern er ist die Kraft, die Christen brauchen, um als Christen in 

dieser Welt bestehen zu können!

Drei Punkte dazu heute morgen: 

1. Der Heilige Geist ermächtigt zum Reden von Jesus

Nach dem Karfreitag waren die Jünger sprachlos und stumm. 

Diese Katastrophe hat sie zutiefst erschreckt, so dass sie

zu zweifeln anfingen und sich verängstigt zurück zogen. 

Die Osterbotschaft, dass Jesus lebt, brauchte einige Zeit, 

um die Herzen der Jünger zu erreichen.

Bis zur Himmelfahrt Jesu brauchten sie Zeit, um wirklich zu begreifen, 

dass Jesus lebt. 

Und erst mit dem Pfingstfest haben sie wieder angefangen, öffentlich 

von Jesus zu reden. 

Jesus, so berichtet es Johannes, hat das den Jüngern bereits 

prophezeit und im Voraus angekündigt: Ich werde Euch den Heiligen 

Geist senden. 

Der wird vom Vater ausgehen und die Jünger ermächtigen, 

Jesus zu verkündigen. 

Und diese Zusage steht - ohne Wenn und Aber. 

Sie ist niemals aufgehoben worden, bis heute nicht. 

Deshalb gilt sie weiter allen Jüngern, ob Mann oder Frau. 

Warum gibt es gerade auch unter Christen soviel Scheu und Angst, 

vom Glauben an Jesus ungeniert zu sprechen?

Wie erklärt sich die so weit verbreitete Sprachlosigkeit der Christen-

heit, die Reserve davor, bewusst missionarisch zu leben? 

Auch Christen können die völlig falsche Haltung pflegen, dass sie

alles andere, nur ja nicht anecken wollen!

Dass sie immer nett und akzeptiert dastehen wollen! 

Sich auf keinen Fall irgendjemand aufdrängen!? 

Aber was heißt da denn sich aufrängen?

Geht es nicht um Jesus? 

Die Zusage von Jesus, seinen Geist zu senden und die Selbstver-

ständlichkeit, mit der er seine Jünger einfach zu Zeugen erklärt, 

wollen auch uns heute bewegen, in der jedem in seiner Situation 

möglichen Weise von IHM (Jesus) zu reden. 

Der Heilige Geist setzt in Bewegung!

Und wenn ich mich ihm widersetze, dann ist das keine Lapalie! 

Er bevollmächtigt die Christen und be-kräftigt ihre Worte!

Dafür, dass mein Zeugnis „ankommt“, auf fruchtbaren Boden fällt

bei meinem Gegenüber, dafür sorgt dieser Geist selber!

An mir ist aber, dass ich von Jesus rede, ihn bezeuge ...

Er ist der Entscheidende und im Vertrauen auf ihn darf ich 

sein Sprachrohr sein!

Nur deshalb, weil Jesus es will, dass wir seine Zeugen sind, sendet er 

den Heiligen Geist!

Lassen wir uns gebrauchen!? 

Bitten wir um seinen Beistand!?

2. Der Heilige Geist bindet den Glauben an Jesus

Liebe Gemeinde, unser Glaube steht immer in der Gefahr, an Kraft zu 

verlieren.  Besonders aber dann, wenn er von uns und  von 

Äußerlichkeiten abhängig ist: 

- von unseren Glaubenserfahrungen z. B. Gefühlen, oder

- von unserem Lebensumfeld und von Lebensumständen,

- von der Gemeinde, in der wir leben (oder auch)

- vom Verhältnis zum Pfarrer oder der Pfarrerin. 

Immer dann, wenn mein Glaube an Äußerlichkeiten hängt, 

verliert er schnell an Kraft und er steht in akuter Gefahr, 

dass er sich nach und nach verliert. 

Deshalb ist es ganz wichtig, dass sich mein Glaube an Jesus 

und an seinem Wort festmacht!

Nur so bekommt er Beständigkeit und behält seine Kraft. 

Selbst in Krisen und nach Fehlern, die es ja auch unter Christen 

immer wieder gibt. 

Liebe Gemeinde, 

der Heilige Geist be-geist-ert für Jesus!

Er weckt die Liebe zu ihm. 

Er verbindet mit ihm.

Der Heilige Geist macht mich wach für Jesu Worte und weckt

einen Hunger nach beiden (Nach Jesus und nach seinem Wort!)

Beides ist notwendig, „damit ihr nicht abfallt“ (wie uns Jesus sagt).

Eine Warnung, die wir nicht unterschätzen sollten und die sich heute 

öfter als uns lieb ist bewahrheitet: 

Die Bibel ist zwar das meistverkaufte, aber das auch immer weniger

gelesene Buch!

Und so lassen sich viele heute mitreißen von „Fast food“ auch im 

Glauben, gehen allen möglichen Ideengebern und bunten Meinungs-

machern auf den Leim ... weil so viele die Bibel nur noch im Schrank 

stehen haben. 

Das „geistliche Leben“ der Christen aber findet darin seine konkrete 

Gestalt, dass Menschen sich dem Wirken des Heiligen Geistes öffnen.

Und das passiert am meisten 

- beim Lesen der Bibel, Gottes Wort für mich (aber auch)

- im Gespräch mit Jesus, im Gebet, 

- in der Gemeinschaft mit anderen Christen, z. B. in einem Hauskreis,

- im gemeinsamen Gottesdienstbesuch und beim Abendmahl.

So kommt der Heilige Geist in mein Leben. 

So kann sich die Zusage von Jesu erfüllen. 

Der Heilige Geist selber ist es auch, der meinen Glauben lebendig hält 

und ihm täglich neue Kraft gibt!

Die Kraft, die nötig ist, um in Anfechtungen bestehen zu können und 

die Kraft, um zu Jesus stehen zu können (z. B. wenn alle anderen 

in meiner Familie oder in meiner Schulklasse einen anderen Weg gehen!).

Dass wir uns an Jesus und sein Wort halten, das ist sein erklärter Wille. 

Und das ist auch der Grund dafür, warum uns der Heilige Geist gesandt ist.

 

3. Der Heilige Geist tröstet in Verfolgung um Jesu willen

Liebe Gemeinde, wir müssen sehen: Jesus rechnete ganz klar mit 

seinem gewaltsamen Tod. 

Und er rechnete damit, dass seinen Jüngern kaum ein anderes 

Geschick beschieden sein würde. 

Zu offenkundig waren die Reibungsflächen zwischen der jungen 

Jesus-Bewegung und dem Judentum.

Schon bald kam es zur Ausstoßung der Christen aus der Synagoge.

Schon bald gab es erste Blutzeugen. 

Darunter war Stephanus der erste. 

Ja, man kann sagen: Verfolgung um Jesu willen begleitete die junge

Christenheit während der ganzen ersten Zeit. 

Da wurden viele zu Märtyrern. 

Aber sie und die Gemeinde erfuhren in den Verfolgungen, dass 

sie nicht allein gelassen wurden. 

Der Heilige Geist wirkte in ihnen den Trost des Glaubens. 

Dass in späteren Jahrhunderten eine Art Überlegenheitsgefühl 

auch unter den Christen aufkam und die einst Verfolgten selber

zu Verfolgern der Juden wurden, das ist bis heute eine schwere

Hypothek für das Verhältnis von Juden und Christen. 

Der Heilige Geist war dabei ganz bestimmt nicht am Werk.

Das können wir heute mit Sicherheit sagen.

Ist er doch gerade denen zugesagt, die in der Nachfolge ihres HERRN 

leiden müssen. 

Viele, die diesen Weg gehen mussten und ihn bis heute 

gehen müssen, bezeugen den starken Trost, der vom Heiligen 

Geist ausgeht ... Ich denke da z. B. an die gar nicht so wenigen 

Christen im Iran oder in Pakistan. 

Und was sie erdulden müssen für ihr Bekenntnis zu Jesus Christus. 

Sie können jeden Tag verhaftet werden unter dem Vorwurf, „Allah“

gelästert zu haben, denn schon zu sagen, dass Jesus allein ist der 

Weg zu Gott, kann als Lästerung Allahs die Todesstrafe nach sich ziehen.

Der Heilige Geist ist ihr Trost, für viele sogar im Gefängnis oder

bei der Hinrichtung. 

Solche bedrängten Menschen können den Weg mit Jesus, 

auch angesichts schwerer der Konsequenzen trotzdem getrost gehen. 

Denn gerade unter Leidensdruck lässt Jesus die Seinen nicht allein!  

Er hat allen den Heiligen Geist als Tröster zugesagt, 

die ihn für ihren Glaubensweg brauchen. 

Und deshalb sollten auch wir voller Erwartung auf das Pfingstfest 

zugehen!

Weil wir den Heiligen Geist brauchen, um auch heute in unserer

Zeit ein Zeuge für Jesus sein zu können, und um fest, 

ja, um immer fester mit ihm verbunden zu sein. 

Und wenn es sein soll, um auch im Leiden Gottes Trost zu finden. 

ER (Gott in Gestalt des Heiligen Geistes) ermächtigt uns zum Reden, 

gibt Mut und Gottvertrauen!

ER (Gott in Gestalt des Heiligen Geistes) bindet meinen Glauben an 

Jesus, und macht ihn damit frei von Menschen und meinem Hang, 

immer nach links und rechts schauen zu müssen, 

ja nicht anecken zu wollen. 

ER (Gott in Gestalt des Heiligen Geistes) gibt Trost und Gelassenheit, 

selbst dann, wenn es noch mal „richtig dick“ für mich kommen sollte.

Ist das nicht eine wirklich Mut machende, eine tröstende Perspektive!? 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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