2009-05-17

Predigt über Johannes 16,23b-33 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem Johannes-Evan-
gelium, Kapitel 16, die Verse 23b-28(29-32)33
:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten
werdet in meinem Namen, wird er's euch geben. 24 Bisher habt ihr um
nichts gebeten in meinem Namen.
Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.
25 Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, dass ich
nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus
verkündigen von meinem Vater. 26 An jenem Tage werdet ihr bitten
in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für
euch bitten will; 27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich
liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin vom
Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt
wieder und gehe zum Vater ...
33 Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt.
In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“




Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

damit ein Handy funktioniert, muss die Elektronik in Ordnung sein.
So ist es mit dem Glauben auch: Jesus bringt uns durch die Übernahme
unserer Schuld wieder in Ordnung. Er heilt unsere Herzen.

Und da muss der Akku voll sein.
Die Kraft zum Gebet bekommen wir durch den Heiligen Geist.

Es muss die SIM-Karte im Gerät richtig eingelegt sein.
Das richtige Programm bekommen wir nur durch das Wort Gottes.

Auch eine gewisse Vorbereitung gehört zum Telefonieren.
Jetzt muss ich nur noch die Telefonnummer des gewünschten
Gesprächspartners wissen und wählen.
Die Telefonnummer Gottes ist die „5015“ und steht für Psalm 50, Vers 15
„Rufe mich an in der Not, wo will ich dich erretten und du sollst mich
preisen ...“
Gottes Leitung ist immer frei und nie besetzt.
Er hat auch keinen Anrufbeantworter,
ist immer für mich da.

Und so verstehe ich die Worte von Jesus, die wir heute zusammen
betrachten, wie eine Aufforderung an mich und mich: „Ruf doch mal an!“

Du hast ein Recht auf den Zugang zu Gott (1.)

Durch Jesus kommt ein Mensch mit seinem Gebet ins Herz Gottes.
Gott liebt uns um Jesu willen.
Das Recht ist einmal klar und deshalb, weil es Gottesrecht ist, immer klar!
Der Freund des Sohnes Gottes ist auch Gottes Freund.
Stell‘ Dir vor, Dein Vater oder Deine Mutter geht mit Dir auf den Rummelplatz.
Du darfst Dir ein Highlight raussuchen und Du entscheidest Dich für
das Quadfahren.
Dein Vater kauft für Dich fünf Zeitkarten, die du nacheinander bei ihm abholen
kannst für die nächste Fahrt.
Nach einer Weile stellt sich ein fremder Junge an und will von Deinem Vater
auch eine Karte. Und der denkt sich: „Warum sollte ich diesem fremden
Jungen eine Karte geben, der gehört doch gar nicht zu uns!“
Bis Du Dich hinter ihn stellst und sagst: „Du Papi, das ist mein Freund Tim,
ich habe ihm eine Freikarte versprochen!“
Da ist für Papi alles klar, Tim kriegt die Freikarte!
Sein Sohn hat sie ihm versprochen, also hat er sie ihm gegeben „im Namen
seines Sohnes“ - So macht es Gott auch, wenn wir ihn „im Namen seines
Sohnes“ um etwas bitten!

Der Heilig Geist ist für uns weit weg und unnahmbar.
Nur durch die Liebe zum Sohn ist diese Unnahbarkeit und Ferne Gottes
aufgehoben.

Es ist nicht von ungefähr, dass in diesem Text Gott sieben Mal
Vater genannt wird: Die Vaterliebe gibt uns das Recht, uns auf Jesus
zu berufen.

In anderen Religionen müssen sich die Menschen das Recht, in die
Nähe der Götter zu kommen, verdienen und erkämpfen!
Viele dürfen nie in die Nähe der Götter, sondern müssen gebührenden
Abstand halten!

Im Gegensatz zu vielen nichtchristlichen Religionen ist das Gebet
bei uns kein Versuch, um mit Gott in Verbindung zu treten,
ihn gnädig zu stimmen oder
mit möglichst viel Beten die Hilfe oder das Hersehen Gottes zu erzwingen.
Das Gebet, wie es uns Jesus hier zeigt, ist auch keine religiöse Pflichtübung
wie z. B. im Islam, wo es eine der sogenannten „5 Säulen“ ist,
die ein Mensch formal richtig erfüllen muss, um Allah zu gefallen.

Jesus dagegen sagt: Nicht die Menge der Gebete zählt bei Gott,
sondern das Herz dessen, der betet.
So wie ein kleiner Junge seine Eltern gefragt hat: „Ich bete gleich - braucht
ihr etwas?“

Gebete sind keine Beschwörungsversuche,
um Gott aus seiner Verborgenheit herauszulocken.
Christen haben das gar nicht nötig.
In Jesus Christus ist Gott nämlich längt aus der Deckung heraus
gekommen, hat uns zuerst geliebt.
Deshalb ist Gebet keine Sache der Leistung mehr,
sondern meiner Erwartung!

Martin Luther hat gesagt: „Unser Gebet wird allewege erhört.
Wenn es nicht nach unserem Willen erhört wird,
so wird es doch erhört nach dem Willen Gottes,
welcher besser ist als der unsrige.“ (1)

Gebete mit dieser Herzenseinstellung sind keine Selbstgespräche,
auch nicht zur Klärung der Seele, wie sie zum Beispiel beim Yoga oder
bei bestimmten Meditationstechniken verstanden werden. 
Solche Gebete sind Gespräche mit Gott zur Klärung der Gottesbeziehung.

Christen dürfen ganz selbstverständlich zu Gott beten.
Und dieses Recht zum Gebet haben Christen der Liebe und dem Leiden
von Jesus Christus zu verdanken.

Etwas Zweites wird hier deutlich:



Adel verpflichtet  - Das gilt auch für das Gebet (2.)

Wer den Glauben an Jesus Christus geschmeckt hat und jetzt
in einem neuen Stand lebt, der weiß, dass „Adel verpflichtet!“.
Er ist ein geliebtes Kind Gottes und gehört zu seiner Familie -
mit allen Rechten und Pflichten.
Und die Liebe zu Jesus hat Konsequenzen.
Liebe drückt sich aus im Gespräch.
Sie kann gar nicht anders.
Und deshalb ist Beten ein Zeichen dafür, ob diese Liebe auf
Gegenseitigkeit beruht, ob sie bei mir auf guten Boden gefallen ist.

Auch die Sitatuion in unserer Welt verpflichtet Christen zum Gebet:
Wie viele Menschen sind großen Belastungen und oft auch Not
ausgesetzt?!
Vielleicht Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, andere hat es noch viel
härter getroffen: Durch Naturkatastrophen und Unglücke, in vielen Ländern
droht Christen sogar Verfolgung.
Im Gebet - und Geben - nehmen Christen ihre Verantwortung für diese
Welt und für andere Menschen wahr,
die keinen Zugang zu Gott haben.

Jesus hat im Garten Gethsemane im Gebet um das Heil der Menschen
gerungen: „Wacht und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Mt 26,41).
So hat Jesus seine Jünger ermahnt.
Und er hat selber Zweifel und Anfechtung gekannt.

Im Gebet gesteht ein Christ seine Ohnmacht ein.
Gerade der Stoßseufzer zu Gott gehört zu den ehrlichsten Gebeten.
Niemand kann sich selber bewahren - weder im Leben noch im Glauben.
So sehr wir das auch wollen, es gelingt uns nicht.
Und wie oft wissen wir gar nicht, was wir beten sollen.
Da hat uns Jesus als eine große Hilfe das Vaterunser gegeben,
das auch ein Schutz ist gegen eher egoistische Gebete.
Aber auch Liedverse sind für viele Menschen zur Gebetshilfe geworden
in bestimmen Lebenslagen.

Beten hat viel mit einem ständigen inneren Gespräch mit Gott zu tun.
So hat der Apostel Paulus ermahnt: „Betet ohne Unterlass!“ (1. Thess 5,17).
Wobei uns die Pflicht zum Beten nicht niederdrücken soll.
Sie wird uns nur zum eigenen Vorteil auferlegt:
„Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei!“ (V24).

Dabei sollen wir nicht nach Stimmung und Gefühl gehen,
sondern im Gebet gehorsam und treu sein.
Der englische Erweckungsprediger Spurgeon sagt es so:
„Wir sollten beten, wenn wir in einer Gebetsstimmung sind,
denn es wäre Sünde, eine so gute Gelegenheit zu versäumen.
Und wir sollten beten, wenn wir nicht in einer rechten Stimmung sind,
denn es wäre gefährlich, in einem so ungesunden Zustand zu verharren.“ (2)

Persönlich ist es mir eine große Hilfe geworden,
dass ich mir bestimmte Gebetszeiten fest vornehme.
Auch Jesus hat das übrigens so gemacht.

Denn machen wir uns nichts vor: Wer nicht zu bestimmten Zeiten betet,
betet auch bald nicht mehr zu unbestimmten!
Jesus ist schon früh am Morgen aufgestanden, um allein mit seinem Vater
im Himmel zu sein und um mit ihm zu reden.
Auch hier gilt: „Morgenstund hat wirklich Gold im Mund ...“

Eine Erfahrung mit dem Gebet (FSJ erzählt ...)

Das Dritte, was uns Jesus hier klar macht, ist:


„Es ist ein großes Vorrecht beten zu dürfen“ (3.)

Machen wir uns klar:
Das Gebet ist das Gespräch mit Gott zum Nulltarif!
Es ist abhörsicher.
Das Gebet ist Vitamin B für unseren Glauben.
Es stärkt die Beziehung zum ewigen Vater.

Das Gebet ist die immer neue Liebeserklärung an Gott.
Es ist intim, persönlich und geht von Herz zu Herz,
das kleine Dankeschön an Gott für all das, was er uns gegeben hat.

Wir Menschen haben es von Gott geschenkt bekommen.
Die Telefonleitung steht, noch bevor wir sie benutzen.

Und das Gebet ist der große Sorgenvertreiber:
Da dürfen wir alles abladen, auch den größten Mist.
Im Gebet können wir um Vergebung von Schuld bitten und einen
neuen Anfang mit Jesus wagen.

Es bringt auch große Überraschungen!
Die größte Überraschung dabei ist, dass Gott uns hört und erhört,
auch dann, wenn es uns nicht so vorkommt.
Hier machen wir die tolle Erfahrung: Gott will mich nicht allein lassen
mit allem, was mein Leben prägt an Freude und an Leid.

Zu ihm kann ich kommen mit allem, was mich bewegt!
Es ist keine besondere Gebetssprache nötig,
keine besonderen Gebetsrituale oder Gebetshaltungen.

Wie ein Kind darf ich bei ihm alles aus meinem Herzen herausplappern,
weil wir ihn wirklich „Papa“ nennen dürfen.
Durch Jesus.
So vertraulich darf mein Umgang mit Gott sein.

Deshalb heißt Beten: Sich aus der Angst der Welt aufmachen
und zum Vater gehen.

Und wie lernt man beten? - Im Konfi-Unterricht vielleicht?
Viel eher durch das Tun!
Im Konfi-Unterricht können wir Dir nur Mut dazu machen.
Aber testen musst Du es selber.
Beten lernt man durch Beten!
Und Du solltest heute damit beginnen, längst vor dem
„Führerschein mit 17“ in neue Welten vorstoßen ...

Aber auch für uns „Alten“ ist noch nicht zu spät.

Lassen wir den Worten Taten folgen.
Nehmen wir uns die Zeit.
Machen wir Kreuzchen in den Kalender, damit nichts dazwischen kommt.
Amen


Anmerkungen:
(1) WA 22,527
(2) Zitiert nach „Zuversicht und Stärke“ I/3 (2003), S. 97




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 12.09.2018
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis für junge Erwachsene bei Katrin
Donnerstag, 13.09.2018
9:00 Uhr:
Schulanfägner-Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)