2009-04-05 Jubelkonfirmation

5. April 2009 Goldene und Diamantene Konfirmation / Predigt Pfarrer Friedhelm Bühner über Johannes 12,12-19 

Liebe Festgemeinde, 

es war letztes Jahr im Februar in der Fernsehtalkshow „Menschen 

bei Maischberger“. Helmut Schmidt wurde gefragt, wie er es denn so 

mit dem Glauben an Gott halte. 

Einmal ganz ungewohnt ohne qualmende Zigarette meinte der Altbundes-

kanzler: „Ich würde mich heute nicht mehr auf Gott verlassen ... Gott 

hat allzu viele schlimme Dinge zugelassen“. 

„Gott hat allzu viele schlimme Dinge zugelassen ...“ - Mit dieser Antwort

hat der Altkanzler bestimmt einer Reihe von Zuschauern tief aus der Seele

gesprochen. 

Und auch uns hier im Gottesdienst kann so eine Antwort nicht völlig kalt

lassen, zumal nach dem Amoklauf von Winnenden aber auch nach 

so manchem verzweifelten Gebet „So hilf mir Dioh!“, das unerhört 

geblieben ist. 

„So hilf doch!“ - Wie oft stellen diese Bitte Schüler und Eltern, wenn der

Stress in der Schule nicht mehr zu ertragen ist und es mit der Versetzung

eng wird. 

„Hilf doch!“ - Wie oft wird diese Bitte in den Zimmern der Krankenhäuser

ausgesprochen, wenn das Können der Ärzte seine Grenzen erreicht hat - 

und der Krebs doch weiter macht. 

„Hilfe doch!“ - Wie oft ist diese Bitte von Ehepartnern gekommen, wenn 

es in der Beziehung gekriselt hat - und die Ehe ist vielleicht trotzdem in die

Brüche gegangen. 

„Ich würde mich heute nicht mehr auf Gott verlassen“, das ist die resignierte

Schlussfolgerung nicht nur des Altkanzlers, sondern vieler, die denken, 

sie seien bei Gott nicht „durchgekommen“. Warum auch immer. 

Vielleicht weil die Leitung überlastet war oder weil er gar nicht da war?

Liebe Gold- und Diamantkonfirmanden, sehr gerne würde ich Sie heute

alle persönlich fragen, welche Erfahrungen Sie inzwischen mit Gott gemacht 

haben. Seit damals, als Sie hier in der Kirche Gott die Treue gelobt haben 

und mit seinem Segen ins volle Leben gestartet sind. 

Die Zeiten damals waren materiell noch viel bescheidener als heute. 

Die Zwillinge der Familie Wurst zum Beispiel - Friedrich und Hermann -, 

sie wussten damals im Jahr 1949 noch zwei Tage vor ihrer Konfirmation 

nicht, ob sie überhaupt stattfinden würde, weil der Vater noch in 

Kriegsgefangenschaft war. Bis er nach Hause kam. 

Zwei Tage davor. 

Und da war gerade erst die Währungsreform, die jedem von den 

Diamant-Konfirmanden die ersten neuen 20 DM in die Hand gab. 

Das war nicht viel, aber immerhin. 

Unter diesen Umständen wurden Sie damals hier in der Christuskirche / 

Schlosskirche am 3. April 1949 von Pfarrer Gengenbach als Gruppe 

von 9 / 18 Konfirmanden unter Gottes Segen gestellt. 

1959 war Deutschland schon wieder auf dem Sprung zum wirtschaftlichen 

Erfolg, aber deutlich einfacher gings immer noch zu als heute. 

Die meisten haben zuhause im Wohnzimmer gefeiert und man bekam

Sammeltassen, eine Uhr oder ein Fahrrad. 

Aber es gab schon wieder alles zu kaufen, wenn man das Geld dazu hatte.

Und um das zu bekommen, war die ganze Familie eingespannt. 

In dieser Zeit, genau am 15. März 1959 wurden Sie, liebe Goldkonfirmanden, 

hier in der Christuskirche / Schlosskirche durch Pfarrer Richter, der heute 

unter uns sein kann, konfirmiert: eine Gruppe von 4 / 9 jungen Menschen. 

Ich werde ihn nachher bitten, noch einige persönliche Worte an Sie 

zu richten ...

Was haben Sie in der Zwischenzeit alles erlebt?

Wie war das mit dem Segen, der Ihnen zugesprochen wurde?

Haben Sie Ihr Versprechen eingelöst und sind Jesus nachgefolgt?

Haben Sie Gott Raum gegeben in den Entscheidungen Ihres Lebens

und seine Nähe gesucht, im Gottesdienst?

Oder schauen Sie heute - wie unser Altkanzler - eher resigniert auf 

Gottes Zusagen zurück?

Vielleicht, weil Sie nicht verstehen können, warum sich eine ganze 

Reihe von Hoffnungen und Wünschen so nicht erfüllt haben!?

Aber da will ich unsere Fragestellungen an Gott heute morgen doch

einmal bewusst umdrehen: 

Wie müsste Gott denn handeln, damit Enttäuschungen überhaupt nicht 

passieren? 

Auf jeden Fall sollte er sich all unserer Bitten annehmen!

Wir denken: Er sollte uns von allen leiblichen Sorgen und Problemen 

erlösen, alle Krankheiten heilen!

Genau so, wie Jesus es damals vor 2000 Jahren getan hat, als er mit

seinen Jüngern durch das Land zog. 

Hat er da nicht die Mutlosen wieder aufgebaut, die Hungrigen satt gemacht

und die Kranken geheilt?!

Wenn wir dazu in den Predigttext für diesen Palmsonntag schauen, 

dann wird schnell klar: Genau diese Hoffnungen hegten auch die 

Menschen damals in Jerusalem!

Da ging das Gerücht in der Stadt herum: Jesus kommt!

Dieser junge Galiläer, vor dem sich selbst die Dämonen und der Tod in 

Acht nehmen, er kommt!

Dieser erfolgreiche Star am Horizont, der Menschen heilt und wieder

auf die Füße stellt, er kommt!

Und tatsächlich steht er bereits am Osttor der Davidsstadt Jerusalem. 

Aber hören Sie selbst. Ich lese aus Johannes 12, die Verse 12-19: 

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen 

war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, 13 nahmen sie Palm-

zweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! 

Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von 

Israel! 14 Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie 

geschrieben steht (Sacharja 9,9): 15 »Fürchte dich nicht, du Tochter 

Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« 

16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus ver-

herrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben 

stand und man so mit ihm getan hatte. 17 Das Volk aber, das bei 

ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten 

auferweckte, rühmte die Tat. 18 Darum ging ihm auch die Menge 

entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die 

Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts 

ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.“

Das Volk wartet ausgezehrt und sehnsüchtig auf die Hilfe von Jesus. 

Es brüllt: „Hosianna! - Hilf doch!“.

Ohrenbetäubend, so dass es keiner überhören kann. 

Direkter kann eine Bitte eigentlich nicht gestellt werden!

Und Jesus? Was macht er?

Wir lesen nichts von einer Siegergeste. 

Keine kämpferische Faust wird in den Himmel gestreckt, kein 

Victory-Zeichen gemacht. 

Jesus lässt sicht nicht auf die Schultern der jubelnden Massen heben 

und macht nicht den politischen Revoluzzer, der couragiert das Wort 

ergreift, eine kämpferische Rede hält. 

Er heilt keinen Kranken, verjagt keine römischen Soldaten. 

Es scheint, als prallen die eindringlichen Hilferufe der Menschen 

„Hosianna - so hilf doch!“ unerhört an ihm ab. 

Das Einzige, was wir von Jesus in unserem Bibeltext lesen, ist: Er besteigt

einen Esel (Maultier), genau das Tier, auf dem der Prophet Sacharia einen 

armen und friedvollen Retter nach Jerusalem einziehen sieht. 

Was will Jesus mit dieser Aktion ausdrücken? -

„Macht mich nicht zu dem, was ich nicht bin!“

Die Menschen aller Zeiten sehen in Jesus einen Wundermann, 

den ganz persönlichen Wunscherfüller, 

einen, der ihnen Freiheit und Stolz garantieren soll. 

Aber genau in dieses Schema lässt sich Jesus nicht pressen. 

Er zieht nicht in Jerusalem ein, um wie von einem Festumzugswagen 

dem bittenden Volk kleine Wohltaten wie Süßigkeiten zuzuwerfen, sondern 

er zieht ein, weil sein Vater will, dass er dort - ans Kreuz - genagelt wird. 

Eine ganz fremde Vorstellung, eine enttäuschende Wahrheit ist das. 

Jesus erfüllt zunächst einmal nicht unseren Willen, sondern den 

Willen des Vaters!

Aber das Volk in Jerusalm wie auch viele Menschen heute wollen diese 

Wahrheit nicht wahrhaben!

Es ist in seinem „Hosianna, hilf-doch-Gegröle“ voll und ganz mit sich

selber beschäftigt um diese Enttäuschung überhaupt zu erkennen. 

Wie sieht es da bei uns aus, wenn wir Jesus zurufen: „Hosianna, 

so mach doch endlich was, so hilf doch endlich!“?

Bin ich bereit, mich enttäuschen zu lassen?

Mich ganz unter seinen Willen für mein Leben zu stellen?

Mir einzugestehen, dass Jesus nicht meinen Willen, sondern den Willen 

seines Vaters tut, als er dem Kreuz entgegen geht?

Wenn wir uns dieser schmerzhaften Erkenntnis stellen, dann ist das auf 

jeden Fall eine Enttäuschung und ich merke: 

Jesus ist nicht der, den ich mir immer vorgestellt habe. 

Er ist nicht der, der auf meine Wünsche und Träume eingeht, sondern 

er ist das Passalamm, das zum Kreuz zieht. 

Aber jede Enttäuschung kann auch zur Befreiung werden, weil sie die

bisherige Täuschung aufhebt!

Wenn ein Nomade in der Wüste erkennt, dass die prächtige Oase in der 

Ferne nur eine Fata Morgana war, dann ist er „ent-täuscht“

Jetzt weiß er, wo er dran ist. 

Die Täuschung ist aufgehoben. 

Er wird nicht länger dieser heimtückischen Luftspiegelung nachrennen, 

die ihn lediglich ins Verderben stürzen würde, sondern er wird 

„ent-täuscht“ - nach der wahren Wasserquelle suchen. 

Was ist diese wahre Wasserquelle für uns, für mich?

Und wie finde ich sie?

Ich finde sie erst, wenn ich „ent-täuscht“ (über mich und meine eigenen

Wünsche) zum Kreuz von Jesus ziehe und dort erkenne, wie Gott 

wirklich ist. 

Immer wieder höre auch ich Vorhaltungen, die Menschen Gott machen. 

Warum hat er denn dieses oder jenes zugelassen?

Warum hat er mir denn damals nicht geantwortet, als ich in großer

Not wirklich zu ihm gerufen habe?

Aber nicht immer sind diese Vorhaltungen ehrlich. 

Denn wenn ich nur in der Not zu ihm komme, aber in guten Zeiten 

meinen eigenen Weg gehe, was muss ihm das sagen?

Gott ist kein Automat, nicht mein verlängerter Arm. 

Er will nicht irgendeine Rolle in meinem Leben spielen, sondern 

mein Regisseur sein, mein Leben führen und leiten. 

Denn er ist Gott und als solcher weiß er wirklich, was ich brauche. 

Erst wenn ich innerlich da angekommen bin, werde ich bereit sein 

für seine Gedanken mit meinem Leben. 

Und da werde ich erkennen, was Jesus gemeint hat als er sagte: 

„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne (Haus, 

Hof, Ehre, Familie, Gesundheit, Heilung ...), aber Schaden nähe an 

seiner Seele“ (Mt 16,20), das heißt am ewigen Leben vorbei geht!?

Alles, auch die noch so verständlichen Notrufe an Gott, wären eine 

trügerische Hilfe gewesen!

Entscheidend ist, dass ich mich von Gott zur wahren Quelle des Lebens

führen lasse: Unter das Kreuz von Jesus. 

Dort ist der Sohn Gottes für meine und Deine Sünden in den Tod 

gegangen und ich darf seine Vergebung annehmen und ein 

neues Leben bekommen. 

Ist uns das schon aufgeleuchtet? 

Hast Du Gott schon gedankt für diesen Weg, den er auch für Dich 

gegangen ist?

Dann ist das Wort von der „Frohe(n) Botschaft“ aufgegangen, das 

damals auch am Anfang Ihrer Konfirmation stand: 

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn

 für uns uns dahin gab, damit alle, die an ihn glauben (die ihm nach-

folgen)  das ewige Leben haben“ (nach Johannes 3, Vers 16). 

Liebe Festgemeinde, liebe Gold- und Diamantkonfirmanden, 

dass wir diese Liebe Gottes heute mit großer Dankbarbeit für uns 

bekräftigen und und unser Leben unter seinen Segen stellen, das

wünsche ich uns allen. 

Weil im Weg Jesu ans Kreuz für mich alles liegt, was ich brauche, 

um - trotz Krisenstimmung - gestrost leben und einmal hoffnungsvoll 

sterben zu können. 

Amen

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Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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