2009-03-15 mit Bezirksposaunenchor

Predigt über Lukas 9,57-62 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,
es geht heute Morgen um Nachfolge: Dass wir ganz persönlich
ernst machen mit der Erkenntnis: Jesus ist der Sohn des lebendigen
Gottes. Deshalb gilt es, nicht mehr lange herum machen oder abzuwarten. 
Allein Jesus verbindet uns mit dem Schöpfer.
Er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kann
Frieden mit Gott haben, außer durch ihn.
Allein Jesus rettet uns vor dem Zorn Gottes.
Nur in der Gemeinschaft mit ihm lernen wir, so zu leben, wie es
Gott gefällt. Wo aber keine gelebte Beziehung da ist, da geht das nicht.
Deshalb ist die Nachfolge, das Ganz-nahe-bei-Jesus-Sein, so wichtig.

Natürlich gibt es auch Glaube ohne Jesus.
Natürlich gibt es auch Glaube ohne den lebendigen Kontakt zum Sohn Gottes.
Natürlich gibt es auch Glaube ohne Lebensänderung, ohne Gehorsam.
ohne sichtbare Zeichen Gottes im Leben.

Aber das ist nicht Nachfolge, das ist nicht das neue Leben,
das ist nicht Rettung.
Das ist vielleicht ein bisschen Religion.

Jesus aber lädt die Menschen immer ganz konkret zur Nachfolge ein:
    - auf ihn hören, mit ihm leben,
    - sich ganz und gar im Denken, Fühlen, Wollen, Reden und Handeln
        auf ihn einstellen,
    - mit ihm durch Dick und Dünn gehen,
bis zum Ziel in der Herrlichkeit seines himmlischen Vaters.
Dann, wenn ich auf dieser Erde nicht mehr bin.

Spannende Geschichte!
Nichts für Leute, die damit zufrieden sind, wenn ihr Leben „so là là“
dahinplätschert, oder die sich sagen: Es wird schließlich jeder nach seiner
Façon selig werden.

Jesus war einmal in einer unglaublichen Situation.
Sein Ruf in die Nachfolge ist gehört und ernst genommen worden.
Er hat es den Menschen zwar nicht einfach gemacht.
Aber sie es geschluckt.
Und da sieht es fast so aus, als ob alle bei Jesus Schlange stehen wollten.

Er war bereits auf dem Weg nach Jerusalem, wo ihm der Prozess
gemacht werden und wo er hingerichtet werden sollte.
Krass und ganz unvermittelt hat er das angekündigt.
Und die Leute stehen immer noch Schlange bei ihm, wollen mit ihm
gehen, in die Nachfolge eintreten, mit ihrem Leben dokumentieren:
„Du bist der Messias, du bist der Herr, zu dir wollen wir gehören.“


Wir hören den Predigttext aus Lukas 9, die Verse 57-62:
„Vom Ernst der Nachfolge
57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will
dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse
haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber
der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. 59 Und er
sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube
mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Aber Jesus
sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin
und verkündige das Reich Gottes! 61 Und ein andrer sprach: Herr, ich
will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme
von denen, die in meinem Haus sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer
seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt
für das Reich Gottes.“



Jesus in einer unglaublichen Situation.
Menschen stehen in den Startlöchern, wollen festmachen bei ihm,
mit ihm gehen.
Aber unfasslich, was Jesus tut, was er zu ihnen sagt.
Regelreicht »Kontraproduktiv« könnte man denken.

Wären wir im Vorzimmer des großen Meisters damals gehockt,
wir hätten wahrscheinlich eifrig Antragsformulare ausfüllen lassen.
Wir hätten gesagt: »Herzlich willkommen. Der Meister wartet schon
auf euch, hereinspaziert. Kommt mit! Jetzt beginnt für uns alle ein
neues Leben.«


(1.)
Jesus ist - menschlich gesprochen - auf dem Höhepunkt seiner Karriere.
Die Leute stehen Schlange und wollen ihm nachfolgen.

Und er sagt zum Ersten der Drei: Ȇberleg dir das gut!
Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben
Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.«

Jesus sagt nicht: »Wenn du mir nachfolgst, wird es dir todsicher auch
so gehen: dreckiger und lumpiger als den Füchsen auf dem Feld und
den Vögeln unter dem Himmel».
Aber er sagt:  »Mir geht es so. Ich habe nichts, wo ich mein Haupt h
inlege.«

Denn sein Haupt wurde bald angespuckt,
auf sein Haupt wurde bald eine Dornenkrone gepresst;
und sein Haupt hat sich bald beim letzten Atemzug am Kreuz tot
nach unten geneigt.
Das Kreuz war der Ort, wo er sein Haupt »hinlegte«.
Jesus heimatlos in dieser Welt, verachtet, verhöhnt, ausgestoßen,
hingerichtet.

Jesus sagt: Ȇberleg dir das gut! Willst du einen solchen Meister,
einen solchen Herrn, einen solchen Retter haben?«
Und: „Bist du im äußersten Fall bereit, um meinetwillen Ähnliches zu
erdulden?“
An einer anderen Stelle sagt Jesus einmal: »Der Jünger steht nicht über
dem Meister und der Knecht nicht über seinem Herrn« (1).

Jesus weist nicht ab, aber er ist auch kein Rattenfänger.
Im Volksmund sagen wir: »Mit Speck fängt man Mäuse.«
Aber da ist kein Speck, das ist absolut reiner Wein!
Jesus sagt: »So ist es. Überleg's dir gut! Bist du bereit, die Schmach
deines Meisters in dieser Welt mit zu erleiden?«
Eines ist klar: Jesus hat sich wegen uns aufs Kreuz legen lassen.
Er hat sein Haupt für uns tot vom Kreuz herabgeneigt, damit wir
Vergebung unserer Schuld und Frieden mit Gott haben können.


(2.)
Der zweite Mann steht in den Startlöchern.
Jesus scheint es ihm an der Nasenspitze anzusehen, vielleicht aber
auch an seinen Trost suchenden Augen.
Jesus spricht ihn an: »Komm, folge mir nach!«
Und alles aus dem Kerl schreit: »Ja, ja, ja!«
Kein Nein, keine Einschränkung, kein Aber, aber ein Zuvor: »Herr, erlaube
mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.«
»Aber natürlich, herzliches Beileid, guter Freund, erfülle deine Sohnes-
pflichten und lass dir Zeit. Du brauchst Zeit für den Abschied, Zeit für die
Trauer.«

Dass wir uns nicht täuschen!
So redet Jesus nicht. Er spricht: »Lass die Toten ihre Toten begraben;
du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.«

Wenn jetzt jemand unter uns sagt: »Das ist aber brutal!« - ich kann ihn
verstehen.
Der Mann steht vielleicht noch unter Schock, weil der Vater gestorben ist;
und Jesus fährt wie mit einem Schwert hinein in die Betroffenheit und
die Trauer und sagt: »Es gibt für dich jetzt nur eine Priorität: die des
Reiches Gottes.«

Noch einmal: Wenn jetzt jemand unter uns sagt: »Nein danke, Jesus, so
kannst du mit deinen Freunden nicht umspringen, wenigstens nicht
mit mir« - ich kann das verstehen.

Auch in Israel zur Zeit von Jesus stand die Begräbnispflicht gegenüber
den Angehörigen
    - über dem Gottesdienst,
    - über dem Bibelstudium,
    - über dem Opfer im Tempel.
Zuvor - und das war ganz wichtig!
Der letzte Liebeserweis gegenüber dem Vater, der Mutter, den
Geschwistern, dem Ehegatten, den Kindern, dann erst alles andere.

Aber Jesus kennt nur ein Zuvor: das des Reiches Gottes.
Er drängt zur Entscheidung, er lässt jetzt keine Zeit und sagt: »Du aber,
geh hin und verkündige das Reich Gottes.«

Das muss uns, wenn wir Jesus nachfolgen, klar sein: Jesus setzt
Maßstäbe völlig neu. Das ist sein Recht als Sohn Gottes.
Und das ist die Qualität, die er an den Tag legt:
    - Er kennt das Leben.
    - Er ist das Leben.
Und deshalb ist er in der Lage, die Maßstäbe auch für unser Leben richtig
zu setzen.
Wenn er ruft, gilt nur sein Ruf.
Und wenn er sagt: »Dieser eine Punkt ist jetzt für dich der Entscheidungs-
punkt«, dann ist er es.
Wenn Jesus ruft, gibt es kein anderes Zuvor, keine andere übergeordnete
Priorität. Nur das: »Du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.«

Ich selber erschrecke immer wieder, wie mickrig, wie dumm, wie irrig
wir vom Reich Gottes denken.
Das Reich Gottes ist das Größte, das Stärkste, das Wunderbarste,
das Umfassendste, das es gibt.
Heute können wir dem Reich Gottes zwar noch ausweichen, im Gericht
Gottes aber nicht mehr.

Das Reich Gottes gibt es auch noch, wenn wir, die wir heute leben,
auf Erden schon längst vergessen sind.
Das Reich Gottes gibt es noch in Ewigkeit.
Das Reich Gottes ist der mächtigste Segen und der größte Reichtum,
den es gibt.
Luther hat einmal gesagt: »Mit dem Segen Gottes, mit dem Reich Gottes
ist es so: sie kommen wie ein Platzregen über das Land.«
Und wer sich nicht in diesen Regen, in diesen Segen stellt, wer nicht
einsteigt auf die Liebe Gottes, der kann dem Segen und dem Reich Gottes
irgendwann einmal nur noch wehmütig hinterher sehen.
Aus und vorbei.
Wie ein Platzregen, der übers trockene Land zieht.

Wer von uns wird denn die Chance ergreifen und Nachbarn, Freunde,
Kollegen oder Familienangehörige einladen - zu einer Evangelisation,
zu ProChrist ab dem 29. März in Neuenbürg, zu einem Leben mit Jesus?
Ich denke, der eine oder andere hat's schon getan.
Jesus will sagen: Wenn Gott am Werk ist, dann gibt es nur eine Priorität:
»Du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.«

Auch wer sonst in Glaubensdingens eher zurückhaltend ist, nicht so
leicht davon redet, hat die Möglichkeit, andere dorthin einzuladen,
andere mitzubringen, wo das Evangelium von Jesus Christus
verkündigt wird.
Jesus weiß: Es gibt 1000 Gründe ein anderes Zuvor zu sprechen,
    - daheim die Füße auf's Sofa zu legen,
    - die derzeitige Weltlage im Fernsehen zu verfolgen,
    - dieses oder jenes am Schreibtisch zu erledigen oder
    - zu sagen: Man kann ja nicht überall mitmachen.
Ja, das stimmt.

Aber Jesus sagt sehr deutlich: »Lass die Toten ihre Toten begraben.«
Will sagen: es gibt ganz bestimmt viel Gutes und Sinnvolles sonst noch
zu tun jenseits des Reiches Gottes;
aber das können wir getrost anderen überlassen, die die Brisanz des
Reiches Gottes nicht kennen, die geistlich tot sind.
»Geh du aber hin und verkündige das Reich Gottes mitten hinein in
diese tote Welt, die sich nach Leben, nach göttlichem Leben sehnt.«

Bei Jesus gibt es nur ein Zuvor, und das heißt: Reich Gottes.
Das Reich Gottes kann nicht in Wochen, Tage und Stunden in
unserem Leben eingeteilt werden.
Das Reich Gottes trennt nicht zwischen privat und dienstlich.
Das wäre fatal für uns.
Nicht zwischen Beruf und Gemeinde.

Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils (2).
Jesus will unter keinen Umständen, dass irgendjemand von uns
einmal das Nachsehen hat, dass der Zug des Reiches Gottes an
uns vorbeifährt, weil wir nicht aufgesprungen sind, sondern scheinbar
Wichtigeres vorhatten.


(3.)
Die dritte Szene: Ein Dritter in den Startlöchern der Nachfolge: »Herr,
ich will dir nachfolgen« - das sagt er ganz von sich aus! - , »aber erlaube
mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus
sind.«“

Bei dem Ersten, der Jesus nachfolgen wollte, sagte Jesus: Ȇberleg
dir das gut! Ich bin in der Welt heimatlos. Mein Weg geht ans Kreuz.
Schämst du dich meiner nicht?«
Beim Zweiten ging‘s um die Frage: »Bist du bereit, die Priorität in
deinem Leben zugunsten des Reiches Gottes zu setzen?«

Und jetzt sagt Jesus: »Pass auf, dass dich niemand und nichts aus
deinem alten Leben festhält, bindet.«

Der Abschied von Zuhause:
    - Hier noch eine Party, da noch ein Stammtisch,
    - hier noch eine Familienfete und da noch eine Umarmung mit
        Tränen in den Augen.

Ob wir's glauben oder nicht: Der Mann hat es ernst gemeint.
Er wollte wirklich brechen mit seinem Leben ohne Jesus und ihm
radikal nachfolgen, bei ihm sein.
Hut ab vor dem Mann! Und er wollte zu Hause ja auch nicht so einfach
von der Bildfläche verschwinden.
Vielleicht hätte er versucht, den Familienangehörigen und Freunden
alles zu erklären und wie wichtig ihm Jesus geworden ist.

Aber Jesus sieht messerscharf die Umarmungen der Vergangenheit:
»Nein, doch nicht, bleib noch, es war doch alles so schön! Du wirst
doch jetzt nicht fromm werden, in die Kirche gehen …«

Jesus sagt: »Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist
nicht geschickt für das Reich Gottes.«

Wir kennen das heute vom Autofahren.
Das Lenkrad bei 130 Stundenkilometern auf der Autobahn fest in der Hand.
Hinten auf dem Rücksitz macht es einen mächtigen Rumpler.
Wir drehen uns um nach rechts, um zu sehen, was passiert ist.
Und schon kommen wir auf der Überholspur der Leitplanke bedenklich nahe.
Wir verlieren die Spur.
Und das kann tödlich sein.

Der Blick zurück: Lots Frau, gerade geflohen aus Sodom, hat ihn gegen
den Befehl des rettenden Engels riskiert.
Das war ihr Ende, nachzulesen in 1. Mose 19.
»Aber es war doch so schön in Sodom: unser Haus, unser Garten,
unser Auto, die Freunde.«

Frage: Was ist unsere Vergangenheit, die Vergangenheit ohne Jesus,
eine Vergangenheit, die uns festhält, die uns immer noch fasziniert,
etwas, was wir nicht loslassen können, Menschen, die wir nicht loslassen
können?
Der fesselnde Blick zurück.

Jesus sagt: »Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist
nicht geschickt für das Reich Gottes.«
Er will sagen: »Komm! Es geht um dich.«
Und manchmal muss es Jesus hart sagen, sonst begreifen wir‘s nicht.

Eine Frage zum Schluss: Sagt Jesus zu den drei Nachfolgewilligen
überhaupt etwas Positives? Oder brüskiert er sie nur?

Glauben Sie mir: Alle drei Worte Jesu sind nicht nur positiv gemeint,
sondern sie sind positiv!

»Überleg dir's gut! Dann aber komm! Du sollst bei mir,« sagt Jesus,
»die ganze Wucht des Reiches Gottes erleben.
Du bist ausersehen in dieser Welt, das Reich Gottes zu verkündigen.
Du auf deine Weise.
Leg deine Hand an den Pflug und schau nach vorne. Folge mir!«

Wenn das nichts ist! 
Amen.


Anmerkungen:
(1)  Matthäus 10, 24
(2)  2. Korinther 6, 2




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 12.09.2018
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis für junge Erwachsene bei Katrin
Donnerstag, 13.09.2018
9:00 Uhr:
Schulanfägner-Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)