2009-01-18

Predigt über Johannes 2,1-12 / Pfarrer Gottfried Holland, Schwieberdingen

Liebe Gemeinde! 

3 Milliarden Menschen nennen sich nach einem einzigen Menschen: Jesus Christus! Was ist das für eine Persönlichkeit, die sich innerhalb von wenigen Jahrhunderten so durchgesetzt hat? Hunderttausende von Christen kommen an diesem Sonntagmorgen hier in Deutschland in verschiedenen Gottesdiensten zusammen, um auf einen Abschnitt zu hören, der bald 2.000 Jahre alt ist. Wer steht hinter diesen Berichten? 

 

Wenn wir jetzt nach draußen gehen und eine Umfrage machen würden, dann kämen sicherlich unterschiedliche Aussagen zusammen: Die einen würden sich für Jesus Christus stark machen, andere würden ihn als längst vergangene Person bezeichnen, und wieder andere würden vielleicht sagen: »Dieser Jesus ist für mich eine Spaßbremse! Mit dem kann man doch nicht leben!«

 

Wir wollen dies heute zum Thema machen: »Jesus Christus und ich« soll über dieser Predigt stehen.

 

Was ist das für eine Person, die uns dort begegnet? Ist er wirklich so ein Spielverderber oder gar ein Asket, wie manche meinen?

 

Lassen Sie uns doch einmal in die Bibel schauen und sie selbst erzählen lassen, wer Jesus für uns sein will.

 

Wir hören den Predigttext aus Johannes 2,1-12:

1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. 2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. 3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus spricht zu ihr: Was geht's dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. 6 Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße1. 7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. 8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. 9 Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam - die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam 10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. 11 Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. 12 Danach ging Jesus hinab nach Kapernaum, er, seine Mutter, seine Brüder und seine Jünger, und sie blieben nicht lange da.“

 

1. Mit Jesus leben

 

Eine Hochzeit in Israel war etwas Besonderes. Keine Rede von Samstagmittag um 14.30 Uhr wie bei uns in Deutschland. Nein, eine Hochzeit bedeutete im alten Israel so viel, dass man es sich nicht nehmen ließ, sie gebührend zu feiern. Ein Tag? Sieben Tage wurde gefeiert! 

An jedem Tag kamen Gäste – manchmal dieselben, aber immer wieder auch neue. Eine Mammutveranstaltung für die Braut- und Bräutigameltern, aber besonders für das Hochzeitspaar. Zu einer Hochzeit wurden neben den Freunden auch die Verwandten, Bekannten, ja auch die Dorfbewohner eingeladen. 

 

So auch Maria, die Mutter Jesu. Warum? – das wissen wir nicht, aber sie ist bei dieser Hochzeit dabei und Jesus ist mit eingeladen. Der Gastgeber sah in ihm wohl schon einen Rabbi, denn wie wäre es sonst zu verstehen, dass die Jünger, die Schüler Jesu mit eingeladen waren? Vermutlich war der Gastgeber sich bewusst, dass Jesus wie ein Wanderrabbiner Menschen um sich geschart hatte, die er schulte.

 

Und Jesus? Lehnt er diese Feier ab? Zu weltlich? Nun geht es doch um ein geistliches Anliegen. Der Sohn Gottes auf einer »Party«? All dies scheint kein Thema gewesen zu sein. Jesus lässt sich einladen. 

 

Auch wenn er sich seiner Sendung bewusst war, lebte Jesus doch in dieser Welt. Er lehnte das Leben mit seinen Ereignissen nicht ab, er war nicht weltfremd, weltabgewandt – er war Mensch: wahrer Mensch. Er nahm teil am allgemeinen Leben.

 

Was für eine gute Idee des Gastgebers: Jesus ist beim Fest mit dabei. Mitten ins Leben hineingenommen, ist dieser Jesus einer zum Anfassen.

 

Auch wir dürfen Jesus einladen! Unser Leben können wir mit ihm gestalten. Wir brauchen keine Sorge zu haben, dass Jesus ein Spielverderber sei, sondern Jesus nimmt das Leben, das der Mensch von Gott geschenkt bekommen hat, an – mit allen Facetten. Er will mit uns leben, Teil unseres Alltags sein.

 

Dabei brauchen wir, dürfen wir keinen Bereich unseres Lebens ausklammern. Ob Ehe, Familie oder Beruf, Freizeit, Sport, Finanzen oder Schule, es gibt keinen Bereich von dem Jesus sagt: »Na, lass mich doch bitte mit dieser Nebensächlichkeit in Ruhe! Ich habe viel Wichtigeres zu tun!«

 

Er ist mitten in meinem Leben dabei, wenn ich ihn nur dazu einlade.

 

 

2. Mit Jesus rechnen

 

Eine kleine Krise stellt sich ein! Eine kleine? Nein, eigentlich ist es eine kleine Katastrophe, eine schlimme Peinlichkeit: Das Getränk geht aus. Und dies in einer Gesellschaft, in der die Gastfreundschaft zu den ersten Pflichten gehört. Was war der Grund? Hatte der Gastgeber gegeizt? Hatte er mit weniger Gästen gerechnet?
Hatte er selbst Schuld oder waren die Jünger Jesu einfach nicht mit gerechnet gewesen? 

 

Wir wissen es nicht. Tatsache ist, dass Maria mit feinem Gespür erkennt, dass da etwas nicht in Ordnung ist. Warum aber spricht sie Jesus an? Ahnte sie etwas von der Macht Jesu? Ich glaube schon – sonst hätte sie wohl kaum die Diener des Gastgebers angewiesen, auf Jesus zu hören.

 

Jesus aber reagiert sehr deutlich! „Was ist zwischen mir und Dir?“ so könnte man die knappe Antwort Jesu übertragen. Was steht dahinter? Will Jesus doch nicht etwa verletzen? Nein sicher nicht! Ich glaube, dass Jesus wusste: Hier steht ein Mensch vor mir, der menschlich denkt – auch wenn es meine Mutter ist. Gott aber soll mir den Zeitpunkt zeigen, an dem ich das erste Mal mit einem Zeichen, mit einem Wunder an die Öffentlichkeit trete, um den Menschen zu zeigen: Ich bin Gottes Sohn, ich bin der Messias, der Christus. Ja, ich bin nicht nur ein Mensch, nicht nur ein Vorbild. Ich bin Gottes Sohn selbst.

Deshalb wohl diese scharfe Zurechtweisung Jesu.

Und Maria? Die lässt sich nicht beirren. Sie rechnet mit Jesu Eingreifen: »Tut, was er Euch sagt!« weist sie die Diener an und stellt damit klar: Er kann was tun. Er kann eingreifen. Sie rechnet mit Gottes Eingreifen durch Jesus in diese Welt.

 

Liebe Gemeinde! Auch in unserem Christenleben bleiben Katastrophen nicht aus. Ich denke jetzt nicht an das Gemeindemittagessen, bei dem die Pommes ausgehen. Ich denke auch nicht an die Feier zur Taufe, wenn die Suppe kalt geworden ist. Nein ich denke an richtige Lebenskatastrophen. 

 

Lassen Sie sich nichts Falsches versprechen: Wer Jesus in sein Leben einlädt, der hat keinen Talisman gefunden, der ihn schützt. Nein! Er kann wirklich in Lebenskrisen kommen, die ihresgleichen suchen. Aber wir können mit Jesus rechnen. Lassen wir doch Maria uns als Vorbild dienen. Sie sah nichts vom Eingreifen Jesu. Ja, sie musste seine Worte sogar als Abfuhr hinnehmen. Aber trotzdem bleibt sie dran: »Ich rechne mit Dir. Ich glaube, dass Du in mein Leben eingreifen kannst«.

 

Glauben wir so? Rechnen wir mit dem Eingreifen Jesu? Ja, wende ich mich überhaupt an Jesus, um mir helfen zu lassen?

 

Ich denke, dass alles Beten in dieser Welt ziemlich überflüssig wäre, wenn wir nicht davon ausgehen würden, dass Gott eingreifen kann. Er ist der Schöpfer, deshalb kann er auch Dinge in Bewegung setzen – gerade da, wo menschliche Hilfe am Ende ist. Was wäre dies für ein schwacher Schöpfer, der nach der Schöpfung die Welt sich selbst überlassen müsste, weil er nicht eingreifen könnte!

 

Glauben wir doch, vertrauen wir doch darauf, dass Jesus Christus auch gegen den äußeren Augenschein eingreifen kann.

Und wenn er es nicht tut? Wenn die Zeit verrinnt und nichts geschieht? Was ist – im Extremfall – wenn der Tod schneller ist? Ist dann nicht doch alles „Mit Jesus rechnen“ umsonst gewesen? Vergebliche Liebesmühe? Ist dann nicht doch Jesus zu schwach gewesen, zu fern, abwesend – oder sogar abweisend?

 

Lassen wir einen Augenblick dies mal einfach so im Raum stehen. Wir kommen gleich nochmals drauf. Ja, es gibt den Augenblick, z.B. wenn der letzte Atemzug getan wird, wo es aussieht, als ob alles mit Jesus rechnen umsonst war. Trotzdem gehen wir zum dritten Punkt:

 

(3.) Mit Jesus feiern

 

»Passt nicht« – werden Sie rufen. »Wir waren doch gerade am Punkt, dass wir Gottes Eingreifen nicht erleben – wie kommen Sie jetzt dazu, vom Feiern zu reden?«

Nehmen wir uns doch nochmals die Geschichte vor.
Jesus lässt die Wasserkrüge füllen. Aus purem Wasser wird bester Wein. Jesus versteht es, Freude ins Leben der Gäste zu bringen. Ja sogar Verwunderung, denn jetzt kommt der beste Wein auf den Tisch. Statt einer Peinlichkeit entsteht Jubel. 

 

Das will Jesus auch in unserem Leben werden lassen. Schauen Sie mal zurück in Ihr Leben. Gab es nicht Augenblicke, in denen Sie spürten, dass Gottes Arm in diese Zeit hineinreicht? Haben Sie nicht auch schon die tiefe Wahrheit von Paul Gerhardts Lied erfahren? Da dichtet er: »Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann!« (1). Haben Sie dies nicht auch schon so erfahren? Welch ein Jubel, wenn es deutlich wird: Er will mit uns feiern, er lässt uns nicht allein in der Sorge zurück!

 

Und wenn scheinbar doch? Wir kommen auf die Frage von vorher zurück. Was ist, wenn er scheinbar nicht eingreift? Wenn es kein Wunder gibt? Wenn der Tod kommt?   

 

Dann will Jesus trotzdem, ja erst recht mit uns feiern! Es gibt ein Festmahl, auf das wir Christen zugehen: Das große Mahl, wenn er wiederkommen wird, um diese Erde zu erneuern. Dort wird deutlich werden, was wir jetzt noch nicht klar erkennen können: Jesus Christus lädt uns zu seinem Fest ein und alle anderen Feste sind im Vergleich zu diesem Fest nur wie Wasser im Vergleich zu Wein.

 

An diesem Fest werden alle Tränen abgewischt werden. Da wird es kein Leid und kein Geschrei mehr geben.
Dort werden wir bei Jesus sein dürfen.

 

Liebe Gemeinde! Wie ist dieser Jesus Christus eigentlich? So hatten wir zu Beginn gefragt. Ganz einfach: Der Herr dieser Welt lebt mit mir, ich kann mit ihm rechnen und er wird mit mir das letzte Fest feiern.

Dafür lohnt es sich, ihm heute schon zu vertrauen und nachzufolgen. Amen.

 

Anmerkungen:

(1)  EG 361, 1




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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