2008-12-14

Predigt über Matthäus 11,2-6 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen 3. Adventssonntag aus Matthäus 11, 

die Verse 2-6

2 Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, 

sandte er seine Jünger 3 und ließ ihn fragen: Bist du es, der da 

kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? 4 Jesus 

antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, 

was ihr hört und seht: 5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige 

werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das 

Evangelium gepredigt; 6 und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“

 

 

Liebe Gemeinde, 

während der Zeit in meiner früheren Stelle bei der Militärseelsorge

war ich viel mit der Deutschen Bahn unterwegs. 

Auf vielen Bahnhöfen musste ich warten auf einen Anschlusszug 

und da sind mir immer wieder Blinde oder sehbehinderte Menschen

begegnet. Manche hatten einen Blindenhund bei sich, 

andere sind begleitet worden von jemand, der sie geführt hat: 

- durch die Massen von Menschen, 

- durch Stimmen und Gerüche, die selbst gesunde 

Menschen ganz schön verwirren bringen können. 

Doch wieviel mehr blinde Menschen!

 

Aber seltsam: Die meisten Blinden, die ich getroffen habe, die sind 

mir gar nicht so hilflos vorgekommen. 

Ich denke da an einen, der ganz still gestanden ist auf einem 

lauten Bahnsteig und dem ich, weil er so plötzlich vor mir aufgetaucht

ist, in die Augen schauen musste. 

Seine Begleitung war offenbar kurz weggegangen um irgend etwas

zu besorgen oder zu organisieren. 

 

Doch ich habe schnell gemerkt: Für diesen Mann waren die vielen 

Geräusche von den quietschenden Bremsen der Züge, das Geklappere

der Kofferkulis und das ganze Stimmengewirr kaum von Bedeutung:

Er wartete einfach. 

Er wartete geduldig und voller Ruhe. 

Kein Zweifel war auf seinem Gesicht zu sehen, dass der Begleiter

vielleicht nicht wiederkommen könnte. 

Fast schon Vorfreude darauf konnte man auf seinem Gesicht ablesen!

Eigentlich unglaublich!

Aber müsste nicht auch das Adventsgesicht eines Christen eigentlich

so aussehen?

 

Wenn wir heute von Johannes dem Täufer hören, dann kommen mir

dazu drei Gedanken: 

 

1. Johannes - als Bote ein Beispiel.

2. Johannes - von Fragen gebeutelt. 

3. Johannes - am Wort Gottes aufgerichtet.

 


Zum 1. Johannes - als Bote ein Beispiel!

Voller Vertrauen zu warten, das konnte auch Johannes der Täufer.

Er, der Sohn des Zacharias. 

Schon seine Eltern mussten sich im Warten üben

und so war auch er in die Messiaserwartung seines Volkes als 

Priestersohn hinein gewachen. 

Mit seinem Auftreten und Predigen stieg die Spannung weiter: 

Bald müsste es jetzt soweit sein, dass Gottes Herrschaft sich Bahn 

bricht und der Verheißene das Ruder in die Hand nimmt. 

 

Für  ihn, für Jesus, auf den sich alle Erwartungen Israels seit Jahr-

hunderten gerichtet haben, war Johannes bereit sich mit Haut und 

Haaren zu engagieren, aber auch wieder zurückzutreten, wenn die 

Zeit für den weit Wichtigeren da war. 

 

Und so war der Tag gekommen, an dem sich die beiden am Jordan

begegnet sind und sich ihnen beiden der Himmel auftrat und das 

besondere  Wissen durch eine Erscheinung bestätigt worden ist: 

- Dieser Jesus ist der Christus!

- Die Hoffnungen waren dabei sich zu erfüllen!

 

So eindeutig Johannes Jesus erkannt hat, so eindeutig fällt auch 

dessen Lob für ihn aus:

Johannes der Täufer war alles andere als ein Fähnchen im Wind. 

Er hat nicht das sichere Polster des Wohlstands gesucht, nein, 

im Gegenteil: Er hat buchstäblich Kopf und Kragen riskiert damit, 

dass er seinen Mund auch vor dem gottlosen Machthaber seiner

Zeit nicht gehalten hat. 

Der, dessen Leben ganz offensichtlich im Widerspruch zu den 

Geboten Gottes stand, musste den Umkehrruf hören, 

musste die Möglichkeit haben, sich auf das Kommen des 

Messias vorzubereiten. 

Johannes wollte einmal nicht die Verantwortung für dessen Verurteilung 

im Gericht Gottes tragen, nur weil er ihm nicht deutlich genug gesagt

hat, „was Sache ist“. 

 

Die Dringlichkeit der Nähe des Messias hat die Täuferbotschaft so 

dringend gemacht. 

Und Johannes hat sich nicht geschont. 

Es ist das Besondere am Advent, dass er Licht in eine Welt bringt, 

die nicht hell, sondern gerade dunkel ist, 

in eine Welt, in der das Sehnen groß und die Erwartung reif ist. 

Auch heute ist das so: 

Die Menschen haben eine große Sehnsucht nach „Heil“, nach 

geheilten Beziehungen und einer Welt, in der wenigstens ein bischen 

Friede herrscht. Aber wir dürfen ihr das Licht nicht vorenthalten, das 

gerade das Böse im Herzen und Tun des Menschen an der Wurzel 

beseitigen kann. Und deshalb kein harmloses Licht ist. 

Johannes steht dafür: Er hat zur Umkehr gerufen zur Zeit und zur Unzeit. 

Weil alles andere nicht zum Messias führt, sondern Betrug ist. 

Johannes - als Bote ein Beispiel noch heute!

 

 

2. Johannes - von Fragen gebeutelt!

Aber dann ist alles doch ganz ganz anders gekommen. 

Während die Kritik der geistlichen Oberschicht ihn nicht aus dem 

Tritt gebracht hat, solange er damit gerechnet hat, dass er selber einmal

„überholt“ werden würde von Jesus, 

während er seine Verhaftung durch Herodes akzeptieren konnte, 

hat ihn umgetrieben, was er vom Messias im Gefängnis zu hören bekommt: 

Entpuppt sich der künftige Weltenherrscher doch als schlichter 

Wanderprediger!

 

Zwar hat er von diesem und jenem Wunder gehört, aber in der umfassenden

Weise, wie es Johannes erhofft hat, hat es noch immer keine Veränderung

gegeben!

Ob auch Jesus aus Nazareth nur wieder ein Vorläufer war, vielleicht mit 

einem anderen Aufgabenschwerpunkt?

Ob das Warten nun doch noch kein Ende hatte?

 

Ich denke mal, es wäre Johannes Recht gewesen, wenn der Messias ihn 

aus dem Kerker der Machaerus-Festung heraus geholt hätte!

Fixiert auf sein persönliches Wohlergehen war er aber auch wieder nicht. 

Die Frage, die ihn umtreibt, betrifft nicht nur das Jetzt der Gefangenschaft

und der drohenden Enthauptung, sondern sein Fragen betrifft seine

ganze Wirksamkeit, sein Predigen, Taufen, Strafen und Trösten, 

die Verantwortung für seine Jünger, die er so und nicht anders 

gelehrt hat. 

 

Für Johannes steht alles auf dem Spiel: Hatte er sich womöglich getäuscht?

Hatte er die Schrift richtig ausgelegt und den Menschen im richtigen 

Moment Hoffnung gemacht?

Oder hatte er seinen Gott falsch verstanden und ganz viele Menschen 

auf eine verkehrte Spur gesetzt?

 

Das Fragen erschüttert den Mann mit der felsenfesten Überzeugung

bis ins Mark. 

Es ist das Besondere am Glauben, dass er wartet und vertraut,

gerade dort, wo man nichts mehr sieht - und um diesen Glauben 

ringt Johannes. 

Kann er sich wieder sicher sein?

Ging es Ihnen vielleicht auch schon einmal so? Für mich gab es so 

eine Zeit am Anfang des Theologiestudiums, als die einen gesagt haben:

Ach was, das mit Weihnachten, mit Jungfrauengeburt, das ist doch alles

Kinderglaube! Ob es wirklich so war, das ist doch gar nicht wichtig. 

Bis ich gemerkt habe: Wenn ich versuche, im Zweifel Antworten bei mir 

und meinen Gedanken zu suchen, dann gibt es weder keine Gewissheit

mehr und alles ist im Fluss ...

 

Der Weg dagegen, den Johannes geht, um wieder Klarheit zu bekommen, 

ist dagegen der einzig richtige: Er wendet sich an Jesus selber!

 

Und deshalb 

 

3. Johannes - am Wort Gottes aufgerichtet!

Und sehen Sie: Jesus kommt Johannes hier an der richtigen Stelle 

entgegen: Er führt ihn zurück zum Fundament seines Glaubens, 

dem Wort Gottes. 

 

Im allem Streit um seine Person hatte Johannes genau das festgehalten: 

Ich bin nur der Bote des nach mir Kommenden „wie es geschrieben steht“. 

„Wie es geschrieben steht“, so hat er seinen Zuhörern den Kommen-

den immer vor Augen gemalt. 

Und Jesus lässt ihm schlicht sagen: Es geschieht genau das, „was ge-

schrieben steht“. 

 

So, wie Jesus selber sich bei seiner Versuchung durch Satan (Matthäus 4)

mit einem Gotteswort zur Wehr setzt, so gibt er Johannes seine Sicher-

heit zurück, indem er ihn an das Gotteswort erinnert. 

Jesus hat von Johannes nicht mehr verlangt, als er in dieser Situation

fassen kann. 

Er kritisiert nicht, er bekennt nicht, er verteidigt sich nicht, 

er lädt nur ein: Komm, hör und sieh!

 

Nur so kann der Glaube wieder Tritt fassen, nur so kann sogar ein 

Johannes beruhigt sterben ...

Denn er hat es bis in die letzte Faser seines Herzens gelebt. 

Wenn nur der Messias freie Bahn hat, 

wenn nur ER den Weg zu den Menschenherzen vorbereitet findet, 

dann kann Johannes sich freuen, ganz gleich, ob ihm selber alles

andere entgleitet ...

 

Es ist das Besondere an Jesus, dass er wohl anders ist, 

als wir es erwarten, aber in jedem Fall so, wie sein Wort es verspricht. 

Das zu prüfen lädt er ein, damit der Glaube fest werde, 

der Glaube, der dann auch wieder warten kann. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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19:45 Uhr:
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Freitag, 19.10.2018
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Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
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