2008-11-30 1. Advent

Predigt über Römer 13, 8-14 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Unser Predigttext heute, liebe Gemeinde, hat auf den ersten 

Blick so gar nichts Adventliches an sich. Und trotzdem wurde er 

schon in der Zeit der Alten Kirche - als Adventstext - gelesen. 

Er steht im Brief des Apostels Paulus an die Römer, 

Kapitel 13, die Verse 8-14

"Seid niemand etwas schuldig, außer, daß ihr euch untereinander

liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt. 

Denn was da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst

nicht töten; du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren, 

und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort 

zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich 

selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. 

So ist nun die Liebe - des Gesetzes Erfüllung. 

Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich, dass die Stunde da

ist, aufzustehen vom Schlaf.

Denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 

Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. 

So laßt uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen 

die Waffen des Lichts. Laßt uns ehrbar leben wie am Tage, 

nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, 

nicht in Hader und Eifersucht;

sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den 

Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt."

 

 

Liebe Gemeinde,

ein Chamäleon hat die Eigenschaft, seine Farbe immer wieder neu

seiner Umgebung anzupassen. 

Und es tut das, um möglichst wenig aufzufallen und auf diese Weise

seinen natürlichen Feinden zu entgehen ...

 

Der Literat Mark Twain soll einmal eines in sein Arbeitszimmer

mitgenommen und auf einen bunten Teppich gesetzt haben   

um dann zu beobachten, wie das grüne Tier damit  fertig wird.  

Aber etwas Unerwartetes ist geschehen: 

Das Chamäleon ist schon nach kurzer Zeit gestorben. 

An diesem diffusen Veränderungsstress! 

 

Auch Christen - z. Zt. des Paulus wie heute - sind ihrer Umwelt 

ausgesetzt. Und viele reagieren darauf nicht anders wie ein 

Chamäleon, durch ständige Anpassung:

- Bin ich in der Gemeinde, sehe ich so aus, 

bin ich draußen, dann wechsle ich schnell meine Farbe.

Aber hier wie dort geht damit dem Leben das Licht aus, 

ich meine dem geistlichen Leben. 

Weil weder ein Mensch noch eine Gemeinde alle Farben, die 

es gibt, einfach integrieren kann. 

 

In dieser Adventszeit ermahnt und ermuntert uns deshalb Paulus, 

den Zustand der Uneindeutigkeit zu überwinden. 

Er will uns aufrütteln zu einer von Gott gewollten und 

auf Zukunft angelegten Lebensordnung. 

Eine Lebensordnung ganz eigener Art, von der er sagt, dass sie 

kommt "aus Glauben" und gelebt wird "im Glauben" (1).

 

Was der Apostel Paulus schreibt (von der Liebe und dem Nächsten), 

das schreibt er nicht all denen, die sich ihre eigene Lebensordnung 

basteln und das ganz gut finden, sondern ausdrücklich (Röm 1,7+8): 

"den Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom"

von deren Lebensweise schon damals "alle Welt" sprach (V8).

Denn Christen sind zu allen Zeiten aufgefallen!

Allerdings gerade nicht wegen ihrer Verwandlungsfähigkeit, sondern 

durch Eindeutigkeit und Unverwechselbarkeit! 

 

Vom Staat und der Gesellschaft können wir das nicht in gleicher

Weise erwarten. 

Geht es doch beim Staat zunächst um eine weltliche Ordnung. 

Während die Nachfolge Jesu Sache jedes Einzelnen ist. 

 

Umso mehr gilt die Frage aber uns: 

Sind wir solche Menschen, die "durch den Glauben [und der ist auch -

eine klare Position!] - in der Liebe tätig sind"? (2) 

Wenn ja, dann fragt uns der Apostel Paulus heute, ob wir bereit sind, 

unseren Hang zur Anpassung an die Maßstäbe der Welt (also das 

bekannte Chamäleon-Verhalten) und damit unsere Uneindeutigkeit

aufzugeben,  weil der Tag des HERRN bevorsteht!? 

 

Drei Akzente des Bibelwortes will ich heute morgen herausgreifen:

1. Anerkennt, was selbstverständlich ist!

2. Die Liebe bringt alles auf einen Nenner! 

3. Lebt auf Gottes Ziel zu! (seinen Advent in Macht und Herrlichkeit)

 

 

Zum 1."Anerkennt, was selbstverständlich ist!"

"Seid niemand etwas schuldig!" sagt uns heute morgen der 

Apostel Paulus. "Sorgt für klare Verhältnisse!" ...

 

Das ist zunächst einmal eine Verhaltensregel, die nicht mehr verlangt, 

als ein vernünftiger Mensch leisten kann. 

Paulus denkt dabei an die Pflichten, die auch Christen gegenüber

Staat und Gesellschaft haben. Sie sind Staatsbürger wie jeder

andere und müssen als solche die Gesetze beachten: 

Nehmen wir z. B. die Pflicht zu einer wahrheitsgemäßen Steuer-

erklärung. 

 

Schon im Abschnitt vorher hat Paulus gesagt: 

Für Christen sollte sie eine Selbstverständlichkeit sein!

Und zwar ganz egal, ob es heute eher als Volkssport gesehen wird, 

das Finanzamt hinter's Licht zu führen!

Für Christen geht das nicht.

Sie sollen zum Selbstverständlichen stehen!

In allem, was sie reden und tun, ein Zeugnis für Jesus sein. 

 

Dabei sind unsere Verantwortlichkeiten und Pflichten dem demo-

kratischen Staat gegenüber noch erheblich größer geworden!

Und gerade Christen können sich hier nicht ausklinken 

oder versuchen, in einer Sonderwelt zu leben. 

Sondern sie sollen "leben wie am Tag", ermahnt der Apostel 

Paulus. Christen sollen sich nicht der Farbe der Nacht 

anpassen! 

 

Warum das eigentlich? - Um ein Musterbürger (Spießer) zu sein? 

Nein! Einzig und allein "um eures HERRN willen", sagt Paulus (3). 

Das ergibt eine ganz andere Sicht der Dinge:

Ich erkenne nämlich, dass es zum Wesen des neuen Menschen 

gehört, der aus Gott geboren ist, eindeutig, wahr und klar zu sein 

und deshalb auch 

- staatliche Ordnungen zu achten (oder)

- sich zwischenmenschlich als zuverlässig zu erweisen (und)

- anderen uneigennützig zu helfen. 

 

Aber an dieser Stelle geht Paulus noch einen Schritt weiter und 

sagt: "(Denn die) Liebe schuldet ihr einander immer!"

 

 

2. Die Liebe bringt alles auf einen Nenner. 

Vielleicht denken Sie jetzt: Natürlich ist das so! 

Auf die Liebe kommt es natürlich an!

Aber was kann man dazu Besonderes sagen?

Auch Nichtchristen können dem ohne weiteres zustimmen:

Die Liebe ist ganz wichtig ... 

 

Und trotzdem: Wenn Paulus hier feststellt: "Liebe schuldet ihr 

einander immer!", dann geht er damit über das, was alle meinen, 

weit hinaus, will sagen: 

Mit der Liebe kommt ihr nie an ein Ende!

Und das muss so sein!

 

Weil Liebe, die Gott gibt (griech. "agape") und nur die ist hier 

gemeint, eine unerschöpfliche Liebe ist! 

Sie ist zunächst einmal die Liebe, die Gott uns erweist, indem 

er seinen Sohn für unsere Sünden am Kreuz sterben ließ, 

die Liebe, die eine göttliche Kraft ist, so dass sie uns erneuern

kann in der Tiefe unseres Wesens. 

Aber gerade deshalb auch zurückhallen muss wie das Echo 

in eine dunkle Welt hinein, in Familien, Schulen, Fabriken und 

Kasernen, ja in alle Bezüge des Lebens. 

 

"Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wirkt sie fort

in Tat und Wort hinaus in unsere Welt" (4)

Sie kennen dieses bekannte Lied ...

 

Will sagen: Ein Mensch, der in seinem Leben den Advent Gottes 

erlebt hat, der kann gar nicht der "Alte" bleiben.

Gott selbst macht ihn fähig, sogar den zu lieben, den er eigentlich

nicht lieben kann. 

Was auch bedeuten kann, ihn liebevoll zurecht zu weisen. 

Auf keinen Fall aber ihn links liegen zu lassen, wie es uns das

natürliche Denken und Empfinden lehrt. 

 

So gilt bis heute:

Wo Gott durch seine verändernde Liebe Menschen zusammenbringt

und sie im Glauben (und als Gemeinde, die demselben HERRN Jesus

Christus nachfolgt) im Innersten verbindet, 

da wird diese Liebe ausstrahlen in das Dunkel dieser Welt. 

Und die Menschen werden es sehen 

und als Wegweiser zu Gott erkennen. 

 

Nur Gottes Liebe schafft es, 

die an sich unerfüllbaren Gebote Gottes auf einen Nenner zu bringen!

 

 

3. Lebt auf Gottes Ziel, seinen Advent, zu!  

Lasst euer Verhalten vom Ziel her neu bestimmen!

Weil "jede echte Hoffnung gestaltend wirkt auf die Gegenwart" !

Weil "jede echte Hoffnung gestaltend wirkt auf die Gegenwart" !

Das ist ein Satz Friedrich Bodelschwinghs, der gerade auch durch 

unser Bibelwort heute mit Inhalt gefüllt wird. 

Da gilt es zum Beispiel ...

- Die Zeit zu erkennen

Will heißen: Christen sollen "Wissende" sein im Blick auf 

die Zeit, in der sie leben. 

Sie sollen die "Zeichen der Zeit" erkennen und deuten. 

Und sich nicht abhängig machen von populären Meinungen.

Ihnen wird zugemutet, die aktuellen Zeitströmungen (5)

beurteilen zu können, weil sie die von Gott festgesetzte 

Zeit und Stunde kennen (6).

Denn das ist ihr Tag, zu dem sie gehören. 

 

Und die ersten Anzeichen des kommenden Tages können

sie sehen: Kreuz und Auferstehung, Pfingsten, das 

Geheimnis der Gemeinde. 

 

Allerdings stehen sie noch mitten in der Spannung: 

Weil die Vollendung noch aussteht!

 

Paulus ermahnt uns hier, den Advent Gottes [seine 

Wiederkunft] mit Glaubensgewißheit fest im Auge zu 

behalten. Auf diesen Tag gilt es eindeutig und klar 

zuzuleben! Deshalb sein Aufruf:

 

- Vom Schlaf (auf-)zustehen!

Putzmunter sollen wir werden. 

Und nicht im Nachthemd [oder Halbdusel] dem Tag 

entgegentorkeln, an dem der auferstandene HERR kommt. 

Denn viele sind tragischerweise am Eindösen oder 

lassen sich einlullen [vom Zeitgeist], passen sich 

schleichend ihrer Umwelt an (wie das Chamäleon). 

Obwohl das unmöglich geht. 

 

Ob wir geistlich wach sind oder eingeschlafen in unserer 

Erwartung [und Zielsetzung], das macht den Unterschied!

Deshalb ruft uns Paulus zu:

 

- Steht auf! Vollzieht einen Wechsel!

Legt das Alte ab und zieht Christus ganz neu an!

Ablegen sollen wir die "Werke der Finsternis". 

Ein Bild, das besagt:

Wie das Leben und Arbeiten "bei Tag" seine eigenen 

Gesetze hat, so auch das Leben bei Nacht.

 

Nach den Gesetzen des Nachtlebens leben sollen

Christen nicht, sondern umgekehrt ablegen, was im 

hellen Licht Gottes nicht bestehen kann (wir haben die 

Beispele des Paulus gehört).

 

Zu leben "bei Tag" ist auch für Christen kein harmloser 

Spaziergang. Wir alle kennen das.

Und deshalb hilft: Vorsehen und sich immer wieder 

bewusst machen!

Vor allem aber gilt es, eine neue Robe anzuziehen, 

eine, deren Farben festgelegt sind auf das Leben bei

Tag und die zugleich schützt, wärmt und kleidet:  

"den HERRN Jesus Christus". 

 

"Christus anziehen" heißt, von ihm neu eingekleidet sein, 

Christus in die Welt zu tragen, damit sein Reich allen bekannt wird

und sie selbst vom Dunkel der Hoffnungslosigkeit ins Licht des 

Advent treten. 

 

Licht und Dunkel aber können sich nicht auf halbem Wege begegnen. 

Deshalb mahnt Paulus die Christen mit großem Ernst:

"Lebt im Licht!" (und ich zitiere den Schluß des 1. Korintherbriefs (7):

"Wachet, steht im Glauben, seid mutig und stark.

Alle eure Dinge laßt in der Liebe geschehen!" 

Amen.

 

Anmerkungen

(1) Röm 1,17

(2) Vgl. Galater

(3) vgl. 1. Petr 2,13

(4) EG 637 (M. Siebald)

(5) vgl. griech. "chronos"

(6) vgl. griech. "kairos"

(7) 1. Kor 16,13f

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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