2008-11-16

Predigt über 2. Korinther 5,1-10 / Pfarrer Thomas Epple, Altheim

 

Liebe Gemeinde,

Gottes Wort überrascht und fasziniert immer wieder in seiner Anschaulichkeit. Unser Predigttext stellt uns heute solch ein griffiges Bild vor:

Das Bild eines abbruchreifen Hauses auf der einen, und die Vorstellung eines  herrlichen Neubaus auf der anderen Seite.

Ich lese den Predigttext aus 2. Korinther 5, 1–10:

„Sehnsucht nach der himmlischen Heimat

1 Denn wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 2 Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, 3 weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. 4 Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. 5 Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. 6 So sind wir denn allezeit getrost und wissen: solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; 7 denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. 8 Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. 9 Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen. 10 Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.“ 

 

 

Baufällige Häuser sowie der bezugsfertige Neubau gehören durchaus zu unserem Alltag – gerade bei uns Schwaben. Immer wieder erleben wir es in unseren Orten, dass ein Altbau im großen Stil saniert werden muss. Da ist etwa das Mauerwerk feucht und die Dichtigkeit der Fenster und Türen lässt sehr zu wünschen übrig. Manchmal kommt es jedoch auch vor, dass sich eine Instandsetzung trotz aller Anstrengung nicht mehr lohnt. Dann gibt es nur noch eine Möglichkeit, ein Abriss. Bald schon kommt der Abbruchbagger. Unter seinen wuchtigen Schlägen fällt das Haus in sich zusammen. Zurück bleibt ein Trümmerhaufen.

 

Die Bewohner mussten sich nach einer anderen Bleibe umsehen. Für sie sind mit einem Mal die Zeitungsanzeigen interessant geworden, mit denen für neue Häuser geworben wird. Was wird in solchen Inseraten nicht alles versprochen: 

Schlüsselfertiger Neubau in Toplage nach der neuesten Energiesparverordnung errichtet. Wunderschöne, unverbaute Aussicht. Auch für den Altersruhesitz bestens geeignet.

 

Baufällige Hütte – nach Paulus ist genau dies unsere 

Erfahrung, wenn wir unseren Leib und unsere Lebensumstände betrachten.

 

Doch dies ist nur die eine Seite. Als Christen leben wir in der Hoffnung auf einen bezugsfertigen Neubau, nämlich das ewige Leben in der sichtbaren Gegenwart Gottes.

Doch ist dies keine fromme Vertröstung auf eine ferne Zukunft. Unser Predigtwort sagt uns: Diese Hoffnung auf das Haus im Himmel hat heute schon auf unser Leben eine dreifache konkrete Auswirkung: 

Es wartet ein bezugsfertiger Neubau. Das weckt die Sehnsucht – das schenkt Durchhaltekraft – das ruft in die Verantwortung.

 

1. Es wartet ein bezugsfertiger Neubau – das weckt die Sehnsucht

Paulus war ständig Widerständen und Anfeindungen ausgesetzt. Gerade in seinen Briefen an die Gemeinde in Korinth wird deutlich, wie ihm der Wind der Kritiker zuweilen rau ins Gesicht geblasen hat. Immer wieder zählte er auf, welche Kämpfe er täglich zu bestehen hatte. Diese Mühen weckten in ihm die Sehnsucht nach der himmlischen Heimat, nach einem ewigen Ruheort.

 

Auch bei uns erfahren viele Menschen, dass das Leben vorläufig und begrenzt ist. Da ist der Unfall, der gesundheitliche Folgen nach sich zieht, die nicht mehr ganz gut werden. Da bricht die schwere Krankheit aus, die das Leben von heute auf morgen verändert. Und wer älter wird, macht die Erfahrung: Mit der Zeit stellen sich Beschwerden und Begrenzungen ein. Diese nehmen zu und irgendwann beginnt der Körper Schritt für Schritt zu verfallen.

 

Alltägliche Beispiele gibt es genug: Da wurde die Waldlaufstrecke im Alter von 30 Jahren in 20 Minuten zurückgelegt. Doch mit 50 braucht man deutlich länger und die Kraftanstrengung dafür ist deutlich größer. Ein anderer konnte noch vor Jahren stundenlang den Garten umgraben. Doch plötzlich muss er immer häufiger eine Pause einlegen.

 

Und das ist ja erst der Anfang einer langen Entwicklung. Solche Rückschritte wecken die Sehnsucht nach Erneuerung des Körpers, ja die Sehnsucht nach ewiger Jugend in uns. Diesem Traum widmet sich ein ganzer Industrie- und Dienstleistungszweig. Oft mit großen Versprechen, die wenig halten.

 

Unser Bibelabschnitt lenkt diese Sehnsucht in eine ganz andere Richtung. Er gibt ihr einen festen Grund, indem er sagt: Es mag sein, dass es bei eurem Lebenshaus mit der Zeit im Gebälk mächtig ächzt und kracht. Das ist jedoch kein Grund, sich hilf- und schutzlos zu fühlen. Auf den, der glaubt, wartet bei Gott ein bezugsfertiger Neubau: das ewige Leben, das uns Jesus Christus eröffnet. Schließlich hat Jesus selbst gesagt: »In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten« (1).

 

Dieser himmlische Bau ist nicht vorläufig. Er bietet vielmehr dem, der aus der Vorläufigkeit kommt, eine ewige Wohnung, eine Heimat und Geborgenheit für Zeit und Ewigkeit.

 

2. Es wartet ein bezugsfertiger Neubau – das schenkt Durchhaltekraft

Ein aus Afrika überlieferter Spruch lautet: »Der Glaube ist der Vogel, der schon singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.«

 

Damit ist genau jene spannungsreiche Situation eingefangen, in der wir uns als Menschen, die auf Jesus Christus vertrauen, befinden. Paulus sagt dazu: »Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.« Er beschreibt damit die Spannung zwischen dem »schon jetzt« und »noch nicht«. Schon jetzt haben wir das himmlische Haus vor Augen und strecken uns danach aus, aber eben jetzt sind wir noch nicht dort.

 

Manchmal wird diese Spannung sogar zu einer ausgesprochenen Zerreißprobe. Vor allem dann, wenn die Nöte in uns und um uns her besonders groß sind. Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer hat diese Situation zwischen Glauben und Schauen sehr treffend beschrieben mit den Worten: »Manchmal denkt man, Gott müsste einem in all den Widerständen ein sichtbares Zeichen geben, das einem hilft. Aber das ist ja eben sein Zeichen, dass er uns durchhalten, wagen und dulden lässt.«

 

Unser Predigtwort sagt uns: Es ist der Geist Gottes, der uns die Kraft zum Glauben, zum Festhalten gibt. Es ist der Geist Gottes, der uns hilft, hinter den Horizont zu sehen. Der Geist – so heißt es hier – ist uns als Unterpfand gegeben. Eine treffende Übersetzung wäre hier die Rede von der »Anzahlung«. Das Wort, das eben hierfür im biblischen Urtext steht, stammt aus dem Handelsrecht. Es beschreibt die Anzahlungsrate, mit der sich ein Händler seinem Geschäftspartner zu weiteren Leistungen verpflichtet. Die erste Rate beinhaltet die Garantie, dass weitere Raten folgen werden, bis der Kaufpreis ganz bezahlt ist.

 

Damit wird also gesagt: Gott, der Heilige und Ewige, macht sich uns Menschen gegenüber zum Vertragspartner. Er hat uns seinen Sohn geschenkt, der uns durch sein Leiden vom ewigen Tod freigekauft hat. Durch ihn wird unser baufälliges, zuweilen sogar einsturzgefährdetes Lebenshaus schon heute erneuert, Schritt für Schritt. Dieser Geist gibt uns die Kraft, im Glauben an Jesus Christus festzuhalten und seinen Verheißungen zu vertrauen. Er schenkt uns auch die Gewissheit, dass Gottes Wort hält, was es verspricht. Und er lenkt unseren Blick immer wieder von Baumängeln dieses Lebens zum Neubau in der Ewigkeit.

 

3. Es wartet ein bezugsfertiger Neubau – das ruft in die Verantwortung

Wer viele Verpflichtungen hat, hat auch einen Terminkalender. Solch einen Terminer zu verlieren, das hat fatale Folgen. Wir wären ziemlich aufgeschmissen.

 

Schon das Führen eines Terminplanes ist nicht immer einfach. Manche haben sich darum einen elektronischen Terminkalender in Hosentaschenformat angeschafft. Es ist nämlich wichtig, sich die einzelnen Verpflichtungen sauber und auch nach Uhrzeit geordnet zu notieren. Und bei allem muss er übersichtlich bleiben, vor allem dann, wenn Termine durchgestrichen und korrigiert werden.

 

Es kommt sogar hin und wieder vor, dass Verabredungen abgesagt und umgeplant werden müssen. Es gibt Menschen, die haben im Absagen und Hinauszögern von unangenehmen Terminen ein ausgesprochenes Geschick. Denken Sie an den Zahnarztbesuch, bei dem eine schmerzliche Behandlung zu befürchten ist.

 

Ein Termin jedoch, bei dem greift alles Geschick im Absagen und Umlegen nicht. Er wird auch nicht von anderen Verpflichtungen überschrieben.

 

Es ist der Termin, den keiner absagen kann. Das ist das ewige Gericht Gottes, vor dem jeder erscheinen muss, ob er nun will oder nicht. Hier sind wir gefragt und hier kann sich keiner entschuldigen oder vertreten lassen. Hier wird unser Leben verhandelt im Licht der Wahrheit Gottes; und hier wird unsere Schuld und Verlorenheit offenbar, radikal und schonungslos. Dies ist der große Umzugstermin am Ende unseres Lebens. Dann, wenn unsere Lebenshütte abgebrochen ist und die Frage im Raum steht: Wie geht es weiter? Wo wird unsere zukünftige Heimat sein? Vor dem Richterstuhl Christi können wir nichts vorweisen, was uns den Zutritt zum Himmel verschaffen könnte. Aber hier dürfen wir auf den verweisen, der uns die Schlüssel zur ewigen Heimat schenken will: Jesus Christus.

 

Vor einem Umzugstermin machen wir uns im Kalender Vornotizen. Denn bevor der Möbelwagen kommt, müssen Behördengänge erledigt werden. Auch muss die neue Adresse an Freunde verschickt werden. Das Auto muss umgemeldet werden und auch die Bank muss verständigt werden. All dies gilt es vorher abzuklären, damit der Umzug am Ende nicht zum Fiasko wird.

Beim Termin des Jüngsten Gerichts gibt es ebenfalls Vortermine, die zu beachten sind. Da ist zuerst die bewusste Entscheidung für Jesus Christus, das persönliche Ja zu einem Leben ganz in seiner Nachfolge.

 

Dann gilt es zu hören auf sein Wort, und das immer wieder neu. Die Morgentermine über Gottes Wort sind ein Geschenk und ein Segen für unseren Glauben.

Das Warten auf den bezugsfertigen Neubau führt dann auch in die Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen. Die Liebe, die Jesus uns schenkt, will durch unsere Hände zu anderen gelangen, will umgesetzt werden in die Münzen des Alltags. Und hierfür haben wir jeden Tag eine Fülle von Terminmöglichkeiten.

 

Der Blick auf den letzten Auszug aus dieser irdischen Hütte zeigt uns heute die Verantwortung, die wir heute schon haben. Unser Leben, unser Reden, unser Denken und Handeln soll heute vom Licht des kommenden Tages erleuchtet sein.

 

Noch sind wir nicht in unserer eigentlichen Heimat 

angekommen. Noch ist unser Lebenshaus vorläufig. 

Bei manchen ist es vielleicht schon altershalber einsturzgefährdet.

 

Bei jedem Einzelnen von uns kommt auf jeden Fall 

irgendwann der große Abbruchbagger, der Tod heißt.

Unter seinen wuchtigen Schlägen wird unser irdisches Lebenshaus zerbrechen.

 

Doch wer den himmlischen Bauherrn Jesus Christus kennt und ihm traut, der kann in der festen Gewissheit leben, dass in Gottes Welt bereits ein bezugsfertiger Neubau auf uns wartet: das ewige Leben in der ewigen Heimat bei Gott.

 

Dieser herrliche Neubau weckt die Sehnsucht. Die himmlische Wohnung lässt heute durchhalten. Und unser ewiges Zuhause ruft uns hier und heute in die Verantwortung.   Amen.

 

Anmerkungen:

(1) 1. Joh 14,2

 
 



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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