2008-09-21

Predigt über Lukas 15,11-24 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören als Predigttext Worte aus Lukas 15, die Verse 11-24:
„11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.12 Und der jüngere
von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir
 zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. 13 Und nicht lange
danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in
ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.
14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungers-
not über jenes Land und er fing an zu darben 15 und ging hin und
hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf
seinen Acker, die Säue zu hüten. 16 Und er begehrte, seinen Bauch
zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab
sie ihm. 17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner
hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im
Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen
und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel
und vor dir. 19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn
heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Und er machte
sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war,
sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den
Hals und küsste ihn. 21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe
gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr
wert, dass ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen
Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an
und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße
23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen
und fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder
lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und
sie fingen an, fröhlich zu sein.“



Liebe Gemeinde,
kennen Sie nicht auch Situationen aus Ihrem Berufsleben und
Familienleben, in denen Sie das Gefühl hatten, keinen Platz zu haben.
Situationen, in denen Sie Ihren Platz nicht gefunden haben.
Solche Tage und Wochen können sich tief in unsere Psyche
hineinschreiben.

Vielleicht haben Sie Ähnliches in der vergangenen Zeit schon erlebt:
    - Das Gefühl zu bekommen, dass man seinen Platz bei einem
        bestimmten Vorgesetzten nicht findet und der immerzu un-
        zufrieden mit einem ist. Oder
    - das Gefühl, seinen Platz in einer Gruppe nicht zu finden,
        ständig Außenseiter zu bleiben. So dass man den Eindruck
        bekommt: Ich werde im Grunde belächelt und sogar
        richtiggehend ausgenutzt.
    - Ja, meine Leistung gibt mir das Gefühl, in der Gesellschaft
        keinen Platz zu finden.
    - Die nehmen mich nicht so an, wie ich bin.
Und das tut weh!

Jeder Mensch will doch seinen Platz im Leben finden!
Menschen wollen dazu gehören!
Menschen wollen angenommen sein!
Jeder - ohne Ausnahme - will das Gefühl haben: Ich bin was wert,
habe eine Bedeutung -, gehöre dazu!

Und so heißt das Thema des Bibeltextes heute morgen: Ein Mensch
auf der Suche nach seinem Platz!

Weil das so ist, geht da ein Mensch jetzt auf die Suche nach seinem Platz,
wo er das Gefühl bekommt: Hier bin ich richtig, hier gehöre ich hin!
In Lukas 15 haben wir gelesen von einem Sohn, der Sehnsucht
hat nach Leben.
Der sprach zu seinem Vater: „Gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt.“
Damit beginnt die Reise eines Menschen, der LEBEN sucht.

Drei Stationen seines Lebens möchte ich mit uns heute morgen
betrachten. Und die Frage ist: Was haben sie ihm gebracht? 


I. Er lebte verschwenderisch


Was hat diesem jüngeren Sohn eigentlich gefehlt,
dass er sich sein Erbe auszahlen ließ und dann abgehauen ist?
Er war kein Außenseiter, er wurde von seinem Vater geliebt
und angenommen.
Er lebte in Sicherheit und hatte alles, was er brauchte?

Es reizte ihn, andere Dinge kennen zu lernen.
Es könnte ja woanders noch besser gehen.
Es reizt ihn Dinge auszuprobieren, die noch mehr Glück versprechen.
Er geht. Er ist unzufrieden beim Vater.

Beim Vater bleiben: Was habe ich davon?
Das ist die Versuchung des Teufels. Er sagt zu dir:
„Da gibt‘s doch noch was Besseres!“.
„Du bist nicht frei, viel zu sehr eingeengt bist du!“
„Du hast ja jemanden über dir, der dir wortwörtlich alles vorschreibt!
Du brauchst ein Leben,
    - in dem niemand auf dich aufpasst.
    - Du brauchst keine Gemeinde und auch Gott nicht wirklich!
    - Nur so kannst du wirklich frei sein, die Sahne vom Leben haben!

Dann kannst du dich
    - voll laufen lassen, ohne Angst, dass es jemand sieht!
                 Alle dürfen es ruhig sehen!
Du kannst
    - Deine Sexualität so ausleben, wie es Dir gerade danach ist 
         ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben.
    - In jedem zweiten Satz darfst Du lügen um auch überall gut
         abzuschneiden.
    - Wenn Du jemand beleidigst, brauchst Du dich nicht mehr entschuldigen,
    - Wenn Du jemand ausnutzt, kannst Du Dich freuen, weil Du ja nur
          an Dich denkst ...

Gott erträgt das alles, er lässt dich gehen.
Gott haut nicht dazwischen.
Und wissen Sie warum? Weil er mich und Dich lieb hat!

Der Sohn in unserem Gleichnis will leben, darum haut er ab.
Jetzt lesen wir überhaupt nichts davon, dass er viele Freunde hat.
Wir lesen auch nichts davon, dass er Partys veranstaltet.
Anscheinend ist er dafür viel zu egoistisch!
Wir lesen: „Er vergeudete sein Vermögen und brachte es durch mit
Prassen!“, das heißt er verschwendete es einfach.

Das ganze hört sich nicht schlecht an,
aber zwei Sachen gibt es da, die mir Angst machen:
  - Dieses Leben wird nur kurz in einem Satz erwähnt
  - Zum anderen wird gesagt, dass dieses Leben ein Ende hat.
Da kommt der Tag X, an dem plötzlich eine völlig andere Zeit anbricht.

Wenn es den Tag X nicht gäbe, dann wäre das Leben ohne Gott in der
absoluten Freiheit wohl der Traum von jedes Menschen.
Aber es gibt den Tag X.
Der Tag X, von dem es in der Bibel heißt (Hebr 9,27):
„Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben; danach aber das Gericht“.
Diesen Tag X gibt es tatsächlich.

Es ist eine Selbsttäuschung, die mir vor Augen spiegelt, als ob ich
ewig leben werde.
Und wie bei jeder Täuschung folgt darauf irgendwann die Enttäuschung.
Die Erkenntnis, dass ich ja gar nicht frei lebe und dabei bin, meine
Seele kaputt zu machen.

Das ist ein Leben ohne Wurzeln.
Das ist ein Leben, das scheinbar hochschießt,
dann aber sehr bald abknickt.
Ein höchst gefährliches Leben.


II. Er lebte in Hungersnot

Jetzt lesen wir, dass da eine Hungersnot kam, und der junge Mann
selbst fing an, Mangel zu leiden.

Es hört sich an, als ob er sehr reich war,
jetzt aber die Hungersnot doch nicht überstehen kann.
Es war kein bleibender Platz. Er sucht sich einen anderen Platz.
Zurück zum Vater: Was habe ich davon?
Er geht zu einem einfachen Bürger des Landes.

Was führt er jetzt für ein Leben:
  - Ein Leben im Hunger
      Kennen Sie das auch: Wenn Sie sich innerlich leer fühlen ...,
    Keiner braucht Sie ..., Keiner will Sie haben ...?
  - Ein Leben in der Erniedrigung
      Er bindet sich nicht an Gott, jetzt aber an Menschen.
      Erst wollen wir, dann müssen wir.
    Jetzt beherrscht ihn sein Leben.
    Der Teufel verspricht zuerst Freiheit, dann legt er in Ketten.    
  - Ein Leben in der Einsamkeit
      Ein schlimmes Wort steht hier in der Bibel: „NIEMAND“
      Niemand war da. Niemand gab ihm etwas.
      Zuallerletzt hast Du nur einen Freund, und das ist der „Niemand“.
      Dann kannst du mit „niemand“ ausgehen,
    Mit „niemand“ die Zeit zuhause verbingen.
    Und „niemand“ wird dich begleiten auf all deinen Wegen.

Mit diesem Platz war er anscheinend auch nicht zufrieden.
Und ich kann mir das gut vorstellen ...


III. Er lebte beim Vater
Unser junger Freund kann das nicht mehr ertragen.
Er macht sich auf und sagt zu sich: Ich gehe zum nächsten Platz.
Wohin aber?  Ich gehe zu meinem Vater!

Aber was habe ich davon?
Auch wenn ich nichts davon habe, hier verhungere ich,
ich muss gehen, auch wenn ich wieder jemanden habe,
der über mir steht.
    - Wie wird mein Vater reagieren? 
        Er wird überrascht sein mich wieder zu sehen, ich gehe weiter!
     - Ich kann mir aber auch vorstellen, dass mein Vater sich von mir
        distanzieren wird. Er wird kein Vertrauen mehr zu mir haben.
        Alles, was ich tue, wird er kritisch sehen.
        Was soll ich tun? 
        Soll ich zurückgehen?
 
Nein, ich geh‘ auch, wenn ich es nicht mehr wert bin, sein Sohn zu sein,
    auch wenn ich nur ein Diener bin - ich geh dahin.
Bis zu allerletzt stelle ich mir vor, dass die kalte Dusche mit Vorwürfen kommt:
    Ich hab es geahnt, du bist selbst schuld, jetzt sieh‘ zu,
    wie Du da wieder raus kommst!
    Mit so einen Kerl kann ich nichts anfangen.
        Soll ich vielleicht wenden?
      Aber die Vorwürfe des Vaters werden bestimmt nicht
    schlimmer sein als es bei den Schweinen war.
Ich gehe doch zu meinem Vater.

Es kann sein, dass auch unter uns Menschen sind, die in so einem
Kampf stehen!?
Leben mit Gott oder es auf eigene Faust probieren!?
Da tobt es in einem, da sind so viele Sachen,
die Dir diesen Schritt schwer machen.

Unser junger Freund kommt nach Hause.
Jetzt stellen wir uns vor, der Vater würde diese Frage sich stellen,
die der Sohn sich immer wieder gestellt hat.
      - Was habe ich davon?
      - Was habe ich davon diesen Lump aufzunehmen:
        arbeiten will er nicht, er will für sich ohne Aufsicht leben ...

Hätte Gott sich diese Frage gestellt, hätte es das Kreuz nicht gegeben,
wäre unser Leben von vorneherein vorgezeichnet ...

Der Vater aber steht da ohne ein Vorwurf, ohne zu fragen wo das
Geld geblieben ist, ohne zu fragen ob er jetzt auch immer schön arbeiten
wird, nimmt er ihn auf und macht ein Fest daraus.

Wenn wir uns selber wegen unseres Versagens nicht mehr in die Augen
schauen können, schaut Gott uns mit liebevollen Augen an.
Wenn wir unseren Wert nicht mehr entdecken können,
steigt Gottes Sohn ans Kreuz, weil IHM unser Leben wertvoller ist
als sein eigenes.
Aber:  Wenn wir meinen, wir kommen alleine klar,
dann schaut Gott tiefer und leidet, weil er nichts für uns tun darf.
Deshalb sagt uns dieses Gleichnis: Lass Dir doch von Gott helfen!
Amen
 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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