2008-03-30

Predigt über Jesaja 40,26-31 / Pfarrrer Friedhelm Bühner
Liebe Gemeinde,
immer wieder hören oder lesen wir davon und so manche unter
uns hat es schon selber getroffen:
Das sog. Burn-out-Syndrom, die Erfahrung des Ausgebranntseins.
Lehrer sind besonders gefährdet, aber auch Manager in den Betrieben
stehen in der Gefahr.
Auch Pfarrer und Menschen, die sich ganz für die Gemeinde engagieren.

Ich denke z. B. an einen Pfarrerkollegen, den es ganz übel getroffen hat:
    - Die Not vieler Menschen,
    - Anfragen über Anfragen,
    - die Verwaltungsarbeit, die ihm nicht liegt und
    - dazu das fortschreitende Alter, verbunden mit dem Eindruck, dass
        er - aus Sicht der jüngeren Generation - so langsam zu den alten
        Eisen gehört.
Das alles setzt ihm mächtig zu.

Wie lange hält er noch Stand?
Und wo sind die Menschen, die ihm mehr als mit gut gemeinten Worten
zur Seite stehen?

Ich weiß nicht, ob Sie dieses Gefühl auch kennen:
    - so richtig ausgelaugt zu sein,
    - keine Kraft mehr zu haben,
    - keine Energie mehr in sich zu fühlen.
In einer solchen Situation lässt man sprichwörtlich die Flügel hängen.
Die Zukunft scheint vernagelt, kein Licht am Ende des Tunnels ist zu sehen.

Die Ursachen für so eine Erschöpfung können ganz unterschiedlich sein:
    - zu viel Arbeit,
    - zu wenig Ruhepausen,
    - zu wenig Schlaf und zu viel Hektik, und vieles mehr.

Aber es gibt auch ein innerliches Ausgebranntsein, ein geistliches.
Eine Erfahrung, die nichts mit Überarbeitung und Überbelastung zu tun hat.
Und trotzdem ist es ein Gefühl, das vielleicht noch mehr niederdrückt
und müde macht, die alle Lebenskraft raubt.

Ich meine das Gefühl, von Gott verlassen zu sein und nicht mehr
glauben zu können.
Wenn der Glaube zu verglimmen droht, wie ein Docht,
der im Luftzug steht.
Wenn die Hoffnung erlischt, dass Gott eine Änderung der Lage
herbeiführen wird.

Vermutlich haben manche von uns derat schwere Wegstrecken
auch schon gehen müssen.
Der Psalmbeter aus Psalm 13 hat in dieser Notlage ganz treffend
geschrieben:
»Herr, wie lange, willst du mich so ganz vergessen.
Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?
Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele
und mich ängsten in meinem Herzen täglich?«

Ausgebrannt, von Gott verlassen, in einer hoffnungslosen Situation -,
so haben sich die Israeliten wiedergefunden, die zur Zeit des
Propheten Jesaja gelebt haben.
Sie standen vor dem Aus, dem ultimativen Super-Gau,
hatten Angst um ihre Zukunft.
Vor allem aber - waren sie von ihrem Gott enttäuscht.

Hatten sie nicht gehofft, dass er die Zerstörung ihres Landes im
letzten Augenblick noch verhindern würde?
Konnten sie es sich vorstellen, dass sie einmal das von Gott
gegebene Land verlassen mussten?
In ihrer Lage spürten sie nichts mehr von seiner Größe und Stärke,
sie sahen nur die Willkühr ihrer Feinde.
Waren deren Götter eben doch die Stärkeren?

»Ihr seid nicht mehr auf der Höhe der Zeit« - so wurden sie abgekanzelt
von ihren Gegnern!
»Euer Gott ist machtlos, euer Glaube sinnlos, eure Hoffnung geht
ins Leere.«

Auch Christen hören solche Vorwürfe manchmal, wenn schweres Leid
über sie herein bricht: »Dein Glaube hat dir nicht geholfen!
Was haben dir deine vielen Gebete gebracht?«

Da tut es wirklich gut und hilft weiter, ein Wort von Gott selber zu hören,
das Mut und Hoffnung gibt.
Gesprochen vom Propheten Jesaja im Auftrag Gottes.
Er sollte den Verzweifelten den Horizont wieder aufreißen.

Wir hören auf Jesaja 40, die Verse 26-31:
„26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen?
Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine
Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg
ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott
vorüber«? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der
ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde
noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden
Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde
und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den
HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln
wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln
und nicht müde werden.“




1. Seht nach oben!
Verzweifelte, hoffnungslose Menschen lassen den Kopf sinken,
starren auf den Boden, stieren vor sich hin.
Dagegen sagt der Prophet: Seht hinauf zum Himmel!
Nicht nach dem billigen Motto: »Kopf hoch! Es wird schon nicht so
schlimm sein«.
Sondern schaut euch in einer sternklaren Nacht den Himmel an:
Was für eine Weite, was für eine unzählbare Menge an Sternen! -
Was für ein wunderbarer Schöpfer muss hinter diesen Werken stehen!
Wie groß muss seine Macht sein!

Ein Mensch kann die riesige Menge an Sternen unmöglich zählen!
Die Gesamtzahl lässt sich nur schätzen.
Rund 10 Milliarden Galaxien sollen es sein - mit wiederum durchschnittlich
10 Milliarden Sternen.
Unser Sonnensystem ist nur ein winziger Teil des Kosmos.
Und trotzdem finden wir schon hier ungeheure Dimensionen.
Ein ICE bräuchte etwa 150 Jahre Nonstop-Fahrtzeit, um von der Erde
aus die Sonne zu erreichen.

Diese unvorstellbare Menge an Sternen und die unermessliche
Größe des Weltalls lassen Rückschlüsse zu auf den, der das alles
geschaffen hat: Wie leicht muss es für ihn sein, eine Weltmacht aus
den Angeln zu heben!

Mächtige kommen und gehen, Reiche fallen, Gottes Macht bleibt
bestehen!
Sollte er nicht auch das, was wir, was Du und ich für ausweglos und
hoffnungslos halten, ändern können?

Schon einmal in der Geschichte des Volkes Israel hat es eine
solche »Sternstunde« gegeben.
Als Gott Abraham Nachkommen versprochen hat »so zahlreich wie
die Sterne am Himmel«, obwohl Sara schon viel zu alt war um
Kinder zu bekommen.
Abraham hat damals in dieser aussichtslosen Situation
    - geglaubt,
    - Schritte des Vertrauens getan,
    - sich festgehalten am klaren Wort Gottes.

Trauen wir es Gott zu, in einer ausweglos scheinenden Lage eine
Wende zum Positiven zu bewirken?

Wir kommen vom Osterfest her.
Der, der den Tod besiegt hat, der hat auch die Kraft, unsere toten
Punkte zu besiegen.
Wir sollten es den Jüngern gleichtun, die aufgesehen haben zu
ihrem auferstandenen Herrn.

Deshalb ruft Gottes Wort uns heute morgen zu: »Hebt eure Augen in
die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen?
Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.«



2. Gott wird nicht müde

Gott kennt kein Burn-out-Syndrom.
Das ist die gute Nachricht.
Jeder Mensch kommt dagegen einmal an seine Grenzen.
Jeder muss sich mit abnehmenden Kräften abfinden.
Gott nicht. ER braucht keine Ruhepausen.
Er muss sich keine Auszeiten nehmen.
Er ist immer da, für uns da, für Dich und mich!

Er ist unermüdlich aktiv, lenkt das Weltgeschehen (auch wenn uns
das mit unserem „Spatzenhirn“ oft nicht einleuchten will).
Er lässt seine Schöpfung nicht im Stich, er ist nicht wie ein Uhrmacher-
Meister, der ein Uhrwerk herstellt, das für sich tickt und den Meister
nicht mehr braucht.

»Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht!« (1)
Allerdings trifft er zuweilen Entscheidungen, die wir Menschen nicht
verstehen. Ich habe es schon gesagt.
Ganz bestimmt tut er Dinge, die in unseren Verstand nicht hineinpassen.
Aber er lässt uns Menschen nicht hoffnungslos in der Welt stehen,
verwaist und verlassen auf dem Bahnsteig der Zeit und der Geschichte.
Sondern dieser Gott ist unablässig am Wirken für uns!


Eine Frau hat das eindrücklich erlebt.
Sie selbst war erst vor wenigen Monaten zum persönlichen Glauben
an Jesus Christus gekommen.
Aber anstatt, dass sich jetzt die in der Vergangenheit aufgestauten Dinge
mit Gottes Kraft erledigen ließen, wurde alles nur noch schlimmer.
So musste sie schließlich zur Kurbehandlung, weil es nicht mehr ging.
Vier harte Wochen lagen vor ihr.
Wie sollte sie es schaffen all das Belastende aus der Vergangenheit
aufzuarbeiten?
Reichte ihre Kraft dazu?

Im Rückblick erzählt sie, dass sie Gottes Kraft jeden Tag neu
spüren durfte.
Morgens wusste sie nicht, wie der Tag enden würde, aber in der
entscheidenden Stunde konnte sie sich auf die Zusage Gottes
verlassen: Du bist nicht allein.
Das hat nicht nur für sie gegolten!
Und das hat sie dort in manchen Tischgesprächen an andere als
Mut machende Erfahrung weiter gegeben:
Der lebendige Gott schläft nicht, sondern sorgt sich um uns, um
Dich und mich!

Auch heute ist sie noch nicht völlig gesund.
Auch heute noch muss sie dunkle Täler durchschreiten.
Aber wer sie sieht, der erkennt: Hier hat sich etwas verändert.
Hier steht ein Mensch, der sich jeden Augenblick in den starken
Armen Gottes birgt.
Und der das Vertrauen einübt:
    - Meine Kraft ist begrenzt.
    - Aber Gottes Stärke nicht.

Ganz so, wie es uns unser Gotteswort heute Morgen sagt:
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist
dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber.«
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird
nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.



3. Gott gibt den Müden neue Kraft und neue Stärke
»Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren
mit Flügeln wie Adler.«

Ein Adler, der hoch in der Luft schwebt - was für ein majestätisches
Bild ist das doch!
Wenn er seine Flügel ausstreckt und mit einer bewundernswerten
Eleganz und Leichtigkeit vom Erdboden abhebt.
Irgendwie bekommt man als Mensch beim Anblick eines solchen
Tieres die Sehnsucht, es ihm gleich zu tun.
Und tatsächlich waren ja die ersten Flugversuche der Menschen -
ein Otto Lilienthal - von diesem Anblick motiviert.

Es ist so etwas wie die Ursehnsucht nach Überwindung aller
Erdenschwere:
    - Alles zurücklassen zu können, was belastet und niederdrückt.
    - Über den Wolken muss alles Schwere leicht und klein werden.

Dem, der auf den HERRN harrt, der ihm vertraut, wird genau das zugesagt!
Auf den HERRN harren - im Hebräischen hat »harren« von seinem Wort-
stamm her mit einer gespannten Schnur zu tun.
Es geht um eine Schnur, die einer großen Belastung ausgesetzt ist,
die aber nicht zerreißt!
Die Sehne eines Bogens zum Beispiel.

Was für eine Kraft steckt in einer gespannten Bogensehne?!
Was für eine Anspannung im Moment des Schusses?!

Der Belastung standzuhalten, die Hoffnung auf Gottes Hilfe nicht
loslassen, darum geht es.
Auch in schweren Zeiten standzuhalten und am Glauben festzuhalten -
wer kann das aus eigener Kraft?
Wohl kaum jemand.
Aber wir sollen Gott immer wieder darum bitten, dass er selbst uns
diese Kraft gibt, dass er uns mit seiner Kraft erfüllt.
»Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie laufen und
nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.«

Es gibt Hoffnung für alle, die am Burn-out-Syndrom leiden:
Gott schenkt neue Kraft, auch dann, wenn es nicht mehr zu
gehen scheint.
Bei ihm sind wir willkommen, gerade auch dann, wenn wir ganz
ausgelaugt sind.
Er lädt uns dazu ein, die Schnur gespannt zu halten, auszuhalten
auch in schweren Zeiten.
Das Vertrauen auf ihn lohnt sich: Die auf den Herrn harren,
kriegen neue Kraft!

Der Mann Gottes damals hat dieses Trostwort an das arg gebeutelte
Volk Israel gerichtet.

Und trotzdem dürfen auch wir, dürfen Sie und ich, jeden Tag der
neuen Woche unter demselben Wort leben!

Und ganz bestimmt - finden wir jemanden, dem wir diese Botschaft
von der tragenden Kraft Gottes weitersagen können.  
Amen.
   

Anmerkungen:       
(1)  Psalm 121, 4



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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