2008-02-17

Predigt über Hebräer 11,8-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner
Liebe Gemeinde,
hätte Gott ein Gesicht wie wir: Wissen Sie, wie man ihn dann
zu einem Stirnrunzeln bringen könnte?
Indem Sie ihm von Ihren Zukunftsplänen erzählen!

Nein, nicht weil Planen schlecht wäre!
Jeder muss das tun, Überlegungen anstellen für heute, morgen
und übermorgen. Aber: Wie planen wir?
Verwalten wir?
Oder ist unser Planen motiviert und umgetrieben von Walten des
lebendigen Gottes?

Wir stehen mit diesem Sonntag am Anfang der Bußzeit.
Und Buße tun heißt, mein Leben im Denken und Planen neu auf
Gott auszurichten.
Da geht‘s nicht um Strafzettel zahlen oder Schuld abarbeiten,
sondern dass wir die Richtung zu Gott hin wiederfinden.
Manfred Siebald singt einmal in einem Lied: „Dreh dich um dich selbst,
dann wirst du brummen, bei jedem Kreis, den du beschreibst“.

Manchmal hab‘ ich den Eindruck, dass wir in Kirche und Gesellschaft
an dem Punkt angekommen sind, dass wir meinen, im Planen liege
das Heil - und es deshalb kräftig brummen lassen.
Das Heil ist aber etwas ganz Anderes, als sich immer um die eigenen
Planungen zu drehen!
Das Heil ist nämlich das, was Deinem Leben Sinn gibt und länger hält
als bis zur nächsten Planung!

Was ist der Dreh- und Angelpunkt im Leben?
Das, was wir gerade noch so hinbekommen, was wir planen und
für die Zukunft zusammenzimmern?

Der lebendige Gott kennt das, was kommt,
er weiß, was morgen ist und war übermorgen!
Er kennt Dein Leben und weiß, wie es verlaufen wird
und hat einen sehr guten Plan dafür!
Plane bloß nicht daran vorbei!

Abraham war so einer, der sich Gottes Walten hat gefallen lassen,
der gehört hat und gehandelt hat im Glauben an Gott.
Und sein Leben ist anders verlaufen, anders als Menschen wie
Du und ich es geplant hätten.

Ich lese Gottes Wort aus Hebräer 11, die Verse 8-10:
„8 Durch den Glauben wurde "Abraham" gehorsam, als er berufen wurde,
in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht,
wo er hinkäme. 9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in
dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten
mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. 10 Denn er
wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und
Schöpfer Gott ist.“



Liebe Gemeinde,
was steht am Anfang der neuen Woche?
Der Sonntag, so zumindest bis Mitte der 70er Jahre.
Dann kam eine neue DIN-Norm und alle Kalender haben von jetzt an mit
dem Montag angefangen.
Der Sonntag zählte von da an zum Wochenende.

Die Bibel aber sieht das so: Wenn etwas mit dem Christenleben los sein soll,
wenn Glaube mehr sein soll als fromme Wünsche und etwas anderes
als Weltverbesserei, dann muss am Anfang des Glaubens - Gott - stehen!


1.) Glauben heißt: Gott fängt an
Mit einem Gottesdienstbesuch - beginnt - die Woche.
Sie wollen Ihre Woche mit dem Hören auf Gott beginnen?
Großartig. Abraham hat das auch getan.
Am Anfang seines Lebens mit Gott steht das Hören auf ihn.

Wie Gott mit Abraham geredet hat, das weiß ich nicht,
aber typisch „Gott der Bibel“:
    - Er spricht Menschen an.
    - Er spricht sie so an, dass sie unmissverständlich wissen:
         Gott meint mich!

An dem Tag, an dem Gott mit ihm geredet hat, steht Abraham an einer
Weggabelung seines Lebens.
Er hatte hier die Wahl, weiterzumachen wie jeder andere normale Mensch
in der Stadt Ur, sich treiben zu lassen, zu planen und zu agieren,
Gutes zu tun und hier und da sich mal ein wenig mit Gott und der Religion
zu beschäftigen.

Aber der andere Weg, den Gott vorgeschlagen hat, hieß: Abhängigkeit von ihm.
Er würde alles, was ihm bisher lieb und sicher war, verlassen und losziehen,
weil Gott ihm eine neue Heimat versprochen hat.
Er würde mit Gott mitgehen, weil Gott das von ihm verlangte, einfach so.
Gott hat ein Ziel versprochen:
Eigenes Land für Abraham und dass Gott selber mitgehen würde.
Aber das alles war nicht zum Anfassen,
nicht so anzufassen, wie das, was Abraham jetzt hatte.

Ich kann mir gut vorstellen, was für weiche Knie dieser Abraham gekriegt
hat, als er an diese Zukunft denkt, denn es war alles unbekannt,
nicht zu sehen!
Das, was er jetzt hatte, das war bekannt, man konnte es sehen, anfassen.
Und wir ahnen, was da steht und was das für diesen Mann bedeutet hat:
„Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde,
in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste
nicht, wo er hinkäme ...“
und Abraham hat
    - Gott mehr geglaubt als allem, was er bisher für wichtig gehalten hat,
    - er hat Gott vertraut, weil der mit ihm geredet hat, weil Gott mit ihm
        angefangen hat.

Liebe Gemeinde, deshalb sind Gottesdienste und das Hören auf
Gottes Wort unersetzbar wichtig.
Glaube ist kein Eigenprodukt unserer so religiösen Herzen oder
eine Art Veranlagung.
Glaube kann nur da anfangen, wo Gott mit uns redet und wir zuhören!
In Römer 10, Vers 17a heißt es wörtlich, der „Glaube kommt aus dem Hören“.
Jeder Gottesdienst ist die Chance, neu anzufangen, den richtigen Weg
zu nehmen, weil der lebendige Gott mit dir redet.


2.) Glauben heißt: Der Welt fremd werden und Gottes
Familie nahe kommen

Ein junger Mann wird zur Bundeswehr eingezogen.
Er kommt aus der christlichen Jugendarbeit und hat seine Bibel dabei.
Die verstaut er sicher im Spind und achtet darauf, dass er nicht aus
der Reihe tanzt.
Heimlich liest er in seiner Bibel.

Eines Tages bekommt er einen Brief von daheim und sein frührer
Gemeindeleiter fragt, wie es ihm geht und wie es ihm in der neuen
Umgebung auch in Glaubensdingen geht.
In dem Antwortbrief des jungen Mannes stand: „Danke, mir geht‘s prima.
Ich bin schon sechs Wochen hier und noch niemand hat gemerkt, dass
ich Christ bin!“

Ich kann nur hoffen, dass der junge Mann irgendwann gemerkt hat,
dass da was nicht ganz stimmt.
Wenn gläubige Menschen sich nicht outen und mit ihrem Verhalten
und Leben zeigen, dass sie durch Gott mehr haben als es diese Welt
zu bieten hat, dann liegt doch die Frage auf der Hand:
    - Was ist das für ein Glaube?
    - Wie wertvoll ist dieser Glaube, wenn schon das Abweichen
        vom Normalen und die Anpassung an die Umwelt
        zu viel verlangt sind?
    - Ist Gott am Werk? Ist ER die Power, die alles verändert?
    - Ist dieser Glaube es wert, anders zu sein, als das, was mein
        Umfeld von mir erwartet?

Da sollten wir uns Abraham anschauen!
Er hat seine sieben Sachen gepackt und ist weggegangen.
Da hat sich mancher am Kopf gekratzt: „Spinnt der?“ oder hat über
ihn gespottet: „Na, vom Häuslesbauer zum Dauercamper? - Das ist
ein Aufstieg!“

Wenn Menschen vom Glauben an Gott bewegt werden, kann es
gerade ein Echtheitszeichen des Glaubens sein, dass die Welt (meine
Umwelt) nicht versteht, warum der Glaube es wert sein soll, z. B.
Liebgewonnenes oder Besitz oder Sicherheiten aufzugeben.

Aber wer glaubt, kann Dinge aufgeben, weil er die Nähe Gottes
gewonnen hat!
Wer glaubt, verliert u. U. zeitliche Güter - um Ewiges zu gewinnen!
Die Welt (meine Umwelt) sieht nur den äußerlichen Verlust, der
Glaube aber erfährt den Reichtum der Nähe Gottes!

Liebe Gemeinde, bei allen Menschen, die ich bisher kennen gelernt habe
und die angefangen haben mit Gott zu leben und ihm zu vertrauen,
stand am Anfang die Furcht, mehr zu verlieren als zu gewinnen.
Das ist ganz natürlich.
Ich habe aber ausnahmslos erlebt, dass alle Menschen, die einen
Anfang im Glauben an Gott gemacht haben, Gottes Nähe und die
Gemeinschaft mit anderen Christen erlebt haben.
Plötzlich versteht man sich, fragt nicht nur oberflächlich: „Wie geht‘s Dir?“,
nein, da wird der Segen Gottes nicht nur gewünscht, sondern
zugesprochen, da hört man: „Du, ich bete für Dich!“
„Kann ich Dir helfen?“!

Und das Gleiche gilt mit Blick auf die Kirchengemeinde:
Da betrachen die einen immer nur ihre Gruppe, ihr Interessengebiet -
Sagen wir mal (rein aus der Luft gegriffen!) die Senioren - Für die sollte
man noch mehr tun!
oder nur die Jugendarbeit - die ist doch wichtig, die sind doch unsere
Zukunft und so weiter!
Die einen wollten am liebsten nur noch neue Lieder singen,
die anderen nur die altbekannten.

Aber: Wenn es überhaupt gelingen kann, Alt und Jung in einer Gemeinde
zusammen zu bekommen als Gemeinde, dann nur so:
Gott der Vater im Himmel hat eine Familie und diese Familie ist die
ganze Gemeinde, alle die Menschen, die ihn als Vater anrufen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass nur das die Generationen
überbrückt und verbindet!

Wie ist  dieses Wort sonst zu verstehen: Und Abraham „wohnte in Zelten
mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung“?
(Die Kirche in meiner letzten Gemeinde hatte der Architekt bewusst als
„Zelt-Kirche“ konzipiert ...)
Die Gemeinde des Christus ist entweder gemeinsam unterwegs
oder wir verlieren Menschen, die Christus mit seinem Leben gewinnen will.

Liebe Gemeinde, wie können wir unseren Glauben so gemeinsam
leben, dass wir gemeinsam auf Gottes Ziele hinleben,
wie Abraham und seine Kinder es gemacht haben?


3.) Glauben heißt: Auf Gott warten

Abrahams Zielpunkt des Glaubens, da, wo er hinwollte, war viel
weiter als ein paar Wochen oder Jahre!
Selbst als er im verheißenen Land angekommen ist, hat er dort
weiter in Zelten als Fremder gelebt, das Land gehörte ihm gar nicht.

Der Glaube Abrahams ist der Glaube, der weiterbringt,
der Glaube, der rettet, weil er Gott zum Ziel hat!
Es ist der Glaube, der nichts anderes ist als eine fortgesetzte Geschichte
mit Gott, gestern, heute, morgen - bis zum Lebensende, nein besser:
Bis zum Leben bei Gott.

Das große Bild von der Stadt Gottes, die er baut, deren fester Grund
Jesus Christus selber ist, findet man auch am Ende der Bibel.
Das Ende der Welt ist nicht das Ende, sondern der Punkt, an dem
Gott für alle, die ihm vertrauen, einen Neuanfang setzt.
Gott wird abwischen alle Tränen und niemals wird mehr ein Mensch
fragen müssen: „Warum nur?“ oder „Wo bist du, Gott?“,
weil der Vater und der Sohn unter den Menschen leben werden.
Gott wird bei denen sein, die ihm vertraut haben und sie werden ihn
sehen und ihn loben für seine guten Pläne, für seine Geduld,
für seine Stärke.

In Kapitel 11 des Hebräerbriefs gibt es im Unterschied zur Geschichte
von Abraham noch eine interessante Aufzählung von punktuellen
Momenten des Glaubens, die auch erstaunlich sind:
    - Abel glaubt und Gott nimmt sein Opfer sichtbar an.
    - Henoch glaubt und wird sichtbar in den Himmel entrückt.
    - Noah glaubt und baut in der Wüste ein Riesenschiff -, die Arche,
        bis sichtbar das Gericht kommt und Noah mit seiner Familie
        gerettet wird.

Die Geschichte Abrahams aber ist größer, nicht nur eine Momentaufnahme
des Glaubens: Sein Leben ist ab da eine Glaubensgeschichte.
Das ist ein Leben mit Höhen und Tiefen, aber immer mit Gott,
mit diesem Glauben an Gott, so wie Gottes Name es verspricht:
ICH BIN FÜR DICH DA!“
Und das ist das Beispielhafte am Glauben Abrahams.

Abraham wollte mehr als Großgrundbesitzer werden!
    - Wie sieht das bei Ihnen aus?
    - Was möchten Sie von Gott gerne haben?
        Ein bischen dies - oder noch einige Gebetserhörungen?
        Segen - oder Frieden -, Liebe -, Lebensmut?
Warum so bescheiden?

Abraham ist ein Fremder auch im verheißenen Land geblieben,
weil er nicht ein paar Hektar mehr, sondern Gottes Nähe, Gott selber
haben wollte!
    - Wollen Sie Gottes Nähe erfahren oder das, was er Ihnen
        zu bieten hat?
Vorsicht! Man kann auch mit der größten Frömmigkeit sehr schnell
Gott - loswerden.
Gott gibt gerne, aber er gibt und hört Sie, um Sie selber zu gewinnen!

Das können wir von Abraham lernen: Die Sehnsucht nach Gott,
die hier in diesem Leben nicht aufhört.

    - Wissen Sie noch, womit man Gott zu einem Stirnrunzeln
        bringen könnte?
Erzählen Sie ihm von Ihren Zukunftsplänen und dann: Vertrauen Sie ihm!
Strecken Sie sich nach seinen Zielen mit Ihnen aus.
Er ist für Sie da.
Amen



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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