2008-02-10

Predigt über Jesaja 58,1-9 / Pfarrer Ekkehard Graf, Owen
Liebe Gemeinde,
haben Sie sich schon einmal gewundert, wie es manche schaffen, sonntags in der Kirche zu sein und unter der Woche alles andere als christlich zu leben? Kennen Sie auch solche Leute, die sich in der Bibel auskennen, aber niemals einen Finger für andere krumm machen würden? Dass es tatsächlich solche Menschen gibt, das stimmt einen schon ziemlich traurig. Aber wissen Sie, das ist nicht erst ein Phänomen unserer Zeit. Das hat bereits vor über zweieinhalbtausend Jahren der Prophet Jesaja beklagt. Er wird von Gott aufgefordert, da mal was klarzustellen:

Wir hören den Predigttext aus Jesaja 58, 1-9a:
"1 Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und begehren meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe. 3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst's nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? 6 Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten."


Das Thema in Jesajas Botschaft lautet:
Auf die richtige Einstellung kommt es an.
Diese Botschaft schauen wir uns heute Morgen in drei Gedankengängen genauer an:
1. Was wir für richtig halten
2. Was Gott für wichtig hält
3. Was uns neu ausrichtet

1. Was wir für richtig halten

»Hauptsache man hat seinen Glauben«, das ist so die landläufige Meinung, der wir oft begegnen. Und tatsächlich, das ist gar nicht so falsch! Es ist gut, eigene Überzeugungen zu haben und für die auch hinzustehen, wenn man gefragt wird. Jede Form und jede Haltung, seinen Glauben zu leben, ist jeweils zur richtigen Zeit dran. Wir sind heute Morgen ja ganz bewusst hier in die Kirche gekommen, weil wir es für richtig halten, gemeinsam Gott mit unseren Liedern zu ehren, zusammen auf sein Wort zu hören und uns als Gemeinde im Gebet an ihn zu wenden. Das lassen wir uns nicht nehmen, auch wenn viele der Meinung sind, man könne ja genauso gut »im stillen Kämmerlein« beten. Aber solcher versteckt und einsam gelebter Glaube bleibt eher in den Kinderschuhen stecken.
Damals bei Jesaja, da glaubten die Israeliten ganz fest, dass Gott ihnen helfen kann. Für sie war die Existenz Gottes keine Frage. Sie wollten ihm sogar gefallen durch ihr scheinbar frommes Verhalten. Sie hatten Sehnsucht nach der Nähe Gottes. Und das ist auch gut so. Das machten die Israeliten eigentlich richtig. Sie wollten nicht nur zum Volk Gottes gehören, sie wollten nicht nur Kinder Gottes heißen, das genügte ihnen nicht. Sie wollten mehr, sie wollten ganz und gar Gottes Nähe spüren und seine Hilfe in ihren Problemen erfahren. Und sie machten es richtig, dass sie deshalb die Gottesdienste aufsuchten. Sie haben sich an Gott gewendet und began-nen ihn mit ihrem frommen Fasten zu beeindrucken. Aber was kam dabei heraus?

Das erinnert mich an uns heute in Deutschland. Für viele bei uns ist die Existenz Gottes keine Frage. Es überrascht mich immer wieder, wie religiös die Deutschen doch sind. Viele bei uns gehören zur Kirche. Sie treten ganz bewusst nicht aus der Kirche aus, obwohl sie niemand daran hindern würde und so mancher immer wieder er-staunt bis verärgert auf seinem Gehaltszettel sieht, wie hoch die Kirchensteuer ist. Dennoch bleiben viele der Kirche treu. Viele sind auch zufrieden mit dem Wissen, dass Gott in Notsituationen helfen kann. Sie besuchen ab und zu den Gottesdienst und spenden auch für »Brot für die Welt« oder andere Werke.

Doch wer so seinen Glauben lebt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn Gott einem oft so fern vorkommt. Gott kann sich nicht zeigen bei oberflächlicher Christlichkeit, die sich nur an manchen Stellen des Lebens äußert aber sonst nicht. Gott kann mit Fastenaktionen nichts anfangen, die nicht von Herzen kommen. Gott kann nicht in Gottesdiensten reden, wenn die nur abgesessen werden. Gott kann nichts in Christen bewirken, die nur ab und zu ein bisschen an Jesus glauben.

Zur Zeit des Jesaja haben sich die Israeliten beschwert: Warum fasten wir, und du siehst es nicht an?

»Weil«, sagt Jesus, »weil nicht nur deine Beziehung zu Gott ziemlich schwach ausgeprägt ist, sondern auch dein Umgang mit deinem Nächsten. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Selbst wenn es dir gelingt, mit Gott im Reinen zu sein. Selbst wenn du seine Vergebung täglich in Anspruch nimmst. Selbst wenn du Gott an erster Stelle in deinem Leben setzt. Aber dein Glauben und Handeln weit auseinanderklaffen, dann kann Gott dich nicht so beschenken, wie er eigentlich will.«

Auf die richtige Einstellung kommt es an! Nicht was wir für richtig halten, zählt, sondern mit welcher Einstellung wir uns Gott zuwenden und von ihm prägen lassen. Jesaja rief seinen Mitmenschen im Namen Gottes zu: »Leute, euer Verhalten ist doch einfach lächerlich. An dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Seht doch, wenn ihr fastet, streitet und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe?"


2. Was Gott für wichtig hält
»Lasst euren Worten Taten folgen!«, so könnte man das nennen, was Gott wichtig ist. Bigottes Verhalten war ihm schon immer ein Gräuel und Jesus hat solch ein falsches Verhalten bei seinen Zeitgenossen deutlich entlarvt.

Auch der erste israelische König Saul hatte das nicht richtig verstanden, was Gott wirklich wichtig ist. Er hatte im Auftrag Gottes das räuberische Volk der Amalekiter bekämpft und sollte auch deren Rinder mit dem Bann belegen, das heißt töten. Doch das brachte er nicht übers Herz. Nicht weil er dem Tierschutzbund angehörte, son-dern weil es ihm um die wertvollen Fleischpakete leid war, die er und seine Soldaten gerne für sich behalten hätten. Als ihn der Prophet Samuel zur Rede stellte, flüchtete er schnell in die Ausrede, die Tiere seien alle nur als Opfertiere für Gott mitgenommen worden. Samuel erwiderte tief enttäuscht: »Meinst du etwa, dass Gott mehr Gefallen an Opfern hat als am Gehorsam?
Ungehorsam ist und bleibt Sünde!«

Gott erwartet von uns, dass wir uns zuallererst an ihm ausrichten und dann auch so leben, wie es sein Wort sagt. Nicht irgendwelche religiösen Ersatzhandlungen möchte Gott sehen. Er will nicht, dass wir uns gegenseitig im Spendenüberweisen und in der Anzahl der Gottesdienstbesuche übertreffen. Nein, Gott will, dass wir nach seinem Willen fragen. Dass wir vor ihm zur Ruhe kommen und ihn erst mal an uns wirken lassen. Gott ist es ganz wichtig, mit jedem von uns eine ganz persönliche Verbindung zu haben.

Und dann, aber erst dann, sind die Taten der Nächsten-iebe gefragt. Denn Jesus betont: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Und zu Letzterem gab und gibt es genügend Möglichkeiten.

Auch Martin Luther warnte seine Mitmenschen davor, nur in der sonntäglichen Gottesdienstteilnahme das gottgefällige Leben zu sehen. »Nein«, sagte Luther, »dein ganzes Leben soll ein Gottesdienst sein. Auch in deinem Alltag verrichtest du einen Gottesdienst. Vor allem, wenn andere davon profitieren, weil du ihnen in der Liebe Jesu Christi begegnest.«

Zur Zeit des Propheten Jesaja, da strichen viele Hun-gernde und Obdachlose durch die Gassen des hoff-nungslos überbevölkerten Städtchens Jerusalem. Klar, dass man da lieber die Tür zumachte, statt diesen Ges-talten etwas abzugeben. Aber das darf nach Gottes Wil-len nicht sein. Unmissverständlich ruft Gott: »Brich dem Hungrigen dein Brot!«

Das ist auch bei uns dringend nötig. Menschen, die Hunger haben, gibt es auch in Deutschland. Zugegeben, vielleicht nicht unbedingt hier bei uns in Schwann / Dennach.
Aber es gibt so manche Witwe, deren kleine Rente bei weitem nicht ausreicht. Die es sich einfach nicht leisten kann, beim Seniorenausflug mitzufahren oder sich mal einen Blumenstrauß zu holen. Oder da gibt es Familien, deren Kinder nicht ins Schullandheim mitkönnen, weil der Vater zu wenig verdient. Das heißt zwar nicht unbe-dingt hungern, aber es ist eine große Entbehrung.

Wie wäre es, wenn wir hier etwas aufmerksamer würden, wo wirklich Mangel bei uns herrscht? Wir könnten doch dort einfach und unkompliziert helfen, ohne viele Worte oder gönnerhaftes Gehabe. Das ist es, was Gott wichtig ist. Geprägt von seiner großen Liebe kleine Taten und Zeichen der Nächstenliebe tun. Und das richtet uns dann auch neu aus!


3. Was uns neu ausrichtet

Gott verspricht, dass es in unserem Leben nicht dunkel bleibt, wenn wir unser Herz für andere öffnen. Ich weiß nicht, wer von Ihnen das schon erlebt hat. Aber wer sich anderen freundlich zuwendet und sich auf sie einlässt, wird bereichert. Wer schon mal jemandem aus einer Not heraushelfen konnte, der weiß, wie es einem dabei inner-lich ganz warm wird.

Es können ganz kleine Zeichen sein. Zum Beispiel an der Kasse im Supermarkt. Da kommt jemand ganz eilig mit zwei, drei Sachen in der Hand. Warum diesen Menschen nicht vorlassen? Das kostet einen maximal zwei Minuten Zeit, bereitet aber dem anderen große Freude. Oder eben-falls an der Kasse: Dem vor mir Bezahlenden fehlen fünfzig Cent, um seinen Einkauf ganz begleichen zu können. Oder aber er muss wieder was davon ins Regal zurücklegen. Warum nicht die fehlende Münze einfach aus dem eigenen Geldbeutel holen und dazulegen? Das kostet einen selber nur einen lächerlich kleinen Betrag, bereitet aber dem anderen große Freude.

Aber Gott meint noch mehr, wenn er sagt, dass es in unserem Leben hell wird, wenn wir anderen nicht die Hilfe versagen. Doch jetzt kommt das Überraschende: Nicht weil wir anderen helfen, wird Gott uns helfen. Nein, es verhält sich andersherum: Gott bietet jedem von uns ein wertvolles Leben mit ihm an, das uns dann auch befähigt, anderen zu helfen. Das heißt, als Christen werden wir nicht aufgefordert, immer nur nach dem Wohlergehen anderer zu schauen. Nein, zuerst einmal sollen wir uns selber beschenken lassen. Gott bietet uns durch Jesus Christus ein neues, verändertes Leben an. Das ist nochmals eine ganz neue Ausrichtung! Wir erhalten ein Leben, das reich beschenkt ist mit Liebe, Hoffnung und allem, was wir zum Leben brauchen. So heißt es eindeutig bei Jesaja: »Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen.« Und als solch beschenkte Leute können wir dann wieder schenken.

Und dann, wenn alles das gelingt: Gott lieben, und den Nächsten, dann hören wir auch die Zusage Gottes bei Jesaja, dass er uns einen guten Weg führt: »Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen, und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.«

Gott richtet uns neu aus auf sich. Er verspricht uns: »Siehe hier bin ich!« Der Herr ist für uns da. Und so können wir auch für andere da sein. Auf die Einstellung kommt es an. Wer sich von Gott beschenken lässt, kann weiterschenken. Wer Barmherzigkeit erfährt, wird barmherzig im Umgang mit anderen. Wer seine innere Armut von Gott verändert bekommt, wird auch äußerlich Armen gerne geben. So ist es richtig!   
Amen



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.01 - 21.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 24.01.2018
15:45 Uhr:
Konfirmanden-Unterricht im GH Schwann
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 25.01.2018
10:00 Uhr:
Krabbelgruppe für Eltern mit Kindern bis drei Jahre im GH Schwann
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 26.01.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann